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THOMAS WREN WARD
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Tbe sum of $5000 was received in 1858,
" (he income lo be annually dcpendcil
for ihe purchasc ol books."
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und
Uebersetzimgen der Bibel
in ihrer Abhängigkeit
▼on der
innern Enftwickelnng des Jadenthiuns«
Von
Dr. Abnliam Geiger^
Babbiner der Sjnuigogen- Gemeinde Breslaa.
' BNilAU, Verlag ron Julias Hainaner.
1867.
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Vorwort.
Mit der frohen Zuversicht, welche die Frucht einer jeden redlichen Forschung isl, übei^gebe ich dieses Bnch sacblüodigen Lesern und sehe ich der Bestfi- iigung oder Widerlegung der darin niedergelegten neuen geschichtlichen Ansichten mit Ruhe entgegen. Sind dieselben begründet, so ist zur Feststellung und richtigeren Erfassung des Bibelwortes eine neue sichere Bahn geöffnet, ist eine gerechte Würdigung der alten Uebersetzungen erzielt, welche ebensoweit entfernt ist von der vornehmen Geringschtttzung der einen wie von der unbegründeten Erhebung der an- dern Seite. Sie sind nach dem ihnen vorliegenden Texte und nach den ihre Zeit beherrschenden religiö- sen Tendenzen zu beurlheileu und bieten uns somilg abgesebn davon, dass sie eine mit Kritik zu benut- zende Handhabe sind für die Auffindung des Ursprung- lieben Textes, ein wichtiges Mittel, die Anschauungen
ihrer Zeit kennen zu lernen. Aber auch die thalma- dische Tradition gewinnt nun erst ihre rechte Bedeu- tung. Zunächst für die Erkenntniss des Schriftvvortes. Was der kurzen, oft unverständlichen Wiedergabe der Uebersetzer erst abzulauschen ist, das giebt uns die Tradition in bestimmten Thatsachen und weitläu- figen Erklärungen, Allein diese Tradition ist in spä- ten Schriften aufbewahrt, nachdem sie einen harten geschichtlichen Process durchgemacht, nachdem eine Richtung des Judenlhums vermittelst innerer schwerer Kämpfe und äusserer mächtiger Schläge einen ent^- scheidenden Sieg errungen. Sie hat sich in die sieg- reiche halachische Anschauung kleiden müssen, und es muss ihre alte Gestalt unier dem neuen Gewände aufgesucht werden, und diese Aufgabe wird erleich- tert durch die Erkenntniss, dass eine grosse Anzahl bisher unbeachteter alter Trümmer vorhanden sind in Werken, bei denen zwar gleichfalls eine spätere Ceberarbeitung Statt gefunden hat, aber dennoch nicht mit voller Goosequenz verfahren wurde, so dass sie die alten Bestandtheile neben den neuen unver- mittelt aufbewahrt, und wegen dieser ihrer innem Widersprüche auch in den Zeiten, da man vom sieg- reichen Resultate beherrscht war, ihre Geltung ein- gebüsst haben. Um so wichtiger müssen sie uns
Dan als geschichtliche Denkmale sein, die ans treae Verktthder sind von der geistigen Bewegung einer Zeit, zu der die mit dem Stempel der Göltigkeit versehenen, weil der neueren Richtung vollständig anbequemten Schriften der thalmadischen Literatur nicht hinauffuhren. Man wird fortan das sogenannte rabbinische Alterthum nicht mehr vornehm ignoriren
dürfen, als stelle es blos einen späteren Thalmudis- mus dar; es ist der einzige verständlich redende Zeuge aus einer sehr alten Zeit, wenn wir nur seine Sprache zu deuten wissen.
Diese Erkenntniss kommt natilrlich nicht blos dem Yerständnisse der Bibel zu gut; sie ist von entscheidender Wichtigkeit itkr die richtige Auffassung eines der schwierigsten geschichtlichen Probleme, der Entwickelung nämlich aus dem biblischen Juden« Ihum zum Thalmudismus hin. Erst nun wird der organische Zusammenhang zwischen diesen beiden so verschiedenartigen religiösen Gestaltungen erkannt werden vermöge der nun entdeckten Mittelstufen und der mächtigen Gährung, welche innere Conflicte in dem Staatsleben der zweiten Tempelperiode er- zeugt haben. Das Thalmudstudium muss von nun an, wenn es den Anspruch auf Wissenschafllichkeit erheben will, sich ganz anders mit den Quellen be-
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{9Mm aU bii^her, es muss die ai^ hintangesetzt teo Wvrke m Ehren bringeD und die hoch über- 3cb&(^te babylonische Gemara auf die Stufe versetzen, die ihr gebQbrt als dam jttogsten nach bestimmten VcvMSsetzfingea «ongetrandelten Producte, als einem Mifteii Warke,, daa mit Unrecht den Anspruch erhebt, der treue M«nd des graueslen Aiterthnroe zu sein. — Was die Wi^senachafl als eine geschichtliche Wahr- heit fqr die Vergangenheit aufnimmt, das muss sie daao auch als einen neuen Frucbtkeim ausstreuen für die Fortentwickeluog des Judentbuma. Wenn der Boden der Geschichte aufgelockert wird and die Mächte aufgewiesen werden, die unablässig an ihm ^«arbeitet haben : so muss auch weiter der geschicht- liche Trieb wieder lebendig werden uod der Lebens- 9(tft weiter d«o Stamm durchströmen, um in neuer Frische ^istige Fruchte z» en^eugeur Die Erstarrung, der Tod eines j^den wahren religiösen Lebens, sich atüt^eud auf die angebliche Abgeschlossenheit^ welche Qiaipmbig bezeugt werde, mi!iss der Erkenntniss der geschichtlichen Bewegung weichen.
Mit dieser Aadeutung über die praktische Trag^ weite der hier ermittelten geschichtlichen Wahrheiten begnüge ich mich umsomehr, als mich bei den ange- stellten Forschungen wie bei deren Veröffentlichung
ptdkäsehß Absichben nicht im Bnlferntesten geleitet haben, das rein wissenschaftliche Interesse allein dam anreflle und massgebend blieb. Ich habe es allezeit iFersebm&hl, die Wissenschaft in das Schieppta« einer Part^aosicht zu nehmen, überzeugt, dass wahre Wisaensahafiilicbkeit von selbst heilsame Lebensresul- tate erzieteu werde, wenn ich auch jener Objectivit&t, welche auf das Leben und die sittlich-religiösen Resal* täte für dasselbe mit kaltem Bochmuthe hinblickt, nie huldigte. Daher war ich ebenso der Einseitigkeit gram, die sich die geschichtlichen Resultate nach ihren Voraussetzungen modelt, wie der Flachheit, welche mit ein paar dürftigen Gedanken oder gar
blos mit der Fähigkeit einer gewandten Darstellung sich der gründlichen Arbeit geschichtlicher Forschung überhoben dünkt.
Ich habe die gewonnenen Ergebnisse schmuck- los und unverhüllt dargestellt. Die Wahrheit bedarf der künstlichen Mittel nicht, dem Irrthume sind sie eine rasch gebrechliche Stütze. Meine Ansichten aber in das Gewand der augenblicklichen Mode zu kleiden, habe ich nicht gelernt und würde ich es auch, nach- dem ich mit diesem Buche nahezu ein Vierteljahr- hundert meiner Wirksamkeit schliesse, nicht mehr zu lernen fähig sein, wenn ich selbst die Lust dazu ver-
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spüren sollte. Doch danke ich aus tiefster Seele meinem Gölte dafür, dass eine solche Lost mich nie- mals angewandelt. In dem VeKraaen zur Wahrheit bin ich nie wankend geworden, und die Freude an der Erforschung und Verkündung derselben, wie ich sie nach meinen Kräften erkannt, hat mich allezeit begleitet. Um die Fortdauer dieses reichen Segens bitte ich Gott in Demuth.
Breslau, 23. Juni 1857.
Geiger.
Inhali
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Sinleitimg
Erst«« Buch.
Qeachichte der Bibel von der Rückkehr aus dem Exile
bis sa den Makkabäem (rom Ende dei 0. Jahrhunderts bis gegen 160 r. Ch.)
Erster Abschnitt. Die Zadokiten.
(Zedok and seine Nachkommen, in der Chronik, sie hiessen Zad- dikim, der regierende Hpr. Zaddik, Malkhizedek nndKhohen le- el ei Jon, seine Attribute Zedek und Zedakah, Simon ha-Zaddik; Gott als „eljon," Verbindungen mit dem Auslande, Garisimtempel, Oniastempel.) 20
Zweiter Abschnitt. Die Literatur.
(Die Hagiographen und ihr Charakter, Abneigung gegen Ammon und Moab, in der Chronik, das Buch Ruth, Philister, Mamser, Aristokratie und der Kampf gegen sie, Alkimos, die priesterlichen Vorschriften, die „Nibdalim,** Abgesonderten, und die Vermischten.) 38
Dritter Abschnitt Die Ueberarbeitung.
(Salem, Oniastempel, Bichem, Priesterrorschriften, Elasarlinie, Priesterherrschaft, Ammon und Moab, Nebukhadnesar und die Chaldier, Babbathfeier, PhiHster, frOherer Bibeltezt) .... 72
Zw«ltoi Baoh. Geschichte der Bibel von den Makkabäem bis sur ha- drianischen Zeit (i40 ▼. bis c 150 n. Chr.)
Erster Abschnitt Saddacäer and Pharisäer.
(Aristokratie und Bnrgerthum, die Duum^iri, Sugoth, IschkhoHm, Dajane Geseroth oder Geseloth, Genossenschaften, Cheber und Kheneseth, Differenaen: Auferstehung, Engel, Ueberlieferungen, Beinheit, Opfer- und Tempeldienst, Strahrerfahren, Feststellung des Heumondes, Wochenfest, Stellung su Herodes, die Masse, alte und neue Halachah) 101
Zweiter Abschnitt Anfertigung neuer Bibel-Ueber- setzungen, Abschluss der Teztes-Feststellung.
(Baiaigung des Textes, neue nieehische Uebersetiungen : Aquila und Tbeodotion, neue chald. Uebersetaungen: Onkelos und Jona- than, jerus. Thargum, Symmachus, Syrer, Punctation undAccen- toattoB, Saadiaa 150
vm
Dritter Abschnitt. Antisadducäische Aenderungen. Aeltere und jüngere Halachah und Hagg^dah. ^^^
(Priesterheiligkeit, Auferstehang, ältere Halachah: Zehnten, Fracht des vierten Jahres, ägyptisches Pessachfest, zweites Pessach, jüd. iSklavin, die vier Hüter, lügenhafte Zeugen; ältere Haggadah: Henoch, Moses* äthiopische Fraa.) 170
Vierter Abschnitt. Die zwei Makkabäer-Bücher.
(Apokryphen in der paläst. Tradition, Hasmonäer, 1. Buch derMak- kabäer sadducäisch-makk., das 2. pharisäisch-antimakk ) . . . KH)
Drittes Bvoli.
Ursachen und Gründe der abweichenden Textesrecensionen. Erster Abschnitt. Mangel an kritischer Sorgfak.
Helle
(Erstes thalm. Zeugniss, He finale, persönl. Fürwort der 3. P. Sing. Vulgärsprache , erklärende Lesarten. Zweites Zeagaiss, Ittnr Soferim^ karjan welo Khetbiban, Khethiban welo karjaa, Punkte über Buchstaben, schwebende Buchstaben) 231
Zweiter Abschnitt. Tendentiöse Aenderungen. 219
Erstes Capitel. Die Reinhaltung des Gottesbegriffes.
A. Die .Gottesnamen.
I. mn*» und .T.
(Tetragrammaton nicht ausgesprochen, ersetst durch Adonai und ha-Schem, Gotteslästerung, der Name Jah wird ▼erschlnckt) « .261
II. 0\lbK und bn.
(Aussprüche der Tradition, „Elohim*^ von fremden Göttern u. dgl , Umwandlung des Wortes „EU** und dessen Umdeutung, damit zu- sammengesetzte Eigennamen, Scbaddai) 270
ni. *)b5 und *i^?:.
(Moabitische und ammonit. Frauen, moab. Gottheiten, Moloch). . 200
B. Unpassende Ausdrücke. (Thikkun Soferim, die Khabod, Wohnen Gottes, Gestalt und Glieder, Gott und Menschen, nur Gott befiehlt, Gott thnt nicht Böses, Allwissenheit, Gott wird nicht gesehn, Merkhabah,
Schöpfungsgeschichte) 308
Zweites Capitel. Israel, Fremde, Fromme. (HSrten gegen Israel, Fremde und Proselyten, Aram, Philister, Tadel gegen Erzväter und Fromme, Buben, Simon, Levi, Juda,
Lea, Rebekka, DaTid, Rehabeam, Priester) .945
Drittes Capitel. SchamgefChi und Anstand. . . 885
Schlttsscapitel. Die Resultate 423
Ezcurs I. Mechiltha und Sifre 434
Ezcurs II. Das jerus. Tharg. zum Pentateuch 451
Excurs 111 Madinchae und Maarbae 481
Zusätze und Berichtigungen 401
Begisttf der wichtigsten Materien 40(V
„ „ erklUrtan Wörter 400
Einleitung,
Uie Bibel iat das Buch der Welt. Hinaufragend in die graae Vorzeit, hat dieses Buch in ewiger Jugend alle Zeiten dorchschritten, ist immer mehr der Lehrer geworden für Alt und Jung, hat eine Verbreitung gefunden, wie kein anderes Buch sich deren erfreut, und ist zum Gemeingut geworden aller Literaturen. Schon frühzeitig hat es das Qebiet der heimischen Sprache überschritten. Mit der Ent- stehung des zweiten Tempels hat man die Bibel nämlich im Heimathlande, in Palästina selbst, wo die aramäische Sprache das Uebergewicht erlangte, in diese übersetzt, und nicht lange nachher, im vierten und dritten Jahrhundert vor der gegenwärtigen Zeitrechnung, übertrug man sie in Aegypten nach und nach ins Griechische. Jene aramäische oder chaldäische Uebersetzung, Thargum, haben wir, wie neuere Untersuchungen festgestellt haben, jedoch nicht mehr itf ihrer ursprünglichen Gestalt; das Thargum zum Pentateuch, welches den Namen des Onkelos, und das zu den Propheten, welches den des Jonathan ben Usiel trägt, gehört diesen Männern nicht an, es hat seine Schlussredaction am Anfange des 4. Jahrh. n. Chr. in Babylonien erhalten, die jerusale- miscben Thargume zum Pentateuch und zu den Hagiographen erst im achten Jahrh. Die ägyptisch -griechische Ueber- setzung aber, welche die Septuaginta genannt wird, besitzen wir noch in ihrer ursprünglichen Gestalt und hat sie ledig- lich die Schicksale erfahren, welche überhaupt über Schriften solch hohen Alters ergehen. Bis zur Entstehung des Christen^ thums blieb die Bibel innerhalb des jüdischen Kreises-, aber soweit dieser sich ausdehnte, zog sie als Heiligthum mit AUe Parteien innerhalb des Judenthums, Sadducäer wie
Pharisäer und Essäer, verehrten sie in gleicher Weise;
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selbst die Samaritaner, welche sich schärfer abschieden, bewahrten den Pentateach, wenn sie auch die übrigen Schriften nicht annahmen, und haben ihn gleichfalls durch alle Stürme der Zeiten hindurchgetragen.
Mit der Entstehung des Ghristenthums erweiterte sich der Kreis der Bibel mächtig-, auf jüdischem Grunde erwach- sen, nahm das Christenthum auch dessen heilige Schriften an und brachte sie auch den Völkern, die bisher denselben ferne standen. Zuerst beschränkte sich die Kenntniss von ihr im christlichen üo^ise auf die griechische Uebersetsung^ deren sich auch die urchristlichen Schriftsteller, obgleich Jtiden, zumeist bedienten, und bald wurde aus dieser auch eine lateinische Tochterübersetzung, die Itala, angefertigt. Desto lebendiger ist um diese Zeit die Beschäftigung mit dem Urtexte unter den Juden. Die Deutung der biblischen Schriften steht um die Mitte des zweiten Jahrhunderts in det höchsten Blüthe, und die gefeiertesten Autoritäten der später angelegten thalmudischen und midraschischen Samm- lungen gehören dieser Zeit an. Um dieselbe Zeit eben sehen wir aber auch kurz hinter einander drei neue griechische Uebersetzungen, die des Aquila, des Theodotion und des Symmachus, und ebenso eine syrische Uebersetzung erstehen, von denen die ersteren vollständig, die letztere zum überwiegenden Theile nach dem Urtexte abgefasst sind; die Verfasser waren Juden, und wenn es der Eine oder Andere unter ihnen nicht war, so war er jeden&Us ein Jadenchrist oder hat unter jüdischer Leitung gearbeitet. Bald geht auch der Eifer für Urtext und Uebersetzungen au den christlichen Gelehrten - über. Während Orig|fnes am Anfange des 3. Jahrh. den hebr. Text in hebräischer und griechischer Schrift mit den vier genannten griechischen Uebersetzungen, zum Theile auch mit zwei anderen, welche, wie es scheint, blos einzelne Stellen übertragen und von Christen herrühren, zusammenstellte und die Septuaginta kritisch zu säubern bemüht war, suchte Hieronymus im 4. Jahrb., von jüdischen Lehrern im Hebräischen unter- richtet, zuerst die Itala enger zu ihrem Originale, der Septuaginta, zurückzuführen, dann aber, unter starkem
Widerstreben seiner Zeitgenossen, auch die Autorität dieser ▼erlassend; wandte er sich mit allem Fleisse dem hebr. Urtexte selber zu, und übertrug die meisten Bücher selbst- stkndig ins Lateinische. Während das Werk des Orig^nes, die Hezapla, bis auf eine, freilich nicht unbedeutende, Anzahl von Fragmenten verloren ging, haben sich die Arbeiten des Hieronymus erhalten, und aus ihnen und ande- ren sich daran anschliessenden Arbeiten ward dann ein recipirter lateinischer Text hergestellt, die Vulgata.
Von dieser Zeit an beruhigte sich das Cfaristenthum bis Eur Restauration der Wissenschaften, am Ende des 15. Jahrb., bei der griech. Uebersetzung der LXX und bei der lateinischen Vulgata, und bekümmerte sich um das Original gar nicht mehr; die Sorgfalt der Juden hingegen wandte sieh demselben in immer verstärktem Masse zu. Schon in der Mitte des 2. Jahrh. wachte man über dem Text mit so scharfem Blicke, dass man selbst Punkte, die in den Hand«» Schriften sich über einzelnen Buchstaben und Wörtern fan- den und die sicher Zeichen verdächtiger Lesarten waren, anft Gtenaneste angab und in eigenthümlicher Weise deutete. Man begann Varianten, die ELhetib und Keri, festzustellen, nahm es genau mit der Setzung der Lesemütter und machte die Brauchbarkeit der Schriftrollen, namentlich des Penta» teuchs, von der Hinzufugung und Auslassung dieser Lese- mütter, je nachdem sie an den einzelnen Orten stehen soll- ten oder nicht, abhängig, hielt an einzelnen ungewöhnlich, grösser oder kleiner oder schwebend geschriebenen Buch- staben fest, kurz die in das kleinste Detail eingehenden masBorethischen Studien hatten damals nicht blos ihren An- fing genommen, sondern bereiu eine breite Grundlage ge- wonnen. Diese Studien wurden eifrig fortgesetzt. Die Schulen der Halachisten und Haggadisten deuteten immer genauer den Inhalt der h. S. aus, sich eng an das Wort und den Buchstaben des Originals anlehnend; ihre mehre Jahrhunderte fortgesetzten Arbeiten bieten uns die thal- mudischen und midraschischen Sammelwerke. Die Thur- gemanim, die Uebersetzer, schlössen im vierten Jahrh. in Babjlonien die chald. Uebersetzung zu Pentateuch und
Ph>pheten ab, während, die jerusalemischen Uebersetzungen erst später ihren Abschlass erhielten. Die Schulen der Massorethen arbeiteten still weiter über den Text wachend und ihn mit der grössten Vorsicht umzäunend; einen Theil ihrer Resultate bietet uns schon der wahrscheinlich gegen das sechste Jahrhundert verfasste kleine Tractat: Sefer Thorah*) und der andere wohl etwas jüngere und verbrei- tetere Soferim. Beide bieten genaue Vorschriften^ wie man bei der Anfertigung von Abschriften biblischer Bücher zu verfahren habe , letzterer namentlich eine beträchtliche An- zähl in's Einzelne gehender massorethischer Feststellungen über den Text. Dem siebenten Jahrh. erst gehört die Hin- zuf&gung der Vocale und Accente zum Textesbuchstaben an, eine Arbeit, die sicher lange reifen musste, und in ihrer Genauigkeit von der hingehendsten Sorgfalt Zeugniss ab- legt Und nun gehen die massorethischen Arbeiten rasch ihrem Abschlüsse entgegen; sie umfassen alles Aeussere des Textes, zunächst, wie sie begonnen, die Buchstaben in's Auge fassend, nun aber auch Vocale und Accente nicht ausschliessend, ja zwei Schulen, die des Ben Ascher und Ben Nafthali, machen untergeordnete Einzelnheiten der Vocalisation, der Accentuation und der diese begleitenden Hülfszeichen (Makkef, Metheg u. dgl.) fast ausschliesslich zu ihrer Aufgabe.
Mit dem neunten Jahrhunderte schliessen diese Arbei- ten, welche den traditionell überkommenen Text genau nach dieser Ueberlieferung feststellen und das Gehörte auch wahrnehmbar für das Auge darstellen wollen. Die mit dieser Tradition Hand in Hand gehende traditionelle Bibel- erklärung treibt noch am Ende dieser Periode ihre neuen Schösslinge, die jerusalemischen Thargume, — und mit ihr im Zusammenhange steht noch eine neue Uebersetzung, welche dem Anfange des zehnten Jahrhunderts angehört, die arabische des Gaons Saadias. Aber nun war schon ein neues Moment eingetreten, von der Richtung unter den
*) Einer der sieben kleineo Tractate, welche von KTrchheim herausgegeben worden (Trankt a. M. 1S61).
Arabern angeregt^ von den Karaiten zuerst gepflegt: die wissenschaftliche Behandlung der hebräischen Sprache. und die selbstständige, auf natürlichen Grundsätzen sich er- bauende Bibelerklärung. Man nahm den Text, wie er ein- mal massorethisch festgestellt war, befragte aber nicht wei- ter, wie das Wort hie und da gesprochen werde, sondern fing an die grammatische Erklärung des Wortes und den Gesammtbau der Sprache aufzusuchen. In der Exegese verliess man freilich nicht ganz und gar die von den Alten aufgestellten Ansichten, für die Rabbaniten blieben dieselben sogar in ihren gesetzlichen Resultaten bindend; dennoch gingen auch diese neben dem halachisch anerkannten ihren eigenen Weg für die Erklärung der Stellen nach der wissen- schaftlichen Einsicht, die sie aus eigner Vertiefung in das ganze Schriftthum, ans allgemeiner philosophischer Bildung oder aus dem natürlichen Menschenverstände schöpften. Der Strom einer mündlichen Tradition versiegte umsomehr, als auch deren Faden abgeschnitten ward. Die babylo- nischen Schulen sanken nämlich gleichfalls, neue Gegenden, welche auch ihre neue Cultur hatten, traten in den Vorder- grund, die nordafrikanischen, spanischen, nordfranzösischen und provenzalischen Gelehrten arbeiten nun. Jeder nach seiner natürlichen Begabung. Von den Juden geht sodann mit dem Ende des 15. Jahrh. Kenntniss der hebräischen Sprache imd Verständniss der Bibel im Originale auch auf die Christen über. Anfangs unselbstständig und blos die Belehrung der Juden aufnehmend, erweiterten sie ihren Blick allmälig durch Benutzung der alten Uebersetzungen, durch Aneignung der Kenntniss des ganzen semitischen Sprach- und Literatürgebietes und durch Anwendung einer unbefangenen, oft scharf einschneidenden Kritik. Das Ver- ständniss der Bibel erhob sich durch eine rege allseitige Betheiligung zu dem Standpunkte, welchen wir jetzt darin einnehmen«
So sehen wir, wie die emsigste Sorgfalt sich ununter- brochen der Bibel zuwendet. Ganz vei'ächieden von andern alten Literaturen, die auf ihrem eigenen Gebiete verharren, dann Jahrhunderte lang der Vergessenheit verfallen und
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erftt später wieder durch wissenschaftliche Forschung neu aufgegraben und erschlossen werden müssen, tritt die he- bräische Literatur rasch auch auf andere Gebiete über^ wird sie von Geschlecht zu Geschlecht fortgeleitet, die wärmste religiöse Innigkeit hört nicht auf sie zu umfassen, treue Pietät leistet mehr für Feststellung und Reinhaltung des Textes, als der regste wissenschaftliche Eifer zu thnn vermag, die lebendige Tradition hört erst dann auf Buch- staben und Inhalt schützend zu umgeben, als ihr ganzer um- fang und der mündlich hörbare Laut vollständig niederge- schrieben sind, und die Ueberlieferungfn, noch ehe sie er- kaltet, empf&ngt an ihrer Grenzscheide sogleich die Wissen- schaft, um sie zu allgemeinen Grundsätzen zu gestalten. Welche mächtige Geistesarbeiten knüpfen sich an den Buchstaben der Bibel, und mit welch gewissenhafter Vor-» sieht und Verleugnung eigener Vermuthungen behandelt namentlich die alte Zeit selbst die geringsten Zeichen! Man dürfte nun erwarten, hier müsse ein alter, bis in die Zeit der ersten Entstehung hinauf beglaubigter Text vor- liegen, die Stimmen aller Zeiten müssten ihn uns in dem harmonischsten Einklänge überliefern. Und dennoch ist dem nicht so! Gerade die ältesten Zeugen, die griechische Uebersetatung der LXX und die samaritanische Recension des Pentateuch weichen von unserem massorethischen Texte sehr bedeutend ab, die drei anderen griechischen U^ber- setzungen, ^selbst die an dem Buchstaben mit ängstlicher Treue haftende des Aquila, sind auch nicht vollständig über- einstimmend, die syrische, auch wo sie offenbar unabhängig von der LXX ist, übersetzt gleichfalls oft einen anderen Text, selbst die recipirten Thargume, welche nach Onkelos und Jonathan genannt werden, haben einzelne, wenn auch nicht wesentliche Abweichungen, das jerusalemische Thar- gum zu den Sprüchen ist sogar längst als mehr mit dem Syrer denn mit unserm Texte übereinstimmend erkannt In den massorethischen Schulen selbst bemerken wir Mangel an Einstimmigkeit. Thahnud und Soferim weichen im Ein- aelnen von unserer Massorah ab, und diese selbst liefert WM eine Beihe von streitigen Stellen awischen „Madinchaö,"
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BabyloiiMmy und y^Ma'arba^/' Palltotmensem! Bei dieser überrAscbenden Unsicherheit möchte man sich bei altea Handschriften Raths erholen; aber gerade dieses Hül&mittel ist ans entaögen. Merkwürdiger Weise waren bis vor Kur- sem nur hebräische Bibelexemplare aus dem II. Jahrh. be- kannt; elrst in neuester Zeit hat man einen Theil (die drei grossen und die zwölf kleinen Propheten) aus dem J« 916 aufgefunden, welcher zugleich mit Vocalen, Aocenten und •Massorah versehen ist, und eine unvollständige Pentateuch- rolle aas dem J. 843, welche jedoch blos den nackten Buch- stabentext hat*). Und selbst diese verhältnissmässig jungen Handschriften bringen neue Verwirrung hervor. Die erster« bietet eine grosse Anzahl abweichender Lesarten, die, wenn sie auch nicht wesentlich sind, doch auffallend bleiben**), Vocalisation und Accentuation aber sind in ganz andei'er Arty und zwar nicht blos so dass die Zeichen eine völlig andere Gestalt haben, sondern auch das System hat mehr&che Verschiedenheiten von dem unsrigen***). Dem Pentateuch von 843 giebt aber der Einzige, welcher ihn kurz beschreibt, die verdächtige Note, es seien in demsel- ben „vielfache massorethische Fehler begangen und sehr oft Buchstaben und Wörter ausgelassen^' f). So verwirrt sich die Frage immer mehr. Die neuere Kritik aber hat sich bei keinem Texte beruhigt und ist oft mit grosser Selbst- ständigkeit, ohne irgend ein altes Zeugniss für sich zu haben, zu Werke gegangen.
*) Dm« sllo firfihereii Angaben von ttteren Handseliriftsn ttnkriiiaeh nad, Ut längst anerluuint, und das« die Inschrift einef Fenteto^ohroD« in Odessa, welche diese anf das J. 686 znrückführt (Pinner^ Prospectns der der Odeasaer Gesellschaft f. Geschichte n. Alterthümer gehörenden iltesten hebr. n. rabb. Mspte. Odessa 1845, 8. 6), nicht «cht ist, bedarf keines Nachweises.
•*) Pinner a. a. 0. 8. 20— 2(^.
*^) YgL den lithographirtea Habaknk bei Pinner im Aahing o dal. und dazn yorlttnfig Luzaatto in: Oostersche Wandelingea (Halichoth kedem) door G. J. Polak (Amsterd. 1846) ft. 28—30 n. 8. 87—39, Bödiger in A. L. Z. 1848 N. 169 S. 193 200, Ewald in Jahrb. d. bibL Wtasenach, I. 8. 160--172.
t) Pinner a. a. O. 8. 9.
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Das weite Aoseiiiandergehen der alten Uebersetsan- gen von dem hebr. Texte ist schon in alter Zeit nicht an- bemerkt geblieben; man hat jedoch der Erklärang dieser auffallenden Erscheinung keine besondere Anfinerksamkeit KUgewandt. Die ersten Christen^ welchen die griechische Siebziger-Uebersetzung als authentisch galt, die aber doch entweder selbst noch des Hebräischen so weit kundig waren, um deren Abweichungen vom Originale zu bemerken, oder von den Juden in der Polemik mit ihnen darauf hingewie- sen wurden, hielten am griech. Texte fest und schoben die Abweichungen vom hebr. Originale auf Schuld der Juden, welche sich später erlaubt hätten, beliebige Aenderungen mit diesem vorzunehmen, und den neu angefertigten griechi- schen Uebersetzungen des Aquila u. s. w. warf man geradezu Corruptionen vor, um die in dem Texte angeblich ausge- drückten Hindeutungen auf das Christenthum zu beseitigen. Nachdem jedoch der unkritische Parteieifer sich gelegt und Männer von Gelehrsamkeit und unbefangenerem Sinne im Ghristenthume erstanden, wie Origines und Hieronymus, da kam man zwar von seinem Vorurtheile gegen die neueren uebersetzungen nicht ganz zurück, wohl aber von dem gegen den hebr. Text, und, wie schon bemerkt, neigte sich namentlich Hieronymus immer mehr diesem zu, die Authen- ticität der 70 bekämpfend; er vertraut seinen jüdischen Lehrern und beruft sich zur Rechtfertigung seiner Ueber- tragung und Erklärung unumwunden auf die Zustimmung der Juden. Auf die Erklärung der Abweichungen jedoch, welche zwischen dem Original und den 70 sich finden, geht er weiter nicht viel ein; im Allgemeinen bemerkt er, die Juden meinten, die alten griech. Uebersetzer hätten mehr- fache Aenderungen absichtlich vorgenommen, weil die buch stäbliche Uebersetzung bei dem Ptolemäus — für den sie ihre Arbeit angeblich angefertigt — der Missdeutung unter- liegen könnte*). Auch im Einzelnen berührt er zuweilen einen solchen Grund, oder er sagt kurz, sie hätten anders
*) Yorr. mm Pentateuchi ond Vorw. in Traditiones sen qnaest Hebr. Ubronun Genes.
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gdesen. Ihm kam es hAuptsäcUich darauf an, wie {Lbersetast werden müsse, nicht aber, wieso die abweichende Erklärung entstanden. Als dann ein neuer Kirchentext, die Vulgata, sich feststellte, die Kenntniss des Hebräischen und selbst des Ghriechischen aus dem christlichen Kreise bald ganz schwand, vergass man die ganze Thatsache, dass Ab- weichungen vorhanden seien, und war somit vor den Be- onmhigungen seines kritischen Gewissens sicher.
Auch den Juden war die . Abweichung der 70 nicht fremd geblieben. Indem sie die Entstehung dieser für einen Ptolemäer angefertigten Uebersetzung durch Wundererzäh- langen verherrlichen, dem Griechischen in Niederschreibung (einer Uebertragung) der h. S. einen besonderen Vorzug ein- ränmen, hat sich auch in den thalm. Schriften eine Tra- dition erhalten, wonach diese Uebersetzer 13 Stellen, die emzeln angegeben werden, absichtlich geändert hätten, um Hissdeutungen vorzubeugen. Sonst wird der uebersetzung I im Thalmud nicht gedacht. Von den neueren Uebersetzun- \ gen kennt er nur die des Aquila (Akylas); sie wird vor- zfiglich gelobt, einige wenige Wortübertragungen werden zerstreut angegeben, weiter wird sie nicht besprochen. Die spätere Zeit nimmt von allen griech. Uebersetzungen keine Notiz; nur eine Anftihrung der „70 Alten^' taucht im II. Jahrh. zur Erklärung eines Wortes in der Mischnah auf, und diese AnfQhrnug selbst zeigt, dass Hai Gaon, bei welchem sie vorkommt, die Stelle blos vom Hörensagen kannte *). — Die Abweichungen des -Samaritaners werden von den Kirchenvätern nur spärlich, von dem Thalmud nur an einer Stelle erwähnt, wo die Hinzufügung als eine absicht- liche bezeichnet wird, um Sichern in den Vordergrund zu
*) Zar Erklftrang ron p't^ in Khelim 28, 2 sagt Hai in seinem Comm. ». St (vgl. D^ITOip D^iWa n^ ^ÜPtt V3ip, Berlin 1866, 8. 17), so ftbenetsten die „70 Alten*' da^ Wort pt9M 8p. 7, 16. Diese haben jedoch dort iifiq>ltentoß , was swar demselben Stamme angehört, aber doch das Wort derM. nicht so genau ansdrückt, wie das UtfteUa der Vnlg^ und es ist daher wahrscheinlich, dass ihm diese Uebersetinng ▼OB einem Christen mitgetheilt wurde, der etwa beide Uebersetinngen mit einander eombinirte.
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•teilen; natürlich hatte der Text dieser Abtriixmigen für sie keinen Werih| und sie stellen tlber seine sonstigen Abwei- ohongen keine weiteren Untersuchungen an. Die chal* dttischen Uebersetzongen endlich waren bis nahe auxn Ab- schlüsse des babylonischen Thalmuds noch flüssig; erst mit ihrer Schlussredaotion stehen sie als recipirte Autorität für die Rabbin^i da^ und die Commentatoren können daher auch bei einaelnen Stellen namentlich des Prophetentbar- gonui ihre Verwunderung über die Abweichung vom Texte nicht unterdrücken« Das jerusalemische Thargum hingegen hatte diese Qeltnng nicht, und wenn es auch vom 1 1. Jahrh. an*) zur Erklärung thalmudischer Wörter und Ausdrücke benutzt wird, so wird doch, niemals darüber gesprocheUi dass seine Uebersetzungen zuweilen in so seltsamer Weise den Text verlassen.
In ihrer vollen Bedeutung tritt die Frage erst im 16. Jahrh. auf. Neu erwachter wissenschaftlicher Eifer und erweiterte Erkenntniss verbinden sich mit dem lebhaftesten kirchlichen Interesse und dogmatischer Parteistellung, am die Frage recht in den Vordergrund zu drängen. Die christliche Welt erhält wieder die Kenntniss des Griechi- schen und Hebräischen und versenkt sich mit jugendlicher Lust in diese beiden Grundsprachen der Bildung und der Religion; die bis dahin todt liegenden Schätze treten alle ans Tageslicht und werden lebendig, ein . grosser Reichthum femliegenden Stoffes wird zusammengebracht und durch den Druck immer zugänglicher gemacht. So tritt nun der Gegensatz des hebräischen Textes gegen den samaritanischen und den grösseren Theil der alten Uebersetzungen, die noch dazu bald in Polyglotten neben einander gestellt werden, mit aller Schärfe hervor. Wird bei der allgemeinen wis- senschaftlichen Regsamkeit, bei der Bedeutung des Buches als der Grundlage der offenbarten Religion das Interesse zur Lösung dieser Frage an sich schon hinlänglich geweckt so wird es noch mehr geschärft durch das dogmatische Qe-
*) Hsl (in MMhsoMrin 1, 4, m. «. 0. S. ST), Chttuulel, NaAhaii b. Jedüel, Rascht u. A.
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wioht^ welches der Bibeltext selbst und die Richtigkeit oder Mangelhaftigkeit der früheren Auffassong vermöge der KirchenspaltaDg erlangt Die Reformstiony die Antorität der kirchlichen Tradition verwerfend; stützte sich einaig und allein auf den Text der hebräischen Bibel wie der nr- christlichen Schriften, und es war natürlich, dass sie nur am Originale, wie es eben vorlag, festhielt, und Luther fibersetzte nach diesem Originale. Bei der Geringachtung der in der Mitte liegenden Zwischenglieder musste es den Anhängern der Reformation darum zu thnn sein, diesen Originaltext als vollkommen gesichert zu betrachten und ihn gegenüber der kirchlich recipirten Uebersetzung, der Vnlgata, als entscheidend auftreten zu lassen. Ihnen galt daher nur der hebräiBche Text; alle Angriffe und kritischen Versuche von ihm abzuwehren, war ihnen eine religiöse, principielle Aufgabe. Die abweichenden Uebersetzungen wurden daher als gewichtlos, als mit zuftlUigen oder ab» sichtlichen Fehlem behaftet bezeichnet Umgekehrt ver- fuhren die Katholiken. Sie hatten die Vulgata als die sanctionirte Earchen-Uebersetzung zu vertreten, und es musste ihnen darum zu thun sein, recht augenßlllig die Nothwendigkeit hervorzuheben, dass man seine Zuflucht bei der Tradition suchen müsse, wenn man bei der Ungewiss- ( heit^ in welcher der Bibeltext schwebe, überhaupt ein siche- res Qotteswort haben wolle. Desshalb deckten sie die kriti- schen Blossen unsres Textes geflissentlich au^ entzogen ihm möglichst alle Stützen, verkleinerten die zu seinen Gunsten sprechenden Autoritäten oder drückten sie in möglichst späte Zeit herab, damit sie ihre Beweiskraft vertieren. hi diese Zeit mächtiger Qährung und zwar bereits in ihren Anfimg traf ^die grossartige Entdeckung eines jüdischen Kritikers und Grammatikers, Elias Levita's, der, von jenem Streite nicht berührt, ihn wie die Tragweite seiner Ent- deckung kaum ahnend, in unbefangener Forschung nach- [ wies, dass die Vocalzeichen und Accente jungem Ursprungs seien. Abbald wurde diese Entdeckung mit in den Kreis der Dizcnssion gezogen. Die Katholiken ergriffen sie be- gierig; die Unsicherheit der gegenwärtigen Ponctatioa ward
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als entschieden behauptet, das Werk später Massorethen musste hinter die alten Zeugen, die Uebersetzer, deren Abweichungen man häufig blos durch eine abweichende Vocalisation erklären konnte, zuiöicktreten, und mit den Vocalen sanken auch die Buchstaben, die als lebloses (Ge- rippe erst der belebenden Zeichen oder der lebendigen Aus- sprache bedurften. Diese gefährliche Waffe suchten pro»- testantische Eiferer ihnen zu entwinden, indem sie ihre Vertheidigung des gegenwärtigen Textes auch auf die Be* hauptung von dem gleichzeitigen Alter der Vocalisation ausdehnten. Im Laufe der Zeit gestalteten sich die käm- pfenden Parteien um. Die Katholiken zogen sich ziemlich ▼om Kampfplatze zurück. Im ersten Eifer mochte man gern zeigen, wie gefährlich es sei, sich auf den nackten Text stützen zu wollen, rüttelte man gern an demselben und trieb die Kritik recht weit, indem inan den Gegnern den Boden unterwühlte, sich selbst aber dann auf den Bo den des traditionellen Kirchenglaubens zurückzog. Allmälxg fiihlte man doch die weiterreichende Gefahr der Kritik; man sah, däss, sobald man deren Grundsätze frei walten Hess, auch die eignen Grundlagen erschüttert werden könn- ten, und — man schwieg. Umgekehrt ging es bei den Pro- testanten. Ihre freiere Stellung ermuthigte zuerst Einige, dann immer Mehre, die dogmatische Engherzigkeit in die- sem Punkte aufzugeben. Man fing an unbefangener zu untersuchen, gab in Beziehung auf die Jugend der Voca- lisation nach und begann bald, aller Fesseln ledig, mit dem Texte ganz nach eigner Auffassung zu verfahren. Weder der gegenwärtige Text, noch der abweichende des SamaritÄners oder der alten Uebersetzungen war massge- bend, man fand in diesem Mangel an Uebereinstimmung unter den nächsten Zeugen den Anspruch gerechtfertigt, sich seinen Text so herzustellen, wie man ihn nach seinen Voraussetzungen vermuthete. Der Eine hielt sich dabei mehr an unsem Text, der Andere mehr an den, «wie er glaubte, dass er den Alten vorgelegen haben müsse, und das Zünglein der Waage neigte sich meistens zu Gunsten des letstem, weil man hier mehr eigne Ejritik zu entfalten
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▼ennochte. Die Wissenschaft überwand auch diese Stufe der Subjectivität^ man überzeugte sich aUmälig^ dass unter den gegebenen Texten der massorethische 4er zuverlässigste sei, und wenn auch seine Untrüglichkeit beseitigt ist^ das Becht der Kritik an einzehien Orten nicht verkümmert wirdy erkennt man in ihm doch den sichersten Führer, den man nicht ohne Noth verlassen dürfe, während die Abwei- chungen von ihm, wie sie geschichtlich vorliegen, nur mit grosser Vorsicht hie und da als Hülfsmittel gebraucht werden dürfen. Wie die Differenz jedoch entstanden, darüber hat man sich noch wenig Rechenschaft gegeben. Willkürliche Aendemng, befangene Auffassung, Unwissenheit sind es immer, die man dem einen oder andern Theile zuschreibt, Erklä- mngsversuche, die grade bei der Geschichte der Bibel- erklärung höchst bedenklich sind.
Denn, wie wir es bereits im Beginne ausgesprochen ^ haben, ist es -bei der Bibel . am Unstatthaftesten, solche Mittel zur Beseitigung von Schwierigkeiten anzuwenden. Die Bibel war immer das Heiligthum der Juden, das sie mit gewissenhaftester Sorgfalt bewahrten, es war ihr Erbe und volles Eigenthum, das sie mit eingeborenem und über- liefertem Verständnisse umfassten; das mochte sie vor ein- seinen Nachlässigkeiten und Irrthümem nicht schützen, ^ aber konnte sie nimmermehr in den Zustand einer solchen Verwahrlosung bringen, wie die weite Kluft, welche [zwi- schen den verschiedenen Texten vorhanden ist, voraussetzen lässt. Dabei konnte man es bewenden lassen, so lange man die geläufige Phrase von „massorethischem Blödsinne'^ und „rabbinischem Aberwitze'^ im Munde führte, oder so lange man andererseits die griechischen Juden als vollkom- mene Stümper im Hebräischen betrachtete, die sich trotz ihrer Unbekanntschaft mit den ersten Elementen der Sprache keck an die Uebersetzung machten und so ihren Unsinn sn Markte brachten. Man hat sich jedoch längst überzeugt, dass die Massorethen zwar übertrieben ängstlich, aber nicht willkürlich verftihren, dass die Babbinen zwar ihre eigen- thümlicben Meinungen und Deutungen haben konnten, dass sie aber dennoch ebenso wie die Massorethen ein sehr fei*
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nes SprachgefUU hatten wie eben bei einer Sprache, in dw man lebt^ und dass eine Gesammtansdiauung des Inhalts ihnen als unveräusserliches Erbe zu eigen war. Man hlitte ebenso erkennen sollen, dass spätere alexandrinische Juden swar, nachdem sie einmal eine recipirte griech. Uebersetamig hatten, den hebr. Text bei Seite legen und überhaupt der hebr. Sprache weniger Aufmerksamkeit schenken mochten, dass aber in der früheren Zeit der Ansiedelung, wo der Zusammenhang mit Palästina noch ein frischer war, Männer, welche erst eine griechische üebertragung schufen, wahrlich nicht eignen Einfällen gefolgt sein werden. Wdr<- terbuch und Grammatik hatten sie nicht vor sich, um sich den Inhalt stusammen zu buchstabiren, und sie mussten nothwendig aus lebendigem Verständnisse heraus denselben wiedergeben. Und nun denke man sich dazu das fast kanonische Ansehen, das dieselbe unter den griech. reden- den Juden, die immer in Jerusalem ihre heilige Mutterstadt erblickten und mit ihr in regem Verkehr blieben, erlangte, die Verherrlichung, deren sie sich auch in Palästina er- freute, die Tradition, welche nur von einigen tendentiöeen Aenderungen sprach, niemals aber von schtüerhafter Un- wissenheit, und man wird eingestehen müssen, dass nur die selbstsichere Vornehmheit so kurzweg mit diesen alten Zeu- gen umgehn konnte. Und die Samaritaner, die in Mitten Palästina's lebten, sollten sie wirklich mit dem Pentateuche, der auch ihr Heiligthum war, ja ihr ausschliessliches, die einen dem Hebräischen so verwandten Dialekt sprachen und bis zur hadrianischen Zeit ihre Volksthümlichkeit und daher auch ihre traditionellen Besitzthümer sehr wohl wahr- ten, die mit den Juden doch immer in genauer Bekannt- ■ohaft blieben: sollten sie so gränzenloser Unwissenheit Ter* fiidlen sein oder mit so geringschätziger Willkür diesen Text behandelt, sich dem Spotte der Juden preisgegeben haben? Und dass gerade Samaritaner und LXX an se vielen Orten übereinstimmen, wober kommt dieser gemein- eame Fehler, dieses Begegnen in der Verkehrtheit? Und die Abweichungen, denen man bei spätem Uebersetaem, namenltich bei den ThargvmeQ begegnet, und die differi-
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reBden MassorethenschnleHi aach sie sehen ihrer ErkUrusg noch immer yergebens en^;egenl
Nor einen einzigen jüdischen Kritiker haben wir anf- suweisen, and dieser ftÜiKe die ganze Schwierigkeit nnd leistete, was mit seinen beschränkten Mittefai zu erzielen war. Dieser Mann war Asariah de' Rossi. Er war des Qriechischen nur sehr wenig kundige die Fragmentensamm* famg der drei spätem griech. Uebersetzer lag ihm nicht Tor, und er wusste nur Einzelnes von ihnen aus Anfthmn- gen, die syrische üebersetzung war ihm ganz unbekannt, und Ton den Abweichungen des samaritanischen Textes war ihm nur Einzelnes zugänglich. Aber er hatte einen glücklichen Takt und verstand sich in die verschiedenen Zeiten zu versetzen. Gelingen konnte ihm sein LOsungs- versuch nicht, aber er spürte das Ziel und er konnte lichte Blicke dorthin werfen. In dem 8. und 9. Capitel seiner Imre binah (Meor Enajim, Mantua 1574) beschäftigt er sii^ mit dieser Frage.« Er stellt sie nach ihrem ganzen Ge- wichte hin. Mit der einen Lösung, die er aufstellt, dass die alezandrinischen Griechen aus Hass gegen die Juden die Siebziger-Üebersetzung verunstaltet hätten, kann er sich nicht zufrieden geben; Philo und Josepfaus, die ihr auch in ihren Abweichungen folgen und sie so verherriiehen, der Thalmud, welcher mit diesem Lobe übereinstimmt und von der Verstümmelung Nichts berichtet, stehen dieser Er- klärung entgegen. Er stellt daher eine andere auf, die allerdings Hypothese bleiben musste. Es sei, meint er,« eine alte chaldäische üebersetzung von firühester Zeit her vorhanden gewesen, die frei übertragen habe und dann vie- len Corruptionen unterlegen sei; sie aber sei, weil das Ohal- däische die palästinensische Landessprache geworden, dem Volke geläufiger geworden als das Original, ihrer hätten sich daher die 70 wie der Samaritaner bedient, und das-' selbe Verfahren gebe sich auch in den jerusalemischen Thargumen kund. Dass hier Alles hypothetisch in der Luft schwebt, dass es abenteuerlich ist, die 70 aus einer chald. üebersetzung statt aus einem hebräischen Originale tt>ertragen zu lassen, sieht man bald, tmd soviel ma& auch
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die Hypothese Asariah's hin and her ventilirt hat, man hat sie nicht zur genügenden Erklärung auch einer einzigen Abweichung nur scheinbar zu machen gewusst Nur soviel sieht man in diesem Versuche als richtiges Gefühl durch- leuchten: Die 70 standen zur Zeit ihrer Uebersetzung nicht vereinzelt, sie standen auf dem Boden der damaligen all- gemeinen Auffassung, sie waren nicht unwissende Alexan- driner, sie waren Juden, welche das griechisch wiedergaben, was damals auch in Palästina galt Das ist sein gesunder Sinn, der in dieser Auffassung sich ausspricht; nur weiss er nicht anzugeben, wie dieselbe näher nachgewiesen und erklärt werden muss. Mit Asariah de' Rossi schliesst aber diese Untersuchung unter den Juden ab, und es kümmerte sich später Keiner mehr um Abweichungen von dem massorethi- sehen Texte; man war von dessen Verbindlichkeit über- zeugt, und der freie Blick, mit dem Asariah die entfrem- deten griech. Juden wieder in ihr geistiges Heimathland eingeführt und sie dort brüderlich begri^st hatte, verengte sich wieder immer mehr, die alten Brüder waren wieder Fremde geworden. Es ist ein Verdienst FrankeTs, dass er die Frage wieder mit den um so Vieles reichern Mitteln onsrer Zeit aufgenommen hat; in den Resultaten jedoch ist er nicht allein nicht über Asariah hinausgekommen, son- dern wieder hinter ihn zurückgegangen. Er findet, was dem mit der palästinensischen Literatur vertrauten Juden bei sorgsamer Betrachtung aller alten Uebersetzungen nicht entgehen kann, dass die 70 oft entweder ausdrücklich oder durch leise Andeutungen ganz specielle traditionelle Erklä- rungen wiedergeben, dass also ein enger Zusammenhang zwischen ihnen und Palästina Statt gefunden. Wieso nun aber die Abweichungen? Was bei Asariah, aber nicht zu seiner Genüge, die nichtjüdischen Alexandriner aus Hass und absichtlich thun, das lässt Frankel eine ganze Schaar von gläubigen Textverderbern aus Unwissenheit an der Septuaginta thun: Glossatoren, Diaskeuasten, Abschreiber u. A. vereinigen ^sich wie unter Verabredung, um diese Uebersetzung von Grund aus zu verderben. Das ist noch nicht genug; von einzelnen Büchern, wie vom letzten Theile
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deB ElzodiuSy sollen blos einzelne Fragmente in Ufebersetzung vorgelegen haben^ die dann später verkehrt zusammenge- setzt worden. Diese traurigen Schicksale, welche über dieses Werk ergangen sein sollen, genügen aber noch immer nicht) am seine gegenwärtige Qestalt zu erklären. Auch urspronglich, muss Fr. zugeben, wich der Text vielfach ab, und oft missverstanden die Uebersetzer das Original sd^ sehr, dass der Unsinn wieder auf sie zurückfällt. Die Hy- pothese von einer Uebertragung nach einem vorliegenden Thargum wird auch nicht verschmäht, und endlich soll auch noch eine samaritanisch-griech. Uebersetzung, von der die Kirchenväter einige wenige Stellen anführen, in die 70 ein- gedrungen sein und so ihren Text mit dem samaritanischen gleichgemacht haben. Umgekehrt aber wird angenonmien, dass die Samaritaner ihre Pentateuch-Recension sich erst aus der durch Missverständniss der Uebersetzer selbst, dann der Glossatoren, Diaskeuasten, Abschreiber u. s. w. corrum- pirten Siebziger-Uebersetzang zurückübersetzt haben! Welch eine Kette von widersprechenden Erklärungen, die geschicht- lich durch Nichts begründet sind und am Ende doch Nichts erklären! Wie ist es möglich, dass Uebersetzer, welche mit dem ganzen Geiste der damaligen palästinensischen Auf- fassung bis ins Einzelnste vertraut waren, solche Schnitzer machen sollten, wie möglich, dass eine recipirte hochgeehrte Uebersetzung solche Unbill von Seiten der Glossatoren u. s. w. erfahren sollte, wie möglich, dass in allem Wesent- lichen alle Alten bei ihren Anführungen in den bezeugten griech. Text einstimmen, dass alle alten Autoritäten, die ilexandrinischen Juden wie die Kirchenväter, von einer derartigen alten Ueberfluthung der 70 nichts wissen, keine Handschrift — und wir haben deren sehr alte — eine Handhabe bietet für diese seltsame Behauptung. Und nun gar dieses kreuzweise Eindringen einer samarit griech. Uebersetzung in die alexandrinische, und umgekehrt die Rückübersetzung dieser für die samarit. Recension! Kein geschichtliches Document ist vorhanden für die nahe Be- rührung zwischen griech. Juden und Samaritanem; wie aoUten jene ihre recipirte Uebersetzung nicht gewahrt
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baben vor Brdi^htimgen dioser, imd diese soUten »o wah»- Bumig gewesen seiii, sich ihren alten Text durch aoloh alberne Bäckübersetzongen an verunstalten, ohne daes ikraoi Systeme damit etwas an Gate kommen konnte. Dies «od Kotbbehelfei denen weit voraiuiehen ist, einfach einantge- stehen, dass man die Schwierigkeit, die schon allein 70 aad Samar. machen, nicht erklären könne« Die anderen geschieht- liehen Momente, die oben noch als abweichend nachgewie- sen worden, sind hier nicht einmal ins Auge ge&sst
Wie jedoch Elias Levita unabhängig von dem begin- nenden Streite die wichtige Entdeckung machte von dw Jugend der Vocalzeichen und Accente, so hat aooh S. D. Lttszatto, ohne die eigentliche Frage au berOhren, eiaeii wichtigen Beitrag su deren Lösung geliefert Die chil- dftischen üebersetzer sowohl, lehrt er, als auch Punotatwen und Accentuatoren haben die ursprüngliche Aussprache und Verbindung der einzeben Satzglieder zuweilen geflissentUch geändert, um das zu beseitigen, was dem schlichten Leeer oder Hörer hätte anstössig sein können. Wie er Dies in Beziehung auf Onkelos schon 1830 in seinem „Philozenns (Oheb Ger, Wien 1830)^' begründete, so hat er Dies in Beziehung auf Punctatoren und Accentuatoren in zerstreu- ten Au&ätzen, namentlich auch in seinem finagmentarisckan Commentare zum Pentateucke (Mischtbaddel, Wien 1847) und in den bis jetzt veröffentlichten drei Hefken fleinez Commentars zum Jesaias (Padua 1855—1856) nachgewiesen. Diese Andeutung, wenn sie auf die ganze Oesohiohte des I^sxtes und auf säomatliche aus dem Originale schöp&ttde Uebersetzungen ausgedehnt wird, mues wenigstens tbeilweiae einen Weg eröffnen zur Lösung der Gesammtfirage. Die Bibel, wird der bestimmter formulirte Grundgedanke lanlen müssen, ist nicht blos ein Buch des gelehrten Studimns ge- wesen, sie war zu allen Zeiten ein Buch fiir^s Leben, ihre Aussprüche sollten unmittelbar in den ganzen GManken- kreis oingehn, Wahrheitsn bekräftigen, Gesinnungen enao- gen, und es war die Aufgabe namentlich derer, die sie Ar den minder Kundigen bearbeiteten, sie so einzurichten, daM sie ihn nicht zu einem Ifissverskändnisse fuhren konnle^ So musste die Bibel einzeke kleine Umgestaltungen erfahren^
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die man gerade aas Ehrfurcht vor ihr und um ihren Einfluss zu verstärken^ mit ihr vornehmen musste. Dieser Orundgedanke gebt allerdings weiter, als Luzzatto ihn anwendet, vielleicht auch seine Anwendung gestatten möchte. Man wird flir die ältere Zeit nicht stehenbleiben bei einzelnen kleinen Vocal-- änderungen u. dgl., Buchstaben^ Wörter und Sätze werden sich gleichfalls diesem Gesetze habön ftigen müssen, sowohl bei dea Uebersetzem, auf deren Seite dieses Verfahren überwie- gend angewendet werden musste, als auch in unserem Texte. Man wird überhaupt mehr auf die innere Oescbichte der Bibel- aoffassung und -behandlung, wie sie im Zusammenhange mit der Gbschichte des Judenthums sich bildete und zu verschie- denen Zeiten umbildete, eingehn und auch die Spuren auf- suchen müssen, welche in der jüdischen Tradition selbst ßir diese Behandlung bald deutlich, angegeben, aber übersehen, bald angedeutet, aber verkannt worden sind. Die Untersu- ohang über die innere Entwickelung des Judenthums wird uns der sicherste Wegweiser sein, und sie wird ebenso- wohl sor Aufhellung der Geschichte des Bibeltextes und der Uebersetsangen beitragen, wie sie selbst yon der Be- Iracktong dieser Geschichte Licht empfangen wird. Wir wer- den die Trümmer, welche die spätere Tradition aus der alten 2jett aufbewahrt, aber theilweise mit ihren Producten vermischt, tlMtKreise ihnen die Färbung ihrer Zeit gegeben hat, aufsu- ehen, aoseondem und einheiüich wie in ihrer allmäligenUmge- ftaltnng susammenfügen müssen, so die Zeugnisse aus der Vor- aeit wiedw beleben, um durch Anhörung und Prüfung der- ■elbea ans den Thatbestand vergegenwärtigen zu können. Erst dann wird ein sicherer Boden gewonnen werden, dunkle Ge- biete eine neue Beleuchtung erhalten; wir werden dann erst den iBDem groesartigen Kampf des Judenthums erkennen und be- gitifion, wie es seine gegenwärtige Gestalt erlangt hat, ebenso aber auch den Process kennen lernen, welchen der Bibeltext dnrdbMunacben hatte, die kritischen Bemühungen ehren, welche ihniMOanaen von früherer, wenn auch meist in wohlmeinen- der AkticblanlerncamnenerVerderbniss gereinigt haben. Büsten mitfiniitaadiMem weitenGange durch dieJahrhunderlel
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Erstes BhcL
Geschichte der Bibel von der Rückkehr aus dem
bis ZQ den Makkab&ern
(Tom End« dea 6. Jahrb. bif gegen 160 ▼• Cbr.).
Erster Abschnitt«
Die Zadokiten.
Die beiden Reiche, Israel und Juda, zerfielen, und Donnerstimme der begeisterten Patrioten, der Propheten, verhallte vergeblich, wie sie auch eindringlich mahnend und ermuthigend, das Nationalgeföhl zu wecken, die Einigung herzustellen, heilige Gesinnung und Achtung für reine Gbttesverehrung zu beleben beflissen waren. Das Reich Israel entbehrte des Mittelpunktes, der Idee, die es aufrecht zu erhalten fähig gewesen wäre. Unter schwachen Wüst- lingen, die sich auf den Thron emporschwangen, unter Palastrevolutionen, die ohne Betheiligung des Volkes die Geschöpfe einer launenhaften und selbstsüchtigen Camarilla erhoben und stürzten, sich an das Ausland anlehnend, von ihm Hülfe erwartend, seine Sitten sich aneignend, ward es dessen Beute. Als die Angehörigen dieses Reiches in die Fremde getrieben wurden, mischten sie sich bald mit den Völkern, unter denen sie lebten, und gingen in ihnen au^ der Erinnerungen an ein früheres selbstständiges Volksleben, das nie kräftig in ihnen wurzelte, verlustig. Der Rest im ^ Lande, mit fremden Ansiedlem gemengt, bot auch bald ein Gemische religiöser Vorstellungen und bildete eine religiöse Mischpartei, die bfdd nach dem Hauptorte, dem die neuen Ansiedler entstammten, Khutha, den Namen Khutbim,
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bald nach der Hauptstadt des Reiches^ in dem sie ihren Sitz hatten, Samaria, den Namen Samaritaner erhielten. Auch das Reich Juda brach zusammen, aber nicht in Splitter, die zusammenhangslos verschwinden. In Juda lebte ein NationalgefÜh^ das durch eine feststehende und erbliche weltliche und geistige Macht vertreten und verkör- pert war. Hier war eine Königsfamilie, die den Thron von Geschlecht auf Geschlecht vererbte, und waren auch nicht alle Könige dieses Stammes musterhafte Regenten, so bil- deten sie doch immer den festen Mittelpunkt, um den das Volk sich scharte, und der Gründer dieser Dynastie, David, strahlte in so herrlicherem Glänze, je mehr er der Zeit entrückt wurde und sein Name mehr die Idee des glücklichen Reiches als die Persönlichkeit des alten Königs darstellte. Einen noch lebendigeren ideellen Mittelpunkt bildete das Nationalheiligthum, der Tempel zu Jerusalem, als dessen Träger die Priester und an ihrer Spitze deren Oberst (ha-Rosch), der Hohepriester (ha-Khohen ha-gadol) erschienen. Schon in der Tempelperiode war dieses Amt in einer besonderen Familie, der der Nachkommen Aaron's aas dem Stamme Levi, erblich. Von den beiden Söhnen Aaron's, Elasar und Ithamar, erhoben sich im Laufe der Zeit die Nachkommen des ersteren, oder die des von ihm abstammenden Zadok, sie galten als die würdigeren, in- dem Zadok und die Seinigen dem davidischen Hause mit besonderer Anhänglichkeit dienten, während die Nachkom- men Ithamar's oder des von ihm abstammenden Ebiathar and Achimelech, die als minder zuverlässig galten und von Salomo abgesetzt wurden, mehr als eine Seitenlinie betrach- tet wurden. Um diese beiden Häuser nun, um das davi- dische Haus und um das hohenpribsterliche Haus des Zadok, gruppirte sich das Volk auch noch nach der Zer- störung des Staates und des Tempels. Sowohl die als Trümmer in Palästina Fortsiechenden als die nach Babylo- nien Uebersiedelten fanden in ihnen die lebendigen Zeugen des eigenen in ihnen gekräftigten volksthümlichen Bewusst- Seins. Als die Aussicht zur Wiederherstellung Jerusalem's und des Tempels sich eröfihete, da traten wiederum be-
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geisterte Freimde de» Vaterlaüde«; Propheten wie Haggaii Zacharias und Maleachi, auf und feuerten das Volk an, ermunterten aber besonders die Häupter der beiden regie- renden Familien und drängten sie in den Vordergrund^ sie selbst ermuthigend und zugleich das Vertrauen zu ihnen anfachend. Serubabel ben Schealthiel aus dem davidischen Hause und Josua ben Jehozadak, der Hohepriester ans dem Hause Zadok's^ werden überall als die Häupter und Ftth^* rer bezeichnet, deren Namen dem Volke Zuversicht eitt* flössen sollten als Träger alten Adels und alter Volkswür- den. Die Propheten, die Männer mit der Oluth der Vater- landsliebe, mit der reinen Flamme religiöser Begeisterung im Busen, drohen, schmeicheln, stacheln ihr Qewissen, malen in lebendigen Farben ihre Grösse und Wttrde. „Spricht doch das Volk'' — redet sie Haggai an und be- ginnt damit seine Weissagungen — „es sei die Zeit nicht gekommen, nicht die Zeit, dass das Gotteshaus gebaut werde; aber Zeit ist es för euch, dass ihr wohlym*wahrt in euren Häusern sitzet, während dieses Haus wüst Ist!'^ Und er droht im Namen Gottes mit allem UnheilC) und die Drohung schreckt sie und das Volk, „und Gott weckte den Geist Serubabels, des judäischen Fürsten, und des Hohen^ priesters Josua und des übrigen Volkes,'' und sie beginnen einige Wochen darauf den Bau. Nach einem Monate muss Haggai wieder ermuthigend das Wort an sie richten. Der Bau erscheint dürftig; die nackte Wirklichkeit bietet im Vergleiche zur früheren Herrlichkeit nur einen bleichen Schemen. „Wohlauf, Serubabel, wohlauf, Josua, wohlauf, du ganzes Volk!" ruft Haggai ihnen zu und verheisst ihnen eine glänzende Zukunft. Nach Schelten und Dräuen wider das Volk wendet er sich nochmals an Serubabel, ihm Got- tes Gnade verbürgend : „ich werde dich nehmen, Serubabel, Sohn Schealthiers, mein Knecht, spricht Gott, werde dich anlegen wie einen Siegelring, denn an dir habe ich Wohl- gefallen." Zacharias in seinen symbolischen Gesichten schaut (Cap. 3) den Hohenpriester Josua, wie er vor Gottes Engel steht, aber auch den anderer (den Satan) zu seiner Rechten, um ihn au berücken; Gotty der Jerusalem wohl-
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Willy droht dem Hiiiderer, da doch Josiia das Schürholt il^ das auB dom Feuer gerettet worden, er lässt dieBem die Sflnden und die schrntttsigen Gew&nder abnehmen, Pracfat- gewiader und reinen Stimbund anlegen. Er ermuntert ihn und ULbsI ihn das herrliche Saatkorn und den prachtvoll gehaaenen Stein werden. Auch den Sembabel befeuert er mit dem Worte: ,,Nicfat durch Heeresmenge und nicht durch Macht, sondern durch meinen Geist gelingf s, spricht Gott.^ Es werden die Berge vor ihm zu Ebenen, er leget den Eck- und (Grundstein, in seiner Hand sieht er das Senkblei, and er mit Josua sind die beiden Strahlensöhne; der Prophet will, dass dem Josua silberne und goldene Kronen angefertigt werden, und er strömt über von begeisterten Bildern einer blühenden Zukunft Maleachi wendet si^ mehr strafend an die Gesammtheit; er tadelt die Priester, wie sie wirklich sind und rühmt den Priester, wie er seinem hohen wahren Berufe nach sein soll. Entfernter von den Ereignissen steht der Prophet Es schiel, selbst Priester; um so bestimmter drückt er den Wunsch und die Hoffimngen $nBy wie sie in der Brust der Patrioten lebten. David selbst der Hirt, der Fürst, der König (34, 23 und 24. 37, 24 nnd 25), die treuen Priester, die Söhne Zadok's, 4ie des Abfalls sich nicht schuldig gemacht, sie sollen in das Heiligthum treten, sie Gottes Tische nahen, sie seine Hut wahren, sie durch heiligen Schmuck und heilige Sitte aus- geseiohnet sein, sie ein besonders heiliges Erbe im Lande in Besita nehmen (40, 46. 43, 19. 44, 13 ff. 48, 11 ff.).
Der davidische Sprössling tritt jedoch bald gäiisli<A vom Scbauplatse; von Serubabel's Nachkommen werden blos noch einaelne Namen bekannt Esra und Nehemias treten an seine Stelle, und ihre kräftige That gilt ihnen ab Wappenschild. Der priesterliche oder xadokitisehe Stamm jedoch konnte seine Bedeutung nicht einbüssen; ihm blieb ja die hohe geistliche Würde des Tempeldienstes, und je weniger der junge Staat Selbetständigkeit gewinnen nnd Haoht entfidten konnte, nmsomehr ooncentrirte sich sein Leben in der Herstellung und Wahruug des Tempels und in der sorgsamen Beobachtung der ftir Um gültigen Vor«
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Schriften. War ja auch Esra, der Schriftkundige und Be- ^
ataurator der Lehre, selbst ein Priester, selbst Abkömmling des zadokiiischen Stammes! Die Berichterstatter aus dieser und der darauffolgenden Periode, deren Darstetton- gen uns die Bücher Esra, Nehemias und Chronik aufbe- wahrt haben, unterlassen es daher niemals, die Bedeutung der zadokitischen Familie zu ihrer Zeit wie in ihrer Auffassung und Wiedergabe der Vorzeit recht in den Vor- dergrund zu stellen. Sie betrachten und erzählen die alte Geschichte von ihrem Standpunkte aus, und absichtslos mischen sich da Züge, Ausschmückungen und Umgestaltun- gen in die Ereignisse des Alterthums ein, von denen die älteren Berichterstatter Nichts wissen. Der Chronist l&sst ■ die Geschichte des Reiches Israel ganz aus, und in der Geschichte des Reiches Juda ist er besonders ausfuhrlich bei David und den Königen, welche dem Tempeldienste geneigt sind, übergeht oder berührt nur kurz den Abfall anderer und bespricht Manasse's Busse, deren die früheren .Bücher nicht erwähnen. Noch höher jedoch stehen ihm die Priester. Den von dem Priester Jojada geleiteten König Joas lässt er nur so lange fromm sein, als jener lebt, lässt Jojada in der Gruft der Könige begraben werden, versagt aber diese Ehre dem dann abgefallenen Könige selbst Usiah's Leiden erklärt er durch dessen Kampf gegen die . Priester, namentlich gegen das Priesterhaupt Asariah (Q, 26, 16 ff.). Die Tempelordnungen fuhrt er auf Samuel und David zurück, und in den Priestergeschlechtem, auf die er mit Vorliebe zurückkömmt, unterlässt er es niemals, "" das Uebergewicht der Familie Zadok in alter und neuer Zeit fühlbar zu machen. Die Nachkommen Elasar's, des Ahnen von Zadok, sind überwiegend zahlreich gegen die des Ithamar, so dass David aus jenen die doppelte Zahl Priesterabtheilungen bildet als aus diesen (I, 24). Pinehas, der Sohn Elasar^s, heisst der Fürst von ehedem, mit dem Gott gewesen (I, 9, 2U); den Zadok selbst lässt er schon als Jüngling dem David heldenmüthig mit seinem Vater- hause beistehen (12, 28), nennt ihn zuweilen allein, mit üebergehung des Ebiathar, der urkundlich bis zu Adoniah's
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Sdiüdediebiuig von David besonders begünstigt tmd erst ▼on Salomo Verstössen ward (16; 39), bezeichnet ihn aus- drUcklich als Fürst des Aaronsstammes (27, 17) und lässt ihn bei dem wirklichen Regierungsantritte Salomo's noch- mals feierlich zum Hohenpriester salben (29, 22). Während der Chronist femer die Hohenpriester, welche urkundlich dar Ithamarlinie angehörten , mit Stillschweigen übergeht^ giebt er zwei Male (5, 31 ff* und 6, 35 ff.) eine Liste, nach welcher das Hohenpriesteramt in ununterbrochener Reihen- folge von Elasar^s Nachkommen verwaltet worden , aus welcher selbst Jojada, als Nichtzadokite, ausgeschlossen ist Dieser wird zwar ein Anführer genannt (II, 24, 6), aber nicht ein Priesterhaupt ; wo von diesem die Rede ist (V. II, vgL 2 Eon. 12, 11), wird Jojada's Name nicht genannt Die zweite der erwähnten Listen reicht von Elasar eben nur bis Zadok und dessen Sohne Achimaaz, während die erstere bis auf Jozadak, der beim Eintritte des Exils in Würden gewesen, den Vater des bei der Rückkehr an die Spitze gestellten Josua, herabgeht In dieser Reihe kommt noch ein späterer Zadok vor, dessen Vater und Orossvater gleiche Namen tragen wie die des älteren Zadok, und der le Uebersetzer hat noch einen dritten Zoduk — wie ihm Zadok lautet — , indem er diesen Namen für Jo- zadak setzt*). Die weitere Folge dieser hohenpriesterlichen Familie noch in acht Geschlechtem bis auf Jaddua herab, den Zeitgenossen Alexanders des Qrossen, wird Nehem. 12, 10 and II nachgetragen. Auch Esra's Stammbaum wird, mit Ueberspringung einiger Mittelglieder, bis zu Zadok und höher hinauf geführt (Esra 7, 1 ff.), und von Serajah, wohl Esra's Vater, wird eine ähnliche, wenn auch etwas abwei- chende Stammtafel gegeben (Neh. 11, II, vgl. 1 Ohr. 9, 11), und hier wie an anderen Orten werden die Glieder der Familie mit besonderem Nachdincke ab „Fürsten des
*) Dtt Bjrer üheneM in den Bflchern der Chronik den Urtext und geht selbststäodig seinen eigenen Weg (vgl. in Ktine: Bertbeaa, d. Bücher d. Chron. 8. XLVIII); in Büchern, in denen er von dergrieeh. UeberB. abhingig int, wie in Haggiti, giebt er den Nunen Josadak ge-
WIMMr«
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Gotteihanstti^ beMichnet^ imt^r Andern AsarUh nr Zint BiAiA'By weioher sügleich ausdrücklich als ,,Pri«8teriiaiipt^ dem Hanse Zadok's angehörig/' genannt wird (2 Chr. 31, 10 II. 13).
In dem nea reslMrirten Staate waren mithin die FriMter) namentlich die Familie der Zadokiten und an ihrer Spitze der aus ihr hervorgegangene zeitweilige Hohe- prieeter die Herrschenden» Schon unter den jndttiBeheii Königen der gpAteren Zeit, namentlich seit Joas und dann Josiah übten die Priester einen bedeutende Einfloss auf die Verwaltung. Allein noch hatte sich die Selbstherrlich- keit der Könige gegen diese Uebermacht des PrieBterthmna gestrkabt Als jedoch bei der Rückkehr die Naohkommea der jodäischen Könige die bereits gebrochene Macht wieder einnehmen sollten, da liess die Abhängigkeit von dem Aas- lande und der eigene Mangel an Muth von vom herem di« Wiederherstellung ihres Ansehens nicht aufkommen , und die ganze Macht, auch die weltliche, soweit das Lehnrrer* httltais« vom Auslande sie gestattete, vereinigte sich in der Hand der Priesterechaft In dem nun folgenden Zeiträume von nahe an vier Jahrhunderten, von Cyrus bis aum Haft* monäerkampfey huYSchten daher die Zadokiten unange- fochten im Innern, und der Einfluss der priesterlichen F»- triaier£smilien ward für die ganze Zeit des zweiten Tempels dMemd befestigt
Bei der Llmtäfanlichkeit der Worte und deren gleiclimi Ableitung lag es nahe, dieser herrschenden Familie der 2adakim den Ehrennamen Zaddikim, Gerechte, beim- legen, und dies umsomehr, als neben dem Priesterdienftte das Attribut ihrer Landeshoheit, weldie anderweitig dureh die Oberherrlichkeit der fremden Könige verkümmert war, Vorsugsweise im Richteramte, in der Ausübung der Bechta» pflege bestand. Während daher der Name der Familie im verherrlichenden Style des Lobgesanges Zaddikim, Ge- rechte, dann VolksAihrer, lautete, so war der Name des Familieshauptes, des herrschenden Hohenpriesters mit be- sonderer Betonung der Zaddik, der Gerechte^ was dann nichts Anderes bedeutete als der Fürst , odMr anok
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Hälkbiftedek) def KSnig der Oerechtigköit, Kftmen, weiche diese Pürsteti neben dem geistliclien des KholieX Priesters, oder bestimmter Kliohen le-el 'eljon, Priester dem höchsten Gbtte, filhrten. Ja, die Attribute des Zäddik, ^e Eigenscliaften, Daeh welchen er also heisst, Zedek und Zedakah erfahren mit der neuen Würde, welche ihre frSger emp&ngen, eine volle Umgestaltung In ihrer Be- dentung; sie sind nmimehr nicht blos Gerechtigkeit, eine Bedenttmg, die ihnen allerdings nicht schwindet, sie werden vielmehr auch zu bezeichnenderen Attributen des Fürsten! Heil, Sieg, Ruhm. Die Schriftsteller dieser Periode '^ fbiem mit diesen Worten Männer und Thaten, welche sie der Ver- herrlichung würdig glaubten. So rühmt ein Sänger jener Zeit, zum Preise Qottea auffordernd, der Israel und seine ' Fürsten emporgehoben:
£r richtet auf vom Staabe den Gebeogten,
Ans dem Kothe erhebt Er den Dürftigen,
Ihn sa setien neben Tyrannen**)»
Neben die Tjrannen, die über Seinem Volke,
£r macht die Unfruchtbare dei HaoMi
Zar Matter der Kinder fröhlich***), Halleliü«^-
*) TgL nwlter unten.
**) d^ iil ito BpMereti Sebriflent der Hemeher, der Tyrann, be- ■ttndan dar Fürst das Adelandes, der fremde Oberherr Israel*8« In der Bedentnng Herrscher, meist mit dem NebensinnS der Oewaltthlfitigkeit, findet sich das Wort dnrchgehends in Sprachen nnd Hieb, vgL anch HL. 6, 11. 7, 1. Die, einer spätem Zeit angehörenden Psalmen ge- bfanchen es stets im Sinne der Fürsten des Aaslandes: 47, 10. 88, IS. 107, 40. 118, 9. 146, S. Aach Hp^ heisst (parallel nf^)2^;) Kraft Ps. 61, 14. ffiob 80, 15. Diese Umwandloag scheint lanttchst yonD^yini vom Kriegslage bereit sein, hersakommen, so dass yT) derHeerföhrer, der Gewaltige bedeatete. Sollte es etwa mit dem grieeh. Titel d«r syr. Könige ^Xkupup^i sieh tthnUdi rerhahent - DDP "^3^ und Mhnaai nicht die Fürsten aas seinem Volke, sondern die übaf tili Virik ÜB Herrsehaft Ähren. Vidi, wtt« aneh richtiger 0*1(4 (wie 47, 10), da das llem dorch das folgende ""TVlIti Wicht aMfiiUan nnd Jod in War ver* wandelt werden konnte.
***) Das hünfige Bild für IshmL ^ Die Stelle 1. Sam. 2, 1—6 ist ofienbar eine andere Vertfoti dieser Stell« vnd dsr Hannah in den Mond gelegt.
?
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Nach einem Rückblicke auf den Auszug ans Aegyptem, einem Pl*ei8e Gottes gegenüber den nichtigen Oötzen, for- dert der Sänger Israel, das Haus Aaron's, die Gottes- fÜrchtigen auf^ nur auf Gott zu vertrauen, der ihrer gedenke und Segen spende Israel, dem Hause Aaron's, denGottes- fürchtigen. Nach abermaligem Lobe Gottes, der in der Niedrigkeit beistehe, fordert er zum Danke auf gegen GK>t^ es spreche Israel, es spreche das Haus Aarons, es spre- chen die Gottesfiirchtigen, dass ewig währe Seine Gnade! Denn Gott erhört im Leiden, drum ist besser auf Gott ver- trauen als auf Menschen,
Besser ist Tertranen auf Gott
Als Schatz zn suchen bei den Oberherren (Nedibim.)
Und gegen den Angriff aller Völker schützte uns Gh>tt Drum ist
Stimme des Jubels und des Heils
In den Zelten der Fürsten : (Zadikkim)
,,Gotte8 Rechte wirket Macht!"
Oeffbet mir die Pforten des Heils (Zedek),
Ich tret* hinein nnd lobe Gott.
Dies ist die Pforte Gottes,
Da treten hinein die Fürsten (Zaddikim)! (Ps. 118^118)
Die Priester, die Israel vertreten, die „Gerechten/^ sein« Führer, strahlen hier immer in der Vorderreihe. — Ein ander Mal freut sich der Sänger ob des Gottesschutses, der die Fürsten umgiebt und sie Tor jedem Unrecht bewahrt
Jemsalenii ring^s Berge um es,
Und Gott rings um sein Volk von nun bis ewig,
Dass nicht ruhe der Bosheit Seepter
Anf dem Erbe der „Gerechten,"
Anf dass nicht strecken die „Gerechten**
Nach dem Frevel ihre Htnde (Ps. 126, 2 ff.)
Noch bestimmter rühmt der Sänger einen dieser Fürsten, der als Priester und Siegesheld die Achtung des Auslandet sieh erswungen:
Der Ansspmch Gottes an meinen Herrn:
„Beta* dieh an Meiner Hechten,
„So dass Ich deine Feinde mache
„Zorn Schemel deinen Füssen 1"
Den Stab deiner BCacht sendet Gott von Zion ans;
Nun, herrsche in deiner Feinde Mittel
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Ddln Volk so kriegsbereit**) am Tage deines Heenngs in
heiligem Schmack, Von Mntterieiby vom Morgenroth des Lebens**) Ist dir geweiht der Thau deiner Jagendschar. Es hat*s geschworen Qott und Er nimmt*s nicht snrück: ^n bist ein Priester ewiglich, „(Ich schwör*s) bei meinem Worte*>^), Malkhisedek!<<
Und der Sänger fährt fort im Lobe des erworbenen Kriegesrohmes. (Ps. HO). Auch der zweite Jesaias kennt diese Benennung:
Kann ron dem Helden die Bente snrückgenommen werden? •
Oder kann der Qefimgene des Fürsten (Zaddik) f) entwischen?
Nnn, so spricht Qott:
Mag der Qe&ngene des Helden auch zurückgenommen werden,
Und die Beate des Gewaltigen entwischen:
So werde deine Haderer Ich doch bestricken,
Und deine Söhne werde Ich erretten« (Jes. 49, 84. 86.)
Auch in der Verheissung glänzender Zukunft sagt er:
Dein Volk, sie aUe Fürsten (Zaddikim);
Ewig erben sie das Land,
Der Kleine wird zu Tausend,
Der Winsige su m&chtigem Volke! (60, 81. 82).
Er ist es auch, der die Attribute des ^^Gerechten/' ^^die Gerechtigkeit^' in dem Sinne der Elraft und des Heils an- wendet und sie mit Worten in Parallelismus bringt, welchen diese Bedeutung ohne Zweifel angehört ff) Der emzige
♦) niT^7Tgl. S. 27 A. ♦*. Oder auch: tapfer.
♦^ y^ = ^^»^^»Koh. 11, lOundrÖnipIDin derBlisohnah: Jngend- nü; die Prip. von DHITp regiert auch dieses Wort, yielleicht ist auch ^CQ^ in gleichem Sinne an pnnctiren.
***) ^n*131 bV, Dieses n*131, das nur noch einmal im Hieb rot» kommt (5, 8 ) nnd auch dort Zierliche Anrede an Qott bedeutet, kommt in der Verbindung my) bv drei Male in Koheleth (S, 18. 7, 14. 8, 8), Tor» ohne dass die Bed. mit Sicherheit festgestellt werden könnte, scheint aber anch dort der Bede einen feierlichen Nachdruck geben su wollen.
f) p^lt also parallel mit ")U3 nnd entsprechend dem Y^'U', vielleicht schon mit einer sohlechten Kebenbedentnng, vgl. weiter unten.
ff) pllt und npllt stehen hier meist in den parallelen Versgliedem anr Seite die Worte: JTtn (HP WH. nmü"»), 3?m TÖTWi. ü'hv, TISD nnd Aehnliches, vgl bes. 43, 6. 45, 8. 84. 85. 46, 13. 48, 18. 59, 16. 17. 6<t, 17. 61, 10. 11. 68, 1. 8. 68, 1. Die Uebersetcung der 70 lu den Wor* Ita Jos. 45, 18: pS^ VVT!y^Pr^ ""D^K mit iy6 fyat^a €tvt^ fotit dmcuo- winfi ßa^tXia kann freilioh ein dem Zusammenhange eatspreohender
so
FürstMidieaarbohflinpriesterUohe&Palri^ welcher
im rahmvollen AndexJken bei der jüdisdien Nachwelt ver- blieb, Simon — entweder der Enkel des Jaddna, der am Ende des 4ten (oder am Anfange des 3ten) Jahrhunderts v. Ch. lebte, oder der zweite Simon, Enkel des ersten, — auf den daher die Volkssage alle einaelnen verherrlichenden Er- iBMnuigeii aus dieser ganzen Zeit zusammenbäufte, heisst demnach auch immer in den späteren Erzählnngen Simoft ha-Zadik. Das heisst nicht Simon „der G^erechte,'' wia es freilich bereits Josephus verdollmetschte, sondern eben Simon der Fürst aus dem Hause Zadok. Bei aller Ver- herrlichung, in der er strafalt, werden nämlich keineswegs Züge besonderer Gerechtigkeit von ihm erzählt, die ihm diesen Beinamen nach dessen ursprünglichem Sinne erwor- ben hätten; vielmehr erhielt er diesen Namen als einen Machen, der allen Fürsten jener Periode des jüdischen Staatslebens eigen war, der aber ihm, als allein aus der Fluth der Geschichte, in welcher seine Ahnen und Nach- kommet! untergingen, auch in der Nachwelt hervorragend, als Ehrenname verblieb. Josephns belegt Simon I., welchen er nur ganz gelegentlich erwiümt, mit diesem Namen, ohne jedoeh irgend einer verdienstlichen That von ihm zu ge- denken, nur will er, offenbar nach Vei*muthung, den Namen durch den Zusatz erklären: „weil er gegen Gott ehrfurchts- voll und gegen die Stammgenossen wohlwollend war"*). Die thalmudische Tradition kennt gleichfalls einen Simon ha-Zaddik, ohne dass mit Bestimmtheit anzugeben wäre^ ob sie den ersten oder den zweiten daruntw meint^ weil
erkürender Zusatz sein» mag aber antch dem Sprachgehraache jener Zeit, der den alezandrini sehen Uebersetzem nicht fremd war (vgl. nnten), entnemmen sein. — Für die Psalmen vgl! 182, 9: pT^Wa^^pTtt mit den zwei Parallelstellen das. Y. 16, wo l^tT, nnd 8. Chr. 6, 41, wo n^ivn. — In anderer Art wird der Ausdruck ^f^f W^l' '\ t:^^ unA 'V ^V^ oder ^tt^;^9 eia gana gewöhnlicher, der nur im Oeuteronominm vnd Jeremias je ein Mal aulUncht, während noch ZachariAS T^ \SVf^ «Ad Q£V V hat.
•) AltertM». Xn, i, 4. b wi üiuMg kmAnM^, $$a m ^ n^ t^ 6is» timfii^ ntti to n^g ttng l(t0piiovt ivwmm.
4t eben fn»! den gtnsen kngon Zfettraum Bwiiehen Esm «md den Ifakkabttern mit ihm acufttUt Sie lässt ihn viersig Jahre da» Hohenpriesteramt verwalten*), legt ihm daa wunderbare Begegniss bei mit Alexander dem OroeaeDy daas dieser nämlich ehrfiirchttyoll aioh yor ihm gebeugt habe^ weil sein Bild ihm in seinen Siegeszügen vorangegangen^), welche Sage Josephos chronologisch richtiger aaf Jaddnai Grossvater Simon's L, Burückfiihrt, macht ihn snm Vater des Onias and eines Simon (oder Simeli), von denen erste- rer den Oniastempel in Alezandrien gegründet habe*^^ wahrend Josephus denselben als Enkel Simon's IL in die Zeit der Maccabäerkämpfe versetit Von seinen Thatsm weiss sis ihn nnr im Olanae des hohenpriesterlichen Tei»- peldienstes daranstellen. Zwei Mal richtete er eine rothe Koh her, deren Asche cur Sühne bestimmt war, und für jede errichtete er ans eignen Mitteln einen besondenn Lanfiitegt), den Hohenpriesterdienst am Versdhnangstage ▼errichtete er in einer Weise, wie er später nie wieder gelang^ indem lu seiner Zeit alsbald alle günstigen Zeichen der ▼ollbrachten Sühne eintraten ff), er ward in dem Dienste an diesem Tage beim Eintritt in das AUerheUigste und beim Ausgange stets von einem anbekannten, weissgekleideten „Alten'' begleitet, während er in seinem letztooi Jahre diese Begleitung beim Ausgange yermisste und daraus schloss, dasB er in diesem Jahre sterben werdefff). Allein bei all seinem Eifer für den Priesterdienst legt sie ihm doch eine Abneigung gegen die übertriebene Enthaltsamkeit bei, welohe mit dem Nasiräatgelübde übernommen wird, und berichte^ er habe nie von dem Schuldopfer gegessen, das nach Ab- laufe des Nasiräats dargebracht wird, mit einer einzigen AusnahmCi wo er durch besondere Umstände dieses Gto-
^ i. Jmm ft» S. 6, 3. b. JoBiA 9a. 89a. vgl Wi^ikra r. «. 21. **) Barailha in b. Joina 69a. rgL Wv«bra r. o. 13 £nd«. *^) Bar. j. Jona 6, 3 und b. Meaachoili 109b. t) IfiMhaaä Parah 3, &. Baraitha J. SohtkaUm 4, % tt) TboM. Sotah o. 15, angel J. Jona 3, 3 und b* Joom 3ea. ttt) TboM. das. ang. j. Joina 6, 8. b. Joma 39b ond Xfanaekotli 109K vel Wij« r. c 31.
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Ittbde gerechtfertigt fand*). An diesem letztem Umstände haben wir fast den einzigen Charakterzag aus seinem Lebeni der auch mit dem in der ältesten Quelle**) ihm zugeschriebenen «Wahlspruche wohl übereinstimmt Auf drei Dingen, soll er nämlich gesagt haben, bestehe die Welt: auf der Lehre, dem Priesterdienste und auf der Uebung der Liebespflichten. Ihm, dem priesterlichen Patri- zier, galt also nicht das Priesterthum Alles; die ganze Thorah und die gute That musste damit sich Tereinigen. Das war es auch, was ihn in der spätem Tradition, wo das Priesterthum zwar nicht seinen Werth einbüsste, aber doch dessen Träger als verdächtig erschienen, allein aus der Fluth der Vergessenheit rettete. Darum ist die ganze Periode der zadokitischen Priesterförsten (der Zaddi- kim), welche auch bei Josephus so trümmerhaft und so unsicher erscheint, der thalmudischen Tradition auf ein Menschenalter zusammengeschrumpft, das sie mit dem ein- zigen Simon ausfüllt ; auf ihn überträgt sie alle wunderbare Ausschmückung, die die Volkssage dem alten Priesterdienste und dessen Verehrung bei Alexander vindicirte, auf ihn führt sie die einzige Thatsache und den einzigea Namen zurück, die durch bleibende Sparen der Erinnerung der Nachwelt nicht entrückt werden konnten, nämlich die Er- richtung des Oniastempels in Aegypten, und er tritt mit dem den Fürsten der ganzen Periode angehörigen Titel auf, als wäre er sein Eigenname, der daher im Thalmud nirgends erklärt wird, während ihn Josephus, durch ander- weitige Geschichtsstudien über die längere Dauer dieser
*} Thosseftha Nasir c. 4. angef. j. Nedarim l, 1 und Kasir 1, 5. Dasselbe ist auch b. Ned. 9 b. (vgl. lOa.) und Nasir 4 b. (ygl. 19 a) an- gefOhrt, iedoch mit dem charakteristischen Unterschiedet dass diese Ab- neigung auf das Schuldopfer eines NasirKers, welcher durch Verun- reinigung sein NasirKat unterbrochen, beschrankt wird, weil eben der spätere babylonische Thalmndismns die Verdieastlichkeit des Nasirftatf nicht angetastet wissen will!
♦•) Aboth I, 2.
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Periode belehrt, zu erklären bemüht ist, aber mit seiner Entstehung nicht mehr bekannt, ihn missdeutet*).
Ein allgemeiner Name dieser zadokitiscfaen Fürsten, welcher blos auf ihr.Priesterthum, nicht auf ihre Abstam- mung von Zadok hinwies, war der des 1^*"^? ^tf? (^I'V P^ „Hohepriester dem höchsten Gotte/' Der Name Gottes als „Eljon'' gehört eben dieser Zeit an'^'^). Das Buch Daniel spricht von Gott immer als dem K^i'?, und die Ihm sich weihenden Heiligen sind die T^^*'^^''^^)!?; in den Apokry- phen ist der stehende Ausdruck für Gott viifiatog allein oder noch mit &i6g oder nvQiog* zuweilen noch mit nayrox^roi^, nafifimadivs, T'^^^ oder '^ ^^ wird daher auch Gott fast aus- schliesslich in den Psalmen dieser Periode, namentlich in denkorachitischenundassafitischen, bezeichnet***), und ebenso in den alten hoch hinaufragenden Stücken des Gebetfor- mulars, in dem Spruche nach dem Schema, dem Emeth we-jasib, das die sp&tere thalm. Tradition als durchaus er- forderliches Pflichtgebet, ja als biblisch betrachtet, und femer in dem ersten Spruche des Achtzehngebetes, dessen drei erste Stücke den ältesten Bestandtheil bilden f). Auch der Tempel heisst daher bei Sirach: vuig itplcrov, d* h. |t^^ti1lf>l9. So scheint es auch eine, freilich höchst unwür- dige, List der Samaritaner gewesen zu sein, wenn sie beim
*) Bekanntlich wird von Ben-Sira c. 50 ein Hohepriester Simon, Sohn des Onias, hoch erhoben ; auch bei ihm bleibt es unklar, jnrelchen Ton den beiden bei Josephas genannten Simon er meint. Als Zeitgenofse der sadoÜtiBchen Periode Ittsst er aber den Allen gemeinsamen Namen ha- Zaddik lorück. — Dem gründlichen Simon Daran (sn Aboth) ist die Benennung auiFaUend: P^llt D)D3 DH^n: TTt^b DipTS ÜW^ «HDrU Vh^
**) Die Annahme, dass auch die Phönizier Gott ,,E]jon*' nannten, welche sich sumeist auf die Worte: Alonim vnlonuth des Plautus im PSnnlns (V. I, 1.) stfitzte, haben neuere Entdeckungen beseitigt, indem es nach Inschriften in lesen ist: nUlTMl D^^ItM.
•••) v»i« P«- *''• — W>- ''*• ''^- ^®- (' ^*^«)- ®*- ®*-
t) Beraehoth 13 a: in^lH ^^ MIT M^ rSTI MldM ^tk M^V b^ und
das. 21«: Mmim TT\ H^M. Darin heisst es nun: p^^ Vm^ m^in.
In dem ersten Spruch des Aehtzehngebetes : bSH rUp • • • * ]1^1^«7K, also
#t09 S^i^Off h ntanonQitmg, und dieser Ausdruck ist auch in die Ab-
kflnoBcr des Siebengebetes am Vorabende des Sabbat hes übergegangen
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Beginne des GhiecheDdruckes, wo de überhenpt eise sela: zweideutige Stellimg einnahmen^ ihren Garisimtempel nach dem^foc ^£kXiir4og benennen wollten*). Sie mochten sich fiir sieh bei dem Gleichklange mit ^^Eljon^' heruhigenoBd denaoeh den GMeohen gegenüber den Schein bewahren, als ob sie ihren Tempel dem ^^Grieohengotte^ weihten; allei» eine solche allgemeine Bezeichnung war nicht griech. Sitte^ Tiel- mehr hatte ein jeder Tempel seinen bestimmten Gott cum Patrone^ mid so ward wirklich der samaritankche Taaq»^ dem 0$os l^ipwg geweiht**). Auch die späteren Psahaea nennen Zion die ^^Wohnung des Erhabenen^' (46, &) odsr selbst ein&ch „das erhabene'^ (87, 5). Auch im Monde der i^tttem Historiker lautet es so. ^^Das Haus, wird dem Salomo verkündet, welches erhaben <1^^J^) war für jeden Vor- ttberaeiehenden, über es wird man staunen und spreehen etc/' (2. Chr. 7, 21)***). Daher ist es natürlich, dass die {»riestei^ liehen Herrscher, die im erhabenen Hause den Gottesdienst ▼errichteten, und zwar nicht blos die Zadokiten, aondera auch die späteren Herrscher, welche gleichfalls aus prie- sterlichem Stamme waren und die Würde des Hohenprie- sters mit der des Regenten vereinigten, nämlich die Ikdüska- bäer, mit Vorliebe diesen Titel eines „Priesters dem erhabenen Gotte^ trugen. In allen öffentlichen wie Pcivafc- documenten ward daher als Aera der Regierungsantritt des . . . , Hohenpriesters dem erhabenem Gotte 0^"^^ ^ ^^'^^ P3> aufgenommen ; diese Zeitrechnung erhielt sich lange, bis es den Pharisäern io ihrem Kampfe gegen die Üebermacht der Priester gelang, sie zu beseitigen f).
*) Joseph. Alterth. XII, 6, 5.
♦•) 2. Makk. 6, 2.
***) Ueber die Lesart in I. Kön. 9, 8. Tgl. ontes.
t) Die Worte der alten Faatenchronik (Megillath TbaaniUi), data der S. Thiflchri ein Festtag sei, weil an ihm die Erwtthnong QotUs in den Verträgenabgesohafft worden Hm^lH (oder nb'^tomonyM '»"IDreMnbna) <m*)l0r p, erkUrt eine Baraitha dahin, man habe früher geschrieben: Im Jahre dem und dem nach Johann, dem Hohenpriester dem erhabenen
Qotc» i)rh9 bnb bn;i p5 pnri> np\ ts n:M, Boseh ha-Schaifth i8b>.
Johann ^7rkaa ist fiberhanpt im Thalmnd der Beprisentaat der auf das königliehe Hobenpxiesterthiua Poch«iden, oad mag er wirklich aaek
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Der Krebaschaden eines herrschenden Patrifeiats^ daes nämlich das Staatsinteresse au einer Familientagelegen- sich Terengt, offenbarte sich auch bei den Zadokiten. Schon bei dem Rückzüge aas dem Exile erkennt man, wie die Propheten den Hohenpriester Josua nicht minder ab den Davididen Serababel drängen müssen^ wie Maleaehi den Priestern seiner Zeit die Würde des ächten Priesters als einen Spiegel vorhält Die Schriftstücke aus dieser Zeit^ welche das Bach Esra-Nehemias aufbewahrt hat, sei-
bMonder* saf d«ii gfenannten Titel und die Wiederberstellang^ der Aer* Werth gelegt haben. £iagei)lhri wurde aber sicher dieae Aeraniehtaisl, wie die Bar. meint, durch die Haamonäer als Gegensats gegen das Qria- ehenthunii Tielmehr war es ältere Sitte, die eine Zeit lang unter dem Drucke der Syrer unterbrochen gewesen sein mag und dann wiederher- gettellt ward. Ebensowenig ist dt^r eigentlicho Grnnd der Abschaffung «it der Bar. darin ku suchen, dass der göttliche Name nieht der Ent- wfirdigsag preisgegeben werden solle, weil s. B. Schuldbriefis, w«an sie besahll sind, in schmutzige Winkel geworfen werden. Unter dieser Haut religiöser Ehrerbietung versteckt sich vielmehr das politische Partei-In* teresse, geradeso wie die Zeloten, die Anhänger des Galiläers Theudae, unter einem ähnlichen religiösen Bedenken ihre republikanischen Gesln- ttungen den Pharisäern gegenüber geltend machten. „Wir beklagen uns tbar eaoh, Pharisäer, sagten sie, ihr schreibt nämlich den Namen des («lelMndiSchen) Herrschers neben den des Moses im Scheidebri«fe*' (Ja- digim 4, 8.x und sie heben bios den einzelnen Fall hervor, an den sie einen religiösen Skrupel knüpfen können, während sie eigentlich die ganae Aera nach der Fremdherrschaft aus politischer Antipathie verwarfen. — • Die pharisäische Tradition ignorirt sonst die Aera der Hohenpriester gaas «nd gar. Sie berichtet aus dem Alterthurae (Meehiltha Jithro Abeehn. VTQ Anf.; > Bosch ha-Schanah I, I; Sifire Behaalothoha m 4. Ifoe. 9, I.), man habe luerst nach dem Ansauge aus Aeg/ptea (Sifina noch: dann nach dem Einauge in Palästina), dann nach dem Bau des Tempels, dann nach dessen Zerstörung, dann nach den babyl., modischen oad persischen Herrschern gezählt; von einer spätem jüdischen Aera ist Uar kaiJie Bede. Die babyl. Gem. (Abodath EHlim 10 a.) kennt ftlr die spätere Zeit »ur die seleueidische Aera. Offenbar ward die Aera der Hehenpriester Anfangs bestritten, dann ignorirt und endlieh wohl gana vergessen. Ueber diese innern Kämpfe zur Zeit des zweiten Tempels vgl. unten. (Ob man nach' dem Befreiungskampfe unter Simon T)y)rh oder TÖMOb gezählt bat, wie man früher nach MünsinsehrilleB annahm, ift itt aaueter Zait doreh Bault^'s u. A. Untarfaehuagea aweHblhaft gawordaa).
gen ans den Ejunpf^ welchen die eifrigen Patrioten mit den Hohenpriestern und ihrem Anhange ara bestehen hatten. Diese wollten die ehelichen Verbincungen mit dem Auslände nicht aufgeben^ sie schlössen Bündnisse mit den Feinden des jungen Staates^ behandelten den Tempel wie ihr eignes HaaS| in welchem sie solchen ausländischen Gastfreunden besondere Zellen einrichteten (Esra Cap. 9 ff. Neh. 13, 7 £F.)- Der Eifer der angesehenen Patrioten gegen |diese Verken- nung der vaterländischen Interessen hatte nur eine knrse Wirkung und schüchterte die herrschenden Priesterfamilien nipht ein, Ihre Absicht war nicht, den Staat nach dem prophetischen, weihevollen Ideale herzustellen, der sich in sich befestigen und alle fremdartigen Elemente ausscheiden musste; ihr Streben war vielmehr, ihre Familien-Herrschaft möglichst weithin auszudehnen, soweit der jüdische Name reichte. Daher scheute es Manasse, ein Bruder des Hohen- priesters Jaddua, nicht, sich an die Spitze der Samaritaner SU stellen, wenn auch dieselben als ein thörichtes Volk ver- abscheut wurden*) und gewiss die Oberherrlichkeit des Tempels zu Jerusalem über den zu Qarisim angestrebt wurde; dennoch wollte man auch diesen lieber unter einem jungem Zweige der Familie bcstehn lassen als ihn sich ganz entfremden. Onias, ein anderer Sprössling der Familie, übernahm die Leitung der zahlreichen ägyptischen Juden und errichtete für sie in dem Bezirke zu Heliopolis einen besondern Tempel, der selbst bis in die späte Zeit hinein, die doch einen Abscheu vor einem jeden Dienste ausser Jerusalem hatte, wenn auch als ungesetzlich, doch nicht als ketzerisch galt**). Dass Dies, wie Josephus berichtet, erst beim Beginne der Makkabäerkämpfe, und zwar eben um diesen zu entgehen, geschehen sei, oder wie die thalm. Tradition angiebt, aus Eifersucht gegen einen andern Brur der, der zur Hohenpriesterwürde in Jerusalem gelangt war, scheint Beides sagenhaft zu sein, eine Deutung, durch welche die spätere ZiCit sich die Möglichkeit einer solchen ungesetzlichen
*) Birach SO, 26.
*•) Ifischnah Menadioth 18, 10. 11., Thowefth* das., b. dM. 109b. and j. Joina 6, 8.b. MegUlah lOs.
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Handliuig erklärte. Allein den ägyptischen Juden erschien 68 ndthigy ohne dass sie den Zusammenhang mit Jerusalem aufgaben^ einen näheren religiösen Einigungspunkt zu haben, nnd es ward ihnen auch von Jerusalem aus nachgesehen^ wenn auch nicht als berechtigt betrachtet
So richtete die hohenpriesterliche zadokitische Poli- tik mehr ihr Augenmerk darauf^ cLberall wo Juden wohn- ten^ den Zusammenhang zu erhalten und zugleich ihre Familieninteressen zu wahren als das innere Gedeihen, die Consolidirung und Concentrirung des jüdischen Staates nach dem Sinne der Propheten zu fördern. Und sicher waren nicht die letzten Sprösslinge dieses Hauses, Jason und Menelaas, die ersten, welche drückende Willkür nach Innen mit kriechender Nachahmungssucht nach Aussen, die Prie- sterdiinkel mit götzendienerischem Abfall verbanden. Der jüngere Jesaias, der mit so hochgeschwollenem Herzen be- geistert und begeisternd den Aufschwung des Volkes ver- kündet, kann doch die tiefe Wehmuth nicht unterdrücken beim Anblicke, wie wenig auch im Innern das religiöse Leben seinen Idealen entspricht, und man hört es ihm an, dass die herrschenden Priester diesen Abfall verschulden *). Mit edler Entrüstung schmäht er die Volksftthrer**), und der Herrschemame des Zaddik wird dem Dichter zum grausamen Spotte:
Per „Gerechte" geht m Granfle, und Keiner nimmts cu Herzen, Die »ygnüd^gen Herren" schwinden hin, und Keiner merkt, D«80 ob der Bosheit schwindet der „(Gerechte"! (Jes. 67, !.)•
Ein anderer Sänger betheuert, im schmerzlichen Auf- rufe zu Gott, seine Standhaftigkeit gegen Verlockungen wie auch gegen Strafen:.
Mag schlagen mich der „gnädige Fürst*'***) nnd lüchVgen mich,
Das Oel des Hauptes, nicht beräck* es mein Hanpt,
Denn immer noch ist wider ihre Bosheit mein Gebet (Ps. 141, 6).
Auch die andern Schriften dieser Zeit deuten auf solche
*) Vgl. besonders C. 66 und 66. ••) 66, 10 ff.
•^) ^ 7^ ^»««bei Jes. TOn '^T:H = TOn "D*)» (I. K6n. «0, Sl ). Dm Oel des Hauptes ist das Salböl, das den Priester nnd FOrrtea weihte.
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Zustünde und solchen Sprachgebrauch*). Die ganze Zeit ist in sich unsicher; auf der einen Seite Anhänglichkeit an den Zadokiten als dem Mittelpunkte des jungen Staats- lebens, als den Trägem des Tempeldienstes, und andere^ seits dennoch oft persönliche Abneigung gegen das vorwal- tende egoistische Streben der Herrscher!
Zireiter itbsebnltt.
Die Literatur. Die schriftstellerische Thätigkeit dieser Periode war nieht unfruchtbar, wenn auch nicht immer glücklich und von dem Schwünge getragen, der nur bei gesunder Vollkraft möglich ist. Wie sollte es auch anders sein? Das Volk hatte eine grossartige Offenbarungsliteratur hinter sich, war von einem selbstständigen, eigenthümlichen Qeiste durch- drungen; hatte eine eigne Sprache aus sich herausgeboren, voll Wohlklangs und Biegsamkeit, eineDiction, die malerisch und besonnen zugleich. Von diesem Volke war nur ein Theil eine kurze Zeit aus seinem Lande abwesend, während ein anderer, wenn auch der ungebildetere und. niedrigere, im Lande geblieben war. Nach einem kurzen Zeitabschnitte kehrt ein Theil der Vertriebenen zurück, und zwar der strebsamste, von Vaterlandesliebe durchglüht, voll Eifers, die alte Herrlichkeit wieder herzustellen. Sie kehren zurück aus einem Lande, das damals in der höchsten Blüthe seiner Macht stand und das bei den damaligen Zuständen Asien's einen hohen Grad wissenschaftlicher und künstlerischer Bil- dung besass; sie leben unter der Oberherrschaft dieses Volkes, treten dann in die engste, wenn auch gerade nicht freundschaftlichste Berührung mit den Griechen, welche da- mals die Früchte der vollen reifen, wohl schon überreifen Bildung nach allen ftir Cultur empfiinglichen Gegenden hin- tragen und dort reiche Saaten ausstreuen. So mischte sich alte eigne Cultur mit neuer fremder, erzeugt sich der Kampf um die Wahrung des eingeborenen Geisteslebens gegen den Andrang umfassenderer Geistesbildung fremder weit mäch-
•) Vgl. Sp'.^^iW 18,6. Hiob34,17. Ko)ieleth8,16«17. 5,7.8, tO.9, t a. 2.
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it Nationen« In di^em Kampfe soll das neue schwache Staatdeben, das aber doch eigentlich in seiner religiösen Eigentbümlichkeit seine kräftigste Wurzel hat| neu begrün- dety energisch befestigt werden. Wie konnte es da an Anregungen verschiedener Art, an dem Drange, den wogen- den Qeföhlen einen Ausdruck zu geben, fehlen, wie konnte diesem Drange der Verjüngung Schweigen geboten werden? Die Zeit war freilich einer solchen Verjüngung, einem kräf- tigen Aufischwunge nicht günstig. Schon in der Zeit des Verfalles der Königreiche Juda und Israel hatte die Sprache ihre Frische eingebüsst, der Aufenthalt der Besseren im Auslände hatte sie mit fremdartigen Elementen vermischti die Uebermacht fremder Nationen, die sich in anderen gei- stigen Voraussetzungen bewegten und diesen reiche Blüthen entlockten, schwächte die selbstständige Triebkraft, wie denn eine zu grosse politische Abhängigkeit vom Auslande, die den jungen Staat nicht zur festen Organisation kommen Uesi, die Volkskraft und den Volksgeist in ihrer Entwicke- long lähmte. Hiezu tritt dann noch der am Marke de« Gteisteslebens zehrende Wurmfrass des Buhlens um die Gnnat der fremden Herrscher von Seiten der Hochstehend den und daher der Anschmiegung an fremde Sitte und fremde Qeistesrichtung. Das nagt an der Literatur jen^ Periode, prägt einem Theile ihrer Erzeugnisse den Obarak* ter des Siechthums auf, aber erstickt sie nicht völlig.
Dieter Periode nun gehören die Schriften der drittea Ordnung in unserem Kanon, die Hagiographen oder Kh^ tknhim, ganz oder doch ihrem überwiegenden Theile nach an. Die alte jüdische Tradition, welche diese Bchrifkra ak eine besondere, in Beziehung auf ihre Heiligkeit, dea Chrad ihrer Inspiration gegen die früheren untergeordnete Oatinng hinstellt, beruht eben auf dem Bewusstsmn ihrer späteren Abfassung, und wie zwischen. Moses und den epä* tem Propheten eine Scheidung vorgenommen ward, so auch zwischen diesen und den Schriftstellern, welche dieser Zeit angehören, der man wohl heilige Begeisterung zuerkannte^ nicht aber die alte Pret>heteaigabe. Dieses in der Tradition sich forterbende Bewiisstsein war es, welehe die Sobeideog
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yeranUsste; der verschiedene Charakter and Inhalt dieser Schriften allein — welcher, genau betrachtet, selbst bereits ein Zeugniss fUr deren spätere Entstehung ist — hätte da- mals ihre Absonderung und Unterordnung nicht ohne Wei-
' teres bewirkt Ein solcher Scheidungsgrund, der doch aadi die diesen Schriften zugCMriesene untergeordnete Stellung nicht rechtfertigt, kann umsoweniger angenommen werden, als dennoch ein Theil dieser Schriften andern der ssweiten Ordnung vollkommen entspricht Mit den geschichtlichen Büchern in dieser, nämlich Josua, Richter, Samuel und Könige, den sogenannten „ersten Propheten,^' stimmen im Inhalte die Bücher der Chronik, Esra und Nehemiah, Esther, auch das Büchlein Ruth vollkommen zusammen, und Daniel trägt den Charakter der Prophetie an sich, wie er sich sei- ner Einkleidung nach demEzechiel und Zacharias anschliesst. Nur die geschichtlich sich forterbende Ordnung, mit der man die später verfassten Bücher den bereits niedergeschrie- benen in den Rollen, welche das ganze Schriftthum am£as8- ten, anreihte, stellte diese Scheidung fest, deren Gründe man zwar später nicht mehr kannte, die man aber gewissen- haft beibehielt Die griechischen Uebersetzer sind einer mehr
' logischen Eintheilung gefolgt, die Bücher ihrem Inhalte nach zu- sammenstellend, allein auf heimischem palästinensischen Bo- den erhielt sich diese Tradition und wurde massgebend.
Das äussere geschichtliche Zeugniss über die spätere Rangordnung dieser Reihe von Schrift^en wird aber durch diese Schriften selbst, durch ihren ganzen Charakter be- stätigt Man mag vielleicht dem Nachweise von der Ent- artung, Umgestaltung, anderen Färbung der Sprache nicht immer genügende Beweiskraft beilegen. Die biblische Literatur ist allerdings von zu geringem Umfange, um in ihr die volle Ausprägung der Sprachindividualität in jeder einzelnen Periode ihrer Entwickelung so genau und um- fassend finden zu können, dass jedem Ausdrucke, jeder Construction, jeder Satzverbindung das Zeitalter, dem sie angehören, mit Bestimmtheit angewiesen werden könnte. Die Abfttssungszeit keiner Schrift steht femer so unzweifel- haft fest, dass von ihr aus der sichere Ausgangspunkt
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geDommen werden könnte; einige sind Sammelwerkei die, dem gemeinschafltlichen Inhalte nach, Producte ans den Ter- ediiedensten Zeiten zusammenfassen, und dahin gehören ebensow<^ die Bücher der Könige wie die Psalmen und die Sprüche, deren älterem Theile der überwiegend jüngere rieh angeschlossen, Jesaias, dem die Dichtungen eines jün- geren Propheten angereiht worden; wieder andere haben im Laufe der Zeit, theils bevor sie niedergeschrieben wur- den und noch blos im Munde des Volkes lebten, theils auch nach ihrer schriftlichen Aufzeichnung bald mit bald ohne Absicht Ueberarbeitungen erfahren, die natürlich ihren frü- heren sprachlichen Charakter wenigstens hie und da ver- wischen. Und so mag noch mancher Umstand, hergenom- men von der eigenthümlichen Begabung des SchrifisteUers, der Individualität der Gegend, in der er schrieb, von dem Oeschicke, mit welchem er. frühere Quellen sich anzueignen wusste u. dgl., davor warnen, vorschnell aus dem Tone und der Farbe der Sprache die Zeit, in welcher das Buch ab- gefitsst worden, sicher beurtheilen zu wollen. Alle diese Betrachtungen sind geeignet, die doppelte Pflicht^ der Vor- sicht aufzuerlegen; dennoch werden sie nimmermehr dazu berechtigen, dass wir den hinlänglich geübten Blick schliessen nnd aujBTallende Sprachabweichungen als gleichgültig ab- weisen dürften. Den Büchern Koheleth, Esther, Daniel, E^ra und Nehemiah, Chronik z. B. ist das Qepräge des Sprachverfalls so entschieden aufgedrückt, dass nur Vorein- genommenheit es gewaltsam leugnen möchte, nnd auch in andern Büchern, wo die Kennzeichen nicht so durchgrei- fend und auffallend sind, lassen sich doch die sprachlichen Merkmale der Jugend, vereinzelte Ausdrücke und Rede- weisen nicht leichtweg beseitigen, und sind sie jedenfislls sehr brauchbare Stützen, sobald die Kritik an andern Wahr- nehmungen den Charakter der Zeit auffindet.
Der Zeitcharakter, welcher einem Buche sein bestimm- tes Gepräge aufdrückt, spiegelt vornehmlich die Begegnisse, Eindrücke, Bestrebungen und Anschauungen ab, welche ein Volk im Gange seiner äussern und innem Geschichte er- bkren und in sich aufgenommen hat Man muss sich in
die Seele des Volkes su versetzen, sein innerstes Leben, Streben und Dolden zu theilen, den innern Dran; des Her* Kens nachzuempfinden, aus seinen Erlebnissen und Bedfirf- nissen seine Anschauungen sich lebendig vorzuführen ver> saeheU; lun danach die passende Zeit einer Schrift beslinunea zu können. Wohl irrt man, wenn man vermeint, eineoi einzelnen Literaturproducte, noch dazu wenn es in dem allgemeinen Charakter des religiösen Lobgesanges u« d{^ gehalten ist, das einzelne genau umschriebene Ereigniss «b* lauschen zu können, worauf er zielt und welches ihn ver« anlasst hat; an der Mittheilung von einzelnen Thatsaohen ist die Geschichtserzählung aus jener Zeit überhaupt nicht reich, und die aus einem Ereignisse geweckte Empfindung malt dieses selten so, dass es bestimmt von ähnliehen, die sieh vielfach unter uns unbekannt gebliebenen Lagen zu« getragen haben mögen, unterschieden werden könnte. Nach dieser Seite hin ist von der Bibelerklärung, besonders aneh der neueren Zeit, vielfach gesündigt worden. Doch der allgemeine Zug einer Zeit findet sich in ihren geistigen Erzeugnissen immer wieder, und diesen unverkennbaren Stempel müssen wir aufsuchen.
Die Bruchstücke aus der damaligen Zeitgeschichte, welche in den Büchern Esra und Nehemiah enthalten sind^ offenbaren uns den Kampf, welcher mit verhältnissmissig geringen Mitteln gegen die Missgunst anderer kleinen Völ- ker in der Umgebung bestanden werden musste, wie der selbstständige Geist durch die engen, namentlich ehelichen Verbindungen mit diesen Völkerschaften, von welchen ganz besonders die Fürsten und die Priester sich nicht zurück- halten lassen mochten, und worüber schon Maleachi 2, IL bitter klagt, in seinem ersten Auüeichwunge alsbald gelähmt zu werden drohte. Diese beiden Bücher von so geringem Umfange kommen, wie von einer Beängstigung, der sie gar nicht zu entrinnen wissen, getrieben, immer wieder auf die- sen Punkt zurück und verweilen bei ihm am Ausfuhrlichsten. Davon handdit Esra 9 u. 1 0, und unter den acht Völkerschaf- ten, ans denen die Juden nach ihrer Rückkehr sich Frauen genommen, werden auch die Ammoniter und Moabiier
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waigMhrt In Nehemiah 2, 10 ff., werden al« besonders dtn Jnden feindlich gesinnt, den Tempelbaa sn hindern und ihr Bestreben su verspotten bemtüit, Sanballat, der Ohoronite, d. h. aus Choronaim in Moab, nnd Tobiah, der Ammonite, herrorgehoben und letzterer mit besonders bitte* rem Nachdracke „der ammonitische Kn^ht'' genannt, nnd 3, 33 ff« wird derlBericht über deren verachtenden Spott mid listiges Ankämpfen fortgesetit. Mit ihren Verdächti* gingen nnd Verftihrungskünsten gegen Nehemiah beginnt das 6. Capitel, schliesst aber (V. 17 — 10) mit dem tranri* gen Berichte, dass Tobiah einen ansehnlichen Anhang nn» ter den Jndäem selbst hatte, wie die Vornehmen Juda's einen häufigen brieflichen Verkehr mit Tobiah anterhielten. Viele in Juda seine Bundesgenossen waren, da er die Toch- ter des Schekhaniah, Sohnes Arach, sein Sohn aber die Tochter des MescbuUam, SolmesBerekhiah — offenbar zweier angesehener Judäer und wahrscheinlich Nachkommen Seru« babel's*) — zum Weibe hatte, wie dieselben nun dem
*) n*)M p n*^2«Ü kommt sonst nicht vor, was bei einem Manne, der ofTenbar zn den Angesehensten gehörte, auffallend erscheint. Unter den Nachkommen Senibabel^s wird jedoch ein Schekhaniah genannt (I. Chr. 3, 21), daselbst auch ein Aman (p^lt); bei dem entweder abgekorsten oder eomunpirten Berichte in dieser Stelle ist es wohl möglich, dass Sehekh. der Sohn diei^es Aman war. Aman ist aber ein Name, den mau sonst nicht weiter findet, nur der jebusitische Besitzer dos Grund- stücks, an dessen Grenze die Pest aufhörte, welches David daher an- kaufte, um einen Altar daselbst zu ei richten, und wo, nach dem Berichte der Chronik, auch der salomonische Tempel erbaut ward, heisst in der Chr. I 21, 15 ff. und II 8, I. dnrchgehends Oman (p*)^>, wXhrend er 2. Sam. 24, 18. Arawnah oder Aranjah oder Aranwah lautet, ein Name, der wohl fremdIXndiseh ist wie sein Besitzer und nur vom Chronisten etwas hebraiairt wird. Man darf daher vermuthen, dass der Nachkomme Seru« babers Araeh (wie hier), ein Name, der noch sonst vorkommt, geheissen bab« und unser Schekh. b. Arach mit dem dortigen Serubabeliten iden- liaah aal, daaaen Sohn6ckemiü<^ (1* ^^r* ^i ^2-) wohl mit dem in Nah. 9, 29. wiedar dereelba ist. — Auch Meschullam b. Berekhiah ist sieher ahi Kachkonme Sarubabers. 1. Chr. S, 20 nftmlioh werden als Kinder Sor.*a genannt t Meschullam, Chananiah nnd eine Tochter Sehelomith, dann «erden in V. 80 fünf Peraonen genannt mit der ansdrücklichen SeBininuig anr FfinfEaU und dann V. 21 die Söhne Chananiah*8, des swaiieB Soknaa Ber'ji, Mi%esSUt. Maa begraill ni^t, mm diaae Aal in
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Neh.. vom Tobias erzählen *)y diesem die AngelegenheHen des NeL yerrathen und Tobiah selbst ihm aach Drohbriefe anschickt Ausser dem allgemeinen Berichte Cap. 10 V. 31 ttber Beeidigung und . Beaufsichtigung^ sich nicht mit den umliegenden Völkerschaften — den LandesTölkem — su verschwägern, wird abermals in dem Schlusscapitel des Buches ausführlich darauf zurückgekommen. Es sei nämlich, so heisst es dort am Anfange (V. 1 — 0), aus dem Buche Moses die Stelle vorgelesen worden, dass kein Ammo- nite und Moabite in die Versammlung Gottes bis ewig kom- men solle, weU dieselben den Israeliten nicht mit Wasser und Brod entgegengekommen und den BUeam zum Fluche
dar Mitte stehenden Personen sein sollen ; sind snch sie SShne 8er.*s, so ist .es seltsam, dsss eine Tochter in die Mitte hineingeschoben wird, und jedenfalls mfissen sie mit den swei frühem sosammengesählt werden, und es wären somit sieben, nicht fünf, wie ansdrücklich hinzngeftigt wird. Dass vom erstgenannten Sohne Ser/s weiter keine Notiz genommen wird, ist aofFallend, wenn es sich aach erklären liesse. Die Schwierigkeit löst sieh jedoch, wenn man annimmt, die fünf Personen von V. 80 seien ^ Söhne des Meschallaro, des ersten Sohnes Ser.*s. Unter denselb«i heisst nun einer — Berekhiah; dessen Sohn hiess dann wieder Meschnllam, nach seinem Grossvater nnd ist wohl derselbe, welcher auch Neh. 8, SO. Torkommt Sehekhianiah nnd Meschnllam wären demnach beide Ur- enkel Ser.*s.
•) Im Texte: ""S^ D'n?5W I^H WilÜ; das heisst nicht „seine Vor- ■^ff^i'* n"®ui® goten Eigenschaften,** sondern „Nachrichten, Reden** gleich n^?, das auch seiner ursprünglichen Bedeutung nach nicht den fibeln Sinn der Verleumdung in sich schliesst, sondern ihn nur dureh das hin- sugefiigte T\3f) oder durch den Zusammenhang erhält und ursprünglich blos heisst: Gerede, Gerücht, Leumund (das dann auch im Deutschen cum Verleumden wird). Unser HDltd ist die verstärkte Form, ohne alle Beimischung eines Übeln Sinnes (wie es der gr. Uebers. richtig er- kannt : tovg Xoyovg avxov) grade wie das sjrr. H2HtS und das mischn 2^t?, welches auch die jerus. Thargnme gebrauchen. Für das Syrisch« nnd Thargnmische geben die Lexika die Beispiele, die Misehnah hai blos den Ausdruck: ^T^ 119 (oder l3tp, dem Stw. 22t^, das im Syr. üblich, vollkommen entsprechend) in der gans allg. Bed.: was ist^s mit ihm? wie verhält sich's mit ihm? vgl. Mischn. Berakhoth 4, S. (nach LA der jerus. Gemara). Khethuboth I, 8. 9. Baba mena 1,8. Bekhoroth 6, 8. Okosin 2, 9. Thesseftha Oholoth o. 17 und sonst, nnd diese Aus- dmcksweise kommt gans ebenso im Byr, vor: Bath 2, 6. 8, 9. Loeat 7, 89.
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gegen sie gemiethet; durch diese Einsch&rfung ermontert, habe das Volk jede Vermischnng ausgesondert Nun wird wiederum Über den engen Verkehr des Tobiah, den dieser sogar mit dem Hohenpriester Eljaschib gehabt , berichtet^ so dass dieser jenem eine zur Aufbewahrung heiliger Gegen- stftnde bestimmte Zelle eingeräumt hatte^ die Neh. nun erst wieder reinigen musste und sie ihrer früheren Bestimmung surückgab. Und nochmak kommt (V. 23 bis Ende) ein neuer Bericht^ dass die Judäer ihre ausländischen Frauen wieder surttckgenommen haben; hier werden blos drei Völker* Schäften genannt; und zwar neben den Asdoditem (in Phi- wieder die An^noniter und Moabiter. Neh. lässt es
Mal nicht bei Warnungen bewenden , sondern greift niit persönlicher Züchtigung ein, er weist sogar Nachkom- men des Jojaday Sohnes des Hohenpriesters Eljaschib, weg, die sich mit dem Choroniten Sanballat verschwägert hatten. Und so schliesst Nehemiah gerade wie Esra. Bekanntlich hat Josephus*) dieselbe Thatsache^ wenn auch in einigen Umständen abweichend, nämlich dass Sanballat, ein Khu. thäer, vom persischen Könige zum Satrapen Samaria's ein- gesetzt worden und seine Tochter dem Manasse, Bruder des Hohenpriesters Jaddua, gegeben habe, welcher nach Neh. 12| 1 1 der Enkel des Jojada gewesen, und beide seien dann die Qründer des samaritanischen Tempels zu Qarisim geworden. Es wird hier offenbar dieselbe Geschichte nach einer etwas verschiedenen Relation mitgetheilt
Diese Entfernung von den Nachbarvölkern, wohl na- mentlich von Ammonitem und Moabitem, und ^e dadurch erzeugte Erbitterung gegen eiue Amalgamirung lag aller- dings im Charakter des Judenthums, das seinen Offenba- nmgsglauben gegenüber dem Götzendienste zu wahren hatte, und musste schon früher in den gegenseitigen Be* siehnngen und schriftstellerischen Darstellungen hervortreten. Aflein zu solcher Entschiedenheit, zu solcher durchgreifen- den Consequenz im Volksleben war dieser Gegensatz erst jetzt gediehen, wiederum erzeugt durch di6 göttliche Wal-
•) Aotlqu. n. 7, a und &
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tung, indem ohne ihn der schwache judiÜBche Best seine weltgeschichtlich belebenden Ideen nicht nochmalB in yer- jüngter Kraft hätte entfalten können. Dieser schärfere Gegensatz muss sich daher in den Berichten ansprägen, welche uns diese Periode von der Geschichte der Vorzeit liefert; sie musste die alten Begebenheiten im Lichte ihrer Anschauungsweise erblicken. Betrachten wir einzelne dieser späteren Berichte über ältere Ereignisse!
L Die früheren Geschichtsbücher bezeichnen scharf den feindlichen Zusammenstoss, welchen Israel bei seinem Zuge durch die Wüste mit Moab und Ammon zu bestehen hatte« Sie eind gefährliche Feinde, deren Gewalt jedoch Israel glückliok entkam. £dom, heiss t es 4 Mos. 20 , 1 4 ff. , wehrte dem ,,Brnder Israel^' mit den Waffen den Durchzug durch sein Land, ein Gleiches wollte der König der Emoriter thun, aber Israel erzwang sich den Durchzug und eroberte sein Land. So kam es auch in Besitz desjenigen Theilea von Moab, welcher früher vom emoritischen König erobert worden, darunter auch die Stadt Ar (21, 26 ff.). Nun rief Balak, der König Moab's, den Wahrsager Bileam zur Hülfe, um ihn zum Fluche gegen Israel zu veranlassen, was jedoch beiden durch Gottes Einschreiten vereitelt wird (das. c* 22 -^25, vgl. Micha 6, 5). Anderswo (Rieht. II, 17) heisst ee, der König Moab's habe gleich dem Könige Edom's den Durchzug durch sein Land nicht gestattet, habe aber Israel nicht wegen der Eroberung derjenigen emoritischen Ge- bietstheile bekriegt, welche früher moabitisch gewesen (das. V. 25). Und wieder an einer andern Stelle (Jos. 24, 9. Itt) heisst es, Balak habe Israel bekriegt, Bileam zum Fluche angerufen, Gott aber habe Israel gerettet Von den Am- Bonitem wird weniger gesprochen, nur wird im AUgemet* aen gesagt (4 Mos. 21, 24), ihr Gebiet sei zu mächtig, stt wohlvertheidigt gewesen, als dass es htttte angegriffen wer^ den können"^). Während hier immer beide Völker ah mächtige Feinde bezeichnet werden, . die man theils nioht au reizen wagte, deren Angriffe abzuwehren nur auf wun-
*) Ueber die Darstellung im Deoterozornkun weiter ontea«
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derbareWeiae gelang^ behandelt sie der Gliraiiist mit Yfeg- werfungy er stellt es (11, 20^ 10) als eine Vergünstigaiig 4iry die, auf Gbttea Oeheiss, den Ammonitern und Moabi- tem gleich den Edoxnitem zu Theile geworden, dasa Israel nicht durch ihr Land gesogen und sie vertilgt habe, dooh hätten sie diese Vergünstigung später schlecht vei^ken. IL Der Verfasser des Buches der Könige berichtet ein- iachi dasa Salomo die Tochter des ägyptischen K4>mg8 Pharao geheirathet (I, 3, 1 ff., vgl. 9, 16), er ihr einen be- •ondwn Palast errichtet habe, in den sie dann aus ihrem früheren Sitze, der Dayidstadt, gezogen (das. 9, 24), dann aber bezeichnet er als tadelnswerth, dass er ausser ihr noch ▼iele fremde Frauen geliebt: Moabiterinnen, Ammoniterin- aea, Emoriterinnen, Sidonierinnen und Hitthiterinnen, aus Vtikenii mit denen sich zu vermischen Qott den Israeliten verboten haboi und wirklich hätten sie sein Herz im Alter aum Götaendienste verleitet Elr findet in dieser Sünde attch den Grund zur Theilung des Reiches, nimmt aber keinen Anstand, die Thatsache zu berichten (das. II, t ff.). Anders der Chronist Er erzählt nicht die Verebeliehung mit der Pharaonentochter, setzt sie aber dadurch voraus^ daaa er ihres Umzuges gedenkt, und zwar in einer Alt, dass man die Absicht bemerkt, er wolle Salomo damit noch ▼eilienliehen. Seine Worte sind: „Die Tochter Pharao^s braefate Salomo aus der Davidstadt in das Haus, das er ihr «nichtet, denn er sprach: Nicht wohne ein Weib mir in dem Hause David's, des Königs Israer», denn sie sind heilig, da die Gotteslade dorthin gekommen'^ (H, 8, II). Er legt also der Errichtung ejnes neuen Palastes fär die Pharaonentochter -- der übüi- gßUB auch der seinage gewesen zu sein scheint — ein reH- giüMs Motiv unter, so dass dem Salomo noch ein Verdienst daraus erwächst, und die Pharaonentochter ist ihm nicht •twa ein fremdes Weib, sondern überhaupt ein Weib, das in dem geheiligten Hause David's nicht wohnen solle. Während er nun keinen Anstand nimmt, Salomo's Verhei- rathung mit der Pharaonentochter zu berichten, so nimmt er an der Liebe Sabmo'a an den Moabiterinne% Ammoni^
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terinnen u. s. w. und seinem dadurch erzeugten Abfalle solcben Anstoss, dass er diese Thatsache vollkommen nüt Stillschweigen übergeht und die Theilung des Reiches ledige lieh mit dem Uebermuthe des Rehabeam begründet, und damit die dem Jerobeam gewordene Verheissung durch Achiah, den Siloniten, erfüllt werde (das. C. 10). Die Verheissung selbst tbeilt er nicht weiter mit, während die» selbe doch, nach I Kön. II, 33, auf Salomo's Abfall sich gründet Dies ist ganz im Geiste des Chronisten, der Sa- lomo nicht tadeln will; aber nur die Moabiterin und Ammo- niterin würden einen Tadel begründen, nicht die Aegyp- tierin ! Nur indirect erwähnt er die Ammoniterin, aber dort auch in prägnanter Weise. Diese nämlich, Naamah, ist die Mutter Rehabeam's. Das Buch der Könige nennt diese, nach seiner Gewohnheit, abbald beim Regierungsantritte Rehabeam's (I, 14, 21)*) und weiss von diesem dann nur Uebles zu berichten. Der Chronist hingegen sucht densel- ben zuerst (11, 11 — 12, 12) in günstigerem Lichte darzu- stellen, und nun erst am Schlüsse seines Berichts (V. 13 Mitte bis Ende) holt er kurz den Bericht aus dem Buche der Könige nach, erwähnt hier die Mutter, Naamah die Ammoniterin, und dass er Böses gethan, wodurch er offenbar den engen Zusammenhang zwischen seiner Abstammung von einer Ammoniterin und seinen bösen Thaten hervorheben wilL m. Gegen den König Joas bricht am Ende seiner Regie- rung von seinen Dienern eine Verschwörung aus, und zwei derselben, Josakhar, Sohn Schimath's, und Josabad, Sohn Schomar's, ermorden ihn. So berichtet das Buch der Könige (n, 12, 21). Den unnatürlichen Tod eines sonst so from- men Königs, wie Joas war, des Schützlings und . Zöglings des Priesters Jojada, kann sich der Chronist nur erklären, wenn er ihn dennoch als selbstverschuldet auffassen kann.
*) In nnserm Texte kommt am Schlüsse des Berichtes, nachdem schon sein Begrübuiss mitgetheilt worden, nochmals der Name seiner Mntter vor (V. 31), was mit Recht bei den 70 und dem Syr. fehlt. Viel- leicht dass man in spKterer Zeit zum Schiasse diese Notis nochmab naehdmcksYoU wiederholte, um eben den Abfall Rehabeam's n erklKren. Veber di« Ueberarbeitung yon V. 22 TgL unten.
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Joas, so berichtet er (ü, 24, 17 ff., vgl. V. 2), überlöbte denJojada, und nach dessen Tode änderte er seinen bisher frommen Wandel. Doch wenn auch der Tod verschuldet war, so blieben dem Ref. noch immer die Mörder verhasst, und er nennt sie: Sabad, Sohn der Scbimath, einer Ammo- niterin, und Josabad, Sohn der Schimrith, einer Moa- biter in. Nur Söhne solcher Mütter können eine solche Untfaat vollführen!
Solche einzelne Züge sind nicht zu&llig, nicht durch * andere Motive veranlasst, nicht durch einen schon älteren Ebws gegen diese zwei Völkerschaften erzeugt; sie sind vielmehr der Ausdruck eines nunmehr geschärften Hasses. Gerade weil ein Theil, und zwar ein sehr angesehener Theil, des jüdischen Volkes mit Ammon und Moab in eine enge, freundschaftliche Verbindung getreten war, umsomehr mnsste ^ der Kampf gegen diese Heuchler und Verführer entbrennen. Eis wird uns daher nicht auffallen, wenn auch der freundlicher gesinnte Theil seine Anschauung zu rechtfertigen und zwar ^ gerade wieder durch die Geschichte der Vorzeit zu belegen versuchte. Und wirklich finden wir dies im Büchlein Ruth ausgeführt. Diese liebliche Idylle, eine kostbare Perle unserer biblischen Schriften, gehört der Gattung der- selben an, welche ihrer Rangordnung nach aus unserer Periode stammen, und auch die Sprache verräth die spätere Zeit*). Was sollte nun dies Büchlein? Der blossen Idyllen- dichtung genügen wollte man sicher nicht. Die hebräischen Schriftsteller der Offenbarungszeit dichten keine Idyllen; ihre Geschichtserzählung wird von selbst zur Idylle, aber sie wollen nicht die Naivetät künstlerisch darstellen, sie sind naiv, weU sie in der Unmittelbarkeit leben. Also nicht die Kunstform hat dieses Idyll erzeugt, sondern sein Inhalt veranlasste zu der Darstellung, und diese gestaltete sich von selbst zur idyllischen. Auch dagegen, dass eine blos nackte Wiedergabe der Geschichte beabsichtigt sein sollte,
*) TgL die Emleitongen nnd Commentare en diesem Bache. Za beachtan ist noch der in dieser Bed. allein stehende Ausdruck ^D** "pN USD (8| 18) wie nlmtu^, caäere oder aedäere, ausfallen.
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so
spricht schon die Prägnanz, die sich in den Namen kund giebt; die Hauptpersonen tragen sänuntlich Namen, welche ihrem Geschicke und ihrem Wesen entsprechen. Naomi ist die Anmuthige, der doch am Ende Liebliches zu Theil wird, und der Dichter spielt selbst mit dem Namen; als sie • verwittwet und der Kinder beraubt zurückkehrt, lässt er sie auf den Ausruf der Frauen: ist das Naomi? erwidern: Nennt mich nicht Naomi, die Liebliche, nennt mich Mara, die Bittre, denn Gott hat mir viel Bittres werden lassen. Ihre jung dahinsterbenden Söhne heissen Machion und Khiljon, Krankheit und Hinschwinden; die eine moabi- üsehe Schwiegertochter, welche sie bei ihrer Rückkehr nach Judäa yerlässt, heisst Orpah, die den Nacken Neigende, die sich Abwendende (vgL besonders Jer. 2, 27. 32, 33. 2 Chr. 29, 6), die andere moabitische Schwiegertochter, welche fest an Naomi hält, die es ausspricht: Dein Volk sei mein Volk und dein Gott mein Gott, die in liebender Hiogebong für die betagte Mutter ihres verstorb^i^i Mannes sorgt ^ heisst Ruth, die Genossin, die liebevoll sich An- schliessende"^). Dass diese Namen zufiillig von diesen Per-
•) '«W ,]1?T;?: »IVbD .nBnj> .nn = Wn, wie es der Syrer urirkBch schreibt Ain wird wie Alef nach dem mit Sehwa versehenen Reseh im Hebräischen (noch mehr in den Dialekten) leicht verschlnckt, daher ist vielleicht auch ^'l Hiob 37, II. gleich ^T\i die Weide, zu nehmen. Dia Punctatoren fühlten Dies gleichfalls und setzten desshalb bei np**^^ (1. Sam. I, 6.) einen Punkt in das Besch als Mappik, um anzuzeigen» dass das Resch das Ain nicht verschlucken und das Chirek zu sich zie- hen soUe, vielmehr als mit Schwa versehen für sich, das Ain aber mit dem Vocale auszusprechen sei, gerade wie sie es bei DrnjT^? (1. 8am.
10, 84 17, 25. 2. Kön. 6, 32.) machten. Umgekehrt sind sie bei Eigea- namen weniger darauf bedacht, die Yerschlucknng zu verhüten nad deu- ten dieselbe gerade durch die Punctation an, und wie sie Diea bei **M^M*iri (4. Mos. 26, 7. und sonst) thun, wo sie das Schwa vom Besch abwerfen und das U des Alef ihm zuwenden (vgl. Heidenheim in der Anm. zu En ha-Kore a. a. O.), so punctiren sie auch DQ^J^l (1. M. 47,
11. 2. M. 12, 37. 4. M. 33, 3. 5.), obgleich das Ain als GuUnral mit ein- fachem Schwa vor einem gleichfalls mit Schwa versehenen Buchstaben dadurch ganz unhörbar wird; nur ein Mal (2. M. 1, ll.)i wo das mit r^) makkefirte Wort ein Metheg verlangt und dieses, nach den Acceo-
st
Bonbik getragen oder beliebig von dem Schriftsteller gemlfkit worden, ist bei solchem aUseiügen Zusammentreffen kaom ansonehmen. Offenbar ist es wohl, dass ein Stock aus der Voriahrengeschichte David's erzählt werden soll; der Schlnss des Baches erklärt ausdrücklich David als Enkel vos Rutili's Sohne, und fttgt noch die Genealogie ron Pere»^ Jada's Sohne, bis auf David an, aber sicher mit Ueberspringong mehrer Mittelglieder. Allein wie seltsam , dass ^ wtre der wesentliche Zweck die Verherrlichmig Dsvid's gewesen, man blos von der Frömmigkeit seiner moabitisehen Stamm- miitter und dem kargeren Verdienete ihres zweiten jndAi'- sehen Mannes zu erzählen hatte, wie auffallend, dass die sonstigen Qeschichtsbücher, Samuel und die Chronik, hätte diese Geschichte dem Volke wirklich ein MomeiMt sor Ver- ehrung David's dargeboten wegen der wackeren Gesinnung seiner Ahnen, derselben durchaus nicht gedenken^ Hier mnss noch ein anderes Moment geleitet haben, und mit richtigem Tacte hat Umbreit es erkannt, der Verfasser habe a^gen woUen, wie selbst eine Fremde aus dem Gebiete der verhassten Moabiter gewürdigt werden koniite, Stammmutter des grossen Königs David zu werden, weil sie aum GkHte Israers ein unbedingtes Vertrauen bewiesen*).
Aber diese richtige Ahnung des Zweckes unseres Bäch- lekiB wird wieder verwischt, wenn Umbreit, diesen Zweck dann einen „theokratischen'^ nennt. Theokratisch im Allge- meinen waren alle bibl. Schriftsteller, und da der Verfasser, unseres Büchleins aus theokratischen Zwecken liicht die ganze Geschichte erfanden, sondern sie nur nach einer historischen Grundlage bearbeitet haben kann, so würde das Stillschweigen der grösseren historischen Bücher noch ioBoer aisffallend bleiben. Auch befremdet die knappe Be- schränkung auf eine einzelne Familieuscene bei einem Schriftsteller, der nur allgemeine theokratische Zwecke ver- folgt; seinem Sinne müsste es mehr entsfureehen, einen
tnstions-GnuidsXtzeii, die es dem r^ nicht gestatten, nur beim Resch stelm kann, ist DP^^ pnnctirt. Die Fonn M^*^ Mr T^"] ist daher voTI- kommen begründet.
•) Stod. n. Krit. 1834, IL S. 808.
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grösseren Stoff zu behandeln und diese einzelne Geschichte mit hinein zu verweben^ wie es der Chronist so vielfach thut. Nur die bisher dargelegte Differenz in den Ansichten der Zeit; der das Buch seme Entstehung verdankt, erklärt uns dessen bestimmte Absicht. Es lehrt uns, dass auch unter moabitischen Frauen wohl zu unterscheiden sei; es giebt wohl welche, die, wie Orpah, bald das Band, mit Israel wieder lösen, aber es giebt auch andere, die, wie Ruth, mit aller Hingebung und Uneigen- nützigkeit sich Israel anschliessen und daher würdig sind, die Besten in Juda zu erzeugen. Der Verfasser ermahnt seine Zeitgenossen stillschweigend, in ihrem Ausschliessungseifer nicht zu schroff zu sein. Diese bestimmte Absicht leitete den Dichter in der Wahl seines Stoffes; dies schliesst aber keineswegs dessen ge- schichtliche Grundlage aus, im Gegentheile muss jedenfalls zu seiner Zeit in der Erinnerung des Volkes die Nachricht gelebt haben, dass eine Stammmutter David's eine Moabi- terin gewesen sei, da der Verfasser von einer Erdichtung nicht erwarten konnte, seinen Zweck zu erreichen, das Buch auch wohl nicht der Anerkennung und sorgfaltigen Aufbewahrung gewürdigt worden wäre, die es uns in der Reihe der heiligen Schriften zugeführt hat. Der Verfasser erzählte vielmehr, freilich mit Geschick und Wärme, etwas damals Unbestrittenes und vertrat und bekräftigte damit die milde Ansicht, welche auch später, wie wir noch sehen werden, ihren Ausdruck fand.
Neben den Ammoniterinnen und Moabiterinnen, ja noch vor ihnen werden femer am Ende des Buches Nehemia (13) 23. 24) die asdoditischen, d. h. die philistäischen Frauen genannt ; die Judäer hatten dieselben wieder zurück- genommen, so dass ein Theil ihrer Elinder asdodisch sprach und judäisch zu reden gar nicht verstand. Diese Kinder, diese Mischlinge, welche ihre Zwieschlächtigkeit alsbald durch ihre Sprache kund gaben, sind es, welche als „Mamser,^^ d. h. von fremdem Volke *) bezeichnet werden.
*) 1][)pp s 1{ Q$Q. Eine tthnliche ZosammensetEong ist ^jpt^, das
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Waren nämlich die Moabiter und Ammoniter als eng an- gränzendo Nachbaren der selbstständigen Kräftigung und Reinhaltung des jungen Staates ge&hrlich, so waren die Philistäer noch gefährlicher, da sie sich von den Küsten aus über ganz Judäa selbst ausbreiteten und mit den zurück, gekehrten Juden in buntester Mischung lebten, so dass das Land sogar den Namen dieses Volkes erhielt: Palästina. Die Sorgfalt für Reinhaltung des Stammes musste daher vorzüglich gegen die Philistäer angewendet werden. Sirach (50, 26) bezeichnet daher als das Volk, welches seine Seele hassty die Philistäer, und sie sind besonders unter dem ,y Volke des Landes^^ zu verstehen, von deren Unreinheit die Judäer sich absondern sollten. Die ägyptisch-griechischen Uebersetzer setzen daher für diesen Eigennamen der Phili- stäer ganz allgemein „Fremdstammige^^ (uXXoq^vkoi)^), Ihre Nationalgottheit Baal-Sebub (2 Kön. 1,2.3. 16) wird daher später mit aramäischer Aussprache als Beelzebub (o. -bul), als feindliche Gottheit überhaupt, als Gegengott, Satanas, Haupt der Dämonen schlechtweg gebraucht (Matth. lU, 25. 12, 24 u. 27, vgl ft, 34. Marc. 3, 22. Lucas II, 15 u. 19). Ja dieser Sprachgebrauch ist so geläufig geworden, dass dieses Wort in etwas abweichender aramäischer Form, nämlich als Beel-Debab (M231 b^S ) , wie die s jr. hexapL Uebersetzung bereits für Baal-Sebub setzt, in sämmÜichen aramäischen Dialekten ganz einfach einen „Feind'^ bedeutet
Hiob 19, 13 in ^1J-?)^ getreont erscheint, aber anch dort von den Ac- centnatoren durch Makkef verbunden nnd von Raschi richtig aufge- fiwst wird.
*) So nKmlich die etwas spXteren Uebersetzer der anderen Bficher, wihrend die Uebersetzer des Pent nnd Josna den Eigennamen beibehal- ten. Die Ausführung über dieses Wort vgl. bei Stark: Gaza und dia philist&ische Kfiste S. 67 ff. Später, als der Kampf mehr mit den griech. Syrern war, hiessen diese die &XX6<pvXoif woher Dies dann auch einmal fGi D^ (2. Kon. 8, 28, vgl. über Aram unten), und umgekehrt einmal "EXXijPtg fiir D'^HV^ (Jes. 9, 11) gesetzt wir(1. Dieser Hass gegen die PhilistXer drückt sich auch in dem boshaften Witze eines anonjmen Uebersetzers aus, wenn er das Wort (2. Mo*. 18, 17.) in QT^ ^ ' ntmö^g dix^i zarlegt!
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und dftraufl mit Wegvrerfung dee Beel, ein neuer Stanm W^ sich bildet für: hassen, anfeinden*). — Die Kinder nsn einer solchen Mischung mit den philistäischen Bewohnern des Landes heissen y^Mamser/' dJjLoyanlg**) zweischlächtige Bastarde, Kinder aus unehelichem Umgange, wie auch eine idte thalm. Tradition den „Mamser^* definirt***). Dem eine wahrhaft nationale Ehe konnte eine solche fleischliche Vermischung nicht begründen, und die Frauensperson, welche sich einem solchen Umgange hingiebt, ist daher als Buhle- rin zu betrachten f). Und auch diese Auffassung hat sich so tief in den Sprachgebrauch hineingelebt, dass aus dem biblischen "^d, dem dauernd im Lande wohnenden Fremd- linge, also meistens dem in Judäa wohnenden Nichtjuden, dann der aramäische Stamm "i^^, buhlen, Unzucht treiben, ^ehebrechen wurde, was im Syrischen ganz gebräuchlich blieb, im Chald. später verdrängt wurde, aber doch noch rielfach in dem jerusalemischen Dialekte erscheintff).
*) Häufig ^2^T) Feiodscliaft, aber auch das Part act 'und pass., z. B. C1K bw 122*1, der Feind eines Menschen (8ifire suta bei Jalkot I. § 788) nniin?: r\2^21 nn^n^S: nW, eine Frau, die von ihrer Genossin angeteindet wird O'-Erubin 3, 2 und 7, 9); p*?!? pn;:ü?3 p'^SaTI pK, wir, auf die unsere Feinde aufnierkpam sind (j. Moed katon 8, 7, irrig in un- «em Ausg. 'yn mit Resch, wober der Comni. irrthflralich 1j'*ni2'^1[7), Tgl. aneh die Mua. Uebers. U Mos. 24, 60 und 2. Mos. 28, 20.
**) 3o übersetzt der Grieche Zaeh. 9,6, sowie der Ausdruck noch Inr "Ifl^n ]| (Jes. 56, 4 und sonst), für D*^1T Jes. 61, 5, während das daneben- stehende ID^n *^^2 mit aHoqwXoi wiedergegeben wird, gerade wie Theo- dotion umgekehrt das sonst for diese Wörter übliche aXXoTQiog fOr Phi- lifttter setsi Bicht. 10, 6. Vgl. noch Stork a. a. O.
•••) -ITtttt ibin ^KIB?** n2 ^r K2Ü "12ri "^U, das Kind, welche« ans dem Umgange «ines NichtJuden oder Sklaven mit einer Jüdin entspringt, ist ein Mamser (Bar. j. Kidduschin 3, 12, vgl. j. Jebamoth 4, 15; b. Jebani. 45 a und Kidd. 75 b). lieber die Umwandlung dieses Begriffes in der thalm. Tradition vgl. unten.
t) Daher au 5. Mos. 23, 3. der Grieche: ix so^s^^» der Sjrr.
tt) Das j. Th. zum Penteteuch hat K1V:i und «niVi für ^,»i nnd n^ 2. Mos. 20, 12. (und 5 Mos. 5, 16.). 3. Mos. 20» 10. In Ps. 50, 18, wo bei uns der in den babyl. Tharg. gebrftuchliche Ausdruck T1*>;^ steht, hat ed. Genua *tv:i *^ir:i, und ist das letztere offenbar splUere
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Die UTßprüngliche Bedeutung von „Mamser^^ iat dem- nach das Kind, welches aus einer Ehe mit einem fremden Volke nnd zwar zunächst mit Philistäem, als den in Judäa Verbreiteten» erzeugt ist, und wir begreifen nun erst die Worte des jungem Dichters, dessen Gesichte denen des Zacharias von Cap. 9 bis Ende angefögt sind, wenn er, nachdem er den Fall von Tyrus und Sidon geweissagt,
fortfährt:
Sieht*! Afikalon nnd fürchtet sich
Und Güza ^ und zaget sehr,
Und Ekron — ja beschämt ist seine Zuversicht,
Und ist kein König mehr in Gaza
Und nicht bewohnt mehr Askalon.
Dann wohnt Fremdschlächtiger in Asdod,
80 tilge ich den Hochmnth PhUistäa*s.
Und dann entfern' ich seinen Blutgenuss aus seinem Munde^
Die Gren'l, die es bis jetzt geniesst, aus seinen Zähnen;
Auch es bleibt dann dem Herrn!
Wird wie ein Stamm inJuda, Ekron wie Jebusiter! (9, 6—7).
Indem er schildert, wie die Selbsständigkeit Philistäa's geknickt werden, es keinen eignen König haben wird, weiss er Dies nicht stärker zu bezeichnen als damit, dass eben die Bastarde, die aus der Mischung von Philistäem und Juden erzeugt sind, Asdod bewohnen werden, Philistäa's Stolz damit gebrochen ist und es endlich ganz in Judäa
aufgeht
Die unselbstständige und zerrissene Lage des Staates lastete natürlich auf der freien Geistesentwickelung, Als Judäa eine Provinz des grossen Perserreiches war, scheint es zwar im Allgemeinen vom fernen Mittelpunkte dieses Reiches aus, ausser mit den zu entrichtenden Abgaben nicht
Correctur. Ebenso liest st. HCa Hieb 24, 16. das Mspt. vom J. 1238 auf der hie:«. Maria-Magdal-Bibliothek: «ll^Ii. sowie die alte LA. «T^ in Wajikra rabba c. S (und Parallelst.), die Aruch kennt, durch Wa oder gar HD^i ▼erdrängt wurde. Das Tharg. «u Sprächen hat aiujh diese syrischen Formen treuer bewahrt. Vgl. auch Megillah 26 b., wo der mit Gimmel beginnende Schimpfname von den Geonim bei Raschi und Aruch tp) mit Sobn der «nin, hingegen von den Thossafisten mit MT^ er- Ulrt wird. — Ueber die Umwandlung des Begriffes ")i! im HebrÄischen und des chald. M")V3 vgl. unten.
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belästigt worden zu sein; doch fehlte es nicht an Reibiin- gen mit den genannten umliegenden Völkerschaften, welche die Satrapen der Provinz häufig aufzustacheln und fiir sich zu gewinnen wussten. Als Judäa jedoch dem macedonischen Reiche einverleibt wurde und dann zwischen Syrien und Aegypten in der Mitte gelegen, bald diesem bald jenem zufiel, war es der Schauplatz von Kämpfen, und die Wucht des gehässigen Griechenthums lagerte drückend auf ihm. Dazu kam die Willkürherrschafit im Innern von Seiten der aristokratischen Familien, die als kleine Tyrannen über Land und Leute schalteten. Darum umflort sich oft die- gluth- und muthvoUe Rede des jungem Jesaias, . und sein Zorn wendet sich dann zunächst gegen die, welche aus den „Wassern Juda's^' hervorgegangen und nach der „heiligen Stadt^^ sich benennen (48, I und 2), gegen die, welche im Dünkel besonderer Stammesheiligkeit die Leute von sich fem halten mit den Worten: „bleibe bei dir, komm' mir nicht zu nahe, sonst weihe ich dich"*) (65, 5), und dennoch dem Götzendienste huldigen und am Ekelhaften sich ver- unreinigen (V. 3. 4. II). Ihnen, die auf ihren Priester- dienst im Tempel stolz sind, ruft er zu im Namen Gottes:
Der Himmel ist mein Thron, die Erde Schemel meiner Füsbo,
Wo ist das Hans» das ihr für mich erbaut, wo meine Bohestätte ? . .
Ich schau* auf den, der arm, gebeagten G^istec, und ob meinem Wort' erzittert.
Doch Ochsenschlächter— Mannesschläger, Lammesopfrer ~ Hande- knicker
Geschenk darbringend — Schweineblat, Weihrauchräuchrer — Unrecht preisend! . . .
Hört Gottes Wort, die ihr nach seinem Worte zittert: —
Eb sprechen eure Brüder, eure Hasser, die euch bannen:
„Um meines Namens willen wird geehrt Gott!"
Doch wird gesehen Er**) bei eurer Freude, und sie verfallen der Schande (66, 1 A).
Die Stimme Gottes verkündet nun seinen Hassern Strafe, dass aber Zion — nicht blos den gegenwärtig in
♦) *pnOT|? Tgl. unten.
**) nyiJT Gott wird gesehen werden, otp^t auch ron mehren Erkl. 80 aufgefiust; r^tP^I ist spätere PunctaUonsänderung, ygl. unten.
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ihr Orosflthaenden angehören^ sondern — ihrer Kinder voll Bein wird. Die wahren Freunde Jerusalem's, die jetzt Aber es trauern, mögen sich dann seiner freuen, und ein Stra^richt wird Gott halten über ,,8eine Feinde/^
Die sieh heüigeo und reinigen bei den GXrten Hinter Einem in der Mitte*), Und doch das Fleisch des Schweines essen,
Oewfirm nnd Maus — sie gehen allesammt zu Gmnde, ist Aosspraeh Oottes (V. 17).
Von allen Völkern her aber werden die Israeliten zu- sammenströmen,
Und auch yon ihnen nehm* ich zu Priestern nnd Leviten, Aussprach Oottes (V 21).
Sie und ihre dankbare Gottesverehrung bestehn dauernd, und in gleicher Weise unaufhörlich ist die Strafe der Sün- der. So lodert an vielen Stellen sein Zorn gegen die, welche sich als die Alleinberechtigten und Heiliggeborenen dünken, nnd er verkündet den demüthigen treuen Verehrern das Heil. Der gebeugte Qottesknecht, der von den stolzen Machthabem und dem ihnen blind nachsprechenden Volke verachtet und verfolgt wird, wird besonders in der berühm- ten Stelle 52, Ki bis o.'i Ende gefeiert Sie schelten ihn einen Sünder, legen ihm, dem Verstummenden, alle Last auf, aber die Qnade Gottes wird ihn dafür belohnen:
Ans »einer Seele Möh* wird froh er schauen, satt sein,
Dnrch seine Bosheit**) macht der ,,Gcrechte** meinen Knecht znm
Heile Vielen, Und ihre Sunden dnldet sühnend er! (V. 11).
Diese inneren Kämpfe gegen die sorglosen Hirten, ge- gen die vornehmen Familien, das davidische Haus und die Leviten- und Priestergcschlechter, die in Jerusalem ihre Residenz hatten, die Auflehnung Juda's desshalb gegen Jerusalem, schildert auch der jüngere Zacharias. Den Hir-
*) T^^ "^ '^^' ^® ^M Khethib lantet, beisst wohl : hinter Einem, der in ihrer Mitte ist, den sie aUe, als den Angesehensten, umgebeil, wohl der regierende Hohepriester.
**) Ich gUnbe, dass 1f^*)f gestanden nnd dieses geflissentlieh , nm den innem Kampf lu Terdeckeni gettndert ward in VUHS. Der „Zaddik*^ Agt dem trenen Knechte Gottes herbe Leiden sn, aber gerade dadnroh macht er ihn lum wahren ,,Zaddik<* für Viele.
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teia ;(tirnt Gott, aber das Haue Jada wird er sum Glaiiie erheben^ mit ihm auch das Haus Joseph verbmdeB, die j&aft Syrku's und Aegypten's, die tyrannisch die Ober» herrschaft fiihren und denen die kleinen Tyrannen in Jenua* lern sich anschliessend brechen. Ein allgemeine Kampf wird gegen Jerusalem sich erheben:
Denn sieh, ich mach* Jerusalem zum Taumelbecken allen Völkern
ringsherum, Auch Juda*) ist bei der BelagVung gen Jerusalem (12, 2). Jedoch die übrigen Völker werden betäubt werden, die Fürsten Juda's werden wieder. Kraft finden in Gott, in- dem sie sich zu ihm bekehren, und nicht mehr werden die feindlichen Lehnsherren, sondern
Sitzen wird Jerusalem noch an ihrer Stelle in Jerusalem.
Es rettet Gott die Zelten Juda^s dann zuvor, *
Damit nicht sich der Ruhm erhebe des David^schen Hauses
Der Enkm dess, der Jerusalem bewohnet, über Juda.
Dann erst schützt Gott auch den, der in Jerusalem wohnt,
Der Strauchelnde unter ihnen gleicht dann David,
Und David's Haus gleich einem Gott, gleich Gottes Engel ihnen voran.
• • •
Ich gicRso über David's Haus den Geist der Gnade und der Milde,
Sie schauen hin auf ihn**), den sie durchbohrt.
Und klagen um ihn wie uro einen Einzigen
Und weinen bitterlich um ihn wie um den Erstgebornen.
• • •
Es klagt das Land, je nach Familien abgesondert, Die Familie des Davidhauses für sich, dieFrau^n für sich. Die Familie des Nathanhauses für sich, die Frau'n für sich, Die Familie des Lcvihauses für sich, die Frau'n für sich,
*) Das b^ vor miH^ ist gleichfalls eine Corrcctnr, um diesen Zwie- spalt zwischen Juda und Jerusalem zu verdecken; der Chald. ignorirt es auch und gesteht hier wie 14, 14, wo es heisst: Onbn mW D31 D791T3, den Kampf Jada*s wider Jerusalem ein, nur dass er ihn als durch die Völker erzwungen darstellt : 1D «"»rswy ^liin*^*» min*» H^m ^Kl ]*^^2M. Dann mtisste es auch H^nn statt tTH^ heissen, wie mehre Mspte. ond Ausg. bei Korzi, Kenaicot and de Rossi lesen.
**) ^^5>« oder *'!?je. '»bj« ist wieder verhüllende Correctur. Auf wen sich diese Angaben speciell beziehen, können wir freilich nicht mehr he- stimoien; im Allgemeinen ist von den Mordthaten die Rede, welehe die Orossen verübt haben. Diese Unthat aber berenen sie selbst, indem sie sich aufrichtig bekehren.
IH# VwSa» dM Bbmti fär sieh, di« Fraa*ii für sich ''),
Ja, alle Familieo, die da bleiben, jede für sich, die Fran*n för sich.
80 wixd an jenem Tag ein Qnell geöffnet sein,
Dem DaTidhaus und den Bewohnern Jerasalem^s
Zur Bfihne and cnr Reinigting (12, 6— IB, 1).
Auch der Götzendienst und die falsche Prophetie wird ecfawinden. Und wiederum beginnt der Seher mit 13, 7 fleinen prophetischen Feldzng gegen den EQrten, g^g^i^ i^» der sich „den Oe&hrten Gottes" dtinkt, und wiederum wird der Kampf geschildert, den die Völker und mit ihnen Juda (14, 14) gegen Jerusalem unternehmen; jedoch endet er mit ^em Sturz der Völker und der allgemeinen Gottesverehrung, die in dem wiedergeläuterten Jerusalem Alle vereinigt.
In nüchterner, trüber Weise zeichnet uns der grübelnde Koheleth seine Furcht vor den Machthabem und ihre Un- gerechtigkeit „An der Stätte des Rechts, da ist die Bos- heit, und an der Stätte der „Gerechtigkeit," da ist die Bosheit" (3, 16). „Wenn Druck des Armen und Raub des Rechts und der „Gerechtigkeit" du siehst in der Stadt**), so wundre dich nicht über das Ding, denn ein Hoher über Hohem hütet tnid Hohe hüten über ihnen" (und kümmern sich nicht um den Annen) (0, 7). „Ich (rathe) : Den Befehl des Königs achte, und auf das Wort, den Gottesschwur***). Dringe dich nicht vorf) (zu ihm hinan), gehe weg von
*) Wir haben hier die Aufzählung der yornehmen herrschenden Fa- milien, wenn Rio nns anch bei unserer (Tnkenntniss der Zeit nicht ein UarM Bild liefern. Das Haus David im engeren Sinne sind wohl die dirtfiten Naehkoramen ßembabers, wShread die Familie Simei's ron des- aen ^mdcr, Simei (1. Chr. 8, 19) abstammt. Nathan ist wohl der Zado- ktta Jonathan, Vater des Jadtlua (Nüh. 12, 11) und des bei den Sama- ritanero Oberpriester gewordenen ManaM.se, und diesem Hause schliessen sich £e übrigen Leviten an.
••) Vrgl. Jes. 63, 8: Hp^ ÜCürSttl IXPTD.
**•) üeber mal vgl. oben S. 29 *••. Der Befehl des Königs, ist der flian« ist gleich einem Schwüre Gottes, der gewiss ansgeföhrt wird.
t) ^ sieh drängen wie Zef. 1, 18. Spr. 28, 22. and b^) drita- gen, beeilen in Koh. 5, 1. 7, 9. auch Dan. 11, 44. Esth. 8, 14. dessgl. b^^ daa, 6, 14 and 2. Chr. 26, 20. 80, getrennt von ^f^, nehmen es auch 70 nnd Sjr. Der Sinn: Den Befehl des Königs muss man aus- ffhrwi, kaan ihm nicht eMtgegeowirken, sich ihm nicht entliehen, aber dawhtifc aoll «a« «ich von ihm fem halten.
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seinem Antlitz, bleib' nicht . stehen bei schlimmem Befehl, denn Alles, was er begehrt, thut er, weil Befehl des Königs Macht (sprach) ist, und wer will ihm sagen: „Was thast Du?" (8, 2—4). „Wenn der Sinn des Herrschers auf dich fällt (er dein gedenkt, dich begehrt) *), so lass nicht deinen Ort, denn Zurückhaltung macht grosse Sünden unterlassen. Ich hab' manch Uebel unter der Sonne gesehn, das war ein Fehl, das ausging vom Machthaber; die Thorheit ist gesetzt in grosse Höhen, und Reiche sitzen in der Niedrig- keit, ich sah Knechte auf ßossen und Fürsten einhergehn wie Knechte auf der Erde" (lO, 4 — 7). „Auch in deinem innersten Gemache '^'^) fluche nicht einem Könige, und in deinen Schlafgemächem fluche nicht dem Reichen, denn der Vogel des Himmels führt weiter die Stimme, und der Geflügelte verkündet das Wort (V. 20).
Dieser ängstlichen, misstrauischen, überall Gewaltthat witternden Gesinnung, wie sie nothwendig aus den Verhält- nissen hervorging, entspricht auch die in diesem Buche überhaupt herrschende Gedrücktheit, wo der bessere, gläu- bige und auf den Sieg des Guten vertrauende Sinn mühsam mit der Verzweiflung, mit der Ueberzeugung von der Plan- losigkeit in der Welt ringt. Das Resultat ist ihm : was wir sehn, ist freilich verkehrt und eitel, ein ewiges vergebliches Abmühen; aber — wir wissen nichts, und so fügen wir uns in der Furcht Gottes. Es ist ganz derselbe Ruf, der uns durch die thalm. Tradition von einem sonst unbekannten Zeitgenossen, Antigonos aus Socho aufbewahrt worden (Aboth I, 3): Seid nicht wie Knechte, die dem Herrn dienen um Lohn zu empfangen, sondern wie Knechte, die auch ohne alle***) Absicht auf Lohn dem Herrn dienen, und es sei
•) ^4? n^.^r 'D Pn, der Sinn des . . . steigt auf m Jemandem d. h. sich deiner erinnert, sich um dich bekümmert, wie Xp^ TJ**^ RfL«^' L ^' ^^ '^ Ähnlicher Weise oft bei Jerem., Esech. und II. Je«.
**) y^O scheint „Studirzimmer** zu bedeuten; so Th. Ps. 68, IS:
M^» *^l ^*^' **^ *^®^ ^'® offenbar Utere und richtigere L.A. TM bj? mzfw nicht aus, vgl. dens. Ausdruck in ders. Bed. Misehna Tebul Jom
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die Furcht Gottes über euch! Auch dieser Zuruf bekundet, dass ein Lohn der Frömmigkeit unter den damaligen Zeit- umständen nicht sichtbar und nicht zu erwarten war und die einzige Beruhigung in der Gottesfurcht gefunden wurde. Und dieselbe verzagende Stimmung, die sich jedoch inniger, poetischer an Gott anschliesst, finden wir ja in vielen Psal- men (vgl. nur Ps. 39. 49. 73 und a.). Und ist es nicht dasselbe ermattende Grübeln, das endlich, in der Mangel- haftigkeit seines Wissens sich beruhigend, an Gott, als den Vollkonmienen und Unerforschlichen, sich anschliesst, wel- ches uns auch im Buche Hieb entgegentritt? Bei aller grossartigen Begabung, die sich darin entfaltet, fehlt doch der Ausdruck für die frische Freudigkeit an der That, für das muthige, selbstgewisse Ringen mit den Hindernissen; die Reflexion, die es vor lauter Uebef legen nicht zur That bringt und sich die Freude daran verdirbt, das Aufsuchen der Gründe für die Hindemisse, das Klagen über ihre Un- gerechtigkeit lähmt den Willen imd ist vielmehr Zeugniss, dass die frische Willenskraft bereits gebrochen ist durch eine Zeit, die ihr edelstes Wünschen zu verwirkliehen zu ohnmächtig ist.
In der Kürze der Spruchweisheit schildert uns auch der Schluss des Buches der Sprüche (Gap. 30 u. 31, 1—9) den Charakter jener Epoche, die damals ihrem stärksten Verfalle unter Jason, Menelaos, Alkimos entgegenging, aber gerade dadurch eine gesunde Reaction erzeugte.
Worte des Sammlers (A^r), Sohnes des Gehorsamen (Jakeh)*).
Das Dichterwort. Der Sprach des Mannes: Ich mühte mich Terg^eblich ab um Gott, MfihV mich vergeblich ab um Gott, wie soUt' ich es vermögen **) ?
t, 2. Ueber das an diesen Sprach angeblich sich anlehnende Schisma der Saddnctter wird später die Betrachtung ausführlich folgen.
*) DZH wie Tmp ein aus dem schriftstellcijschen Berufe ange- nommener Name, Tgl. bes. Sifre zu 5. Mos. 1, 16: D*n21 vbv 1^)H. An- klagen httufen. rÜ^^ gegenüber dem Tadel der Zeit, die den Gehorsam gegen die Eltern nicht kenne, bes. V. 17, und unten.
•♦) Ich folge der L. A. b}^] h^ >J\'>^) b» '^ry'^^ HJ^Jj in Kai und Sihl: resultatlos sich um eine Sache abmühen, hat im Parallelismus ge- wdlmlioh ^ä^,K^> wie bereits einsichtSToU Samuel b. Meir nachweist lu
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Bin ja nnviBsend ich, kaam Mann,
Und hab* nicht Menscheneinflicht
Und habe Weisheit nicht erlernt,
Wie sollte Kennt niss ich der HeiPgen wissen?
Wer stieg gen Himmel, stieg herab.
Wer sammelte den Wind in seinen Fftusten,
Wer band die Wasser in Oewand,
Wer richtet auf der Erde Enden,
Was ist sein Name, seines Sohnes Name, weisst Dn*B? (30, 1—4).
Nach diesem Bekenntnisse der eignen Unwissenheity nach der spöttischen Frage, wer denn aber mehr wisse, folgt die resignirte Antwort, dass dem Befehle Gbttes sich zu fiigen, aber Nichts hTn:razaf[igen sei. Die Bitten, die der Weise dann an Gott richtet, enthüllen schon die Ge- brechen der Zeit. Er will dem Luge fem bleiben, wffl nicht verführerischen Reichthum, nicht entsittlichende Armuth. Er schmäht die herrschende Angeberei, und da scheint er bei einem der rechten Krebsschäden der Zeit angekommen, so dass er nun eine haarsträubende Beschreibung der sitten- losen Zeit macht, die auch in den minder offenen Neben* einanderstellungen hervortritt. Mit schärferer Ironie und offner spricht er sich dann in seinen letzten Worten aus, wieder vier EHnge einander gleichstellend:
Drei sind es, die machen stolzen Schritt,
Und vier gehn stob einher*).
Der Lajisoh — ein Held unter schwachem Qethier,
Und weicht nicht zurück vor Allen.
Der Lenden-Sarsir oder der Bock,
Und König Alkimos ihm entsprechend.
1. Mos. 19, 11. 2. Mos. 7, 18. (70: ov dvvricovtat) Hiob 4, ,2. (abgedr. in meinem Nite Naamanim S. 2"*) Tgl. auch Lnzzatto zn Jes. 1, 14. Die L.A. ^^Kl als raphe ist massorethish festgestellt (ygl. Bfinchath Schai). Das iib fehlt hier nach der Weise unseres Spruchdichters, der es im zweiten Gliedo gerne aus dem ersten ergänzen Ülsst, vgL V. 3:
•) a-^p» heisst zunächst : schmücken wie TOrt r« atSTTl 2. K6n. 8, 30, dann: schön thun, kokettiren, stolziren, vgl. ccyct^onoibg /vf^» Sirach 42, 14. In diesem Sinne scheint auch Jer. 2, 35. ^TT • . . T'W\ EU stehn.
A^, sei idcht niederträchtig, wean da dich erhebst, Ach» sinne Aicht auf Arges; Hand auf den Mund! Denn MilchEOsammeadmck macht Geronnenesi Und Nasedrücken bringet Blut heraus, Und Zomerpressen erzeuget Streit*). (V. 29-81.)
Eine ätzende Persiflage auf die Zeit und den durch List und niederträchtige Gewaltthat eine Zeit lang während der Sjrerkämpfe zur Herrschaft gelangten Alkimos^ der keck keine Büberei scheute und die Schwachen bedrängte, ohne wahren Mannesmuth zu besitzen. Der „Lajisch/' seiner Etymologie nach, der Kneter und Zertreter, ein grausames wildes Thier, doch nur ein Held unter schwächeren Thieren, da ist er stolz, blutdürstig und scheuet Nichts. Der „Len- den-Sarsir/^ ein Spiessgeselle des Raben (Bar. Baba kamma 92 b, ChuDin 63 a), der seinen Muth an Leichen bekundet, der geile und freche Bock, und ihm entsprechend „König Alkimos'M Der Titel König, dessen sich nach Innen alle die kleinen Machthaber bedienten, wenn sie ihn auch gegenüber den Lehensherren nicht führen durften, wird hier mit Ironie besonders hervorgehoben. Dass gerade der Hohepriester Alkimos und kein sonstiger Name aus jener Periode in den Ueberresten der damaligen Literatur erwähnt ist, mag uns nicht wundem; er ist auch der Einzige, welcher sich in der Erinnerung der späteren thalm. Tra- dition erhalten hat Während in ihr keine Spur ist von irgend einem, dem Johann Hjrkan vorangehenden Hasmo- näer, nur das hasmonäische Haus ("ic^^srn n'^n) ganz allge- mein, ohne Bezeichnung eines Einzelnen, noch weniger irgend einer der früher an der Spitze Stehenden, nament- lich der Griechenfreunde, mit Namen genannt wird, so ist in eigenthümlicher Weise Alkimos nicht vergessen, and ist ibm nicht blos die Ehre der Erwähnung geworden, sondern er wird auch als ein zuletzt in Busse zum Heile Zurück-
*) W md t^) in Y. 80 ist abmahnend mit hinzugedachter voraus- ffshender Sohworformel. Denke nichts Arges, und denkst Da*s, nun, so ^H«h 6« j^deniüls nicht ans! Dadurch, dass dtx den Zorn reisest, er- wogst da AOthwendig Hader.
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gekehrter betrachtet. Jakam nämlich aus Zeredoth o. Zero- roth, wird erzählt, war Schwestersohn des Jose b. Joeser aus Zeredah, dieser das Haupt der Frommen , jener das Haupt derer, die den griechischen Syrern anhingen. Jaknm ritt einst am Sabbathe vor Jose vorüber, vor ihm her ging- ein Marterinstrument *). Spöttisch sagte Jakum zu Jose : Sieh das Ross, das mein Herr mich reiten lässt, und sieh das, das dir bestimmt ist! — y;Nun, wenn dies denen wird, die Oott erzürnen, um wie viel mehr wird denen werden, die seinen Willen erfiillen V^ — Wer hat denn mehr Gottes Willen erfüllt als du? — ;;Nun, wenn so geschieht denen, die seinen Willen erfüllen, wie viel mehr denen, die ihn erzürnen !^^ Das frass wie Schlangengift in Jakum, und er entleibte sich, indem er selbst an sich alle gerichtlichen Strafen vollzog. Jose aber sah dessen Bahre in der Lufl schweben und sprach: der ist mir zuvorgekommen ins Pa- radies !'^ Diese Erzählung theilt der Midr. Bereschith rabba (c. 65) und ihm nach Jalkut (I § 115) und Midrasch The- hillim (zu Ps. II) mit, und es ist schon längst anerkannt, dass Jakum o. Jojakim, wie Ihn Midr. Theh. nennt, dieselbe Person ist mit Alkimos, auch Jakimos, den das zweite Buch der Makkabäer und Josephus sehr wohl kennen und dar- stellen. Er auch scheint es zu sein, von dem an einer anderen Stelle (bab. Baba batra 133 b) eine andere Ge- schichte sich findet, nur dass dort sein Name nicht genannt und sein verwandtschaftliches Verhältniss zu Josef (dem volleren Namen für Jose) ben Joeser als noch enger dar- gestellt wird. Dieser, heisst es nämlich dort, hatte einen ungerathenen Sohn; um ihm nun sein Vermögen nicht zu- zuwenden, weihte Josef eine Säule von Denaren dem Tem- pel. Der Sohn aber kaufte einst seiner Frau einen Fisch und fand darin eine grosse Perle; er woUte sie dem Tem-
♦) Das m6gen die dunkeln Worte Kb^ÜVtt^ KH'^ltt? (•• .T»p) "»»Ip ^TK bedeuten; Mb^tdlTD wohl = ^0Ti£, Peitsche, Geissei. Andere: es ging vor ihm ein Balken, an dem (Jose) geh&ngt werden soUte. Midr. ThehiUlm: H'^^T^b p"«:T KD^tt r»p^ b^K, blos das Unverstandene nach •einer Anfiassnng umschreibend.
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pel verkaofei^ der Schatzmeister schätzte sie aaf dreizehn Säulen Denare an.Werth, bemerkte aber, es seien nur sieben im Tempel vorräthig, worauf Josefs Sohn die sieben sich geben liess und den Betrag der sechs übrigen dem Tempel schenkte. Daher die Bezeichnung : Joseph ben Joeser brachte eine dem Tempel, sein Sohn sechs. Dass Alkimos im Andenken der thahnudischen Nachwelt verblieb, ver- dankt er eben seiner engen Beziehung zu Jose ben Joeser, Dieser, „ein Frommer in dem Priesterstande" (n:inD» TDn), wie ihn Mischn. Chagigah 2, 7 nennt, ist der Anfangspunkt der thahn. Tradition (Mischn. Chagigah 2, 2. Edujoth 8, 4; Aboth 1, 4), seine und seines Zeitgenossen Josef b. Jochanan (vgl. Aboth a. a. O. und M. 5) Bedeutung ist daher in der Erinnerung der späteren Zeit geblieben, die derselben je nach ihrer Auffassung der Vorzeit einen mannichfach ge- stalteten Ausdruck verliehen, sich am Reinsten aber in fol- gendem Ausspruche der Baraitha erhalten hat: „An allen (Lehrer- oder Richter-) Paaren, die von Moses' Tode an erstanden, bis Jose b. Joeser aus Zereda und Josef b* Jochanan, der Jerusalemite, erstanden, ist ein Makel anzu- bringen," sie zuerst sind die Tadellosen *). Es darf nun nicht auffallen, wenn der Sohn oder Neffe eines so hervor- ragenden und einflussreichen Mannes, der gerade in gegne- rischer Weise einen so traurigen Ruf erlangte, gleichfalls in der Zeit selbst besondere, wenn auch schmerzliche Auf- merksamkeit erregte und in der Erinnerung nicht erlosch* Sie kennt ihn eben blos in Verbindung mit seinem Vater oder Oheim Jose und hat, in Verehrung für diesen, als dichtende Sage, auch sein Bild ausgeschmückt und den trotzigen Verächter vaterländischer Sitte zu einem am Ende seines Lebens in Busse Umkehrenden, den Vergeuder der Tempelschätze zu einem dieselben Bereichernden gemacht, während sich doch aus diesen Sagen heraus der wahre Kern
♦) j. Sotah 9, 9 (10): "^D^ ITÄi?» 12^1 HW rWlTtt ITttW n«nn te
xn p3 ifrb iWH D-^büiT r*( pnr p »pri rmv ü^e nta^r» p. neber
dieae Stelle imd die Variationen, in denen aie sonst Torkommt, sowie
Aber die tWDlt rgl noch weiter unten.
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lamtMMuAtim IXsst^ et habe sich hh einen der bittefstn^ Gewilttbat mit Spott rerbifidenden Abgefallenen bewiesen^ wie aach die Geschichte mit dem Tempelschatze Hoch in ihrer sprachlichen Darstellung gani; deutlich den Tbeil, de^r als eeht historische Tradition sich bewahrt hat^ vott denti anderen scheidet^ der als sagenhafte Umgestsitnng aieh daran gelehnt hat. Das Historische daran, in der spftihebr. Schulsprache erzählt, besagt einfach : Josef b. Joeser hotte einen Sohn, der sich ungejsiemend betrug, da schrieb mmi nieder: Josef ben Joeser nützte (brachte ein) einfach, sein flolm schadete (zog heraus, plünderte) siebenfach. So die richtige, gleichfalls aufbeurdhrte Variante. Die Sag^ ge- staltete dies um in: sein Sohn brachte ein sechsfach, und dichtete daraus, dass ihm das Dreizehnfache gebührt und er nur das Siebenfache angenommen habe und bildete rieh die ganze Erzählung mit ihren kenntlichen unhistorischen Elementen *). Die ehrerbietige Scheu gegen Jose, welche die Kachwelt veranlasste, auch seinem Sohne eine edlere Seite abzugewinnen, konnte jedoch das Urtheil der Mitwell^ der harten Wirklichkeit gegenüber nicht bestimmen, und unser Spruchweiser sprach sich daher mit aller Schärfe über Alkimos aus. — Dass er mit griech. Form „Alkum* heisst — nicht Jojakim oder Jakim oder Jakum — , ist ganz natürlich; es ist der Name, den er in Yasallendemuth nach Aussen und mit dem Enechtesstolze nach Innen -^ "^Xuifiog, Uebersetzung von '•5?^, der Mächtige — trug und der den Hass gegen den Verächter vaterländischer Namen wie Sitte üoch um so mehr reizte, gerade wie umgekehrt
•) Den Kern dieser Seire bilden demnadi die Worte: MPT' p ^DV
>aai nrw d^^dh n?rr p «pv «roi ynnp rmw^ am: ,Tn ¥hv p ib .tst
^» M'^^tn. So richtig die zweite Belation OIT^MI MD'^M) ; die Büge, in ilirem Streben, Jose*s Sohne eine gnte Seite abzugewinnen, machte ätte dem letzten Satze: VÜ D^^^DH 1^21 und büdete nnn daraus, waa im chald. Tolkadialekte mitgetheilt wird, die Geschichte, wie sie oben berichtet worden, mit der ganzen nnhist. nnd hyperbolischen Art solcher Sagen. Sein Weib soll die Tochter des HaarkrSnslers des KSnigS Jafmai ge- wesen sein, wie denn der König Jannai überall Auftritt, WO el etwti Feindseligei sa beziehten giebt.
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die spätere Zeit^ ihn als suletat Wiederbekehrten darstellend. Um gerne mit dem hebr. Namen — Jakum oder Jojakim — bezeichnete. Auch die Form ^^Alkum/^ statt deren man j^AJkim^^ erwarten sollte, darf nicht auffallen; der Name lautete, wie es scheint, so im Monde der Palästinenser; und auch in der älteren Quelle, dem BerescL rab. (welchem Jalkut folgt), heisst sein hebr. Name: Jakum, während erst äer späte Midr. zu den Psalmen Jojakim schreibt Auch mag darin ein schmähendes Wortspiel liegen, denn Q^Pftt heisst, als hehr, aufgefasst: Nichtbestand, und der „König Alkimos^' hiess dann spöttisch „König Nichtbestand,^' dessen Grösse nicht von Dauer sein werde.
Nun erst nachdem die nähere Beziehung auf Alkimos gefunden ist, wird uns diese kleine Spruchsammlung klar. Der Weise nennt sich ben-Jakeh, den gehorsamen Sohn, der die eigenen Eltern und der Väter Sitte achtet, eben im entschiedenen Gegensatze zu der Zeit und besonders dem sich erhebenden Herrscher, der des eignen Vaters spottete and den vaterländischen Brauch verachtete. Nach seinem Geständnisse der Unwissenheit, das dem griechischen Weis- heitsdünkel sich entgegenstellt, fugt er dann die Worte hinzu, die nun auch mehr als stumpfe Resignation bedeuten, die vielmehr den Widerspruch gegen den Ab£all aus- drücken:
Ein jedes Ootteswort ist lauter,
Schild ist Er denen, die Ihm trauen (V. 5),
wenn auch augenblicklich der Kampf gegen das Gotteswort keck sein Haupt erhebt
Füg* Nichts hinzu su Seinen Worten,
Er möcht' dich züchtigen und du als Lügner dastehn (V. 6).
Drum bittet er nun von vorn herein um zwei Dinge : Lug und Trag von ihm fem zu halten, jene verführerischen griechi- edien Sophismen, und dann eine Stellung einzunehmen, die in der Mitte zwischen Armuth und Reichthum, da dieser zur Schwelgerei verleitete und jene zu stumpfer Folgsam- keit gefugig machte. Alsbald wendet er sich dann an den Verrftther, der die Volksgenossen selbst dem Henkerbeile der syrischen Oberherren überlieferte, der der eigenen
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Eltern imeixigedeiik, in seinem Schmutze sich gar rein dünkt y höchmüthig und habgierig ist Er stellt dann die unersättlichen Dinge zusammen^ über alle aber das Auge, das des Vaters spottet und den Gehorsam gegen die Mutter yerachtet Darauf folgt zur Charakterisirung des kriechen- den Emporkömmlings, eines gleissnerischen Leisetreters, die Zusammenstellung von vier Dingen, deren Spur sich nicht nachweisen lässt. Er geht noch directer auf seinen Gegen- stand los.
Unter dreien erzittert ein Land,
Und unter vieren kann^s es nicht ertragen:
Unter dem Knechte, -wenn er regiert,
Und dem Niederträchtigen, wenn er satt ist des Brodes,
Unter der Verhassten, wenn sie des Mannes wird,
Und der Magd, wenn sie die Herrin beerbt. (Y. 21 — 28.)
Feiner ist wieder die darauf folgende Zusammenstellung:
Vier sind die Kleinen im Lande
Und sie sind klag und sehr gewitzigt:
Die Ameisen, ein Volk nicht stark.
Poch bereiten sie im Sommer ihr Brot;
Die Klippdachse, ein Volk nicht mächtig,
Doch machen sie ihr Haus in Felsen;
Heuschreck hat keinen König
Und zieht zur Beute nur als Qanzes aus;
Stemeidechs kannst mit Händen du greifen*).
Und ist sie doch in Palästen des Königs. (V. 24-28.)
*) Ueber H'^Q?}!^ vgl. Ges. im thes. s. ▼. HinzuzufSgen ist aosser der thalm. Par.steUe j. Berakhoth 9, 3 noch die andere thalm. Stelle: nsmn y^ (o. '?SÜ) HV^SÄD r^b:^n IIÄK (Sanhedr. lOS b), (der götzen- dienerische König) Amon brachte Stemeidechsen auf den Alt«r, d. h. die ekelhaftesten Insecten, vgl. Midr. Mischle (auch bei Jalkut) su uns. St: n'^ttttJD HKliü G'^nün ^D2 fHV (nicht wie Raschi: er machte ihn 80 Öde, dass die Spinnen dort ihr Gewebe anfertigten, wesshalb eben gesagt werde, er habe sie hinaufgebracht). Während nun dieses Wort Tom j. Th. für n{(p^D (3 Mos. 11, SO), wird es vom Sam. für Hp^jJ^ gesetzt und auch der Sjr. setzt für dieses dasselbe Wort Mrij9)3H, mit dem er an unserer SteUe (und gleich Ihm das Tharg., nur dass Kof und Mem transponirt werden) ^^7273^ wiederg^ebt. — TOHTI D'^T3 nehme ich: „du kannst mit Händen packen,'^ als Zeichen ihrer Schwäche; flbrigens verträgt sich auch die gewöhnliche Erklärung „sie tappt (an den Wänden hinauf) mit Bänden (den Yorderfib8en)<< mit dieser Auf*
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Hier ist der kriechende Emporkömmling bezeichnet^ der durch List ersetzt, was ihm an Math und innerer Be- deutung gebricht. Er hat nicht die ELraft, selbst zu schaffen, sondern sammelt emsig zu gelegener Zeit wie die Ameisen von der Arbeit Anderer^ hat selbst nicht Macht, den Feind abzuwehren, aber lehnt sich wie der Ellippdachs an den Mächtigen, es gebricht ihm an Muth, allein etwas zu unter- nehmen, mischt sich vielmehr in die massenhafte Schaar wie die Heuschrecken, bei denen kein Anführer ist, und die nur zu einem Ganzen vereint ausziehn. So kriecht er, schwach und ekelhaft, gleich der Stemeidechse (wir würden sagen: eine Schmeisfliege) hinauf, und dringt in die könig- lichen Gemächer vor. — Nachdem nun der Weise Spruch auf Spruch in bald mehr offenliegenden bald verhüllteren Anspielungen gehäuft, löst er endlich das Bäthsel und nennt muthig den Mann, welchem sein Hass gilt, in den Sprüchen, die schon früher besprochen sind, und mit denen er seine Rede schliesst.
Weniger prägnant stellt die Zeit dar die folgende kleine Spruchreihe, die einem „Könige Lemoel o. Lemuel'^ in den Mund gelegt wird, als Lehre, ihm von seiner Mutter ertheilt Es ist eine Ermahnung an die „Könige,^' sich nicht dem Genüsse der Liebe und des Weines hinzugeben, vielmehr emes unparteiischen Gerichts sich zu befleissigen. Die trübe Anschauung, die diese kurze Anrede durchzieht, die Bezeichnung der Welt als der „Vergänglichkeit" ('F?) und der Menschen als „der Söhne der Vergänglichkeit" o. als „der Söhne des Elends" bestimmen diesem Stücke ebenso seine Zeit wie die für ein so kurzes Stück verhält- nissmässig vielen neuen späten Wörter und Formen. Dass die von der vaterländischen Sitte Abgefallenen im Besitze ihrer vom Auslande erbuhlten Macht auch der Schwelgerei fröhnten, welche an den lehnsherrlichen Höfen, den Zwittern von griechischem Raffinement und orientalischer entnerven-
^^urang. — tieltio (Sterneidechse) wird bei den Römern geradesn Beseieh- Bonf eines listigen Menschen. Nocli kommt T^TaittD vor Sifre Wesoth h*-Berftchah ni 6 Mos, 83, 19.
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der Öenuflssucht, herrschend war, lässt sich von vom hereiii denken. Zum üeberflnsse giebt uns auch der schon ge- nannte Jerusalemite Josef b. Jochanan eine sehr verständ- liche Andeutung darüber. In seinem uns aufbewahrten Wahlspruche (Aboth I, 5) empfiehlt er zuerst, ein offenes Haus für die Armen zu haben, die stolze Scheidung zwischen der Aristokratie, die an das Ausland sich anlehnte, und dem von ihr verachteten Volke au&ugeben, und dann: „unterhalte dich nicht zu viel mit dem Weibe," sicher von der einreissenden sittengefährlichen Galanterie abmahnend, TrotsB diesen Ausschreitungen der hohenpriesterlichen Herrscher blieben sie doch bis zu dem ernsten Kampfe der Hasmonäer (ja auch nach diesem, nur in geänderter Form) der Mittelpunkt des von religiösen Ideen getragenen staat- lichen Lebens. Der neue Staat und die Kationalität be- gründete sich auf den Anschluss an die priesterlichen Voi^ Schriften. Ausser der besprochenen Reinhaltung der Ehen galt als nationaljüdisch die Einhaltung der Boden- und Tempelabgaben (2 Chr. 31, 5 f. Neh. 10,33. 36 ff. Sirach 7, 31- 45, 20. Tob. 1, 6. 5, 13. Judith ll, 13. Gebet Asariafa's 14. I Makk. 3, 49), die Feier der Sabbathe (Jes. 56, 5. 6. 58, 13. Neh. 10, 32 und oft in Apokr.) und der drei Tempel- oder Wallfahrtsfeste (1 Chr. 8, 13), näm- lich des Passah (2 Chr. Cap. 30 u. 35. Esra 6, 19 ff.), des Wochenfestes (Tob. 2, 1) und des Hüttenfestes, weldies als ganz besonders bevorzugt und als Wallfahrtfest schlechtweg erscheint (2 Chr. 5, 3 u. T, 9»), Zachar. 14, 16 ff. Neh. 8, 14 ff.). Daran schliesst sich noch die Feier des siebenten Jahres als Bradbjahres (Neh. 10, 32. 1. Makk. 6, 49 n. 53)
*) ^v^i^ schlechtweg, ein Name, der ihm dann in der thakn. Literatur gehlieben ist, und wurde dasselbe als Erntefest und in die Zeit treffend, in welcher der Landmann die heimische Arbeit beendet, besonders feier- Boh in Jenmalem begangen. Vergleicht man tfie CSironikstellen mH den eat^irediendeB in 1 Köm., n&müeh 8, 2«nd66, so eirk«nnt man die Um- wandelang der Anschanong und des Ausdruckes. Dem Vfr. der Kon. ist V. 65 offenbar ^HD das Ton Salomo damals angeordnete Weihefest dM Tempels, imd V. f sind sogar wahrscheinlich ""J^^Cn ^r\r) Min ym enl sp&tere Glosse ans der Chr., welche die 70 daher «ach in K9n. noch nicht haben.
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und die Enttudtsanikeit y<m imreinea, dcaUuiften Speisen (Jes. 65y 4. 66, 3« 17. Zach. 9, 7). Die nationale Partei war daher in derBeobachtnng dieser Vorschriften vorzüglich achtsam. Wei;^ sieb ihr awchloBs, hiess: der «ich absondert von dfr Unrein- heit der LandesYölker (oder von den LandesvöUkem) m ihne»*' oder ra der Lehre Gottes, ü L sich ihnen oder der hohre Got- tes Anschliessend, "»»rö oder «n ':itt) V^? "^.1^ W?^9 ^^» msPKn u. ähnlich) B^rt%? niln ^> o. Wl?« (Esn^6, 21. 9, 1. 10, U. NeL 9, 2. 10, 29) ; der Ausdruck p ^W undgar ^» - • JP i??J gehört aosschliesslicfa dieser Zeit an in dieser Bedeutung and ist ein stehender fiir die Partei*), und bei dem B^ ginne der Makkabäenseit fordern daher die Griecbenfreond^ zum Anschlüsse an die Griechen auf mit den Worten; Seitr^ dem wir ans von ihnen gesondert haben (ixfittQMfjiaif m ai/rav, die Uebers. von ^*^^), trafen uns viele UftfiÜle {!• Makk. 1, 1 1^» Für diejenigen, welche sich dieser Sondearung nicht unterwarfen, gab es damals blos die Bezeichnung^ dass sie sich nicht gesondert (£sra 9, 1.) oder dass [sie sich vermischt unter die Völker, ^l^n^i (Ps. IM, 35. Esra 9j 2), sie waren Mischlinge 3^S (Neh. 13, 3)**). Die' Zeit vor Alkimos wurde später im Vergleiche zu seinen und seiMr Anhänger Bestrebungen als die der „Nichtvernuscbung^ (a/f^^ia) betrachtet, die seixvige als die der ^,VerqiisyfcuPg^^ (sni^#lO (2. Makk. 14, 3. 38)***).
*) Kor einmal findet tidi 4. M. 16, 21 : "T^mf^ ^1M, «b^r nSehl p hnQX Die Tene iO— 22 hsbea fibrig«iM «owohl wegen der sneh an Aeron ge- richteten Bede, als wegen dos Gebetes ftlr dae Volle, müS das weiter gigr ninhi eingegangen wü d» ftr Bedenken. -^ Der Antdroek p bl^ i%Mk^ in Ihulicbem, wenn auck mcht in dem prägnanten na^onal-prieateflichep Sinne, nur noch I. Chr. 12, 8 und 28, 13, nnd einm«! nmgekehrt: ans Israel ansgescfaSeden werden: Th^X^ bnp?^ Vl^^ Esra 10, 8.
**} yiy)p. kommt »war aach 2. Mos. 12, 88 Tor, allein offMbar iet dieee Worttfaeilnng, der die Ucfeers. üilgen, ans der apHteren Bed. ent- atoadem; die ncsprfyigUehe LA. hat der ton* aufbewahrt In (skiemWort^« 2inV s «IIDDDM. wofür Thsrg. S'QV mM» (i. Af. 11, 4, 7gL «iwb HL. I, 12) and Dies scheint auch in dem j. Th. JI. avsgedrd^ su sein mit pi^ir y\rh, wlOirend T, j, I« mit Onk. die spftt^e LA. wiedergibt.
***) Vgl. Orimm eu den St. und die dort angefl flt. ans Psalt. Balon. 2, 14; Ut^ heiaal aber aldhC „b^vkretUmus,^ eopdara eiben Mb- lieba VenniBeh«!« «it fam^M V^ttoenv
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Dritter Absclmltt.
Die üeberarbeitung.
Die Bibel idt und war zu allen Zeiten ein ewig leben- diges Wort, nicht ein todtes Buch. Sie redete zu allen Geschlechtern^ sie belehrte sie, sie prägte ihre volle Gesin- nung in dem frischen Worte aus^ sie war immer ein unter ihnen Gegenwärtiges; nicht ' ein abgeschlossenes Buch des AlterthumS; dessen Sinn man sich erschliessen müsse^umdie Anschauung einer dahin geschwundenen Zeit kennen zu lernen, während man etwa dabei seinen abweichenden Weg* gieng. Wenn man daher andere Werke des Alterthums bald nach den Ideen der Zeit^ in welcher sie abgefasst worden^ zu deuten unternahm und die Uebertragung der eignen und der Zeitansichten zu vermeiden bemüht war, so war es um- gekehrt bei der Bibel. Das ewige Wort gehörte* nicht einer bestinmiten Zeit an, es konnte nicht von der Zeit seiner Niederschreibung abhängig sein, es durfte ebensowenig an- geblich neuer ^Wahrheiten und Erkenntnisse entbehren. Daher trug eine jede Zeit, eine jede Richtung, eine jede Individualität in die Bibel ihre ganze eigne Auffassung hin- ein; daher die Erweiterungen, Deutungen, typischen und symbolischen Erklärungsversuche. Bei allem Streben und Verlangen nach objectiver Auffassung will eine solche nicht gelingen, und auch der Ungläubige trägt seine Antipathie in seine Erklärungsversuche hinein. Das mag nun grosse Unsicherheit der Exegese bewirken, um so höher jedoch zeigt sich hierin die Bedeutung der Bibel, die Allen Alles ist. Was jedoch in späterer Zeit auf dem Boden der Ex- gese geschah, das musste in früherer Zeit, als die Bibel noch nicht fest abgeschlossen war, durch Üeberarbeitung geschehen. Die Bibel enthielt das volle Geistesleben des Volkes, drückte es vollkommen aus, sie sprach einem Jeden seine eignen besseren Ueberzeugungen aus, und in der ener- gischen Wiederbelebung, welche sich in der ersten Zeit des zweiten Staatslebens unter den Zadokiten kimd gab, in dem voUen Streben, die Bibel nun endlich eine Wahrheit werden zu lassen, in der vollen Identificirung der eignen Gesinnung
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wüL deren Inhalt^ musste das nationftle Bewasstsein in dem fiberlieferfeen heiligen Buche seinen ganzen Aosdruck finden, eneogte es arglos das ihm mangelhaft Scheinende und drückte dem Vorliegenden in aller Unbefangenheit auch den eignen Stempel auf.
Eine unbefangene Geschichtsauffassung, welche sich in die Verhältnisse und Anschauungen der damaligen Zeit zu ▼ersetzen, die Energie des damaligen Schöpfungstriebes, die Macht des, wenn auch abnehmenden, Geistes der Offen- l)mF|iiig (Vnpn ni*)) 2u würdigen weiss, wird an einer solchen üeberarbeitung nicht nur keinen Anstoss nehmen, sie wird sie yiehnehr nothwendig und schon durch Analogie bezeugt finden« Sie giebt zu, dass zu dieser Zeit ganz neue Schrif- ten erstanden sind, welche den alten Werken als ganz oder fast ebenbürtig zugesellt wurden, und ein grosser Theil der Hagiographen gehört dieser Ejitegorie an. Sie giebt zu, dass ganze Werke, welche damals abgefasst worden, frü- heren Personen beigelegt wurden, dass Koheleth und Hohes- lied nicht Salomo, das Buch Daniel nicht diesen zum Ver- fasser haben, dass vielmehr der spätere Schriftsteller in der , ▼ollen Ueberzeugung gelebt hat, im Geiste dieser Männer zu seinem Volke zu sprechen und daher ohne Arg deren Namen an die Spitze seines Werks gestellt hat. Sie giebt zu, dass die letzten Theile von Jesaias und Zacharias, eine grosse Anzahl von Psalmen — und zwar ganz abgesehen von den zurückdatirenden Ueberschriften — und ein grosser Theil der Sprüche Salomo's jungem Ursprungs sind, aber älteren Sammlungen einverleibt worden. Sie giebt zu, dass ältere Werke und Thatsachen gänzlich überarbeitet sind in neuen Sciiriften mit geändeter Sprache und Auffassung, sie erkennt daher an, dass die Chronik, einem grossen Theile ihres Inhaltes nach, eine Üeberarbeitung ist der Bücher Samuel's und der Könige, uns glücklicherweise aber auch die ältere Arbeit erhalten blieb. Sie kann das historische Zeugniss nicht abweisen, dass man damab, ja noch die ganze Zeit des zweiten Tempels hindurch und noch ein Jahrhundert darüber hinaus, sich ▼ollkonunen frei bewegte in seinem Urtheile über die Anerkennung der einen oder
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der amdem fidirifik ak einer faoiligesi, dMs dM UrtbfiU fiW mehre Bücher, weldie gegenwärtig dem Kefion engehOrei^ urie Esecbiel, Koheleth, Hoheslied, Esther, lange zweifelhaft blieb, bis «es .sich enllieh zu ihren Ghmsten enl^cbied, dM$ umgekehrt andere Bücher, welche mm Tom Kanon msg^ schieden sind, eine Üngere Zeit hindurch in volkm Ansehen standen, wie Bai^Sira, besonders aber bei den Juden, welche des fiebrüaschen minder kn&dig waren, die grosse ^Ansebl jetast als apokryphisch beEeiohneter Büdier als ganji gleichr berechtigt mit au%enommeQ war. Sie wird die sprecbefir den historischen Zeugnisse, die wir später in ihrer gaaxen Bedeutung herrorheben werden, nicht femer ignoriren kön* nen, dass dbsichtlich, aus höchst achtbaren Gründen, ein^ zelne kleine Aenderungen in allen Büchern in alter Zeit und lange lierunter vorgenommen wurden. Wie soUte eie mm an anderen Ueberarbeitungen Anstoes nehmmi kömaen? Das religiös-nationale Bewusstsein hatte sich ToUstäadig in den überlieferten heiligen Schatz eingelebt, es assimi^ lirte ihn daher auch mit seinen Empfindungen und gestaltete ihn nach dens^en um.
Wir betreten hier freilich ein Gebiet, das Vorsieht und beilige 6cheu erheischt, und bei dessen Durchforschung die Hindernisse so mannich£acher Art sind, dass man sich der glückliehen Lösung seiner Aufgabe, einen festen und un- bestrittenen Boden £u gewinnen, kaum erfreuen darf. Nach* dem wir jedoch in die Zeitlage der besprochenen eadoki* tisohen Periode, m die soharfausgeprägte Indavidualltif^ welohe dieselbe mehren älteren Institutionen vearlieb, einen tiefem Einblick gewonnen, werden wir doch die £inwirk«ii- gen dieser Periode auf die ihr vorli^eaden Bchriftwerke sicherer angeben können«
¥er Allem lag es im Drange der damaligen Zeit| Jerusalem oder Salem, wie man es damals nannte — wahr- soheinlieh um es eis ^,yoUko]nmene^ Stadt zu beaeic^en -^ und den darin herrsehefideai Maflkhiifedek, „den K^kiig der Gerechtigkeit'' oder den Ehohem leid eljon, ^den Priestor dem whabenen Gotte" als Ton üneil; her geweiht dami- steBen. Schon in idesi Zeiten Abtaham'j soUte ee tkr fitte
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muoB «ololmi PrieatertbamB sein. Als Abraham die K<taigd bdülm^ und Lot befreit hatte, da genügte es niefat, daM der König des sündigen Sodom ihm dankend entgegen^ kam^ Tiehnehr
,,amch Malkhized^ König Salem's, brachte entgeg«! „Brod nnd Wein, und er wMr Priester dem eriiabe- ,,nen Qt>tte, nnd er (M.) segnete ihn (den A.) und ,,8pracfa: gesegnet sei Abram dem erliabenen Qotte, ,,dem Besitzer Himm^ and Erden, und gepriesen ^sei der erliabene Gott, welcher überliefert deine ^, Widersacher in deine Hand! Und er(A.) gab ihm „(demM.) einen Zehnten von Allem'' (I .Mos. 14, IS**-'^). Also Salem schon in der Urzeit Sitz eines Priestern, welcher den erhabenen Gott, den Besitzer Himmels und Erden, d* h. des Alls*), bekennt; er s^nete Abraham und ihm wird der Zehnte gegeben. — Der erste Besitz, wdchen Jakob sidi aneignete, war ein Stück Feld bei Sichern, und dort errichtete er einen Altar (1. Mos. 33, 18—20); die Stadt Sichern schenkt er daher auch auf seinem Sterbebette aeinein Sohne Joseph (1. Mos. 48, 22), nnd ^eses Gebiet gehörte za dem Erbe der Nachkommen Joseph's (Josna 17, 7 und 24, 12). Dass jedoch Sidiem, äi% nebenbahleriseha heilige Stadt der Samaritaner, das erste Besitzthnm des Stammvaters gewesen sein sollte, woselbst er ek>en Altar dem Gotte Israels errichtet, war den Anforderungen der ZtfCit nicht entsprechend, vielmehr musste Salem die durch Jakob zaerst geweihte Stadt sein. Dies war leicht zu be- wirken. Nicht nach Sichern war, so änderte man, Jakob gekommen, sondern nach Salem, einer Stadt, die damals dem Sichern gehörte, und man fugte die Worte ^^^ 0^87 in**). So liess man auch Ohamor nnd seinen Sohn
•) Vgl. xihen 8. 88f.: ^DH T\Tip und «ratrtoxptffop; dw Weltall wird hebr. aber ttmsdiTiebeii mit ,^iminel und Erde," worfiber anch noch «piler. Das h^7\ HTIp irird auch in der Abkürzung des Siebengebetes am Vorabende des Sabbatbs ausgedrückt mit V*)M1 D**7SV HTIp. Anch im ersten Morgengebete vor fidiema heisst Gott: D31p» Besitzer der Him- melaheere.
**) Viell. httngt damit «adh xosammen das ^33 !n V. If , weMhos ^fo
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Sicheniy als sie die Bewolmer der Stadt zur Besclmeidmig veranlassen wollen mit den Worten: diese Leute mögen bei uns im Lande wohnen*) upd es als Kaufleute durchzieben — noch ausdrücklich sagen: diese Leute sind Salemiten (34, 21)., Sogar in der späteren Zeit mochte man gerne in einige Stellen des Textes ^^Salem^' hineinbringen; jedoch drang es nicht durch. Aus dem Friedensbunde des Pinehas hätte man gerne einen ,,Salemsbund'^ gemacht und verkürzte oder durchstrich desshalb das Wav in D^^^ (4. Mos. 25, 12)**). Die Verkündigung an Josiah, dass er zu seinen Gräbern in Frieden gesanmielt werde, verwandelt eine alte griechische Uebersetzung, die bald dem Symmachus beigelegt (Mont- faucon), bald in die Septuaginta selbst hineingetragen wird (syr. Hexapla), in: er werde zu seinen Gräbern in Salem (Jerusalem) eingesammelt werden (2. Kön. 22, 20). Die letztgenannte Aenderung, die blos in der Absicht versucht worden sein mag, um. die scheinbare Schwierigkeit zu be- seitigen, dass Josiah doch nicht friedlich ins Grab gestiegen, vielmehr umgebracht worden, drang nicht ein. Auch die andere bei Pinehas hat weiter keine Spur zurückgelassen, als die eigenthümliche Gestalt, welche man dem Wav ge- geben. Anders die Zusätze in den drei zuerst genannten Stellen; sie haben sich erhalten, wenn auch bald die Absicht, in welcher sie gemacht wurden, schwand. Dass Jakob nach
70 nicht übersetzen. Jakob n&nlich kaufte das Feld von Chamor, dem Vater Sichem's ; wird aber dieser im früheren Verse als Herr des Landes bezeichnet, so mosste er es von ihm, nicht von dessen Vater Chamor kaufen. Dass diese Stelle Correcturen unterworfen war, zeiget anch Apostelgesch. 7, 16, wo Chamor gar ein Sohn Sichem's genannt wird. Wie in der Genesis lautet es nun auch Josua 24, 32; dort aber erklärt der Grieche die Stelle ganz anders, und der Syrer -lässt das ^22 weg!
*) 12V** ohne Wav am Anfange lesen Samar., 70, Vnlg. und Syr. Da man jedoch bald, wie schon die 70, Q'^fd^ü nicht als Salemiten, son- dern in dem sonst nicht gebräuchlichen Sinne „friedlich** nahm, so yer- band man \^r^ damit, und es war daher angemessen, dem ISVT ein Wav vorzusetzen.
**) Dies kennt schon eine alte Autorität in der bab. Gem. Kidda- schin 66 b. und erklärt das Wort auch als Ü^^y aber nicht als Salem, sondern: Tollkommen, vgl. Minchath Schai a. St.
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Salem gekommen , nehmen zwar noch alle alten Uebers. an (70, Volg.y Syr.)^ und nur der Samaritaner weicht, seinem Systeme treu, ab, da er nicht Salem, sondern Sichem her-- vorgehoben haben will; er lässt Jakob nach Sichem kom- men „friedlich, vollkommen,'^ wie er obv erklärt, indem er sogar dafür ühv setzt. Ihm folgt in der Erklärung die thalm. Tradition und sämmtliche spätere Erklärer, da sie die dar malige Existenz von Salem — trotz dem Zusätze bei Abraham — in Zweifel ziehen mochten; nur die späte Ha- gadah im Sefer ha-Jaschar hat die alte Erklärung aufbe- wahrt, und der scharfblickende Samuel ben Meir erkennt Salem richtig» Die „Salemiten^^ in der Anrede Chamor^s und Sichem's verwandelten sich später gleichfalls in Fried- liche. Die drei Verse bei Abraham jedoch, die so seltsam den Zusammenhang stören, waren gleichfalls schon Samuel ben Meir aufifallend; natürlich konnte seine Lösung nicht befiriedigend sein *)•
Und nicht blos Salem sollte in seiner uralten Weihe dargestellt werden, sondern auch dem ägyptischen Omas- Tempel zu Heliopolis musste seine Berechtigung besiegelt werden, als schon durch frühere Prophezeiung ihm zuer- kannt Eine solche knüpfte sich leicht an die Strafver- kündigung des Jesaias (Cap. 19) gegen Aegypten, beson- ders da dieselbe (V. 17) mit der Drohung schliesst, dass Aegypten vor Juda erschrecken werde. Dies war nun noch keineswegs in Erfüllung gegangen, vielmehr lebten viele Jaden in Aegypten unter dessen Botmässigkeit; doch waren die Juden dort zahlreich und angesehen und hatten sogar einen eignen Tempel zu ihrer Qottesverehrung in diesem Lande. Und dies begeisterte einen jüngeren Propheten zu dem ZosatzOi welchen wir von Y. 18 an lesen : „An jenem
*) BekannfUch beaitsen wir S. b. Ws Comin. su den ersten 17 Cap« dar Geneaifl nicht; seine Worte an dieser SteUe jedoch sind in Minchath Jehndah des Jnda b, Elieser und in Thoss. Hadar Sekenim aufbewahrt und Unten: rWH TOW TTIttb^ ÜMÜ "pü H)t^ T^ Ht piDD3 ^^Ti ^D^
xjn)t "^An bm bM mn '^a
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Tage werden fünf St&dte im Lande Aegypten s^^ die E3mi- Baan's (die bebr.) Sprache reden und beim Ootte Zebaoth schwören^ Stadt harZedek (der Gerechtigkeit, der Zadokiten) wird eine genannt werden. An jenem Tage wird ein Altar Gotte sein in der Mitte des Aegypterlandes und eine SAiile bei dessen Grenze Gotte. Und ea wird sein iKim Zeichen und Zeugnisse för Gott Zebaoth im Aegypterlande, so dasa wenn sie (die dort wohnenden Juden) schreien ssn Gott vor Dräng^m, so wird er einen Helfer und Herrn ihnen senden und sie befreien. Und es wird Gott Aegypten bekanot werden und die Aegypter (d. h. die ägyptischen Juden) werden Gott erkennen an jenem Tage, werden den Opfer- und Gabendienst (im eigenen T^npel) verrichten, werden Gbtte Gelübde geloben und zahlen. Gott wird schlagen (die Joden in) Aegypten schlagend und heilend, und so sie au Gott zurückkehren, wird er von ihnen erbeten werd^a und sie heilen. An jenem Tage wird ein Pfad sein Ton Aegypten nach Syrien (Aschur) und Aschur kommt nach Aegypten und dieses nach Aschur, und (die Juden in) Aegypten mit (denen in) Aschur verrichten Opferdienst An jenem Tage wird Israel ein Dritttheil sein von Aegyp- ten und Syrien, ein Segen in Mitten des Landes, ind«ii Gott Zebaoth es segnet: gesegnet sei mein Volk (in) Aegyp- ten, und meiner Hände Werk (in) Syrien und mein Erb- theil Israel (d. h. das in Palästina ist).'' Der ganze Ton dieses Abschnittes lehrt, dass hier nicht von dem ägyp- tischen Volke die Bede ist, sondern von den Juden in Aegypten. Darum spricht der Prophet von einer beschränk- ten AnzsJbl Städte in Aegypten, die hebräisch reden und Gott angehören, hebt er hervor, dass Gott eine geheiligte Stätte in diesem Lande Andersgläubiger habe, dass er ihnen auf ihr Flehen einen Retter sende, sie bei ihrer Um- kehr heile; darum die Verbrüderung zwischen Aegypten und Syrien und der Segen, welcher nur fUr Israel gesprochen wird C^^*^^, nicht D3"^2) und dennoch mit Nennung dreier Ländernamen. So haben es auch alle alten Uebersetzer erklärt, an ihrer Spitze der ägyptisch-griechische, dem diese Vethenrlichung des Oniastempels vor allen am Herzen lag.
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Bf lÜeAti M UM mcb die ri(dKl%e Lesarfc in der Beaeil« mmg der einen der ftUtf Stkdte (V. 18) eriialten. ?>¥? "^'^ las er xntA etr behält das bebr. Wot% welches er wohl ver- stand tmd das er ttiderswo^ wo es von Zion gebranehi ward, wie Jes. 1, 26, richtig mit ,,9tadt der Gerechtigkeit^ (ßsxmoüvptis) wiedergiebt, in der Uebersetsning bei: nüUg iüfdtnj um die Bedeatong dieses Namens, der Gerechtigkeit tmd Zadokitenstadt zugleich in sich schlicsst, recht stark 2tt betonen. Erst später, als diese Benenimng fbr Helio' poBs mit seinem Oniastempel anstössig war, verwandelte man P^"^ in DTöD, was hebr. Uebersetzung von Heliopolis^ Sonnenstadt ist, vieUeicht aber auch die schmähende Neben« bedentong: „Stadt des Aussatzes^' zulassen sollte*). Was hier in den hebr. Text eingedrungen ist, ist noch an vielen Orten von dem ägyptisch-griech. Uebersetzer unternommen worden, ohne dass jedoch unser Text davon berührt wurde. Die alte ägyptische Stadt On (]H) nämlich mit der dortigen
*) Dass Dinn nicht die ursprüngliche LA. ist, beweist der gaiisö Charakter der Stelle, wonach nicht der einfache Nams einer Stadt snge> geben, sondern eine von den ftiof gan2 besonders verherrlielit werden soH. Koeta EpbrSm Syrag kennt diese alte LA., indetti er die abwei- dMBde syr. Uebers. erklttrt : Mnip>in HT^^I^ n. Ob ia unserm TexU DWY o. Onn gelesen werde, ist zweifelhaft; doch sprechen für ersteres gaas entschieden der Chald., b. Henachoth 110 a (in beiden sind die Worte „der Stadt, welche aerstört werden soll/' Paraphrase oder gsr späterer Zosatz, vgl. Nathan im Amch s. ▼. Din ) , Saad. und BasekL Die Massorah beseagt swar die hJL mit he; so sagt die Baadmuss i Cnnn "np toi '^ , mid die SoUossmass. aäUt das Wort ansdräcUicb «Btwr dn 81, die blos je einmal mit he Torkommen: X*^ M'b p Ht^tf im n'h ini in toi 'n, nnd ihr folgen die spanischen Bibelerklttrer Aben- Esra nnd Kimchi. Allein dass bei der spKteren Nichtachtung nnd ün* kenntniss von Heb'opolis mit seinem Oniastempel DiriH ans DirVl Wttrd4) Ist sehr leicht, nnd die „Reihe" der Sehlnssmass. ist in ihrer gegenwür« t^fVB Oeatelt Jedenfiüls eerrampirt; denn sie giebt die Zahl 81 an nad attll nnr 80 sa£ Das plOD^ ':), welches bei dem Schlagworte Dn^HS rtabft, kann aKadich nicht bedeuten, dieses Schlagwort komme zwei Male in demeelben V. Tor, vielmehr dieses nnd das vorhergehende IIH ständen beide In demselben V., welcher mit den Worten anAngt: 3K^N Wl Tm VmiU (4 Mos. 20, 9). Demnach sind blos 80, nnd die Ueberichxül, mM» 81 «ngitbt, iü im Widirspniehe mit der tinaelBea AnfirikUnng.
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Priesterstätte aas alter Zeit^ welche an [den Namen Onias anklingt, giebt er immer mit Heliopolis wieder; so 1 Mos. 41^ 45; 50; 46, 20. Die Worte des Jer. 43, 13: ,,die Säulen von Beth-Schemesch, welche im Lande Aegjpten'^ übersetzt er: die Säulen von Heliopolis, welche in On, vgl. noch Ezech. 30, 17 und Hosea 4, 15. Neben den zwei Städten, Pithom und Ramses, welche die Israeliten dem Pharao bauen mussten, fugt er (2 Mos. 1, 11) noch hinzu: „und On, welches ist Heliopolis.'^ Hier liegt die Absicht so offen, der Stadt On, welche er mit Heliopolis identificirt, einen israelitischen Ursprung zu vindiciren, dass wir auch in seiner Identificirung von On imd Heliopolis selbst nicht eine aus der Kenntniss des Landes hergenommene Ueber- setzung, sondern das Streben zur Verherrlichung des in Heliopolis bestehenden Tempels, als einer aus der Vorzeit geweihten Stätte erblicken müssen.
Sowie Salem und Heliopolis theils in unsem Text, theils in die griech. Uebersetzung eindrangen, ist ja bekanntlich auch Sichem und Garisim von dem Samaritaner in seinen Text vielfach hineingebracht worden, während umgekehrt die Juden Sichem gerne die Bedeutung, welche ihm in der Urzeit beigelegt worden, schmälern mochten. Wir haben bereits gesehen, dass der Ort, woselbst Jakob das erste Besitzthum erworben und den ersten Altar errichtet, nicht Sichem, sondern Salem sein sollte. Dass Jakob dem Joseph Sichem als Antheil voraus bestimmt, lässt zwar der griech. Uebersetzer (daher auch Evang. Job. 4, 5), auch die alte palästinische Uebersetzung, deren Trümmer sich noch im ersten jerus. Tharg. finden (ddüT Kmp n*^), so auch Beresch. rabba (c. 97 Ende) und aus ihm Raschi; hiemit stimmt auch die LA. nriM, welche der samarit, Text aufbewahrt, so dass es heisst: ich habe dir Sichem gegeben, eine (Stadt) über (mehr als) deinen Brüdern. Allein an dieser Hervorhebung Sichem's nahm man Anstoss, deutete daher DSV als Apellativum: Antheil, wie bereits Syrer, Vulg,, eine andere Ansicht in der thalm. Tradition (Baba bathra 123 a^ Ber. r. a. a. O.), das onkelosische Thargumi auch dM jerus. in seiner gegenwärtigen Gestalt thun. Desahalb
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mtisste aach ime gelesen werden^ dennoch blieb die alte Ponctation ^W^ (nicht ^W). — Der Segen sollte nach 5 Mos. II, 29 u. 30 (vgl. das. 17, II) auf dem Berge Garisim bei den Eichen Moreh's gesprochen werden. Der Samaritaner, welcher natürlich darauf grossen Werth legt, fügt eur Sicherung, dass kein anderer Garisim gemeint sei als der von ihm geheiligte, noch hinzu: ddv bl)d. gegenüber Sichern. Die alte jüdische Halachah wollte ihnen dies .nicht zuge- stehen; Elieser, der Repräsentant derselben, behauptet, es sei hier ein anderes Garisim und Ebal zu verstehen, als die im samarit. Gebiete, u. erst die spätere Halachah räumt 68 ein'^). — Josua setzte dem Volke vor seinem Ende Gesetz und Recht in Sichem (Jos. 24, 25); durch diesen Vorgang scheint dem griech. Uebersetzer Sichem zu sehr bevorzugt, und er setzt dafür: Siloh. Hingegen lässt er die Götzen, welche Jakob bei Sichem vergräbt (I Mos. 35, 4), dort sein „bis zum heutigen Tage,^' worauf auch die Hagadah mehrmab anspielt.
Sicher gehören auch viele von den reich detaillirten Vorschriften für die Priester dieser Zeit an. Ebenso giebt die glänzende Hervorhebung des Elasar und Pinehas (4 Mos. 3, 32. 4, 14. 19, 3 u. 4. 25, 10-13. 27, 21. Cap. 31, bes. 26 — 47. 5 Mos. 10, 6 **), der Linie, auf welche die Zado-
•) 8ifre «ur 81 n. j. 8otah 7, S: (bü) p» "^TP 1T\^ DM^^ in HT fK D^m^n. Inb.Sotah33bi8tdie0 nicht so klar aasgedrückt. Sptttere Aato- rititen nnd die Misohnah jedoch geben zu, dass hier das bekannte Oari- •im bei Sichem gemeint sei. Ueber die alte Halachah und deren Bepr&- •entanten Elieser vgl. unten.
^) Nach 4 M. 4, 28 n. 33, vgl. 7, 8 sind die Merariten nnd 0er- soniten dem Ithamar untergeordnet (TS) , nur die Kehathiten stehn unter Elasar, dennoch wird dieser 8, 82 „Fürst der Fürsten Levi's'* ge- nannt nnd seine Oberhoheit wird hier und 4, 16 mit dem prXgnanten apItbtbL Worte 7T^ bezeichnet » was 8, 86 in dem ganz andern, rtWVnd blos wiederholenden Sinne „Auftrag*' gebraucht wird. — WKh- rend in 19, 8 n. 4 Elasar ausdrücklich genannt wird, heisst es von V. 6 •a fchlechtweg „der Priester*'. — DMp M2p kommt ausser 4 M. 26, 11 nur noch in Zachar. 8, 2 vor, b H'^IS ip^ steht ohne alle sonstige Ana- logie, DlVürmS gehört der sp&tem Zeit an (Ezech. 84, 26. 87, 26*
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loten ihren Stammbaum eurüekföhrten, während ihregieadiichi- liche Beyorzugang erat höchstens mit Salomo^ besonders aber mit der letzten Zeit des ersten Tempels beginn^ der Vermuthung Raum, dass den nunmehrigen Herrsobem die volle uralte Berechtigung nachgewiesen werden sollte. An einem andern Orte (4 Mos. 35, 25 u. 28) tritt ganx uner- wartet der Hohepriester bisn yi^T\ auf, eine Beeeiolmung, welche erst sehr spät üblich wird, und in einer Verbindung, die ihn ofiFenbar als das Oberhaupt des Staates bezeichnet^ mit dessen Ableben auch gewissennassen eine Periode des Staatslebens abschliesst *). — Wenn der Kampf gegen das aharonitische Priesterthum von Seiten Dathan's und Abi- ram's, der Rubeniten, nebst dem Leviten Korach nochmals bei der Zählung der Rubeniten, nachdem dieselbe sdboo gänzlich abgeschlossen ist, angehängt und dabei sehr ange- legentlich betont wird, die Söhne Korach's seien nicht ge- storben (V. 11); wenn femer neben der wunderbaren Ffir- sorge, welche Gott den Israeliten in der Errettung vor mächtigen Völkern bewiesen hat (5 Mos. 11, 2 — 5), des ganz speciellen Wunders gegen Dathan und Abiram, das gar keine Beziehung zu Rettungen der Gesammtheit ha^ gedacht, dabei aber Korach ganz übergangen wird (V* 6): so liegt doch die Vermuthung sehr nahe, dass dies einer Zeit angehört, welcher die Hervorhebung der Priesterfamilie recht Herzenssache war, die aber doch die Korachiten, die berühmte Familie der Tempelsänger gerne schonte, gerade wie der Vfr. des Ps. 1 06, der Aaron den „Heiligen Gottes** ' nennt (V. 16) und Pinehas mit besonderer Vorliebe bespricht
II Jesaiu 64, 10). — nypb'Q , du sich in Cap. 81 so oft wiederliok, nur nooh ewei Kaie hinter einander in U Jes. vor« C^t^ ^ Al^g^be (nD373 heiflst: Anudil) kommt sonst weiter »icht rot, ITJIf kennt mir nodi die Chrono. — Dass 6 M. 10, 6 die Worte Hld üü n. s. w. amtm- gehSrig^n Orte stehen, fohlen bereits die AHen und aadfafln die T«M«lue- densUn Versnche, den SiUa in einen rechten RinMApg sn bringen.
*) V. 82 fehlt bei uns ^H, wird aber von Sam., 70 und Sjr. ein- gefQgt. SM. 21, l6 zeigt gerade der Ausdruck mHTD bvün |T3n, dass ^'ZT\ schlechtweg nicht der bestimmte Käme des Würdenträgers ist.
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(V. 30 u. 31); Daihan und Abiram als Empörer bezeichnety aber über Korah schweigt (V. 17)'*').
^ In dem Texte des Jeremias hat die Kritik vielfache Sporen der Ueberarbeitung nachzuweisen versucht und einen besondem Anhidtspunkt in Wiederholungen grösserer oder kleinerer Stücke an verschiedenen Orten dieses Pror pbetenbucheS; ferner in der sehr abweichenden Anordnung bezüglich der Aufeinanderfolge der einzelnen Theile, sowie in auffallenden Lücken und Abweichungen bei dem griechi- schen Uebersetzer gefunden. Ohne hier in daa Deteil dieser schlüpfrigen Untersuchung einzugehn , beschränkt sieb unsre Betrachtung auf einzelne Stellen, welche da3 Zado. kitenreich besonders im Auge haben« Hierher gehört na- mentlich 23, 5 — 8 und 33, 14 — ^26. In den zwei ersten Versen der ersten Stelle wird dem David mit einer ihm sonst nicht in diesem Buche gewidmeten Hervorhebung ein yygerechter Spross^^ verkündigt , unter dessen trefflicher Herrschaft Israel zum Heile gdangen und dessen Name eein wird: ,,Gott unsere Gerechtigkeit!'^ — Den ,,Spross'^ (n)d)t)y welcher in der ersten Zeit der Restauration des jüdischen Staates erwartet wurde, kennen wir aus Zach* 3, 8 u. 6, 12 und den Namen des „Gerechten'' (7^^) ^ ^^ neaen Fürsten aus der obigen Darstellung. Wie sehr man diese Hindeutung, welche man in der späteren Zado- kitenhttTschaft nicht bestätigt sah, fühlte, beweist die Aende- rong der Stelle an dem andern Orte, wo sie wiederholt wird, nämlich 33, 15 u. 16, wo der „gerechte Spross'' zum y^proBs der Gerechtigkeit o. des Heils'' (npx) wird, in welcher Vertauschung mit dem Abstractum keine so be-
*) Die Sl^s 4 Mos. 06, 8— U bietet tngleleh aoflkUende spraeh- liiiie Ersclifiiaaogen. T\^ kommt nur hier <iwei Male in V. 9) vor aad aoeli ia einer Psalmübersclirjft 60, S^ and war schoa dem ßam.) der es in VVl ()^9) verwand^ ichwierig. Die Wprte TTÜTl n^3 V. 10 erseheinen anpassend, and Dj, das immer Stange, Panier bedeutet, heisst hier Wamangsseichen, an das nahbibl. 0) Wunder, Zeichen erinnernd. Die Aoslassong Korah's 6 M. 11, 6 befremdet bereits Naehmanides, wie ia 9b. lee, 17 bereSto Basehi. VgL mich Kroohmal in Iforeh nebache ha-Seman S. 164 A.
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stimmte Hindeatung auf die ZaddikimfiLrsten liegt, der Sats jfXmi er regiert als König und ist weise o. glücklich'^ ganz zurückbleibt, und der Name „Gott unsere Gerechtigkeit" von dem Fürsten weg auf Jerusalem — das dort für Israel steht — übertragen wird. Die Uebersetzer gehn denselben Weg. Die 70 lassen zwar den gerechten Spross, aber Aquila (in der sjr. Hexapla) macht den ,,gerechten Spross" zum Sprosse des Gerechten (Hp^m Hn^ri») und wohl auch so der Chald., während der Syrer die LA. von 33, 15 auch hier adoptirt*). Die zwei andern Verse dieser Stelle aber sind eine Wiederholung aus 16, 14 und 15 und fehlen bei den 70.
Ein noch entschiedeneres Gepräge dieser Periode trägt die Stelle Jer. 33, 14 — 26 an sich. Neben der bereits be- sprochenen Wiederholung von 23, 5 u. 6 in V. 15 und 16 ist das Ganze eine die Absichtlichkeit durchaus nicht ver- bergende dargebrachte Huldigung an die beiden Geschlech- ter, welche Gott besonders erwählt, das des David und das der Priester-Leviten, und dieser Huldigung schliesst sich die scharfe Zurechtweisung derjenigen an, welche diesen Vorzug als erloschen betrachten. In dem Munde Jeremias', dem diese Verkündigung gerade recht geflissentlich und wiederholt (V. 19 u. 23) beigelegt wird, der jedoch dem Geschlechte des schwankenden damaligen Schattenkönigs aus dem Stamme David's wie den Priestern, die er blos als die Vornehmen des Volkes betrachtet und oft mit scharfem Tadel belegt, nirgends sonst seine besondere Verehrung bezeigt, passt dieselbe sehr wenig, wohl aber in dem Munde eines Schriftstellers, der den Anfangen der zadokitischen Periode angehört; in ihr sind Zeitanschauung und Volks- stimmung voUkonunen gegeben, und die dreimalige Bezeich- nung David's als des Knechtes Gottes (V. 21. 22. 25) und der Priester als Leviten-Priester (18. 21. 22), welche Jere- mias ganz fremd ist, ist dem Schriftsteller dieser Zeit ge- läufig, ihr entspricht es, zu sagen, dass ftir ewige Zeiten
*) lieber die Umschreibungen de« Namens: Gott unsere Oerecfatif- k«it, Tgh unten«
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auch aus dem Stamme Aaron's (o. Zadok's) Herrscher ge- nommen werden. Denn offenbar hiess es in V. 26 pnM (o. pnil), wo bei uns aipjr» steht, wie dies schon richtig Elieser b. Jose ha-Gel;li und Abulwalid erkannten*). Die 70 haben die Stelle gar nicht, wohl weil der Zusatz in ihr Exemplar nicht eingedrungen war, und eine spätere Zeit fand daran Anstoss, dass das Priestergeschlecht als ein herrschendes bezeichnet werde und änderte desshalb Aaron (oder was sonst dafür stand) in Jakob. — Einen Commen- tar hierzu gewissermassen bildet die Stelle Zach. 6, 12 u. 13. Auch dort wird der Spross verkündet und gesagt: „er wird sitzen und herrschen auf seinem Throne, und ein Priester wird sein auf seinem Throne, und ein Rath des Friedens wird sein zwischen beiden/' Auch hier wird die Doppelherrschaft des davidischen und priesterlichen Fürsten für jetzt und die Zukunft aufgestellt. Auch dort nehmen die 70 und manche rabb. Erklärer Anstoss an diesem Priester- throne, und während die 70 den Priester nicht „auf seinem Throne," soudem „zu seiner (des Fürsten) Rechten'^ (ix 4»|Moy airav) sitzen lassen, nehmen die rabb. Erklärer bald diesen Thron, auf dem der Priester sitzt, eben nicht als einen Herrscherthron, sondern blos als solchen des Priester- thums, oder sie erklären, der Priester sitze an o. vor seinem (des Fürsten) Throne. — Eine Aenderimg zu Gunsten des
*) ^fi>^- Kimclii >• St. In iinsern Ausgaben der 32 Regeln Elieser^s (N. 80, wohin es gehört) findet sich unsere Stelle nicht, wohl aber bei Kimchi, der Dies wohl noch dort vor sich hatte, und es nicht etwa aiu Abulwalid citirt, wie der Herausgeber des Bikmah (S. 179 A. 1) uninunt. Abulwalid hat diese Beziehung auf Elieser nicht, fuhrt aber selbst (a. a. O. S. 178 f.) diese Ansicht mit klarem Blicke durch. Die Analogie, welche zur Widerlegung von Abulw/s Ansicht dessen Heraus- geber zwischen unserer Stelle und den Worten Ps. 77, 16 : „Du erlöstest mit Macht Dein Volk, die Söhne Jakob's und Josefs*' aufiiucht, er- weist sich als wenig zutreffend , wenn man bedenkt, dass der späte Sänger, der Assafite , der zur Beruhigung über die Trauer der eignen Zeit sich der Erinnerung an die Grossthaten zuwendet, welcJie die Rechte des „Höchsten** (V. 11 ygl. oben S. 33) ehedem gewirkt, das gegen- wärtige Juda, „die Söhne Jakob's** mit dem dahingeschwundenen ehe- maligen Reiche Israel als „Josef^ zusammenfiMst.
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Piiedterthums scheint au<ih Hos. 4; 4 ff. vorgenommeB m sein. Aus dem ganzen Gedankengange der SteUe geht her- Yor^ dass der Prophet die Priester tadelt, die, weil sie Er- kenntniss schmähen, auch als des Priesterthoms unwürdig befunden werden (V. ü)^ die in ihrer Sünden-Menge das Volk durchaus nicht tiberragen (V. 7 ff., bes. V. 9). Den- noch wird es gerade so geflissentlich umgangen, den Friesier als Verbrecher anzureden, man vermisst ihn in V. 6, wo an ihn die Rede gerichtet sein muss, ja man scheint £rüh versucht eu haben, den ganzen V. zu verdrängen, da er in den bessern Ausgaben der 70 fehlt. Abgesehen von der Aenderung in V. 7 (über welche später), sieht man auch sonst noch die Absicht der mildernden Hand theils bei den Uebersetzem, theils in nnserm Texte. Wenn es von ihnen (den still zu verstehenden Priestern) V. 8 heisst, sie essen die Sünde meines Volks, so will Symmachus (in der syr. Hex.) darausmachen: Mein Volk isst Sunden (fft^H o. rik^tt) und macht auch hier wie V. 6 das Volk zum Subject, und der Chald. umschreibt es ganz willkürlich. Wenn von ihnen, nach den zusammengehörigen V. 10 n. 11, wie 70^ Sjr. u. Saad. richtig erkennen, gesagt wird^ „sie haben Gott verlassen, um Buhlerei zu hüten,'' so weicht der Chald. nnd die Verstheilung davon ab und reissen gewaltsam das „zu hüten'' von „Buhlerei." Endlich aber lautet der Schluaa von V. 4 nach unserm Texte dem ganzen Inhalte der SteUe so widersprechend, dass deren Ueberarbeitung unverkenn- bar ist ,^Dein Volk wie Haderer eines Priesters" giebt nnser Text, dafür haben manche Uebers. (70 und selbst der wörtliche Aquila in der syr. Hex.): mein Volk, der Chal- däer lässt das „wie" weg, der Syrer übersetzt: Dein Volk wie ein streitender Priester, und Dies scheint auch die Uebers. der 70 zu bedeuten. Die alte LA. scheint dem- nach zu sein i (ö-'^n?? o.) a>np p3} (DJ>5 o») ^\ Volk wie
Priester hadert," was allein in den Zusammenhang passt Denn nachdem vorausgesagt ist: Niemand, mit scharfer Wiederholung des trM^ hat das Recht zu streiten und zu hadern^ fügt er dann hinzu: aber ihr hadert Alle, und die Priester stehn dabei an der Spitze. In Zeilen der Priester-
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herrsduifi mussten solche Aeusserungen AnBtosa erregen und sich mannichfachen Milderungsversuchen unterwerfen. Wir sehen aus diesen Beispielen^ dass mancher Zusatas und manche Aenderung dem Texte der 70 fremd geblieben war^ aber auch umgekehrt in deren Texte manche Aende. rang im Sinne jener Zeit versucht wurde, von der der unsrige verschont geblieben — wie die Weglassung von V. 6 in Hos. 4. Aehnlich ist es mit Jer. 31 ^ 14^ wo der Prophet eine glückliche Zukunft verkündend, auch verheisst: „ich werde die Seele der Priester mit Fett sättigen." Hier, wo der Priester in freundlichem Sinne gedacht wird, mochte es der damaligen Zeit zusagen, die Priester ausdrücklich als „Leviten-Priester" zu bezeichnen und dem sinnlichen „mit Fett sättigen" das Erhöhen derselben zu subslstuiren, da Dies durch die leichte Correctur eines Buchstaben ge- schehen konnte, so dass es statt: ]n O'^insn rw^n'^ni hiess: ^* •»:3 'yi ': '^n^2l\ Dies drückt die Uebers. der 70 aus: ÄfeyakvftS ttJ» tlfvx»}v rwv hQfwv iiotv Atvi (vgl. Schleussn. im Thesaurus s. v. fif.yuXvino)y wobei jedoch die ächte LA. ••n^l (xoJ fi6&v(f(o) sich neben der geänderten erhielt oder später Eingang fand. Dem „Priester-Levitenthum," welches der Zeit der griech. Pentateuch-Uebersetzer so gewöhnlich war, verdankt auch das dritte Buch Moses, welches die spätere palästinensische Halachah „Thorath Khohanim," die ^riesterlehre, bezeichnet, den Namen Aivlxi%ovy Levilicus (priester-) levitisches Buch. Die Achtung vor den Leviten scheint auch einer andern Aenderung zu Grunde zu liegen. Das DeuteroDomium nämlich hebt es besonders hervor, dass der Lovite an allen Freudenmahlen betheiligt werde und schÜesst ihm auch Fremde, Waisen und Wittwen an (16, II n. 14). An einer Stelle nennt es ihn allein, aber in einer Art, die etwa den. Leviten demüthigend erscheinen mochte. „Und den Leviten, heisst es 14, 27, welcher in deinen Thoren, sollst du nicht verlassen" etc.; ihn nicht verlassen, mochte als ein Ausdruck erscheinen, der ihn gar zu sehr dem Mitleiden empfiehlt. Die 70 streichen es daher, und indem sie die ersten Worte mit dem vorher- gehenden Verse verbinden, übersetzen sie: „Du sollst dich
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freaen, du und dein Haus und der Levite, welcher in dei- nen Thoren," und so wird derLevite gerade als ein voll- berechtigtes Mitglied jeder Familie mit eingeschlossen«
Während sich die Ueberarbeitung bei den erwähnten Stellen in dem Ausdrucke des innem nationalen Lebens kund giebt, finden wir anderswo deren Spuren in den Be- ziehungen nach Aussen. Moab und Ammon sind es beson- ders neben Edom und Philistäa, welche die Geister beschäf- tigen, auf die sie immer wieder zurückkommen müssen. Wie weit die Ueberarbeitung und Anlehnung sich in dieser Beziehung geltend gemacht hat, ist wiederum nur in wahr- scheinlichen Vermuüiungen auszusprechen.
Die Stammväter Moab's und Ammon's werden nun, wovon die Propheten nie sprechen, als in Blutschande er- zeugt dargesteUt (I. Mos. 19, 31 bis Ende), und mit Kach- druck wird wiederholt, dass von ihnen diese Völker ab- stammen bis heute (V. 37 und 38)*). Sie sind es nun.
*) Drn n^- Der Ausdruck HTH DVn 1^ bei Yölkerznständen, Namen TOD Städten und Gegenden n. dgl. ist bekanntlich ein Zeichen sp&terer Abfassung, indem damit das berichtete Vergangehe auch als noch in der Gegenwart dauernd bezeichnet werden soll. Der Ausdruck DVn *1^ ohne ntn kommt blos an 9 Stellen vor, welche die Massorah zu 2. Chr. 26, 20 aufzählt, und bemerkt sie kurz auch die Anzahl za den einzelnen Stellen. Zwei Stellen, nämlich 2. Sam. 19, 25 und 2. Chr. 8, 16 kommen hier nicht in Betracht, da dort der Sinn ist: „bis zum Tage, da" und ntn nicht stehen kann. Die andern sieben Stellen jedoch lassen auf angewöhnliche Weise T\1T] weg, und zwar zwei Male hier, dann 1. Mos. 86, 20 and 2. Kön. 10, 27. Ezech. 20, 31. 2. Chr. 20, 26. 35, 25, so dasB es überhaupt später Sprachgebrauch zu sein scheint. Hier ist es jedenfalls mit Nachdruck gebraucht, da der Aassprucb, der and jener sei der Stammvater eines Volkes, sonst ohne diesen Zusatz vorkommt, wie z. B. bei Esau. — Y"^*^'"^ ^^ T"' ^»«"d sonst (Jos. 23, 14. l. Kön. 2, 2.) für den Tod gebraucht, hier (V. 31) ffir die geschlechtliche Vermischung and erinnert an den Gebrauch von *]")") in Spr. 30, 19 und 31, 3, wie an das späte \1H ^1 (z. B. Mechilta Mischpatim, Nesikin c. 3 zu 2. M. 21, 10: Y^M TiniT nrOl^ , auch bei Jalkut das. § 321) — WiH heisst an unserer SteUe (V. 34): gestern Nacht, und so auch im Arab.; allein diese Bed. hat es sonst in der Bibel nicht, vielmehr kommt es sonst in einem Sinne vor, der seine Ableitung von W13 und seine Verwandtschaft mit dem späthebr. V7D72 kenntlich zeigt. Es heisst: .faspbar, dicht, be- stimmt, nachdrücklich. So sagt Laban (1. Mos. 81, 29): Der Gott eures
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deren Töchter Israel zur Buhlerei und 2um Gtttsendienste in der Wüste yerfiihrt haben (4. Mos. 23, 1), während im Verfolge (V. 6 ff.) ausdrücklich nicht sie, sondern die Mi- dianiterinnen als Urheberinnen dieses Abfalles bezeichnet werden, wesshalb auch dieses Volk von den Israeliten mit Krieg überzogen ward (V. 14 ff. Cap. 31). Ihnen mag auch der Peorcultus eigen gewesen sein, während die ;Moabi« ten dem Ehemosch huldigen (21, 29 und häufig). — Das Verfahren der Ammoniter und Moabiter gegen Israel bei ihrem Auszuge aus Aegypten, dass sie nämlich nicht ent- gegengekommen mit Brot und Wasser und er (ohne weitere genauere Angabe, wer?) den Bileam zum Fluche gemiethet, wird nun Veranlassung, dass diese Völker, auch deren zehn« tes Geschlecht nicht in die Gemeinde Gottes eintreten sollen bis ewig, man solle sich um ihr Wohlergehn und ihre Angelegenheiten nicht kümmern, d. h. in keine freundschaft- liche Beziehung zu ihnen treten (5. Mos. 23, 4 — 7), und ähnliche Strenge wird gegen den „Mamser,^' den philistäischen Bastard, beobachtet (V. 3) ; sie alle sollten aus der Gemeinde Gottes, d. h. ans der ,,Genieinde des Exils,^^ ausgeschlossen bleiben (Esra Kl, 8). Ihnen werden der Edomiter, als Bru- der, und der Aegypter, in dessen Lande Israel ehedem als Fremdling gewohnt, entgegengestellt, gegen sie die Abnei- gung gemildert und dem zweiten oder dritten Geschlechte der Eintritt gestattet. Diese milde Betrachtung Edora's stimmt nun zwar nicht mit dem Berichte 4. Mos. 20, 14 — 21, wo der König Edom's, wenn auch Israel sich seinen Bruder nennt, doch das Gesuch um den Durchzug und den
Vaters hat nachdrücklich mir {gesagt, und Jakob wiederholt (V. 42) den Aofldmek: Mein Mühsal . . . sah Qott und warnte nachdrücklich. Aach 2. Kön. 9, 26 heitot es: Ich habe das Blnt Naboth*s . . . dentlieh g^- sehn. Htob 80, 3 ist es von der Dichtheit der Finstemiss gebraaoht wie das Verbum in 2 Mos. 10, 21. In der davon abgeleiteten Bed. : in (gestriger) finsterer Nacht finden wir es nur an unterer St. •— Femer wird immer der Mann, von dem eine Frau schwanger wird, als Dativ gesetzt: sie wird ihm schwanger ^ Hin (I. Mos. 38, 18. 24. 25), ent- sprechend dem Ausdrucke: sie gebiert ihm ^ T(^\ nur hier (Y. 36) P^dlCQ fnnni« von ihm schwanger werden.
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AduMif won LfebenflQoodtteln unter Drohiingra verw^geri (vgl. Rieht 11, 17)^ stimmt aber wohl mit dem im Deaiero- nominm selbst erstatteten Berichte (2, 3 — ^8), wo die Edo- miter nachdrücklich als ^^Söhne Esau's/^ als Bnider Israel's befleichnet werden, die nicht bekriegt werden sollen, durch deren Gebiet die Israeliten als Freunde ziehen und ihren Bedarf um Geld kaufen sollen, was die Edomiter auch wirklich anilassen (V. 29). Allein die Strenge gegen Amnum and Moab stimmt darchaus nicht mit den sonstigen Nach« richten im Denteronomium. Von einer gehftssigen Gesin- nong Moab's und seines Königs Balak spricht dieses Buch (ausser unserer Stelle) nicht, vielmehr findet die VerkUndi- gong des ganzen Buches in Moab Statt, dort stirbt Moses^ und dort ist sein Grab (34, 5. 6). Als die Israeliten durch die Wüste Moab's ziehen, wird ihnen (2, 8 ff.) Achtung g&- gen Land und Volk empfohlen, weil jenes dessen dauerndes Erbe bleiben soll, Ammon und Moab werden mit Absicht „Söhne Lot's,'' also Verwandte der Abrahamiten, genannt Israel zieht nun wirklich durch das Land; denn nach dem Deuteron, ist der Gebietstheil, worin die Stadt Ar liegt, nicht von den Amoritern eingenommen, vielmehr ist es das Erbe Moab's (V. 9), es wohnt daselbst (V. 29), und gerade hierdurch zieht Israel (V. 18). Bei dem Durchzuge nun durch Moab behindert dieses sie nicht, verstattet vielmehr den Ankauf des Bedarfes (Y. 29). Nun nahen die Israeliten dem (stebiete der Ammoniten; auch vor Land und Volk Ammon wird ihnen Achtung empfohlen, indem auch dieses Gebiet deren dauerndes Eigenthum bleiben soll (V. I9-— 2l)f und die Israeliten ziehen gar nicht hindurch (V. 37). Dieser ganze Bericht trägt das unverkennbare Gepräge einer nicht unfreundlichen Gesinnung gegen Ammon und Moab und contrastirt aufs Entschiedenste mit der Strenge in Cap. 23. Die Verse 2 — ^9 daselbst erscheinen ganz als aus der Zeit der Restauration des jungen Staates geschrieben, wo phüi- stäische Bastarde, Ammoniter und Moabiter der nationalen Selbstständigkeit so gefährlich waren und die laxe Praxis in Beziehung auf sie bekämpft werden musste. Es wird diese daher mit Entschiedenheit zurü(dcgewiesen mid den
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ZeilgeiioBflen in Erinnerang gebracht^ dass Moabiter und Ammoniter sich den iBraeliten auf ihren gefahrvollen Zügen niemals hüUreich bewieseui vielmehr den Flach auf sie herabbeschwören lassen wollten. Ihr setst^ fährt die Er- mahnung fort, die Edomiter and Aegypter entgegen? Nun, jene sind eure näheren Stammmgenossen, im Lande dieser habt ihr lange geweilt*).
Besonders musste die Verkündigung der früheren Pro* pheten von dem Untergange dieser Völker das neuerwachte Nationalbewusstsein veranlassen, die Erfttllang solcher Prophetenworte, wenn sie bisher noch nicht eingetroffen, nunmehr als nahe bevorstehend zu bekräftigen» Jesaias (Cap. 16) malt die Verwüstung Moab's und schliesst mit der kräftigen Beschreibung seiner innerli Haltlosigkeit, wie es an sich selbst verzagend, selbst in seinem Heiligthume nicht mehr zu beten vermag (V. 12). Ein erhabener Schluss einer mächtigen Rede! Noch aber war diese Weissagung in der ersten Periode der Restauration nicht erftillt, und man fühlte sich zur Nachschrift gedrungen: „Dies ist das Wort, daa Gott über Moab gesprochen ehedem. Und nun spricht Gott wie folgt: In drei Jahren wie die Jahre eines Tagelöhners wird vernichtet werden die Ehre Moab's trotz der grossen
*) 'rl br(p kommt sechs Male is den VT. 2—9 Tor, sonst nur in dem Mimde Koraeh's und seiner Mitverschworenen, die das Volk damit gegen- über der Unterordnung anter Moses und Aaron hochstellen wollen (4. Mos. 16, 3« 20, 4), sonst noch Mich. 2, 6 und D*>h^Mn 'p in der der onsrigen entsprechenden Stelle Nehem. IS, 1 nnd 'MH ÜV 'p Rieht. 20, 2, hing«- g%n Xlgi: I, 10 einftMh: ^b bnp2 IKr Kb nnd I. Kta. It, 2 W^^lt^ Q2> — '^IDto heiMt eig. röllig in Dienst nehmen; nur in tpStem Schrif- ten heisst es auch: um Lohn eine bestimmte Arbeit auftragen, wie Jes. 46, 6. Esra 4, 5. Neh. 6, 12. 7, 13. IS, 2. 2. Chr. 24, 12 vgl. mit f. K5n. 12, 12 (1. Mos. 80, 16 wird au dem Namen ^achar nur ein An- kling gesucht). — Dibv HH VTi nnd 'Vb '^ kommt nierst Jerem. 29,
7. 88, 4 Tor, in der Verbindnng Hldltdl IT **! in der weiteren Bed. „Jeman> dem freundlich gesinnt sein, mit ihm umgehn'* nur hier, Esra 9, 12 (wo ea nicht Mos von Ammon und Moab gilt, vgl. V. I) und in der ent- sprechenden St. des Neh., Khnlieh Esther Ende : D^^V 12^1 ITOJ^b 21t9 thn Un? bsh- n3lt9 neigt der abgeshwSchten Bedeutung su, welche oY)eA
8. 44 A. entwickelt ist
Menge ^ und der üeberrest gering, wenig, nicht vieL^ (V. 13. 14). Ja, die ältere Redaction dieses Zusatzes scheint noch deutlicher gelautet zu haben: Und nun sage ich, wie die 70 lesen: xai vvv Xiyoil Denselben Charakter trägt die Nachschrift Cap. 21. in Bezug auf arabische Stämme: „Denn so spricht Qott zu mir: nach Verlauf eines Jahres „wie die Jahre eines Tagelöhners, da schwindet die Herrlichkeit'^ Eedar's. „Und der Üeberrest" der Bogenzahl der Helden der Söhne Eedar „wird wenig sein" etc." (V. 16. 17).
Umgekehrt forderte es der freudige nationale Stolz, dass so scharfe Worte der Züchtigung, wie sie Jes. 27, 10 und 1 1 ausgesprochen und Cap. 28 fortgesetzt werden, dass das harte Wort, es werde Gott nicht Erbarmen und Mitleid haben mit Israel, unterbrochen werde durch tröstliche Ver- heissung, und V. 12 und 13 schalten daher an einem Orte, wo man es sehr wenig erwartet, die Verheissung ein, die ganze Strecke zwischen Syrien und Aegypten werde wie ein Garbenfeld durchgeklopft werden, und während die übrigen Bewohner dieser Gegend als Hülsen abfallen, die dort lebenden Israeliten allein einzeln aufgelesen und die in den beiden Ländern selbst Zerstreuten sich wieder in Jerusalem sammeln*). Wie viele solche tröstende Ver- heissungen in Mitten düsterer Strafandrohungen (z. B. 28^ 5 und 6) noch dieser späteren Zeit angehören, wird wohl schwer mehr zu bestimimen sein.
Im Cap. 48 des Jeremias ist eine merkwürdige Zu- sammenstellung von Orakeln gegen Moab aus den ver- schiedensten Propheten, und zwar mit Aenderungen, die sprachlich eine Abschwächung der ursprünglichen Verkün- digungen sind, so dass die Kritik zur Ehre des grossen Pro- pheten hier die Hand eines spätem Ueberarbeiters walten sah. Diese hatte sich, wie es scheint, noch weiter versucht, und wenn unser Text von dieser Verstümmelung frei ge- blieben ist, so mnss doch dieser Versuch ehedem, wie die
*) Idpb a. Id^n sind in Ruth beliebte Ausdrücke. Oleich im ^7^b, findet sich nur noch in Koh. 7, 27 : HTIMb nilM* Vgl. Anch den oben 8. 77 ff. besprochenen Schluss von Cap. 19.
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70 beweisen^ Aufnahme gefimden haben. Die Androhungen Dämlich gegen Moab und Ammon schliessen mit der Ver- kündigung (48, 47* 49, 6), dass diesen Völkern in der Zu- kunft eine Restauration werde, wohl nach ihrer Reinigung. Daran nahm die National-Eifersucht Anstoss, und man strich diesen Schluss, den die 70 nicht haben, der uns aber doch erhalten blieb.
Besonders bot die Stellung, "Welche Jeremias gegen Nebukhadnezar, Babel und die Chaldäer einnahm, einen mächtigen Antrieb zu Aenderungen und Zusätzen; Jeremias zeichnet Nebukh. als eine unüberwindliche Geissei Israera und aller Völker, als einen von Gott dazu Beauftragten, d. h. in der Sprache der Propheten als Gottesknecht, Israel mtisse sich daher unweigerlich ihm und den Chaldäem unter* werfen, er bedroht desshalb Israel aufs Schärfste, wenn ea sich wider ihn zu setzen versuche. Diese Auffassung der Verhältnisse verletzte in der Zeit der Restauration daa Nationalgefiihl. Nebukh. erschien viehnehr, wie das Buch Daniel beweist, als thierisch verwildert, die Unterwerfung anter ein fremdes Volk als schimpflich, die harten Androhun* gen gegen Israel aber mussten jedenfalls dArch den trost* reichen Blick in eine glänzende Zukunft gemildert werden* Die Versuche dazu sehen wir bald in unserm' Texte, bald in dem, welcher den 70 vorgelegen, und aus der Verglei* chung beider erkennen wir klar, wie die damalige Zeit diese Stellen bearbeitet hat. „Gottesknecht^^ wird Nebukh. ge- nannt Jer. 25, 9. 27, 6 und 43, 10. Bei den 70 fällt in der ersten St Nebukh. ganz aus, in der letzten fehlt seine Bezeichnung als Gk>ttesknecht, und in der mittleren verwan* dein sie die Worte: „ich gab alle diese Länder (70: daa Land oder die Erde) in die Hand Nebukh.'s, des Königs von Babel, meines Knechtes (**^3^> in: ihm zu dienen^ daas aie ihm dienen C^^^f dovXivuv avfuf). Wenn es 43, 10 dann weiter heisst: Ich (Gott) setze seinen Thron über diese Steine, so geben die 70 wieder: „und er wird setzen (ßai 4^if<r£«*)). Das sind Mildemngsversuche, welche in un-
*) Der Byrer folgt hi«r, wie häafig in den Proph., den 70; hingegen babea Aqpila (in der sjr. Hex.) und die Yolg. richtig die lie Fenon.
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Sern Text nicht eingedrongen sind« Mehr fSngang £uid« dieselben^ wenn sie sich anf dae Volk der Chaldäer bese- gen, obgleich aach hier der Text der 70 weiter geht Die Aufforderung des Gedaliah, man möge sich nicht furchten, den Chaldäer n zu dienen iD'^s^^n HaSfi) Jen 40,9wiid in der Parallelstelle 2* Kön. 25, 24 seltsam Tcrwandelt in den Satz, man solle sich nicht lurchten vor den Knechtes ^If^j'^^ der Chaldäer, dte 70 setzen in Jerem. dafiir vor dem Antlitze C^^, ano n^gwiov*)), wie der Syrer auch in Kön. einfach hat p, die 70 hingegen corrigiren in Kön« gleichfalls, ohne einen verständigen Sinn auszudrücken: "^I^UIJS, naQo8ok*% Alle diese Correcturen zeigen nur be- stimmter auf den ursprünglichen Text ^^^S!k an beiden Stel* len und beweisen nur den Versuch, das Beschämende einer solehai Erniedrigung zu verwischen. Wenn Jer. selbst sagt (27, 12): Bringet eure Hälse in das Joch des Kö- nigs von Babel 023*^19^^3) und dienet ihm und sei- nem Volke und lebet cmniDPl); ge schrumpftDies bei den 70 zusammen in die Worte: Bringet eure Hälse und dient dem König von Babel. V. 1 7 fehlt auch bei uns V9P)^ und die 70 lassen die Wiederholung ganz weg. — Als eingedrungen sind auch die Zusätze zu betrachten, welche das Reich Nebukh.'s als nur für kurze Zeit dauernd dar^ stellen. So klingt die Unterbrechung von 25, 11 — 14 'sehr •dtsam in Mitten von Verkündigungen der Unterwerfung aller Völker unter Nebukhadnezar, die Berufiing aitf „dieses Buch, welches Jeremias gegen alle Völker (70: Elam!) prophezeit,^^ prägt ihr geradezu den Charakter einer spätem Bearbeitung auf, u. V. 14 fehlt auch noch bei den 70. Die Hinweisung, dass dess^i Reich sich blos auf den Elnkei forterben, dann aber anderen grossen Völkern «nd^Königien anfterthan werden wird, scheint wieder als Mildenmg in die Mitte des von der Unterwerfung unter seine Macht handelo» den Cap. 27 mit V. 7 eingeschoben zu sein, während die
*) D$M daraaffolgeAdo t»v TtMmp ist offeobar späterer ZuMtSi der »ach in der sjr. Hex. fehlt.
**) lieber eolche absiditUefae Verwechselniige» von XÜf nni ^^ Tsi 6. 96 A. nnd weiter onten.
70 diesen Zusatz xdcht aufgenommen haben. — £benAO ver» liäh ee sich mit das. 29, 10—14. In der Ifitte der Atififor- denmgy nach Babjlon aassawafidem, dort aussuharren, der Bedrohung der dayon abmahnenden Propheten wie derer, welche sich nicht zor Aoswanderung entschliessen wollen, fast in Mitten des Satzes, der vor dorn Vertrauen aif die lügenhaft ermathigenden Propheten warnt, kommt die Vej> lieissnng, dass dieser Aufenthalt blos 70 Jahre dauern werde (filmlich mit 25, 12 und 27, 7). Die Sache seheint sieh so SU yeriialten. Auf V. 10 folgte ursprünglich V. M — ^20^ darauf V. 15, aber ohne das ganz unpassende Schlusswort r633, dann V. 21 ff. Nun setzte man zuerst V. 10 — 14 asm die Stelle Ton V. 16 — 20, welche nicht blos die. falschen Prophe- ten, sondern aach die Zurückbleibenden bedrohen, wie denn auch die letzteren in der Ueberseftzong der 7# fehlen, während sie die VY. 10^14 in abgekürzter Fom haben; das Wort n^a3 am Ende von V. 15 war aber yom Schlüsse des letzten zurückgelassenen V. SO beibehakeo« Unser Text jedoch nahm sowohl V. JO— 14 au£ wie er 16«-' 20 beibehielt, und V. 15 behielt sowohl sein H?^^ wie seine falache Stellung nach V. 14. — Auch in Cap« 30, dem in der Uebers. der 70 die Verse 10. IK 15. 22 fehlen, scheint die Hand des Ueberarbeiters gewaltet zu haben,
Aüeh Cap. 17 scheint eine Ueberarbeitang erfahren n luiben« Seinen Anfang (1*<'4) lassen die 70 zurück, mid nchon Hieronymus bemerkt: faraiian peptrctruml papmlo mm. Dass diese Absicht jedoch nicht yon dem Uebersetzer, son- dern yon dem Bearbeiter des ihm yorliegenden Textes Imt- rfihrt, beweist die Versprengung yon V. 3 und 4 nach einer Stelle Inn, wo sie ganz unpassend stehn, nämlich in Gi^ 15 V. 13 und 14, imd zwar mit Aendermigen, welchen man den Zweck der Milderung sehr bald abmerkt*). Ein Zi«- MdB hingegen scheinen die VV. 19<— 27 zu sein.
•) Vgl, besonders HTTip u. DD"^ 16, 14, wofür KTTTp n. D^ "W In 17, 4. ffierher gehört auch "«nndj^m st. Tm^PTtl , doch berfioMeh- üfsn die Cehersetser, 70, S/rer, selbst der CfaaldSer Sese Asadeiviag ■idit, and noch der Codes yom J. 916 liest IBM yiMS • * . Y)TU;ni (aüt Dalativ doch ohne Snfifix), wie mir Hr. Abraham Krochmal (ass OdssMi d. d. 29. Deo. 185B) berichtete. Vgl. Kimchi u. Norsi s. 8i
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der den ganzen Staat unter der üebermacht der Frem- den zasammenbreehen sieht, ist voll von düstem Ahnongeni straft herb den Götzendienst und die ünsittlichkeit seiner Zeitgenossen, aber ist wohl nicht geneigt, einen einzelnen Punkt der Sabbathfeier mit solchem Nachdrucke hervorzu- heben, wie es Neh. 13, 15 ff. thut Dies ist aber gerade im Qeiste eines überarbeitenden Schriftstellers, der bei der Restauration des Staates die religiös-nationale Gir^ndlage in der pünktlichsten Beobachtung des Sabbaths erblickt, und ihm ziemt es, diese Ermahnung mit der ganzen Feierlich- keit einzuleiten, mit welcher Jeremias seine Entrüstung über den herrschenden Götzendienst, die eingerissene Ünsittlich- keit und seine Verkündigung vom nahen Falle des Staates einleitet Die Worte 17, 19 und 20 entsprechen nämlibh denen in 19, 3 und 22, 2, V. 25 entspricht 22, 4, V. 26 ist aus 32, 44.
In ähnlicher Weise scheint im Propheten Amos eine Aenderung vorgenommen worden zu sein, um nicht eine Herabsetzung IsraeFs gegenüber den Philistäem stehn zu lassen. Cap. 6, 1 und 2 daselbst ist offenbar eine solche Gegenüberstellung der Philistäer gegen die Israeliten, welche ohne Grund sich in Sicherheit einwiegen : Wehe, ihr Sichern in Zion, die ihr vertraut auf den Berg Schomron, sich nennen das Haupt der Völker, sich bezeichnen als Haus IsraeFs! Tretet über nach Ealneh und seht und geht von dort nach dem grossen Chemath und steigt hinab nach Gath der Philister! Seid ihr besser als jene Reiche, ist euer Ge- biet grösser als das ihrige? In der Urschrift nämlich stand wohl in V. 2 : Q^^'^W D?^^ 2") 'K 'H n p DI» ü^^aiiDn. Dies war anstössig, und man strich Q^, versetzte die beiden letzten Wörter und las, wie alle alten Uebersetzer thun, D'*awn statt ak Frage — ab einen Adjectivsatz : '^ü , und nun hiess es: „welche (eben genannten Städte) die besten (doch) sind unter jenen Reichen, ist etwa ihr Gebiet grösser als das eurige? Unsere Punctation erhält uns in der Bezeichnung des He in D'^^ltdn als Fragepartikel eine Andeutung auf den ursprünglichen Text, aber die Weglassung des einen and die Inversion zweier anderer Wörter lässt noch immer im
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Dimkelii. Die Uebersetzer gehn in ihrer Verwischiuig noch weiter, ^fiie dünkelhaft Sichern in Zion'^ machen sie (70, Syrer) zu Verächtern Zion's, die ^^welche sich stolz das Haupt der Völker nennen« sind ihnen (70), die abschlagen (3p^ durchbohren, abschlagen = HP^) die vorzüglichsten Völker, Kabeh lassen die 70 ganz verschwinden, indem sie ^\ lesen, und so wird der Sinn überall abgeschwächt oder ins Gegentheil verkehrt*).
Diese einzelnen Beispiele genügen, soweit die kritische Vermuthnng in diesem dunkeln Gebiete vorzuschreiten ver- mag, den Einfluss der damaligen Zeitanschauung bei lieber* arbeitung des vorliegenden heiligen Schatzes nachzuweisen.
Schon an didsem Punkte ergiebt sich uns nun das Resultat, welches die weiteren Untersuchungen noch klarer hervorstellen werden: Die spätere ausserordentliche Sorg- falt für die Beinhaltung des Bibelteztes darf uns nicht zu einem Rückschlüsse auf die firüheren Zeiten verleiten. In der älteren Zeit ist die Behandlung des Textes eine weit selbstständigere, ja oft willkürliche gewesen, und die spätere Sorgfalt ist gerade als eine heilsame Reaction gegen dieses lange fortgesetzte Verfahren der eigenmächtigen rTeztes- gestaltung aufgetreten« Neben Abschriften, welche wohl von firfiherher erhalten und andern, welche nach diesen abge- schrieben und vielleicht im Tempel (HiTJ^n *)&D> aufbewahrt wurden, waren die gewöhnlichen cursirenden Exemplare sicherlich sehr willkürlich behandelt und sachlich vielfach mit Zusätzen versehn, überarbeitet und sprachlich verwil-
«) Dm bKItr IT3 Dnb 1M2^ in V. 1 ist sicher such eine Correctnr; ich vennnthe» dus ^S^] gestanden. Offenbar enthält auch unsere Ponetation in y. 8 eine Aendemng gegen den Zasammenhang nnd die alten Ueben . Der Prophet schildert vorher (6, 18 ff.) seine Zeitgenossen als Verehrer der Qottostage nnd Festrersammlnngen (des Sabbaths nnd de« Nenmonds 6, 5X aber er Terdammt sie wegen des heidnischen Opfergepriages, mit dam sie dieselben iSüem, nnd in diesem Sinne sagt er hier Y« 8: ütSn r^t pV*^3m, nnd ihr bringt als Opfer dar (ygl. 6, 26) am Sabbathe Gewaltthal. So, V^'t^ lesen alle alten Uebers«, nnd^ auch das 1T33 pSniD^ des Chald. nmschreibt blos; nnsre Pnnctation jedoch Terwiseht M fsasy indem sie die Znsammenstellnng Ton Sabbath nnd Qewaltthat
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4cart ; tm der geringeore Theil dieser Cormptelen drang tnftr ein und erhielt sich tcote später scharf geübter Kritik, aber jedei^alls ^eiigeu sich davon in anserm Texte noch genür gende Spiuren, und füur die damaligen Abschriften legen £e 70) Qnd der Samaritaner ein vollwichtiges Zeugnise ab. Denn der Text, welchen jene nach ihrer üebersetznng ver- ipiathen lassen und den dieser in seiner Recension deß Pen- tateuch uns bietet, ist bei jenen keineswegs ein ägyptischer oder alexandriniBcher, bei diesem — mit verhältnissmässig wenigen, die samaritanischen heiligen Stätten betreffenden Aofinahxnen — nicht ein samaritanischer Text. So lange man «ich in dem Wahne befand, dieser abweichende Text aei ein richtigerer, die Aegypter hätten einen alten Bibel- texty wie sie ihn etwa beim ersten Exile mitgenommen, fest- gehalten, und ebenso hätten die Samaritaner den Pentatench aus der Hand der zehn Stämme überkommen und bewahrt, während die judäischen Palästinenser denselben umgestaltet: da verband sich allerdings mit diesen Worten noch ein Sinn. Nun aber hat man erkannt, dass jene von der un- srigen abweichenden Becensionen im Ganzen und Chroosen soUechtev und nachlässiger sind, es wird inmier klarer, data Xgyptische Juden und Samaritaner, und zwar letztere trota ihrer gehässigen Sectenstellung, in der engsten Yerbindimgimt und religiöser Abhängigkeit von den palästinensische Juden gestandeUi Auch unsere bisherigen Untersuchungen be- weisen schon, dass gerade da wo man berechtigt iai^ Un^ gestakung und Zusatz aus unserer zadokitisehen Periode, also aus der Zeit wo schon die ägyptischen Juden räumlich, die Samaritaner geistig getrennt waren, zu vermuthen, diese Becensionen durchschnittlich keine Abweichung bieten, nur etwa in den Propheten die Ueberarbeitung nicht in alleii Slxemplaren, gleiehmässig durchgedrungen war, aber deck überall sich scharf ausprägt. Man wird femer sehon mit Recht annehmen,