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JOURNAL
ORNITHOLOGTE
GEGRÜNDET VON J- CABANIS Im Auftrage der
Deutschen Ornithologischen Gesellschaft
mit Beiträgen von
H. v. Berlepsch u. C. E. Hellmayr, V. Bianchi, C. v. Erlanger, F. Helm, O. Kleinschmidt, O. Leege, A. Nehrkorn, O. Neumann, C. Parrot, J. Thienemann, E. Vanhöffen, A. Szielasko
herausgegeben
von
Prof. Dr. Ant. Reichenow,‘
Kustos der Ormithologischen Abteilung des Kgl. Zoologischen Museums in Berlin, Generalsekretär der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft.
LIII. Jahrgang.
Mit 20 Tafeln, einer Karte und einem Bildnis.
1437274 Leipzig 1905.
Verlag von L. A. Kittler.
London, Paris, New-York,
Williams & Norgate, 14 F. Vieweg, rue Richelieu 67. B. Westermann & Co. Henrietta Street, Coventgarden, 812 Broadway.
Inhalt des LIIl. Jahrganges (1905).
H. v. Berlepsch und C. E. Hellmayr, Studien über wenig be- kannte Typen neotropischer Vögel .
V. Bianchi, Übersicht der Formen des Cone Ammomanes Cab. der Fam. Alaudidae. Aus dem Russischen übersetzt von stud. Benno Otto ;
C. v. Erlanger, Beiträge zur as ron Nordostakikes ar: ne sonderer Berücksichtigung der Zoogeographie. 1I. (Hierzu Tafel I-VIM) 5
— Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. II. (Hierzu Tafel
IK XV) ... SE ee — Beiträge zur vo an Nordostafrikas. IV. (Hierzu Tafel XVI—XX)
F. Helm, Ornithologische Beobachtungen, “ (Fortsetzung von a
1904 S. 411)
-®. Kleinschmidt, Carlo Freiherr von Erlangen r (Mit Bildnis).
_— Erklärung .
A. 0. Er. J. E. A.
h. 23 ®
0. Leege, Aviphaenologischer Take beriche von der Nordsaeinsel aust für 1903 . ... .: 0 Nehrkorn, Nest und Ei von eoles ee Oust.
von Jahrg. 1904 S. 410) . . ee a, Parrot, Eine Reise nach Eniechenland men ie ornithologischen Be biisee ee a u0hls, Thienemann, IV. Jahresbericht (1904) der ee Rossitten der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft . .
Vanhöffen, Bericht über die bei der Deutschen Sudpolarespe- dition beobachteten Vögel. (Mit Karte) . . .
Szielasko, Die Gestalt der Vogeleier
Deutsche Ornithologische Gesellschaft.
"Bericht über die Septembersitzung 1904 on P. Re Bericht über die 54. Jahresversammlung
- Bericht über die Novembersitzung 1904 . . 2. 2 2.2. Bericht über die Dezembersitzung 1904 . . 2: 2 2.2. Bericht über die Januarsitzung 1905
Neumann, Vögel von Schoa und Süd-Äthiopien. (Fortsetzung
IV
Bericht über die Februarsitzung 1905 . . . . 2. 22 2. 77425 | Bericht über die Märzsitzung 1905. . . 0. Ei Bericht über die Aprilsitzung 19005... Loy | Bericht über die 55. Jahresversammlung . » 2. 2 2 2.2.0.737\ Mitgliederverzeichnis 1905. . ©... 0 u 2 2 |
Dem Herausgeber zugesandte Schriften . . . . 261, 429, 560, 761 Aufruf zur Errichtung einer Gedenktafel für Heinrich Gätke . . 272
Bildnis Tafel I.
2 ii N Ir. r IV. „ V. r v1. ik GE LT: 2 IX. „ X. 5 XL Sie RR HR AB Re s XV. 2° ERS, ante Br sarRıxt “ xx,
Seite |
Abbildungen.
C. v. Erlanger’s. Cursorius gallicus, somalensis, littoralis und rufus. Otis canccollis und somaliensis.
Pterocles decoratus und ellenbecki. Pterocles lichtensteini und hyperythrus.
Turtur senegalensis, aegyptiacus und aequatorialis: Die Turtur-Arten mit schwarzem Nackenband. Chalecopelia afra, chalcospilos und somalica. Francolinus castaneicollis und botiegt.
Merops nubicus.
Melittophagus variegatus, lafresnayei und oreobates. Dendromus mombassicus.
Dendromus nubicus.
Prodotiscus ellenbeck:t.
Prodotiscus regulus.
Caprimulgus donaldsont.
Prionops melanoptera und Pycnonotus dodsoni. Apalis melanocephala 3, 9, iuv.
Eremomela griseoflava und erlangeri.
Apalis erlangeri, Prinia somalica und erlanger:. Pinarochroa sordida erlangeri und djamdjamensıs.
Karte: Verbreitung der Meeresvögel nach Beobachtungen von Prof. Dr. Vanhöffen auf der Fahrt des Deutschen Südpolarschiffes „Gauss“ 1901— 1903.
JOURNAL
ORNITHOLOGIE
GEGRÜNDET VON J. CABANIS
Im Auftrage der Deutschen. Ornithologischen Gesellschaft | herausgegeben
’ von N
Prof. Dr. Ant. Reichenow,
Kustos der Ornithologischen Abteilung des Kgl. Zoologischen Museums in Berlin, Generalsekretär ge Deutschen ist Gesellschaft,
LIII. Jahrgang. (20,7: 1909,
Mit 8 Tafeln und 1 Bildnss.
Keine 1905, er
Verlag von L. A. Kitklerun, Br?
un Eondon' | Paris, New-York, |
Williams & Norgate, 14 F. Vieweg, rue Richelieu 67. B. Westermann & Co, |
‚Honrietta Street, Coventgarden. 812 Broadway.
Preis des Jahrganges (4 Hefte mit Abbildungen) 20 Rmk. praen.
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ORNITHOLOGIE
Dreiundfünfzigster Jahrgang.
No. 1. Januar 1905.
Studien über wenig bekannte Typen neotropischer Vögel. Von Hans Graf von Berlepsch und C. E. Hellmayr.
In nachstehenden Zeilen geben wir die Resultate unserer gemeinsamen Studien während der letzten drei Jahre bekannt. Unsere Untersuchungen erstreckten sich hauptsächlich auf die typischen Exemplare solcher Formen, welche seit ihrer Beschreibung nicht mehr in der Literatur erwähnt worden sind oder deren -Deutung bis heute eine unsichere geblieben ist. Für liebens- - würdige Auskunft-Erteilung bezw. Übersendung der Typen für unsere Studien sind wir den Herren Herluf Winge (Kopenhagen), P. Godet (Neuchätel), A. Reichenow (Berlin) und L. v. Lorenz - (Wien) zu grossem Danke verpflichtet.
4 A. Typen von J. Reinhardt, Mus. Kopenhagen.
1. Elainea lundii Reinhdt. = Elaineu albiwertex Pelz. juv.
Das einzige von Lund im December 1835 bei Lagoa Santa, Minas Geraös erlegte Stück ist ein jüngeres d mit nur geringen | _ Spuren von Weiss am Grunde einiger Scheitelfedern. Es stimmt
"in allen wesentlichen Punkten mit Exemplaren einer grossen Serie von E. albivertex Pelz, aus verschiedenen Teilen Brasiliens, Brit. Guiana, Cayenne, Merida, (Venezuela), Bucaramanga und " Bogotä-Collectionen in Mus. H. v, ‚Bu«überein— hat insbesondere ebenso schmalen und Sehlanke Be Ye [u Struct ER _ Haube, , und unt ’Sc heidfe Si HE RIn. Ar ineisteh eh’ der. Ir sienten' Suite urelh® m ai het Reef - färbung,.u1Allein.ein. Vogel aus Ypanemani abgeriehenem IKleide) und einige, Bögotä- Bälgg»kemunen.: auch „hierin Beinhandt/s Ori- v Simal ‚sehr; mehren 15wW8 nu sdemlaiv daie Hobasd eH .asbrow Hobasıl 510 Hern.H. «Winge: osandtes.ung.auch.ı freunddichstindiessbeirkem. - Exemp]ariez;welche;Reinhardt:alsı. Bus griseogulanisı Bel. iM SEÄNEE: _ Arbeit auffü ihrt. Auch diese Vögel fanden wisdwits.den MERBMAS ’ Journ, f. Orn. LIII. Jahrg. Januar 1905. 1
©
2 Hans Graf von Berlepsch und C. E. Hellmayr:
plaren unserer Serie von E. albiertex völlig übereinstimmend. Es sind zwei alte frisch vermauserte Stücke mit gut entwickelter weisser Basis der Haubenfedern.
Dr. Sclater hat E. albivertex Pelz. mit E. albiceps (Lafr. & D’Orb.) vereinigt, einer Art, mit der sie keineswegs am nächsten verwandt ist. E. albiceps hat stets reinweisse Mitte des abdomen und ist daran jederzeit leicht zu erkennen, FE. albwertex dagegen zeigt wie E. pagana hell schwefelgelbe, mitunter weiss gemischte Färbung der Bauchmitte. Von letzterer Art unterscheidet sie sich jedoch durch wesentlich schlankeren und schmaleren Schnabel, viel kürzere, nicht verschmälerte und nicht haubenartig ver- längerte Scheitelfedern, durchschnittlich etwas blasseren Bauch und kleinere Dimensionen. Zwischen typischen Stücken aus S. ©. Brasilien und denen aus dem nördlichen Südamerika können wir keine constanten Unterschiede entdecken. Zwei authentische Exemplare von E. sororia Bangs im Mus. H. v. B. stimmen gleichfalls in jeder Hinsicht mit normalen E. albiveriex überein.
Die Synonymie der Art ist somit wie folgt:
Elainea albwertex Pelz.
1868. Elainea ulbiwertex Pelzeln, Zur Orn. Bras. II, pp. 107, 177.*)1). Berl. J. f. Orn. 1884 p. 301.2) 1870. E. lundii J. Reinhardt, Bidr. Fuglef. Bras. Camp. II in Vid. Medd. Kjöbenh. p. 344 tab. 8 fig. 1.3)
1870. E. griseogularis J. Reinhardt (nec Scl.) 1. c. p. 343. 1898. E. sororia O. Bangs, Proc. Biol. Soc. Wash. XII, p. 175.%) 1900. E. pagana sororia*") Allen, Bull. Am. Mus. XIII, p. 147.2
Hab. Brazil: Ypanema!) (S. Paulo), Goiaz!) [Natterer];
Bahia-Coll. in Mus. H. v. B.; Lagoa Santa?) (Minas Geraes) [Lund]; Forte do Rio Branco!), N. Brazil [Natterer]. Brit. Guiana: Roraima [Whitely] in Mus. H. v. B. Cayenne: Oyapoc [Jelski] in Mus. Vindob. Colombia: Bucaramanga?) in Mus. H.v.B; Bogota-Coll. in Mus. H. v. B. u. Monac. Verschiedene Höhen- lagen der Sierra Nevada de Santa Marta®) [W. Brown u. H. Smith leg... Venezuela: Merida [Bricefio leg.] in Mus. H.v.B.; Cu- manä [Caracciolo leg.] in Mus. Tring. |
2. Myiopatis superciliaris („Lund“) Reinh. — Phaeomyias murina (Spix)
| Das von Lund bei Lagoa Santa gesammelte einzige Exem- | plar stimmt in jeder Hinsicht mit einer Serie der im Cat. Birds
*) Als Typus speciei gilt uns der Vogel von Ypanema im Mus. Vindob. *4) E. albivertex darf nicht als Subspecies von E. pagana be- handelt werden. Es handelt sich vielmehr um zwar nahe verwandte, aber scharf getrennte Arten, welche neben einander vorkommen und ihre Cha- raktere rein erhalten. Nur selten findet man Exemplare (jüngere), die zu Zweifeln Anlass geben.
Studien über wenig bekannte Typen neotropischer Vögel. 3
Brit. Mus. XIV p. 123 Myiopatis semifusca genannten Art aus S. Paulo, Goiaz und Bahia überein. Berlepsch hat (Nov. Zool. IX 1902 p. 41) nachgewiesen, dass Phyllomyias semifusca Scl. mit Elainea incomia Cab. & Heine zusammenfällt und dass für My- iopatis auct. (nec Cab. & Heine) ein neuer Name (Phaeomyias Berl.) eingeführt werden muss. Von dieser, der typischen Form aus Carthagena, Santa Marta und Bogota-Coll. unterscheiden sich die brasilianischen Vögel durch mehr röstlich braune (weniger olivenbraune) Oberseite und können subspecifisch getrennt werden. Es unterliegt nun aber wohl keinem Zweifel, dass Myiopatis superciliaris Reinh. mit Plaiyrhynchus murinus Spix zusaınmen- fällt. Leider ist das Original letzterer Art nicht mehr im Münchener Museum aufzufinden. | Die Synonymie der beiden Formen wäre demnach: (1.) Phaeomyias murina (Spix) 1825. Platyrhynchus murinus Spix, Av. Bras. II p. 14, tab. XVI fig. 2 (Brazil). 1870. Myiopatis superciliaris Reinhardt, Bidr. Kundsk. Bras. Campos II: in Vid. Medd. Kjöbenhavn p. 346, tab. 8 fig. 2.1) 1868. Myiopatis incanescens (nec Wied) Pelzeln, Zur Orn. Bras. | II p. 106.2) Hab. Brazil: Ypanema?) (S. Paulo), Cidade de Goiaz?) und Serrado?2) (Goiaz) [Natterer]; Bahia-Coll. in Mus. H. v. B.; Lagoa Santa!) (Minas Gera&äs) [Lund]: Chapada (Mattogrosso) [H. H. Smith]; Pernambuco [Forbes]; Parä [Schulz leg.; in Mus. H. v. B.], Barra do Rio Negro?) [Natterer).
(2.) Phaeomyias murina incomta (Cab. & Heine).
1859. Elainea incomta Cabanis & Heine, Mus. Hein. II, p. 59 (Carthagena. — Mus. Berlin.)
1861. Phyllomyias semifusca Sclater, Proc. zool. Soc. Lond. 1861 p. 383, tab. 36 fig. 1, (ex Santa Martha).
Hab. Colombia: Carthagena (Mus. Berol.); Sierra Nevada
de Santa Marta [Simons, W. W. Brown, H. H. Smith]; Bogotä- Coll. in Mus. H. v. B. etc. Venezuela: Caracas (Goering); Cumanä [Caracciolo leg. in Mus. Tring]; Altagracia, Caicara und Ciudad Bolivar am mittl. u. oberen Orinoko (Cherrie u. Klages leg.]
3. Phyllomyia modesta Reinh. = Sublegatus fasciatus (Thunberg). | Herr Winge sandte uns freundlichst die zwei von Lund bei Paracatü und Lagoa Santa in Minas Geraös erlegten Vögel, welche den Vermerk: „Type for P. modesta Reinh.“ tragen. Ferner lagen uns mehrere Exemplare aus Goiaz (coll. Natterer) [topoty- _ pischer Sublegatus platyrhynchus (Sel. & Salv.)], der Typus von Elaenia brevirostris Tschudi aus dem Neuchäteler Museum und eine Serie aus Bahia, Mattogrosso, Parä und Peru vor. Rein- hardt’s Typen stimmen völlig mit den Stücken aus G oiaz überein
1*
ä logöVHans Graf von Berlepsch und C. E. Hellmayr:
änd Mechtdis‘ Typus aus Peru weicht in keiner Hinsicht von | diem -war/Müsıl v. Berlepsch befindlichen Bahia-Balg ab. Ebenso ' Wenig’ vermochten wir constante Unterschiede in den Grössen- verhälinissend Zwischen unseren Serien aus Peru und Brasilien | festzustellen) SHellmayr verglich im Pariser Museum das Original vom Mistipktäibrevirostris Lafr. & D’Orb. und fand es gleichfalls.) imentischlo4hitio&inem Bahiavogel. Beide Verfasser untersuchten änehtodie OTypen von Sublegatus griseocularis Scl. & Salv. im Brit'sMuseinm’oand constatirten die Identität dieser Art mit &. faseaahıs. ARihesiöder Stücke aus Mendoza hat auffallend dicken Schtiabel, seinieBigentümlichkeit, die wir indessen auch an einem, jühgsnVog&ldvon Cajütuba (bei Parä) [Mus. Vindob.] bemerkten. Nach dem sorgfältigen Studium unserer grossen Reihe hegen wir, nicht deiloseringsten Zweifel, dass die Vögel aus Corrientes, | Brazil, Peru und Mendoza zu einer und derselben Form gehören, für welche als ältester Name 8. fasciatus (Thunb.) in Anwendung, u Arihgendist.g U 2 | Muss Neuehätel, Du von Elaenia brevirostris Tschudi |
es lebandl Did al. 70%/,, c. 64®/, mm. MöscH.&.B} zwei gQ9ı aus Central Peru al. 65,69, c. 60,66 „| Mus! Kjöbenhavn.PAlbagoa Santa Typen von (8,901 .q 1 g Paracatü } Phyllomyia modesta Rhdt.
hrs (£ssion) ab 9bebid al. 67, Re gogel ;.d.v .H eu ni al. 68, ce. Mus!Ninaobrein’g/zwei 9 aus Goiaz (Topotypen von Subl. | [I -piatyrhfnehusgSckli& Salv. al. 65—67, c.60—62 5 | Mus. Vindob. zwei Q2 Matogrosso al. 64,66, c. 58 „| Mus. H. v. B,,ein $ Matogrosso al. 68 0 Mus. vi har En; b. Parä al. 66, | Musi! Hllv.ıB.lviers Bahia+-bälge al. 64—66,c.57—6l „ Mad: Britzuzwei-alterMögel aus Maranura, S. Peru (Typen von 1081 Su@liseoguldriss Schr& Salv.) al. 67,71, 6. DE 2 I, wi
Mus! PArisi!av2 jsVorrientes, D’Orbigny coll. Typus zu Musca- | sb av petas 'brevirdstris Lafr.|.& D’Orb. al. 725 e. Te -1103 Die :Sytionymik ‚der, Amt ist somit wie folgt: :(ent1900d) 289818) :KlauSs:
bau Smbleyatus;fasciatus ‚(Thunberg) 1828.2:Pobrh.fasciata Dhuhberg (efr. Lönnberg. Ibis 1903 p. 241). 1837 ipela. brevirostris Lafresnaye & D’Orbigny, Syn. Av. NER ER Mag, Zool. 1837 p. 49 (Corrientes)h). Fe Blech br eviröstris’Tschudi, Arch. Naturg. 10 I p. 274 (Peru). 1844/45 IE bresiyostris Inem!) Fauna Peruan. Aves p. 159 (Wald- si ‚or “Mais 33290 region von Peru)2). 18840 Eldenid“Bredirostris Taczanowskl, Orn. Perou II p. 272 ov zuqvl ob ‚L(vise » .laa) (ex Tschudi). 1859, Enipidagrabrevirostris Cabanis & Heine, Mus. Hein. II p 59. 1896. Sublögatus!brevirostris Berlepsch & Stolzmann, Proc. zool., 1sı9di xsTo.) aus nodsiggertglond. 1896 p. 365 (Central-Peru)®).f
"Studien über wenig bekannte Typen neotropischer Vögel. 8
1870. Phyllomyia modesta Reinhardt, Bidr. Fuglef. Bras. Campos
I in: Vidensk. Meddel. Kjöbenhavn p. 348 (Minas Gera&s)‘). 1873. Phyllomyias plaiyrhyncha Sclater & Salvin, NomenchvAkium
neotrop. pp. 48, 159 (Goiaz; coll. Natterer)°).
1868. Phyllomyias semifuscus (nec Sclater!) Pelzeln, Zur Ornith. : Brasil. II. p. 105 (Goiaz, Cajütuba)®). 1890. Sublegatus platyrhynchus Berlepsch & Leverkühn, Ornis\WVI. h p. 14 (Mattogrosso)’). 1876. Sublegatus griseocularis (Landbeck Ms.) Sclater & Salyin, Proc. zool. Soc. Lond. 1876 p. 17 (Maranura, S. Peru).
1888. Empidagra brevirostris - Sublegatus platyrhynchus 9.
griseocularis?) Sclater, Cat. Birds. Brit. Mus. XIV. pp. 155, 198.
1892. Sublegaius griseocularis Allen, Bull. Amer. Mus. IV p. N ; (Mattogrosso)19) 1898. $. platyrhynchus Ihering, Revista Mus. Paul. IL p. 1% Be: (Iguape, S. Paulo).
Hab. Brazil: Lagoa Santat) u. Paracatüt) (Minas Gera& [Lund]; Goiaz, °,6) Cajütuba bei Parä®) [Natterer]; Bahia-col in Mus. H. v. B.; Mexiana-Insel [Wallace]; Mattogrosso: Iatüba u. Cuyabä’) [Behn]; Chapada,!°%) [H. H. Smith]; Iguape!t) $. Paulo) [Krone]. Argentina: Corrientes!) (D’Orbigny); Mendoza?) (Weisshaupt). Peru: Waldregion?) (Tschudi); La Merced, Chan- chamayo®) und Santa Ana, C. O. Peru [Kalinowski leg.; in Mus. H. v. B.]; Maranura, S. Peru®) [Whitely].
NB. Als weiteres Synonyın gehört hieher augenscheinlich Sublegatus frontalis Salvad. (Boll. Mus. Torino No. 292 (1897) p. 14. — typus ex Caiza, S. OÖ. Bolivia); denn es ist höchst un- wahrscheinlich, dass inmitten des Verbreitungsgebietes von $. fasciatus eine verschiedene Form vorkommen sollte! Schliesslich dürfte noch Elainea gracilis Tacz. zu obiger Art zu ziehen sein, was aber erst durch Untersuchung des im Warschauer Univer- ‚sitätsmuseum aufbewahrten Originales entschieden werden kann. 4 Die nördliche Form, Sublegatus fasciatus glaber Scl. & Salv., ‚unterscheidet sich durch etwas lebhafter schwefelgelben Unter- ‚körper und wesentlich längeren, schmaleren, weniger stumpfen Schnabel, dessen untere Mandibel dunkler, tiefschwarz (statt dunkelbraun) gefärbt ist. Wir untersuchten eine grosse Serie aus dem Orinoko-tale.
NB. :Sclater*) sowie Salvin und Godman**) führen unter S. platyrhynchus (i. e. fasciatus) auch ein Exemplar von Minca, "Santa Marta, N. Colombia auf. Hellmayr hat den Vogel bei seinem Aufenthalt in London untersucht und gefunden, dass er mit Sub- legatus absolut nichts zu tun hat, sondern zu Phyllomyias grisei- ceps (Scl. & Salv.) gehört! Er stimmt in Färbung und Grösse ‚völlig mit Stücken von Bogotä und Valencia (Venezuela) überein.
*) Cat. Birds Brit. Mus. XIV p. 157. **) Ibis 1880 p. 124 s. n. „Sublegatus incanescens.“
ar |
6 Hans Graf von Berlepsch und C. E. Hellmayr:
B. Typen von J. J. von Tschudi, Mus. Neuchätel.
1. Troglodytes audax Tschudi Arch. f. Natg. 10. I, p. 282 (1844) |
— Troglodytes musculus Naum.? juv.
av. jr. in Mus. Neuchätel, etig.: Troglodytes „Hylemathrous“ audaz | Tsch. P&rou Voyage de M. Tschudi. — al. 531/,, caud. 38%/,, culm.
131/,, tars. 193/, mm.
Der Typus ist ein junger Vogel mit Spuren dunkler Wellen | auf der Vorderbrust und stimmt am besten mit 7. musculus |
Naum. ex Bahia überein, erscheint nur etwas blasser auf der Unterseite und hat etwas kürzeren Schwanz und Schnabel. Die
Kehle ist weisslich, die übrige Unterseite etwas blasser roströtlich als bei 7. musculus ex Bahia. Körperseiten und crissum ent- schieden dunkler als die Mitte, Oberkopf und Nacken graubraun, | der Rücken mehr braun, im hinteren Teile wie die Oberschwanz- | decken rotbräunlich überlaufen, letztere undeutlich dunkel ge-' bändert. Unterschwanzdeckfedern ohne jede Spur einer! schwärzlichen Zeichnung. [Ein Vogel von Chorillo bei
Lima in der Sammlung Ihrer Königl. Hoheit der Frau Prinzessin
Therese von Bayern stimmt im Allgemeinen recht gut mit Tschudi’s Typus überein, hat nur blassere Bauchseiten, mehr graulichen ' Rücken und blasser rostbräunliche Schwingen. Da er aber im |
abgeriebenem Kleide steht, dürften die Abweichungen nicht von
Bedeutung sein — Hellm.]. Zwei Vögel von Lima im Mus. H.
v. B. sind unterseits auch blasser (noch heller als das Exemplar von Chorillo) als der Typus, stimmen aber im Übrigen mit ihm überein.
Trotz Tschudi’s Angabe in der Fauna peruana Äves p. 185, das Original stamme aus N. O. Peru, glauben wir, dass es sich
um ein jüngeres Exemplar der an der peruanischen Küste vor- kommenden Form handelt. Übrigens dürfte diese kaum von 7.
musculus Naum. ex Bahia zu trennen sein (cf. Berl. & Stolzm. P. Z. S. 1892 p. 373).
2. Setophaga chrysogaster Tsch. — muss heissen: Baszleuterus
bivittatus chrysogaster (Tsch.)
specim. in Mus. Neuchätel, etiq.: Selophaga chrysogastra Tschudi,
Perou Voy. de M. Tschudi — al. 61, tars. 161), mm.
Basileuterus bivittatus chrysogaster (Tsch.)
1844. Setophaga chrysogaster Tschudi Arch. Naturg. 10. I, p. 276. 1873. Basileuterus diachlorus Cab. J. f. Orn. 1873 p. 316 (Amable
Marie C. Peru). 1874. „ Tacz. P. Z. 8. 1874 p. 509. (C. Peru.)) 1884. Basileuterus bivitiatus Tacz. (nec Lafr. & D’Orb.) Orn. du‘
Perou II p. 473.
|
| |
Studien über wenig bekannte Typen neotropischer Vögel 7
1896. Basileuterus bivittatus diachlorus Berl. & Stolzm. P. Z. 8.
1896 p. 331. | Berlepsch verglich ein topotypisches Stück von D. diachlorus Cab. mit Tschudi’s Typus und fand es absolut gleichartig. Uber die Unterschiede zwischen der bolivianischen und peruanischen Form vergl. Berl. & Stoizm. |. c.
3. Myiodioctes tristriatus Tsch. — muss heissen: Basileuterus tristriatus (Tsch.)
ad. in Mus. Neuchätel, etiq.: . Basileuterus tristriatus. Setophaga tristriata Tsch. Perou Voy. de M. Tschudi. al. 65, caud. 591/,, culm. 9°/,, tars. 191/, mm.
basileuterus tristriatus (Tsch.)
1844. Myiodioctes tristriatus Tsch. Arch. Naturg. 10. I, p. 283. — Basileuterus bivittatus auct. (nec Lafr. & D’Orb.)
| Der Typus stimmt mit Bogotä-Bälgen in Mus. H. v. B. und Monac. überein, desgleichen mit einem g ad. aus Machay in Ost-Ecuador (J. Stolzmann leg.) in Mus. H. v. B. Er hat wie letzterer Vogel sehr lebhaft gelbes abdomen. Die Angabe Tschudi’s, dass er die Art bei Lurin an der. Westküste von Peru getrofien Be (cf. F. P. Aves p. 193), beruht augenscheinlich auf einem rrtume.
4. Callospiza pulchra Tsch. — muss heissen: Calospiza pulchra (Tsch.) adult in Mus. Neuchätel, etiq.: „Calliste pulchra Tsch. Perou Voy. de M. Tschudi.“ al. 78, caud. 551/,, culm. 111/,, tars. 17 mm. 1844. Callospiza pulchra Tsch. Arch. Natg. 10. 1, p. 285.
Das von Herrn Prof. Godet übersandte Originalexemplar ist ein alter ausgefärbter Vogel (wohl 3 ad.) und stimmt am besten mit einem von J. Kalinowski gesammelten Z ad. von Chancha- mayo (Mus. H. v. B.) überein, nur das Braun der Kehle erscheint mehr ausgedehnt und etwas intensiver. In letzterer Beziehung stimmt das Original besser mit einem Vogel von Huayabamba, N. O. Peru (G. Garlepp leg.) in Mus. H. v. B. überein.
Tschudi gibt keinen genaueren Fundort an und sagt nur, dass er alle Callospizo-Arten in der Waldregion des östlichen Peru getroffen habe.
Vögel von Marcapata, S. O. Peru (O. Garlepp leg.) haben viel helleren Scheitel, namentlich am Hinterkopf, heller gelbe Suboculargegend und intensiver maronenbraune Kehlfärbung. Sie gehören zu C©. p. sophiae Berl. (typus ex Songo, Bolivia).
5. Gallospiza zanthocephala Tsch. — muss heissen: Calospiza xanthocephala (Tsch.)
ad. in Mus. Neuchätel, etig.: „Calliste zanthocephala Tsch., —
lamprotis Sclat. Perou, Voy. de M. Tschudi.“ al. 753/,, caud. 53,
culm. 10, tars. 16 mm.
8 Hans Graf von Berlepsch und C. E. Hellmayr:
1844. Callospiza zanthocephala Tsch. Arch. Naturg. 10. I, p. 285. | Das Original des Neuchäteler Mus. stimmt am besten mit einem von J. Kalinowski gesammelten 2 ad. von Vitoc (Chancha- | mayo-Gebiet) des Mus. H. v. B. überein. Der Scheitel erscheint | ein wenig lebhafter goldgelb, aber nicht so intensiv und ins | Orangefarbene spielend als bei einem 2 ad. von Santa Ana (J.) Kalinowski leg. no. 2249) des Mus. H. v. B. Die Säume der‘ Federn des Ober- nnd Mittelrückens erscheinen etwas bläulicher ! grün als beim Vogel von Vitoc und viel bläulicher als beim | Vogel von S. Ana, ebenso der Unterrücken bläulicher. Auch das Grün der Brust und der Seiten erscheint mehr bläulich, weniger gelblich. Flügel und Schwanz sind merklich länger als bei dem Q von Vitoc. | Ein Vogel ($ ad.) von Marcapata, S. O. Peru in Mus. München hat intensiv orangeroten Scheitel und gehört zu ©. zantho- cephala lamprotis Sel. (typ. ex Bolivia). |
6. Hylophilus frontalis Tsch. — muss heissen: Chlorospingus frontalis (Tsch.)
$pecimen in Mus. Neuchätel, etiq.: „Aylophilus frontalis Tsch. Voyage de M. Tschudi.“ al. 701/,, caud. 66, culm. 131/,, tars. 20°/, mm. | Chlorospingus frontalis (I'sch.)
1844. Hylophilus frontalis Tsch. Arch. f. Naturg. 10. I, p. 284. 1845/46. „ in Id. Faun. Peruan. Aves p. 194, tab. 13 fig. 1. („Ostabhang der Anden von Peru.“) 1862. Chlorospingus oleagineus Scl. P. Z.8.1862 p. 110 (Bogotä-Coll.) Was Berlepsch bereits nach der Abbildung in Tschudi’s‘ Fauna Peruana vermutet hatte, das bewies uns die Untersuchung des Tschudi’schen Originalexemplars, nämlich dass H. frontalis Tsch. mit Chlorospingus oleagineus Scl. identisch ist. Der Vogel des Neuchäteler Mus. ist nicht ganz alt und stimmt namentlich mit einem nicht völlig ausgefärbten Bogotä-Balg des Münchener. Museum überein. Beide unterscheiden sich von alten Stücken aus Bogotä und Nord-Peru (Tambillo, J. Stolzmann leg.) in Mus. H. v. B. durch matteres Olivengrün der Oberseite und blasser grüngelbe Unterseite, mehr grünliche statt olivenbräunliche Schwanzfedern und Unterschwanzdeckfedern, vor allen Dingen aber durch blassgelben statt bräunlich orangegelben Zügelstreif. Nach Tschudi’s Beschreibung und Abbildung sollte man vermuten, ' dass die ganze Stirn seines H. /rontalis gelb gefärbt sei, das ist. jedoch nicht der Fall. Das Gelb des Zügelstreifs vereinigt sich. kaum in der Mitte der Stirnlinie, während im Gegenteil bei alten Vögeln des Chl. oleagineus der bräunlich orangegelbe Zügelstreif mehr oder weniger über den vorderen Stirnrand ausgedehnt ist, so dass ein schmales bräunlichgelbes Stirnband entsteht. Die Vögel von Peru scheinen übrigens etwas längern Schwanz zu,
Studien über wenig bekannte Typen neotropischer Vögel. 9
besitzen als diejenigen von Colombia. Im Übrigen ist der alte Vogel von Tambillo nicht von Bogotä-Vögeln zu unterscheiden.
Merkwürdigerweise hat Dr. Taczanowski dem seiner Zeit gleichfalls der Typus des HA. frontalis vorlag, die Identität mit „Ch. ignobilis“ nicht bemerkt und ihn überhaupt nicht mit dieser _ Art verglichen, obgleich er richtig erkannte, dass es sich um einen Chlorospingus und nicht um einen Hylophrilus handelt. [Sclater stellte (Cat. B. Brit. Mus. XI. p. 248) Sphenopsis ignobiks Sel. als Synonym zu C. oleugineus. Hellmayr untersuchte die Serie des Brit. Museums und fand, dass das Original erstgenannter Art sich von den Vögeln aus Bogota und Peru durch intensiver orangegelbe Zügelstreifen, tiefer ockergelbe Färbung auf Kehle und Vorderhals und entschieden dunklere, mehr ockerbräunliche Unterschwanzdecken unterscheidet. Zwei Jg von Merida und ein 8 von Oumanä in den Museen Tring und Budapest stimmen mit ihm in allen diesen Punkten überein, und es scheint somit, dass die Vögel von Venezuela eine besondere Form darstellen, welche als Chlorospingus frontalis ignobilis (Scl.) zu bezeichnen wäre.]
7. Euscarthmmus rufipes Tsch. — muss heissen Kuscarthmus mar- garztaceiventer (Lafr. & D’Orb.)
specim. in Mus. Neuchätel, etig. „Orchilus rufipes Cab. Euscarth- mus rufipes Tsch. Perou Voyage de M. Tschudi.“ al. 461/,, caud. Ereulm. 11>/,, tars.. 181/, mm.
Berlepsch und Stolzmann (P. Z. S. 1896 p. 360) haben schon die centralperuanischen Vögel als E. margaritaceiventer (Lafr. & D’Orb.) aufgeführt, glaubten aber doch auf kleine Unter- Schiede hinweisen zu müssen, die, wenn sie constant wären, die Trennung als E. margaritaceiventer rufipes (Tsch.) rechtfertigen könnten. Nach Untersuchung des Tschudi’schen Typus und Ver- gleichung von 16 Exemplaren des E. margaritaceiventer aus ver- schiedenen Localitäten glauben wir nicht, dass eine Sonderung der peruanischen Vögel möglich ist und stellen daher E. rufipes als Synonym zu E. margaritaceiventer.
Lafresnaye und D’Orbigny beschrieben ihren T. margarita- cewvenier von Chiquitos in Öst-Bolivia. Hellmayr untersuchte im Pariser Museum einen Balg, der die Bezeichnung: „No. 161. —1834. D’Orbigny, Chiquitos. Todirostrum margaritaceiventer,“ trägt und zweifellos eines der Originale ist. Sowohl dieses Stück als die von G. Garlepp gesammelten Vögel von Samaipata und Omeja und ein Z von Caiza, S. O. Bolivia (Borelli leg. in Mus. Vindob.) haben dunkelaschgrauen Scheitel und stark olivengelb überlaufene Bauchseiten. Die Kehle ist weiss ohne dunkle Striche, Solche zeigen sich nur auf der Vorderbrust angedeutet. Die Flügeldeckfedern tragen deutliche olivengelbe Säume, nur schwach angedeutet bei dem D’Orbigny’schen Originale, das in sehr ab- ‚getragenem Gefieder steht. Ä
10 Hans Graf von Berlepsch und C. E. Hellmayr:
Tschudi’s Typus und zwei Stücke aus Central-Peru in Mus. | H. v. B. unterscheiden sich nur durch etwas unreineren 'bräunlich oder grünlich überlaufenen Scheitel und etwas geringere Dimen- sionen, besonders kürzeren Schwanz. Die Kehle ist bei zwei Exem- plaren einfarbig weiss, das @ von C. Peru in Mus. H. v. B. zeigt | aber deutliche, wenn auch schmale dunkle Striche.
6 alte Vögel aus Mattogrosso und vom brasilianischen Parana haben ebenso getrübten Scheitel wie die peruanischen Exemplare | und meist einfarbig weisse Kehle, allein no. 17751 Mus. Vindob. g, Rio das Pedras, Parana weist sehr deutliche, scharfe dunkle | Striche auf und kommt der weiter unten zu besprechbenden | Bahia-Form in dieser Beziehung recht nahe. 2 jüngere Vögel | (22 von Cuyaba und Rio das Pedras — Mus. Vindob. no. 17754, | 17755) unterscheiden sich sofort durch viel mehr bräunlichen Scheitel, bräunlich gelbgrünen (nicht so rein grünen) Rücken, | mehr bräunlich überlaufene Brustseiten, hellbraune Striche auf Kehle und Vorderbrust und geringere Grösse von der übrigen | Serie aus Mattogrosso. Aufeinen solchen Vogel ist augenscheinlich | E. pelzelni Scl. & Salv. gegründet. Da wir von beiden Locali- täten (Cuyabä und Rio das Pedras) auch normale Stücke besitzen, so unterliegt es für uns keinem Zweifel, dass E. pelzelni sich auf das Jugendkleid bezieht. Die Vögel aus Peru (rufipes Tsch.) sind, wie oben ausgeführt, etwas kleiner, allein die Serie aus Mattogrosso, die sich von ihnen durch keine constanten Färbungscharaktere unterscheidet, variiert so stark in den Grössen- verhältnissen, dass auch dieses Kennzeichen zweifelhaft wird. Zu bemerken ist aber, dass die Bolivianer reiner grauen Scheitel aufweisen als die Stücke aus Peru und Mattogrosso. Die Ver- | breitung der beiden Formen: E. margaritaceiventer in O. Bolivia, E. m. rufipes in Peru und Mattogrosso wäre indessen nicht recht verständlich.
Bolivia: 3 dd al. 51—52 caud. 451/,—47 mm. ° ” 50 a2) 42 „ Peru: 149 ..P95.258 „iu An % 200 1,48 1. Mattogrosso: 5 dd ,„ 49—54 „. 42—48 5 390 .,„:45—50.. uf ao AB
Vonallen den oben besprochenen Vögeln unterscheiden sichzwei alte Vögel aus Bahia (Mus. H. v. B.), also topotypische .E. wuchereri, durch ganz weisse Unterseite ohne jeglichen gelben Anflug an den Bauchseiten und noch schärfere dunkelbraungraue Striche auf Kehle und Vorderbrust als no. 17751 Mus. Vindob. Der Scheitel ist rein dunkelgrau wie bei der bolivianischen Form!
Die Synonymie der beiden Formen ist somit:
Euscarthmus margaritaceiventer (Lafr. & D’Orb.) | 1837. Todirostrum margaritaceiventer Lafr. & D’Orb. Syn. av. I: in Mag. Zool. 1837 cl. II p. 46. (Chiquitos, Bolivia.) ”
Studien über wenig bekannte Typen neotropischer Vögel. 11
1844. Euscarthmus rufipes Tschudi, Arch. f. Naturg. 10. I, p. 273. 1881. Euscarthmus pelzelni Scl. & Salv. Ibis 1881 p. 268. (Cuyaba, Mattogrosso.) Hab. Bolivia: Santo Corazon in Chiquitos (D’Orbigny), Samaipata u. Omeja (G. Garlepp leg. in Mus. H. v. B.) Caiza u. S. Francisco, Chaco Boliviano (Borelli); Brazil: Cuyaba, Barra do Jaurü u. Villa Bella in Mattogrosso (Natterer), Chapada (Smith), Urucüm u. Corumbä (Borelli); Goiaz: Rio Araguay (Natterer), Rio das Pedras am brasil. Parana (Natterer), Paraguay (Azara no. 172) Lambare (Rohde) Sapucay (Foster), Fortin Nueve, Waikthlatingmayalva (Kerr); Argentina: Corrientes (D’Orb.) Oran, Salta (White), Tucuman (Durnford), Parana (Burm.); Peru: Waldregion (Tschudi), La Merced, Chanchamayo (Kalinowski) Maranura, 8. Peru (Whitely).
Euscarthmus margartitaceiventer wucherert Scl. & Salv.
1873. Euscarthmus wuchereri Sel. & Salv. Nomencl. av. neotr. p. 158. (Bahia).
E. E. margaritaceiwventer dicto simillimus, differt corpore
‚ subtus omnino albo, hypochondriis absque colore olivaceo-flavo,
neenon striis obscuris gulae pectorisque anterioris multo magis
distinctis. al. 52, caud. 45 mm.
Hab. in Brasiliae or. provincia Bahia.
8. Klaenia viridiflava Tsch. — muss heissen: Tyranniscus viridiflavus (Tsch.) 1844. Elaenia viridiflava Tsch. Arch. Naturg. 10. I, p. 274. 1845/46. 5 5 Id. Fauna Peruan. Aves p. 160 tab. 9, fig. 2. (,„Küstenregion“ errore!) 1874. Tyranniscus viridiflavus Tacz. P. Z. S. 1874 p. 536 (C. Perou.)
1884. 5 Id. Orn. Perou II p. 261. 1894. Tyranniscus frontalis Berl. & Stolzm. Ibis 1894 p. 390 (C. Peru.) 1896. ; „ .id.et.ld. BZ 3.1896 p: 365 tab XIV.
| Hab. C. Peru: Paltaypampa u. Amable Maria (Jelski)
Garita del Sol u. S. Emilio (Kalinowski).
Be in Mus. Neuchätel: adult, etig.: „Leptopogon viridiflava T.
| Elaenia. Perou Voy. de M. Tschudi“ al. 57./,, caud, 502%, eulm, 8°/,,. tars. 16!/, mm.
Der Vergleich der Originale von Elaenia viridiflva und Tyranniscus fronialis bewies uns, dass beide identisch sind. Tschudi’s Typus stimmt gut mit einem anthentischen Exemplar der letztern Art im Mus. H. v. B. überein, ist nur ein wenig kleiner.
Tschudi’s Beschreibung (z. B. der Passus in der Diagnose „gula albicante‘“ und die Beschreibung: „Kehle und Brust hell gelblichweiss, der Bauch, die Weichen, die untern Schwanz- und Flügeldecken und der Flügelbug rostgelb“) sind derartig fehlerhaft
12 Hans Graf von Berlepsch und C. E. Hellmayr:
und die von ihm gegebene Abbildung ist so unkenntlich, dass) ohne eine Untersuchung des Typus an eine Identität mit ZT. frontalis nicht wohl gedacht werden konnte. Auch Tschudi’s „Fundort- | angabe: „Westküste von Peru“ beruht zweifellos auf einem Irrtume.
9. Elaenia modesta Tsch. — 1 ae ee & D’Orb. |
1844. Elaenia modesta Tschud. Arch. f. Naturg. 10. I, p. 2741), | specimina in Mus. Neuchätel: |
l. etig.: Elainia modesta Tsch. Elainia albiceps Bp. Perou voyage | de M. Tschudi |
2. etiq.: Zlainia albiceps D’Orb. griseogularis Scl. Perou voyage de M. Tschudi.
1. = E. albiceps Lafr. & D’Orb. — | al. 701/,, caud. 63, culm. 10°/,, tars. 207, mm
2. = E. gigas Scl. & Salv. — | al. 921/,, caud. 811/,, culm. 13°/,, tars. 19 mm.
Von den beiden uns von Prof. Godet gesandten Exemplaren stimmt no. 1 gut mit Vögeln von Lima (Westküste) überein, welche von Berl. & Stolzm. (P. Z. S. 1892 p. 380) als E. albiceps modesta aufgeführt worden sind, und zeigt wie diese verwaschene olivengrauliche oder graugelbliche (nicht reinweisse) Flügelbinden. | Von diesem Stücke scheint Tschudi seine Masse genommen zu haben. Das zweite Stück des Neuchäteler Museum von Tschudis Reise gehört zu E. gigas Scl.! Es stimmt recht gut mit zwei | Vögeln aus N. O. Peru und aus Bogota-Coll. in Mus. H. v. B. überein. Die Haube enthält wie bei jenen sehr viel Weiss, die, Rückenfedern zeigen die für E. gigas charakteristischen deutlichen | dunklen Centren, der Bauch ist lebhaft gelb und die Flügeldeck- | federn zeigen deutliche weisse Spitzenflecken. Auf dieses zweite | Exemplar bezieht sich augenscheinlich Tschudi’s Angabe „die | oberen Flügeldecken mit einer breiten weissen Spitze“ (Faun. Peruan. Aves. p. 159). | Hieraus ergibt sich, dass Tschudi’s Beschreibung sich nicht | allein auf E. albiceps, sondern auch auf die ganz verschiedene FE. gigas bezieht und es erscheint uns unter diesen Umständen am richtigsten, den Namen E. modesta als nicht genügend prä- cisiert ganz zu verwerfen. |
10. Elaenia brevirosiris Tsch. muss heissen: Sublegatus fasciatus (Thunb.) |
1844. Elaenia brevirostris Tschud. Arch. f. Naturg. 10. I, p. 274 Av. adult. in Mus. Neuchätel, etiqg : „Elainia murina Spix. Myiophanistus incanescens Max. Elainia brevirostris Tsch. |
1) „Westlich von den Anden also in der Küstenregion haben wir E. viridiflava und E. modesta gesehen (Tsch. F. P. Aves p. 160).“
Studien über wenig bekannte Typen neotropischer Vögel. 13
Voy. de M. Tschudi.“ — al. 70!/,, caud. 642/,, culm. 73/,, tars. 161/, mm. cf. antea pp. 3, 4, 5.
11. Anabates montanus Tsch. — muss heissen: Philydor montanus (Tsch.)
1844. Anabates montanus Tschud. Arch. Naturg. 10. I, p. 295. 1845—46. Anabates montanus Id. Fauna Peruana Aves p. 240 tab. 20. fig. 1 (Waldregion von Peru zwischen 10° u. 12° s. Br.) 1874. Philydor striaticollis Tacz. P. Z. S. 1874 p. 528 (C. Peru). 1874. = montanus Id. ibid. en 1884. 3 striaticollis Id. Orn. Perou II. p. 153. = 1884. ns montanus Id. ibid. Sn 1896. Anabazenops striaticollis Berl. & Stolzm. P. Z. S. 1896 p. 375. (C. Peru). 'Specim. in Mus. Neuchätel adult.: ‚„,„Anabates“ Automolus montanus Tsch. Perou. Voyage de M. Tschudi“. al. 921/,, caud. 771/,, culm. 143/,, tars. 171/, mm. Die Oberseite erscheint hellröstlich olivbraun, Scheitel und Hinterrücken mehr bräunlich, weniger röstlich. Bogotä-Bälge, worauf Sclater’s Anabates striaticollis beruht und solche aus Ost- Ecuador unterscheiden sich nur durch etwas blassern, mehr graulich vermischten Scheitel und können wohl als Philydor montanus striaticollis (Scl.; getrennt werden. Sclater stellt diese Art in die Gattung Anabazenops. Tatsächlich ist sie mit A. variegati- ceps und A. temporalis sehr nahe verwandt. Diese Arten haben aber nicht den etwas aufsteigenden Öberschnabel, welcher für Xenicopsis (Anabazenops apud Scl.) charakteristisch ist. Ihre Schnabelform erinnert am meisten an diejenige von Ph. lichten- ‚steini und wir halten es für das Richtigste, sie mit diesem in das genus Philydor zu stellen, obgleich der Unterschnabel bei ihnen En ansteigt als es bei den übrigen Arten dieses Genus der "all ist.
12. Anabates ochrolaemus Tsch. — muss heissen: Automolus ochrolaemus (Tsch.)
1844. Anabates ochrolaemus Tschudi Arch. Naturg. 10. I, p. 295. 1845 —46. Anabates ochrolaemus ld. Fauna Per. Aves p. 240 tab. 20 fig. 2 (Waldregion des östl. Peru zw. 10° u. 12° südl. Br.) Specimen in Mus. Neuchätel, ad., etig.: „Anabates“ Automolus ochrolaemus Tsch. Perou. Voyage de M. Tschudi. al. 911/,, caud. 82, culm. 20°/,, tars. 211/, mm. R Stimmt mit einem alten Vogel vom Huallaga, N. O. Peru (G. Garlepp leg.) in Mus. H. v. B. im Wesentlichen überein, zeigt nur etwas dunklere Färbung der Oberseite und ein wenig längern Schnabel. Bogota-Vögel in Mus. H. v. B. u. Monac. unterscheiden sich vom typischen A. ochrolaemus durch Folgendes: Die Oberseite
14 Hans Graf von Berlepsch und ©. E. Hellmayr: |
ist viel heller, ausgesprochen olivbraun, die Aussenseite der Schwin- gen viel weniger rostbräunlich. Zügel, Wangen und Halsseiten wesentlich blasser, eher rostgelb als ockerfarbig. Die Kehle viel blasser, mehr rostgelblich und die übrige Unterseite nicht so ockerfarbig, mehr olivbräunlich überlaufen. Dies ist A. ochrolae- mus turdinus (Pelz.) [typ. ex Barra do Rio Negro].
13. Anabates melanorhynchus Tsch. — muss heissen: Automolus melanorhynchus (Tsch.)
1844. Anabates melanorhynchus Tsch. Arch. Natg. 10. I, p. 295. 1845 —46. Anabates melanorhynchus Id. Fauna Peruan. Aves. p. 241, tab. 21 fig. 1. (Waldregion von Peru, zwischen 10°u. 12 südl. Br.) |
1874. Automolus striaticeps Tacz. P. 7.8. 1874 p. 528 (C. Peru)% nom. nud.!
1875. Automolus striaticeps Sel. & Salv. P. Z.S. 1875 p. 37. (Bogota-Coll.) deser. orig.
Specimen in Mus. Neuchätel ad., etiq.: „Anabates Eusphenura melanorhynchus Tsch. P£rou. Voyage de M. Tschudi“. al. 961/23 caud. 931/,, culm. 243/,, tars. 261/, mm. | Der Typus stimmt in jeder Hinsicht mit Exemplaren des’ Wiener Mus. und des Mus. H. v. B. aus Marcapata, S. O. Peru überein. Ein „Q“ aus Mapoto, O. Ecuador in Mus. H. v. B. zeigt viel mehr olivenbraune weniger ockerröstliche Unterseite und. mehr olivenbraunen weniger schwärzlichen Ober- u. Mittelrücken und viel kürzern Schwanz (wohl jüngerer Vogel?). Automolus subulatus (Spix), dessen Identität mit A. melanor- hynchus Tsch. Sclater und Salvin früher (l. c.) vermuteten, ist eine sehr verschiedene Art. Wir haben das Original in Mus. Monac. verglichen und fanden es übereinstimmend mit einem „g' ad. von Cuembi, R. Putumayo, S. O. Colombia in Mus. H. v. B. Es ist übrigens dieselbe Art, welche auch Selater und Salvin später als A. subulatus (Spix) angenommen haben. |
14. Thamnophilus olivaceus Tsch. — muss heissen: Pr mentalis olwaceus (Tsch.) — 8 juv. |
1844. Thammophilus oliveceus Tschud. Arch. Naturg. 10. ], p. 975. 1845—46. T'hamnophilus olivaceus Id. Faun. Peruan. Aves p. 174 tab. 11 fig. 1 (Östl. der Cordilleren 10° südl. Br.) deser. & juv. 1855. Dysithamnus semicinereus Sel. P. Z. S. 1855 p. 90 Pl. 97 (Bogotä-Coll.) deser. J ad. @ ad.
Specimen in Mus. Neuchätel (3) juv. etiq.: „Dysithamnus olivaceus, Tschudi Thamnophilus Tsch. Perou Voy. de M. Tschudi“. al. 624, caud. 43, culm. 151/,, tars. 20%/, mm. | Grosse Unsicherheit herrschte bis jetzt bezüglich des von Tschudi als Z’h. olivaceus beschriebenen Vogels. Sclater (Cat. B. Brit. Mus. XV p. 222) und Oberholser (Proc. U. $. N. Mus. XXV 1902 p. 129) deuteten sie auf eine in den Campos Central-Brasiliens
Studien über wenig bekannte Typen neotropischer Vögel. 15
(Mattogrosso) vorkommende Art. Wie uns nun die Untersuchung des Originalexemplars lehrt, ist diese Auffassung eine ganz irr- tümliche. Es handelt sich bei dem Tschudi’schen Vogel um nichts Anderes als um ein g juv. der Form, welche Sclater später als Dysithamnus semicinereus beschrieben hat. Wir waren in der Lage eine grosse Serie letzterer Art im Mus. H. v. B. zu untersuchen und konnten zwischen Stücken aus Peru (olwaceus) und Bogota- Bälgen (seminicereus) keinerlei constante Unterschiede entdecken. Übrigens steht D. olivaceus (olim semicinereus) dem D. mentalis (Temm‘)?) aus Brazil, Bolivia u. Pto. Cabello, Venezuela so nahe, dass wir es für richtiger halten, ihn nur subspeeifisch zu trennen.
Dagegen ist der richtige Name für die Art von Mattogrosso (D. olivaceus Sel. u. Oberh. nec Tsch.) wie, wir nach Untersuchung der Typen festgestellt haben:
Dysithamnus affınıs Pelz.
1868. Dysithamnus affinis Pelz. Zur Orn. Bras. pp. 80, 149. (Villa Maria, Mattogrosso).
1890. Dysithamnus olivaceus Sel. (nec Tsch.) Cat. Birds Brit. Mus. XV p. 222 (Chapada, Mattogrosso).
1893. Dysithamnus mentalis Allen Bull. Amer. Mus. V. p. 118 (Chapada, Mattogrosso).
1902. Dysithamnus olivaceus Oberholser (nec Tsch.) Proc. U. S. N. Mus. XXV p. 129 (Chapada).
Diese Art steht dem D. spodionotus Salv. &Godm. am nächsten und zwar so nahe, dass die letztere künftig besser als D. affinis spodionotus aufzuführen ist. Das & von D. affinis stimmt nament- lich in Bezug auf die charakteristischen weissen Spitzenflecken der äusseren Schwanzfedern mit dem des D. a. spodionotus überein, es unterscheidet sich von letzterem nur durch noch intensiver bräunlichschwarzen Scheitel sowie etwas schmutziger schiefer- graue Rückenfärbung mit bräunlicherem Ton. Ferner erscheint die Oberbrust matter und bräunlicher aschgrau überlaufen (statt reinaschgrau). Körperseiten etwas bräunlicher. Schnabel etwas kleiner. Unterschnabel weisslicher.
Das © ist ebenfalls dem @ von D. a. spodionotus sehr ähnlich, hat nur Brust und Körperseiten intensiver olivenrost- bräunlich statt olivengrünbraun überlaufen. Der Rücken etwas blasser graulich im Ton. Der Scheitel etwas intensiver röstlich- braun, namentlich an der Stirn. Von D. m. olivaceus Tsch. unter- scheidet sich das $ ad. des D. affinis leicht durch die weissen Spitzenflecken der äussern Schwanzfedern, welche jener völlig
1) Das typische Exemplar zu Temminck’s Beschreibung und Abbil- dung von D. mentalis befindet sich im Wiener Hofmuseum und die Etikette desselben trägt in Temminck’s Handschrift die Bemerkung: „ügur6 Pl. Col. tab. 179. fig. 3.
16 Hans Graf von Berlepsch und C. E. Hellmayr: | fehlen, und den vollständigen Mangel jeder gelben Beimischung in der Bauchgegend und des olivengrünen Anflugs an den Hypo- ° chondrien, sowie auch durch dunkler schieferschwärzlichen (statt bläulichgrauen) Scheitel und viel reiner schiefergrauen Rücken - ohne jede Spur grünlichen Anflugs, während die @2 beider Arten noch mehr verschieden gefärbt sind.
15. Thamnophilus azxillarıs Tsch. — muss heissen Herpsilochmus axillarıs (Tsch.) — 9.
1844. Thamnophilus azxillaris Tsch. Arch. Natg. 10. I, p. 278. 1845 —46. „, = Id. Faun. Peruan. Aves p. 174 (Peru, östlich der Cordillere 10° südl. Br.) deser. ©. 1882. Herpsilochmus puncticeps Tacz. P. Z. S. 1882 p. 30 (Huambo, N. Peru (g, 9, g juv.)
1884. Herpsilochmus azxillaris Tacz. Orn. du P£ron Il. p. 35. Specim. in Mus. Neuchätel 9, etiq.: Herpsilochmus Cab. Thamno-
philus axillaris Tschudi Perou Voyage de M. Tschudi. al. 51 caud. 491/, culm. 121/, tars. 16%/, mm. | Ein „2“ von Huaynapata, Marcapata, S. O. Peru, 21. 11. 97 (J. Kalinowski leg.) im Wiener Hofmuseum zeigt die gleichen Masse und stimmt auch in der Färbung nahezu vollständig mit dem Typus überein. Taczanowski (l. c.) hat beide Geschlechter sehr gut beschrieben. Das © hat hell rostbraunen Scheitel und hellschwefelgelbe Unterseite wie das @ von 2. rufimarginatus (Temm.), doch fehlen ihm die rostrotbraunen Aussensäume der | Schwingen. Die @@ von H. longirostris Pelz. und H. pectoralis, welche gleichfalls rostroten Scheitel besitzen, unterscheiden sich auf den ersten Blick durch ockerrostgelbe Färbung der Unterseite. Mit den anderen Arten des Genus Herpsilochmus braucht H. azxillaris nicht verglichen zu werden, weil keine nähere Verwandtschaft mit ihnen besteht. |
|
16. Corythopis torquata Tsch. — der Name bleibt bestehen.
1844. Corythopis torguata Tschud. Arch. Natg. 10. I, p. 279. | 1845 —46. „, ” Id. Fauna Peruan. Aves p. 177 (ohne Fundort-Angabe).
1874. Corythopis humivagans Tacz. P. Z. S. 1874 pp. 136, 531 | (Monterico, ©. Peru). Habitat: In Peruvia centrali et in Bolivia septr. [S. Mateo,
G. Garlepp leg. in Mus. H. v. B.]. | Specimen in Mus. Neuchätel adult., etik.: „Fourmilier & collier. Corythopis torguata T. Perou. Voyage de M. Tschudi.“ al. 764/,. caud. 644/,, culm. 151/,, tars. 261/,-mm.- ——
Stimmt in den wesentlichen Charakteren! mütr'Cesänthoides Puch. überein, nämlich: schwärzlichem Oberschnabel,«düäter«oliven», braune Oberseite 'undeidunkelgraue-Köpfseiten;ıMerkmale, welchel sie von C. calcarata (Wied) sofort unter&cheidehl .Die Vergleichung,
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Studien über wenig bekannte Typen neotropischer Vögel. 17
mit Exemplaren einer grösseren Serie der C©. anthoödes aus Ca- yenne, Brit. Guiana, Amazonia und Bogota-coll. lehrt, dass con- stante Unterschiede in der Färbung nicht vorhanden sind und dass C©. Zorguata nur durch bedeutendere Grösse abweicht. Ein „g“ ad. aus Nord-Bolivia ist etwas kleiner, gehört aber wohl auch zu (. torquata. Dagegen dürften die Vögel aus N.O.-Peru, welche Taczanowski zuerst zu Ü. anthoides, später aber (Orn. Perou II p. 91) zu ©. a. humivagans stellt, zu ersterer gehören.
Bezüglich der individuellen Färbungsverschiedenheiten, wie sie durch unsere Serie illustriert werden bemerken wir Folgendes. Ein $ von Camacusa, Brit. Guiana (Mus. H. v. B.) und ein ad. von Cayenne (Mus. Vindob.) haben deutlich dunkelaschgrauen Scheitel und dunkel olivenbraunen Rücken. Die schwarzen Flecken der Unterseite sind auf ein breites Brustband beschränkt. Der Schnabel ist nicht so schwärzlich und etwas heller als bei allen übrigen Stücken, aber noch wesentlich dunkler als bei ©. calcarata. Ein adult von N.-Peru: Bajada de Achamal (Stolzmann leg.) in Mus. H. v. B. stimmt im Tone der Rückenfärbung ganz überein, aber der Scheitel ist wie der Rücken gefärbt und die schwarze Fleckung der Unterseite dehnt sich auch über die Brustseiten aus. Ein & ad. vom R. Icanna und ein & von Borba sind mit letzterem Vogel völlig identisch. Zwei Bogota-Bälge sind oberseits etwas dunkler als die vorstehend besprochenen Exemplare und zeigen gleichfalls braunen Scheitel. Ein Vogel aus N.-Bolivia (C. torquata), 1 © vom R. Putumayo (S. O. Colombia) und ein Z von Manäos sind entschieden heller, auch sie besitzen alle olivbraunen Scheitel. | Ein adult von Huayabamba ist am hellsten von allen und mehr grünlicholivbraun, noch lichter als das $ von Camacusa. Da somit als constantes Unterscheidungsmerkmal zwischen C. iorquata und ©. anthoides nur die Grösse in Betracht kommt, so ziehen wir vor ©. anthoides bloss subspecifisch zu trennen als:
Corythopis torquata anthoides (Puch.)
1855. Muscicapa anthoides Pucheran (ex Cuvier M.S.) Arch. Mus. Paris VII p. 334 (Cayenne). Hab. Cayenne. Brit. Guiana (Whitely). Surinam (Bart- lett). Parä (Wallace). Borba, Manäos u. R. Icanna am oberen R. Negro (Natterer). Nericagua am Orinoco (Cherrie), dessen Nebenfluss Caura (Andre). Chamicuros (Bartlett), Hu- ambo u. Yurimaguas, N. Peru (Stolzmann). Die Flügellänge schwankt bei dieser Form (12 Exemplare gemessen) von 63—68, die Schwanzlänge von 481/,—54 mm:
17. Pteroptochus femoralis Tsch. muss heissen: Scytalopus femoralis (Tsch.)? an = $. magellanicus (Lath.) av. jr.!? 1844. Pieroptochus” femoralis Tschud. Arch. Natg. 10, I. p. 281.
Journ. f. Orn. LIII, Jahrg. Januar 1905. 2
18 Hans Graf von Berlepsch und C. E. Hellmayr:
1845 —46. Scytalopus femoralis Id. Fauna Peruan. Aves p. 182. („Ostabhang der Anden.“)
Specimen in Mus. Neuchätel ad. etik.: ‚„Scytalopus femoralis Tsch. Perou Voyage de M. Tschudi.*“ al. 63, caud. 46, culm. 191/,, tars. 21%, mm.
Dieser Vogel ist sehr verschieden von dem von Maray- nioc (J. Kalinowski leg.) welchen Berlepsch und Stolzmann (P. 2. S. 1896 p. 387) provisorisch zu 8. femoralis Tsch. gestellt haben, indem sie ihm im Falle der Verschiedenheit den neuen Namen $. macropus reservierten. S. macropus ist ein sehr viel
grösserer Vogel mit sehr viel längerem stärkeren Schnabel und Beinen, ein wahrer kiese dieses Geschlechts (al. 72, caud. 491), culm. 161/,, tars. 30 mm). Dagegen stimmt der Typus des 8. fe- moralis in der Grösse ungefähr mit S. sylvestris überein, hat nur ein wenig längere Flügel (63 statt 59 mm), und Schwanz (46 st.
44\/, mm), und stimmt auch in der Schnabelform mit. ihr überein. Der Schnabel ist sogar noch ein wenig kürzer und schwächer als
bei 9. sylvestris. Auch in der Färbung hat der Tschudi’sche | Vogel Ähnlichkeit mit $. sylvestris, unterscheidet sich aber sehr wesentlich dadurch, dass das abdomen einfarbig schiefergrau- | schwarz erscheint, während S. sylvestris von Taczanowski be- schrieben wird mit ‚„milieu m&me de l’abdomen blanc a disque
des plumes schistace“ (in der Diagnose: „medio albo‘“). Der
Vogel von Garita, Vitoc (Kalinowski) zeigt an der mittleren Unter-
brust und der Bauchmitte weissliche Spitzensäume, deutlicher als
bei S. senilis. Es scheint somit, dass S. syWvestris dem 8. senilis aus Colombia am nächsten steht und als dessen südlicher Vertreter |
zu betrachten ist.
Übrigens zeigt der Typus von $. femoralis einfarbig bräunlich schieferschwärzliche Oberseite. Der unterste Unter- rücken ist bei ihm mehr bräunlich überlaufen und die Federn sind hier mit verloschenen schwärzlichen Querbinden gezeichnet. Die Unterseite ist schiefergrauschwarz gefärbt. Die Federn | der Hypochondrien (Bauchseiten): erscheinen düster rostbraun und mit schwarzen Binden gezeichnet ähnlich wie bei 8. senilis, nur
sind die schwarzen Binden weniger scharf begrenzt.
Es bleibt noch zu entscheiden, ob $. sylvestris Tacz. viel- leicht nur ein besonderes Kleid, (vielleicht Jugendkleid) des S. fe- moralis darstellt oder ob beide specifisch verschieden sind. Es ist schliesslich nicht ausgeschlossen, dass sich $. femoralis auf ein Jugendstadium des S. magellanicus gründet. Wenn 8. fe- moralis eine besondere Species darstellt, so haben wir in C. Peru nicht weniger als 5 Scytalopus-Arten: 1. 8. macropus Berl. & Stolzm., 2. $. femoralis (Tsch.), 3. $. syWwestris Tacz., 4. 8. ma- '
gellanicus (Lath.), 5. 8. acutirostris (Tsch.)
Studien über wenig bekannte Typen neotropischer Vögel. 19
18. Pieroptochus acutirostris Tsch. — muss heissen: Scytalopus acutirostris (Tsch.)
1844. Pteroptochus acutirostris Tsch. Arch. Naturg. 10, I. p. 282. 1845—46. Scytalopus acutirostris Id. Faun. Peruan. Aves p. 183. („Ostabhang der Anden.“)
1884. a Tacz. Orn. du Perou II, p. 532. 1896. \ . Berl. & Stolzm. P. Z. S. 1896 p. 388. (C. Peru).
Specimen in Mus. Neuchätel, etiq.: „Scytalopus acutirostris & Perou, Voy. de M. Tschudi.“ al. 551/,, caud. — culm. 11!/,, tars. 20%), mm.
Steht dem $. griseicollis Lafr. ex Bogotä nahe, unterscheidet sich aber von dieser sowohl als von 8. sylWwestris durch schwarz- braune statt aschgraue Färbung der Unterseite. Die Federn der Hypochondrien erscheinen intensiver rostbraun als bei Vögeln von Bogota. Scheitel und Rücken sind nicht olivenbraungelb wie bei jenen, sondern bräunlich schiefergrau gefärbt. Unterrücken und Oberschwanzdeckfedern erscheinen dunkelrostbraun mit schwacher Andeutung dunkler Querwellen, statt einfarbig hell- rostgelbbraun wie bei 8. griseicollis. 8. femoralis (Tsch.) unter- Scheidet sich sofort von S. acutirostris (Tsch.) durch viel längere Flügel, schiefergrauen Hinterrücken (nur der Bürzel ist rostbraun) und überhaupt schiefergrauschwarze Oberseite.
19. Crex facialis Tsch. — muss heissen: Creeiscus viridis facialıs Tsch.
1843. Ürex facialis Tschud. Arch. f. Natg. 9, I. p. 388.
1845—46. „, „ Id. Faun. Peruan. Aves p. 301.
1886. Porzana facialis Tacz. Orn. Perou III, p. 324.
1894. Creciscus facialis Sharpe Cat. Birds Brit. Mus. XXI, p. 145.
1902. Oreciscus viridis subrufescens Berl. & Stolzm. P. Z. $. 1902, p. 45, deser. orig. (C. Peru).
Speeimen in Mus. Neuchätel juv. etiq.: „Creciscus fascialis Tsch. (type) COrex fascialis Tschudi (an Porzana cayennensis juv. Sharpe). Voy. Tschudi Perou, envoy& & Mr. Bowdler Sharpe. Brit. Mus.“ al. 87, caud. O7), culm. 16!/,, tars. 261/, mm.
Der Tschudi’ sche Vogel ist sehr jung, beinahe als pullus zu bezeichnen. Die Oberseite erscheint schmutzig olivenrauchbraun, die Unterseite etwas heller rauchbraun. Die Kehle weisslich. Die Kopfseiten hell aschgrau. Über der Zügelgegend an den Stirnseiten befinden sich einige rostrotbraune Federn des Alters- kleides eingesprengt. Desgleichen zeigen sich in der weisslichen Kehle namentlich im untern Teile und an den Seiten einige blass rostgelbrötliche Federn, welche den Übergang zum Alterskleide andeuten. Diese rostfarbenen Federn!), namentlich diejenigen
1) Auch Sharpe Cat. XXIII, p. 145 hatte schon auf diese rost- farbenen Federn aufmerksam gemacht.
Pe
20 Hans Graf von Berlepsch und C. E. Hellmayr:
an den Stirnseiten beweisen, dass es sich um den jungen Vogel einer Art handelt, welche zum O. viridis- (olim cayenmensis-) | Typus gehört. Wir erkennen daher in ©. facıalis das Jugend- stadium der Form, welche von Berlepsch und Stolzmann in P. | 2. 8. 1902, p. 49 als Creciscus viridis subrufescens Berl. & Stolzm.
beschrieben ist. Auf diese Eventualität hatte schon Berlepsch | l. c. hingewiesen, doch war es unmöglich, ohne Untersuchung
des Typus Gewissheit zu erlangen.
Fraglich mag es sein, ob dem Tschudi’schen auf einem | pullus begründeten Namen vor ©. v. subrufescens die Priorität gebührt, zumal in Tschudi’s Beschreibung die ausschlaggebenden Merkmale, nämlich die rostfarbenen Federn an Scheitel und Kehle, |
nicht erwähnt werden.
C. Typen von J. Cabanis, Mus. Berlin.
1. Empidochanes altirostris Cab. muss heissen: Empidochanus fuscatus cabanisiı (Le£ot.)
Wir untersuchten den aus Carthagena stammenden Typus, im Berliner Museum und fanden ihn identisch mit der als E. arenaceus (Scl. & Salv.) bekannten Art. Zum Vergleich lagen | uns 31 Bogotä-bälge der Museen H. v. Berlepsch und Monac. und ein @ ad. aus Puerto Cabello (Starke leg.) in ersterer Sammlung | vor. Der eben genannte Vogel und einige Bogotä-bälge in Mus. v. Berlepsch stimmen in dem erdbraunen Ton der Oberseite mit Cabanis’ Original völlig überein, letzteres weicht bloss durch etwas blasser gelben Unterkörper ab, was indessen gewiss nur auf den ausgebleichten Zustand des Gefieders zurückzuführen ist. Bei der Mehrzahl unserer übrigen Exemplare zieht die Färbung des Rückens mehr ins Rötlichbraune, erreicht aber niemals das gesättigte Colorit | von E. fuscatus (Wied). Das Gelb der Unterseite variiert ein wenig in der Lebhaftigkeit und ein Bogotä-balg im Münchener Museum ist kaum dunkler als der Typus. Der Schnabel ist stets schwarzbraun, nur an der Basis der unteren Mandibel tritt bis-
weilen ein hellbrauner Fleck auf.
Vögel von Trinidad, auf denen Empidonaz cabanisi Le£ot. beruht, konnten wir nicht vergleichen, doch constatierteMr.Chapman | (Bull. Amer. Mus. VI (1894) p. 41), der den Typus in Leotauds
Sammlung untersuchte, seine Identität mit E. arenaceus. Übrigens verglich Hellmayr im Tring Museum eine grosse Serie aus Tobago und konnte keinerlei Unterschiede gegenüber einer Suite von Bogotä-bälgen feststellen. Deshalb ist esauch wohl ausgeschlossen, dass auf Trinidad eine andere Form vorkommt und wir tragen kein Bedenken, Leotaud’s Bezeichnung als die aa für unsere Form zu acceptieren.
‘ ur
at
Studien über wenig bekannte Typen neotropischer Vögel. 21
Die Synonymie derselben ist somit wie folgt:
'Empidochanes fuscatus cabanisi (Leot.) 1866. Empidonax cabanisi Leotaud, Ois. Trinidad p. 232 (Trinidad). 1868. Empidochanes altirosiris Cabanis, J. f. Ornith. 1868 p. 196 (Cartagena). 1877. Ochthoeca arenacea Sclater & Salvin, Proc. zool. Soc. London 1877 p. 20 (Bogotä-coll.) 1886. Empidochanes vireoninus Ridgway, Ibis 1886 p. 461 (Tobago). 1894. Empidochanes cabanısı canescens Chapman, Bull. Amer. Mus. VI p. 42 (Tobago). Hab. Monos Insel bei Trinidad (Chapman leg.); Tobago (E. Andre leg., in Mus. Tring; Ober etc... Venezuela: S. Esteban _ (Starke leg, Mus. H. v. B.). Colombia: Cartagena (Cabanis);
Santa Marta (H. Smith); Bogotä-coll. (Mus. H.v. B. et Monac.)
a
2. Empidochanes euleri Cab. muss heissen: Empidonax euleri (Cab.)
Der Typus, der von Herın C. Euler bei Cantagallo im Hinter- lande von Rio de Janeiro gesammelt wurde, ist ein ganz junger Vogel jener Art, welche Sclater u. Allen irrtümlich mit Muscipeta bimaculata Lafr. & D’Orb. identifiziert haben. *), In der Färbung
zeigt er grosse Ähnlichkeit mit jüngeren Exemplaren von Myio-
*) Dank dem liebenswürdigen Entgegenkommen Prof. Oustalets
konnten wir das aus Yungas, Bolivia stammende Original des Pariser
Museums sorgfältig studieren, und fanden zu unserer Überraschung, dass
es mit Empidonax absolut nichts zu tun hat. Das D’Orbigny’sche Exemplar stimmt vielmehr mit der von Natterer in Goiaz, Mattogrosso
und am brasilianischen Parana gesammelten Serie einer Eimpidochanes-
Form überein, welche dem E. fuscatus (Wied) sehr nahe steht, von ihm
aber unschwer durch heller und blasser rötlichbraune Oberseite, wesentlich helleren Unterkörper, der auf Brust- und Bauchmitte in Weiss: übergeht
‚(statt einfarbig blassgelb wie bei E. fuscatus) und kleineren, schwächeren ‘Schnabel unterschieden ist. Wenn Sclater (Ibis 1887 p. 68) erklärt,
den Typus im Pariser Museum verglichen und mit Empidonax euleri übereinstimmend befunden zu haben, so muss diese Vergleichung etwas oberflächlich gewesen sein; denn unser sorgfältiges Studium des Typus lässt
nicht den geringsten Zweifel, dass es sich um einen Empidochanes
handelt. Die oben besprochene Form des nördlichen Südamerika, E. f. cabanisi unterscheidet sich von den beiden südlichen Subspezies durch ‘weniger rötlichbraune, mehr erdbraune Oberseite. Wir haben demnach zu unterscheiden.
a. Empidochanes fuscatus (Wied.)
1831. Muscipeta fuscata Wied., Beitr. Naturg. Brasil. 3 II, p. 902. (Rio de Janeiro). [cfr. Ridgway, Ibis 1886 p. 460.]
1868. Empidochanes fring:illaris Pelzeln, Zur Ornith. Brasil. II, p. 116 (part.: Sapitiba, Ypanema, Rio de Janeiro)
22 Hans Graf von Berlepsch und C. E. Hellmayr:
bius fasciatus (P. L. S. Müll.) (= naevius auct.), aber ein genauer
Vergleich ergibt ganz wesentliche Differenzen. Selbst ganz junge
Vögel des Myiobius haben bereits die bräunlichen Schaftstriche auf Vorderhals und Kehle wohl ausgeprägt, während bei &. euleri davon nicht die geringste Spur vorhanden ist, diese Teile er-
scheinen vielmehr einfarbig trübgelblich, die Brust ein wenig
bräunlich überlaufen. Der Unterschnabel, welcher bei jungen |
Myirobius fasciatus gelbbräunlich gefärbt ist, erscheint beim Ori- ginal von E. euleri reinweiss; die Tarsen und Zehen bei letzterem sind viel zarter, schwächer und kürzer. Ein junger Eimpidonax aus Taquara, Rio grande do Sul (Mus. H. v. B.) hat fast ebenso gefärbte Unterseite wie Cabanis’ Typus, nur ist die Kehle nicht so gelblich, der Scheitel düsterer, nicht so rostrotbraun, der
Rücken mehr olivbräunlich, nicht so röstlich. Die Flügel sind bei beiden Vögeln ganz gleich gezeichnet und tragen, wie bereits Cabanis in der Originalbeschreibung hervorhob, drei roströtliche Querbinden, die durch die hellen Spitzen der Oberflügeldeckfedern
gebildet werden.
Wie unten ausgeführt, bezieht sich Muscipeta bimaculata
Lafr. & D’Orb. auf eine ganz andere Art, daher muss die Em- pidonazx-Art Südostbrasiliens Zimpidonax eulert (Cab.) heissen.
Ihre Synonymie ist wie folgt:
1868. Empidochanes euleri Cabanis, J. f. Ornith. 1868 p. 195.
(Cantagallo, Rio).
1868. Empidochanes fuscatus (non Wied!) Pelzeln, Zur Ornith. Brasil. DH, p: 115.)
1885. Eimpidorhanes fuscatus? Berlepsch & Ihering, Zeitschr. ges. Ornith. II, p. 136. (Rio grande do Sul.)
Hab. S. O. Brazil: Rio de Janeiro (Wied, Natterer), Sapitiba bei Rio | (Natterer); Ypanema (Natterer) u. S. Sebastiäo (Hempel leg.; Mus. Tring), |
8. Paulo; Bahia-Coll. in Mus. H. v. B., Monac. et in Coll. Hellmayr.
[Wir untersuchten sechs Vögel von Ypanema (Mus. Vindob.), 59 | S. Sebastiäo (Mus. Tring), 10 Vögel aus Bahia-Coll. (Mus. Berlepsch etec.), |
ein 5 ad. Sapitiba bei Rio (Mus. Vindob.)] b. Empidochanes fuscatus bimaculatus (Lafr. & D’Orb.)
1837. Muscipeta bimaculata Lafr. & D’Orb. Syn. Av. I in Mag. Zool. cl. II p. 48. (Yungas, Bolivia).
1868. Empidochanes fringillaris Pelzeln, Zur Ornith. Brasil. II p. 116 (part.: Goiaz, Cuyabä, R. Paranä.)
Hab. Ost-Bolivia: Yungas (D’Orb.); Central-Brazil: Goiaz; Cuyabä
u. Engenho do Gama (Mattogrosso) u. Rio Paranä. [Natterer].
[Wir untersuchten: ein ad. aus Yungas, Bolivia; zwei @© Engenho |
do Gama; ein Z Goiaz; J2 Cuyabä und ein © Rio Paranä.]
c. Empidochanes fuscatus cabanisi (L6ot). vgl. oben.
Studien über wenig bekannte "Typen neotropischer Vögel. 23
1888. Empidonax bimaculatus (nec Lafr. & D’Orbigny!) Seclater,
Cat. Birds Brit. Mus. XIV, p. 224.
1892. Empidonax bimaculatus Allen, Bull. Amer. Mus. IV, p. 341.
(Chapada, Mattogrosso).
Hab. S.O.-Brazil: Rio de Janeiro (Natterer), Cantagallo,
Rio (Euler); Ypanema, 8. Paulo (Natterer); Victoria, Espiritu
Santo (F. B. Müller leg.; Mus. H. v. B.); Bahia-Coll. in Mus. H.
v. B.; Curitiba (Natterer) und Roca Nova (A. Robert; Mus.
Tring), Parauä; Taquara do Mundo Novo, Rio grande do Sul
(Jhering); Chapada, Mattogrosso (Smith). N. Brazil: Borba am
R. Madeira u. R. Icanna am oberen R. Negro (Natterer),. N. O.-
Peru: Pebas (Hauxwell; Mus. Brit. — specimen Hellmayr
examinavit.)
[Wir untersuchten: ein © Rio de Janeiro, zwei Sc, zwei
00 Ypanema; ein g Curitiba; ein © juv. Taquara, ein g Victoria,
Espiritu Santo; zwei alte Vögel aus Bahia-Ooll.; ein Jg, ein 9
Roca Nova, Serra do Mar; ein Q ad. Borba; ein 2 juv. R. Icanna und ein ad. Pebas, N. O. Peru.]
3. Empidochanes argentinus Cab. muss heissen: Empidonazx argentinus (Cab.)
1868. Empidochanes argentinus Cabanis, J. f. Ornith. 1868 p. 196. (Buenos Aires).
Dies ist ein typischer Empidonax, aber keineswegs mit E. euleri zu vereinigen. Das Original unterscheidet sich von 12 Exemplaren der letzteren Art aus verschiedenen Orten Brasiliens auf den ersten Blick durch viel dunklere und mattere, grünlich- olivengraue (statt warm braune) Oberseite mit nur ganz unmerk- lichem, bräunlichen Tone auf dem Scheitel. Die hellen Spitzen- flecken auf den Flügeldecken sind viel blasser rostfarben und wesentlich kleiner, die Unserseite viel blasser: Kehle und Bauch weisslich (statt blassgelb), die Brust reiner grau, endlich ist der Flügel etwas kürzer als bei E, euler:i.
Der Typus hat folgende Masse: al. 581/,, caud. 55 mm.
Dagegen messen 12 Exemplare von £. euleri: al. 60—63, caud. 54—63 mm.
Es bleibt nun noch festzustellen, auf welche der beiden Formen — E. euleri oder E. argentinus — E. brunneus Ridgw. (typus ex Parana — coll. Capt. Page) zu beziehen ist. Die geringe Grösse scheint zugunsten der Identität mit der zuletzt genannten Art zu sprechen.
D. Typen von A. von Pelzeln, Mus. Wien.
1. Oryzoborus? fringilloides Pelz. muss wohl heissen: Dolospingus fringelloides (Pelz.)
1869. Oryzoborus? fringilloides Pelzeln, Zur Orn. Bras. IIl, p
223, 329 (Rio Xie).
24 Hans Graf von Berlepsch und C. E. Hellmayr:
Mus. Vindob. no. 20484 „Q“, Rio Xie, Nebenfluss des oberen Rio Negro, Mai (Natterer leg.): al. 62 c. 53 t. 16 culm. 133/, mm.
Dieser Vogel hat durchaus nichts mit Oryzoborus zu tun, stimmt vielmehr in der Structur und Schnabelform völlig mit der Beschreibung und Abbildung überein, welche Elliot von seinem Dolospingus nuchalis (Ibis 1871 p. 402 tab. XI. — „Orinoco- Delta.“) gibt. Besonders die Schnabelbildung ist ganz auffallend dieselbe Der Schnabel ist lang, gestreckt, auf der Firste ab- gerundet, die Schneide der oberen Mandibel stark aufgetrieben und fast gerade. Das Culmen ist nur an der Spitze sanft ab- wärts gebogen, der Gonys vom Kinnwinkel an aufsteigend. Der Tarsus ist auffallend kurz, Zehen und Krallen dagegen lang und kräftig. Die Flügelspitze wird von der 2., 3. und 4. (vorhandenen) Handschwinge gebildet, die untereinander fast gleich lang sind, die 5. ist etwas kürzer als die 2., aber noch immer um mindestens 1 mm länger als die 1. Der Schwanz ist gestuft und ausge- randet zugleich: das äusserste Paar ist am kürzesten, das nächste um etwa 2 mm länger, das 3. und 4. um je etwa 1 mm länger als das vorhergehende, das 5. kaum kürzer als das 4., das mittelste endlich um etwa 4 mm kürzer als das längste (4.) und um ungefähr 1 mm länger als das äusserste Paar. Daher erscheint der Schwanz nach aussen gestuft und innen ausgerandet. — Die Färbung ist von Pelzeln (a. a. O.) gut beschrieben worden.
Wahrscheinlich ist der besprochene Vogel das @ von D. nucha- ls Elliot, welcher in diesem Falle Pelzeln’s Speziesbezeichnung erhalten müsste. Die sichere Feststellung ihrer spezifischen Zusammengehörigkeit muss natürlich dem Eintreffen weiteren Materiales vorbehalten bleiben. D. nuchalis ist bekanntlich seit seiner Entdeckung nicht mehr wiedergekommen. Der Fundort „Orinoco-Delta‘‘ ist wohl kaum richtig. Andre’s Sammler trafen ihn dort nicht an und auch die Forschungen von Cherrie am Mittel- und Oberlauf des Orinvko und der Sammler Klages und Andre am Caura waren in dieser Hinsicht erfolglos. Vielleicht lebt die auffallende Form im Gebiete des Cassiquiare, wo bisher noch keine nennenswerten ornithologischen Sammlungen veran- staltet worden sind.
2. Phyllomyias lividus Pelz. muss heissen: P. incanescens (Wied) ' Der Typus: (Mus. Vindob. no. 17910 „g“, Bahia. — Kammer- lacher leg.): stimmt mit einer Serie des P. incanescens aus Bahia im Mus. H. v. B. völlig überein. Im Cat. Birds Brit. Mus. | XIV. ist der Name übersehen worden. Die Synonymie der Art ist somit wie folgt: Phyllomyias incanescens (Wied.) 1831. Muscipeta incanescens Wied., Beitr. Naturg. Bras. 3, IL p. 898. (Bahia) [cfr. Berlepsch und Leverkühn, Ornis VI, (1890) p. 15 u. Allen, Bull. Am. Mus. II, (1889) p. 147.)
Studien über wenig bekannte Typen neotropischer Vögel. 25
1868. Phyllomyias lividus (Temminck Ms.) Pelzeln, Zur Orn. Bras. II, p. 176. (Bahia).
1887. Phyllomyvas berlepschi Sclater, Proc. zool. Soc. London | 1887 p. 49. (Bahia).
Hab. Bisher nur aus Bahia bekannt.
3. Muscicapa virescens Temm. und „Phyllomyias‘ subviridis Pelz.
Mr. Sclater stellte (Cat. B. Brit. Mus. XIV. p. 121) Musci- capa virescens Temm. als Synonym zu FPhyllomyias brevirostris (Spix). Dies ist irrtümlich.
Temmincks Name gründet sich auf einen von Natterer ge- sammelten Vogel (No. 229), der ihm wie so manche andere von dem österreichischen Forscher entdeckte Art zur Beschreibung und Abbildung in den Pl. col. mitgeteilt wurde, die auch meist unter den Manuscript-Namen Natterers erfolgte. Von derselben Art (no. 229) besitzt das Wiener Museum noch eine hübsche Suite und weitere Exemplare befinden sich in den Museen Ber- lepsch u. München. Berlepsch verglich die Topotypen der Wiener Sammlung (coll. Natterer) mit einem in seinen Besitze befind- lichen Rio-Balg und stellte ihre Identität fest. Letzteren hatte er bereits früher mit dem Original von P. burmeisteri Cab. & Heine im Mus. Heineanum übereinstimmend befunden. Somit ist die Gleichartigkeit der letztgenannten Art mit P. virescens (Temm.) erwiesen und ihre Synonymie ist jetzt wie folgt:
Phyliomyvas virescens (Temm.)
1824. Muscicapa virescens (Natterer Ms.) Temminck, Pl. col. livr. N 46, tab. 275, fig. 3. („Bresil.‘“ -- coll. Natterer). 1868. Phyllomyias virescens Pelzeln, Zur Orn. Bras. II, p. 105. (Rio, Ypanema, Ourytiba.) 1856. Elaenea brevirosiris (nec Spix) Burmeister, Syst. Übers. ' Th. Bras. 2, I. p. 479. (Rio, Neu-Freiburg). 1859. Phyllomyius burmeisteri Cabanis & Heine, Mus. Hein. II, p- 57. (Brasilien). 1902. Tyranniscus bolivianus paulistus*) Jhering, Revista Mus. Paul. V. (1901) p. 272. (Bahurü, S. Paulo). Hab. S.0.-Brazil: Rio de Janeiro; Ypanema, S. Paulo [Nat- terer]; Bahurü (S. Paulo) [Garbe]; Paranä: Curitiba, [Natterer], Roca Nova [Robert], Neu-Freiburg (Rio) [Burmeister]; Rio Jordäo, Araguay (Minas Gera&s) [Robert leg. — Mus. Tring.] Paraguay: Bernaleue bei Asuncion [Ternetz leg. — Mus. H. v. B.]; Sapucay [Foster leg. — Mus. Tring]. ‚ Da. virescens in Sammlungen noch sehr selten ist, halten wir es für nützlich ihre Unterschiede von P. brevirostris kurz anzugeben.
*) Berlepsch untersuchte den im Mus. Paulista befindlichen Typus und stellte seine Indentität mit obiger Art fest.
26 Hans Graf von Berlepsch und C. E. Hellmayr:
Bei P. brevirostris ist der Schnabel flachgedrückt, fast trian- gulär, an der Basis sehr breit und gegen die Spitze hin stark verschmälert, das Culmen trägt einen deutlichen Kiel; bei £. virescens ist er an der Basis bedeutend schmäler, durchaus nicht triangulär, auch nicht flachgedrückt, sondern viel höher mit stark sebogenem, oben abgerundeten Culmen. Bei P. brevirostris ist fast der ganze Schnabel schwarz, bei P. virescens dagegen die untere Mandibel weisslich gefärbt. Bei letzterer Art ist die Fär- bung der Oberseite viel reiner olivengrün (nicht schmutzig- oder dunkelgrün), die Kehle gleich der übrigen Unterseite lebhaft gelb (nicht weisslich wie bei P. brevirostris), die mittleren und grossen Oberflügeldeckfedern tragen an der Spitze scharf um- schriebene, hellgelbe Flecken, wodurch zwei deutliche Querbinden entstehen (ähnlich wie bei Phylloscartes ventralis), während sie bei P. brevirostris nur undeutliche oder verwaschene schmutzig- weissliche oder olivengrangrünliche Spitzensäume zeigen.
Masse: 8 Vögel aus S. O. Brazil: al. 58—64, c. 56—64 mm.
3 Vögel aus Paraguay: al. 57-59, c. 53—57 mm.
P’hyllomyias subviridis Pelz. ist keineswegs, wie Mr..Sclater angenommen hatte, mit voriger Art zu identifizieren, wenngleich sie ihr bei obertlächlicher Betrachtung nicht unähnlich sieht. Der Schnabel ist höher und mehr gewölbt, an der Basis noch mehr zusammengedrückt, die untere Mandibel ebenfalls weisslich. Die‘ Oberseite ist ebenso rein olivengrün, allein die gelben Zeichnungen auf den Flügeldecken sind nicht fleckig, sondern bilden nur breite (olivengelbe) Randsäume und der Schwanz ist ausserordentlich viel kürzer. Am auffallendsten ist jedoch die Bekieidung der Tarsen, welche aus kleinen, warzigen Körnern besteht. Da- durch weicht sie sofort von allen anderen Tyrannidengattungen ab, deren Tarsen wie gewöhnlich kleine Tafeln aufweisen. Nur Iyranniscus leucogonys Scl. & Salv. zeigt dieselbe warzige Fuss- bekleidung, weicht aber in der Schnabelform etwas ab. Letzterer. ist nicht ganz so hoch, entschieden kürzer und an der Basis breiter. Auch bei dieser Art ist die untere Mandibel weisslich gefärbt und der Schwanz ebenso kurz wie bei P. subviridis. Die Tarsenbedeckung ist ein so auffallendes Kennzeichen, dass wir die beiden Arten in einem neuen Genus
Acrochordopus *) zusammenfassen. Als Typus generis gilt uns Phyllomyias subvi- ridis Pelz. Die zwei Arten sind somit als Acrochordopus subviridis. (Pelz.) und Acrochordopus leucogonys (Sel. & Salv.) aufzuführen.
Die Synonymie der brasilianischen Art ist wie folgt:
Acrochordopus subviridis (Pelz.)
1868. Phyllomyias subviridis Pelzeln. Zur Orn. Brasil. Il p. 105, 175 (Rio, Ypanema, Ourytiba).
*) dx06x00dov — papilla, Warze; movg — pes, Fuss.
Studien über wenig bekannte Typen neotropischer Vögel. 27
1902. Myiopatis subviridis Ihering, Revist. Mus. Paul. V. p. 271 (Rincäo, S. Paulo). 1888. Phyllomyias burmeisteri (nec Cabanis & Heine) Sclater, Cat. B. Brit. Mus. XIV p. 122*) Hab. S. O. Brazil: Rio de Janeiro; Ypanema (S. Paulo); Curytiba (Paranä) [Natterer]; Rincäo (S. Paulo); Yporanga (8. Paulo) [Krone leg.; — Mus. Paulista. — specimen Berlepsch examinavit.] Ein $ Ypanema, S. Paulo misst = al. 61, c. 48 mm. Drei 92 Ypanema, Yporanga und Curytiba = al. 60—63, c. 46—49 mm.
4. Empidochanes poecilocercus Pelz.
Zur Orn. Brasil. II (1868) p. 116, 181. Mus. Vindob. 18324 „Q“ad., Rio Amajaü, Zufluss des oberen R. Negro, 16. Sept. 1831 (Natterer). Diese seit Natterer nicht wieder gefundene, ausgezeichnete Art ist sofort kenntlich an der eigentümlichen Bildung der 1.—3. Handschwingen. Diese sind nämlich auffallend verschmälert, zu- gespitzt und stark verkürzt. Während sie bei den übrigen Arten der Gattung ebenso breit sind wie die übrigen, und die 3. kaum kürzer ist als die 4, ja bisweilen mit der 4. und 5. die Flügelspitze bildet, sind bei E. poecilocercus die 5. und 6. Handschwinge am längsten, die 4. ein wenig kürzer und an der Spitze etwas ver- schmälert und zugespitzt, die 3. ist bereits viel kürzer und schmal wie die beiden ersten. Der Schnabel ist auch etwas schmaler ‚als bei den übrigen Gattungsverwandten.
In der Schwanzzeichnung stimmt E. poecilocercus mit Z&. poecilurus aus Bogotä-coll. überein, unterscheidet sich aber durch warm olivenbraunen (statt dunkel- grauen) Rücken und ganz andere Färbung der Unterseite. Statt fahlrostfarben sind Brust und Bauch blassgelb, die Kehle etwas dunkler, mehr rostgelblich; Vorderhals und Brust tragen deutliche braune Flammen. Endlich
1. Hang. Sind Flügel und Schwanz viel kürzer. schwinge von 1ypus von E. poecilocercus & = al. 57, e. 51 mm. E. poecilo- E. poecilurus, zwei ad. Bogota = al. 71, c. 62 mm. cercus. E. poecilurus, Rio Icanna @ = al. 71, c. 62 mm.
5. Anumbius ferrugineigula Pelz. muss heissen: Thripophaga ferrugineigula (Pelz.) Der uns vorliegende Typus dieser Art, der die zweifellos unrichtige Fundortsangabe „Cap Horn“ trägt, stimmt in jeder Hinsicht mit den Originalen der 7. sclateri Berl. aus S. Paulo u.
*) Hellmayr untersuchte im Brit. Mus. die beiden von Sclater auf- gezählten Exemplare und stellte ihre Identität mit A. subviridis fest.
28 Hans Graf von Berlepsch und C. E. Hellmayr:
Rio grande do Sul überein. Pelzeln’s Bezeichnung muss als die ältere an Stelle der letzteren treten und die Synonymie der Art, deren Merkmale Berlepsch (]. c.) ausführlich erörtert hat, ist somit wie folgt: Thripophaga ferrugineigula (Pelz.) 1858. Anumbius ferrugineigula Pelzeln, Sitz. Ber. Ak. Wissensch. Wien. XXXI p. 322 („Cap Horn“. — errore!) 1883. Thripophaga sclateri Berlepsch, Ibis 1883 p. 490, tab. 13 (S. Paulo und Rio grande do Sul.). Hab. S. O. Brazil: S. Paulo (Duschanek leg, — Mus. H. v. B.): Rio grande do Sul: Taquara do Mundo Novo u. 8. Lou- renco (Ihering leg, — Mus. H. v. B.).
6. Anabates concolor Pelz. muss heissen: Automolus rectirostris (Wied) |
Die Art ist von Mr. Sclater im Cat. Birds Brit. Mus. vol. XV ganz übersehen worden. Ein sorgfältiges Studium der beiden im Wiener Museum aufbewahrten Typen überzeugte uns davon, dass Automolus rubidus Sel.t) mit A. concolor Pelz. zusammenfällt. Überdies erscheint es ganz unzweifelhaft, dass sich beide Namen auf dieselbe Art beziehen, welche der Prinz Wied als Opetiorhyn- chus rectirostris beschrieben hat. Die Natterer’schen Exemplare stimmen ausgezeichnet auf Wied’s Beschreibung und passen auch recht gut zur Abbildung des A. rubidus im Cat. of Birds. Übrigens hatte bereits Prof. Reinhardt die Beschreibung des Prinzen richtig gedeutet, was alle späteren Autoren übersehen zu haben scheinen, |
und führte zwei von Lund gesammelte Exemplare unter Wied’s Speciesnamen auf (l. c). Auf Hellmayrs Bitte verglich Herr Herluf Winge die jetzt im Kopenhagener Museum befind- lichen Stücke mit der Abbildung im Cat. of Birds und schrieb ihm unterm 5/1.03 darüber folgendes: „Von „Furnarius rectirostris“ haben wir zwei Bälge. Wie Sie es vermuten, stimmen sie genau mit Beschreibung und Abbildung von „Automolus rubidus‘‘, in Sclaters Catal. Nur haben unsere Bälge die Schnabelfirste fast unmerklich | weniger gebogen und auch die Unterseite etwas weniger grünlich angeflogen, als es die Abbildung von Automolus rubidus zeigt“. Unsere Art weicht von den anderen Automolus-arten durch verhältnismässig längeren, gestreckteren und seitlich mehr zu- sammengedrückten Schnabel ab, stimmt aber im Übrigen mit ihnen gut überein, so dass eine generische Sonderung nicht wünschens- | wert erscheint. Aus der nachfolgenden Gegenüberstellung der Masse der drei untersuchten Exemplare und den Grössenangaben des Prinzen von Wied erhellt, dass auch hierin keine nennens- werten Differenzen bestehen. |
!) Hellmayr hatte seither Gelegenheit im Brit. Mus. die Br zu untersuchen und fand unsere Annahme völlig bestätigt. |
Studien über wenig bekannte Typen au Vögel. 29
Typen von) No. 16362 Mus. Vindob. „Sg“ Sangrador, „3. Dec. 1823“ Ahabates | (Natterer) = al. 102, c. 86, culm. 25 mm. concolor E: 16363 Mus. Vindob. ,„Q“ Sangrador, „3. Dec. 1823“ Pelz. (Natterer) = al. 95, c. 821/,, eulm. 221/, mm. Type Aut. rubidus Scl. Mus. Brit. ad. „Brazil“ — coll. Sclater 48]. 100,,€..,87 mm
[Opet. rectirostrisQ „Campos Geraös“ (nach Wied) al. 99, c. 80 mm.]
Die Synonymie unserer Art ist somit wie folgt:
Automolus rectirostris (Wied)
1831. Opetiorhymchus rectirostris Wied, Beitr. Natg. Bras. 3, 11. p: 679 (Campos Geraös). 1) 1870. Furnarius rectirostris Reinhardt, Bidr. Fuglef. Bras. Campos Il in: Vidensk. Meddel. Kjöbenhavn p. 392 (Minas Geraäs).?) 1889. Automolus rectirostris Allen, Bull. Amer. Mus. Il p. 246 (krit.) 1859. Anabates concolor Pelzeln, Sitz. Ber. Akad. Wissensch. Wien XXXIV p. 103 (Brasilien.) 1867. Anabates concolor Pelzeln, Zur Orn. Brasil. 1. p. 39 (San- | grador).®) 1883. Automolus rubidus Sclater, Proc. zool. Soc. London 1883 | p. 654 (Brazil). 1890. Automolus rubidus Sclater, Cat. Birds Brit. Mus, XV. p. 91, ; tab. VII. | Hab. Central Brazil: „Campos Gera@s an den Grenzen von Bahia und Minas Gera&s“ [Wied]!); Minas Geraäs: Lagoa "Santa [Lund]2); östliches Mattogrosso: Sangrador [Natterer]?).
7. Anabates dimidiatus Pelz. muss heissen: Philydor dimidiatus (Pelz.).
1859. Anabates dimidiatus Pelzeln, Sitz. Ber. Akad. Wissensch. 'Wien XXXIV p. 107 (Brazil).
1867. Anabates dimidiatus Pelzeln, Zur Ornith. Brasil. I. p. 40. 4 (Sangrador & Rio Manso). vr Auch diese ausgezeichnete Art ist im Cat. of. Birds XV nicht erwähnt. In der Färbung steht sie vielleicht dem Phelydor pyr-
rhodes (Cab.) am nächsten, unterscheidet sich aber leicht durch
rötlichbraune (statt schwärzliche) Färbung der Schwingen und viel dunkleren, kastanienrostbraunen (statt hellzimtroten) Schwanz. ı der Schnabelform weicht sie etwas ab, indem die untere Man- “dibel in der Endhälfte stark ansteigt, ähnlich wie bei Xenicopsis _ (Anabazenops auct.), allein das Culmen ist nicht so gerade wie bei dem eben genannten Genus, sondern an der Spitze deutlich gebogen. Vielleicht wäre es richtiger, für die in Rede stehende und die beiden folgenden Arten ein besonderes Genus zu schaffen.
E Natterer sammelte von P. dimidiatus ein altes @ und zwei junge 3. Letztere unterscheiden sich von jenem durch be- _ deutend kürzeren: Schnabel, weissliche Kehle (wogegen sie bei
30 Hans Graf von Berlepsch und C. E. Hellmayr:
dem alten Vogel rostrot gleich der übrigen Unterseite gefärbt ist) und schwärzliche Sprenkelung auf der Unterseite; ferner ist der Rücken ein wenig dunkler rotbraun und die Federn des Vorderkopfes zeigen undeutliche, dunkle Randsäume. Die drei Vögel weisen folgende Masse auf:
Mus. Vindob. no. 16359 „Q“ ad. „Sangrador, im östl. Mattobrokädl
3. Decbr. 1823“: al. 80, c. 71, culm. 191/, mm.
b a no. 19353 „g“ juv. „Rio Manso, Mattogrosso, Dec.
1823“: al. 80, c. 74, culm. 16 mm.
e a no. 16360 ,„g“ juv. „Sangrador, 3. Dechr. 1823“:
al. 79, c. 75, culm. 151/, mm.
Soviel uns bekannt, ist diese gut charakterisierte Art seit Natterer nicht wieder gesammelt worden.
8. Anabates infuscatus Pelz. muss heissen: Philydor amaurotis (Temm.)
Infolge eines merkwürdigen Versehens beschrieb Pelzeln diese Art nochmals, obwohl bereits 1823 Temminck — wie der Katalog des Wiener Museums ausweist — auf ein von Natterer gesammeltes Exemplar seinen Anabates amaurotis begründet hatte.
Temminck hatte den Vogel zuerst, als er ihm mitgeteilt wurde,
im Manuscript A. infuscatus genannt und Bonaparte (Consp. Av.
I. (1850) p. 210) veröffentlichte diesen Namen, ohne jedoch eine
Kennzeichnung beizufügen. Erst 1859 gab Pelzeln eine genügende | Beschreibung unter dem Namen A. infuscatus. Unterdessen hatte aber Sclater eine Art aus Amazonien unter derselben Bezeichnung
beschrieben, welcher somit der Name Automolus infuscatus (Sel.)
verbleiben muss. Die von Pelzeln vorgenommene Neubenennung letzterer Art als Anabates sclateri ist, wie aus Vorstehendem
hervorgeht, unstatthaft.
Mr. Sclater stellte A. amaurotis in die Gattung Xenicopsis. |
(Anabazenops auct.), mit deren Arten sie indess in der Schnabel-
form nicht recht harmoniert. Die Schnabelbildung ist ungefähr intermediär zwischen Xenicopsis und Philydor und stimmt am | besten mit der von P, lichtensteini Cab. & Heine überein. Das
Culmen ist nicht gerade wie bei Xenicopsis, sondern gegen die
Spitze hin deutlich gebogen, während andererseits der Unter- schnabel in der Endhälfte stark ansteigt, wodurch sich die Art wieder mehr Xenicopsis nähert. (Vgl. die Bemerkung bei A. dimtdiatus). |
Die Synonymie unserer Art ist somit:
Philydor amaurotis (Temm.)
1823. Anabates amaurotis Temminck, Pl. col. tab. 238, fig. 2. („Bresil.‘)
1850. Anabates infuscatus (Temminck Ms.) Bonaparte, Consp. Av. I, p. 210 (nom. nud.!)
Studien über wenig bekannte Typen neotropischer Vögel. 31
1859. A. infuscatus (nec Sclater 1856!). Pelzeln, Sitz. Ber. Akad.
Wiss. Wien XXXIV, p. 106. (Brasilia.)
1867. A. infuscatus Pelzeln, Zur Ornith. Brasil. I, p. 40. (Matto-
; dentro, Ypanema). 1831. Xenops nigrocapillus Lesson, Traite d’Orn. p. 318.
1854. Anabates notatus”) Lichtenstein, Nomencl. Av. Mus. Berol.
p- 64, (nom. nud.)
1898. Anabazenops amaurotis Jhering, Revista Mus. Paul. III,
p. 227. (Iguape).
Hab. S. O. Brazil, bisher nur aus dem Staate S. Paulo bekannt: Mattodentro, Ypanema (Natterer), Iguap& (Krone.) - Im Anschlusse seien einige Worte über den im Cat. of Birds Brit. Mus. gleichfalls fehlenden Phelydor lichtensteini Cab. & Heine gesagt.
Auch diese scharf gekennzeichnete Art weicht von den ty- pischen Vertretern der Gattung Philydor in der Schnabelform etwas ab: die obere Mandibel ist fast ganz gerade wie bei Xenzi- copsıs, nur die Endhälfte deutlich, wenn auch schwach gebogen und der Gonys steigt sehr stark an. In der Färbung hat sie oberflächliche Ähnlichkeit mit P. rufus (Vieill.), unterscheidet sich aber sehr leicht durch die nicht rostgelbe, sondern gleich dem Scheitel olivengraulich gefärbte Stirn, die schwärzliche Basis der Federn des Oberkopfes, welche bei P. rufus bis an die Wurzel einfarbig grau erscheinen, viel heller braunen (nicht schwärzlichen) Schnabel, rötlicholivenbraune (statt lebhaft zimtrote) Tertiären, endlich durch etwas helleres und weniger intensives Zimtrot auf der Aussenfahne der Schwingen.
Wir untersuchten eine ansehnliche Serie aus den Museen Wien, Berlepsch, S. Paulo etc. und waren daher in der Lage, die Constanz der oben angeführten Kennzeichen sicher festzustellen.
Die Synonymie der Art ist wie folgt:
Philydor lichtensteini Cab. & Heine.
1859. Philydor lichtensteinn Cabanis & Heine, Mus. Heinean. | II, p. 29%. (,„Brasilien.‘) 1870. Anabates lichtensteinii Reinhardt, Bidr. Fuglef. Bras. Campos - In: Vidensk. Meddel. Kjöbenhavn Il, p. 3782). (Minas Gera@s u. S. Paulo).
1874. dor lichtensteini Cabanis, J. f. Ornith. 1874, p. 873). (Cantagallo, Rio).
1902. P. lichtensteini Jhering, Revista Mus. Paul. V, p. 273%). (8. Paulo).
1867. P. superciliaris (nec Lichtenstein!) Pelzeln, Zur Ornith. Brasil. I, p. 40°). (Rio, S. Paulo).
- *) Wir untersuchten den Typus im Berliner Museum und constatierten seine Identität mit P. amaurotis.
82 “ Hans Graf von Berlepsch und C. E. Hellmayr:
Hab. S. O. Brazil: Rio de Janeiro?) u. Sapitiba>) bei Rio (Natterer), Cantagallo°), Rio (Euler); Rio-präp. (in Mus. H. v. B. und Paris). S. Paulo: Ypanema) (Natterer); Iguape u. Bahurü®) (fide Jhering); S. Carlos?) (Lund); 8. Sebastiäo (Revesz leg, — in Mus. Budapest). Minas Gera&s: Capella | Nova?) (Reinhardt), Morro Queimado?) (Lund), Rio Jordäo bei Araguay (Robert leg. -- Mus. Tring). Paraguay: Sapucay bei Asuncion (Foster leg. — in Mus. Tring).
9. Myrmeciza hemimelaena pallens subsp. nov. | 1868. Formicwora ruficauda (nec Myrothera ruficauda Wied!) Pelzeln, Zur Ornith. Brasil. II, p. 83, 155. (Engenho do, 'Gama, Mattogrosso).
d. M. Myrmecizae hemimelaenae simillima differt coloribus undique multo pallidioribus, imprimis pileo collique lateribus cine- reis (nec nigricante-griseis), cauda cinnamomea (nec castaneo-rufa) | et nigredine juguli magis restricto (nec ad medium pectus extenso). | Q, differt a foemina M. hemimelaenae gula multo pallidiore: magis fulvescente (nec ferruginea). | Typus in Museo Vindob. asservatur: no. 15310 „g“ ad „Mattogrosso, 3. Oct. 1826.“ Natterer coll. | Hab. in Brasiliae occidentalis, provineia Mattogrosso dieta prope pagos Villa Bella et Engenho do Gama, necnon ad ripas fluvii Juruae, unde a dom. E. Garbe in Mus. Paul. allata. Hellmayr (Verh. zool. bot. Ges. Wien 1903, p. 213) hatte‘ bereits auf die Unterschiede der Pelzeln’schen Originale von topo- typischen Stücken der M. hemimelaena. Sel. aus Bolivia und S. OÖ. Peru hingewiesen, konnte sich aber damals nicht entschliessen, ' sie zu trennen, weil ihm nur die beiden von Natterer gesammelten. 33 vorlagen. Seither erhielt jedoch Berlepsch von Dr. H. vol Jhering in S. Paulo ein © der brasilianischen Form vom Rio Juruä, welches gleichfalls so beträchtlich von der typischen M.' hemimelaena abweicht, dass an ihrer Verschiedenheit wohl nicht) länger zu zweifeln ist. | Wie in der Diagnose hervorgehoben, unterscheiden sich die)
dg durch wesentlich hellere, mehr aschgraue (statt schwärzlich- graue) Färbung von Oberkopf und Halsseiten, etwas heller rot- braunen Rücken, viel helleren, zimtroten (statt dunkelrostroten). Schwanz, geringere Ausdehnung der schwarzen Färbung unter- seits, welche sich nicht über die Vorderbrust herabzieht, viel weiter ausgedehntes Weiss, das die ganze Brust und Bauchmitte einnimmt, so dass nur die innersten Brustseiten hellaschgrau und die Weichen hellrötlichbraun erscheinen. Endlich ist die Aussen-' fahne der Schwingen viel heller, mehr rötlicholivenbraun (statt dunkelrostbraun). | Das @ vom R. Juruä weicht von einer Serie aus Bolivia und
S. O. Peru ab durch viel lichtere, rostgelbe (statt lebhaft rost-
Studien über wenig bekannte Typen neotropischer Vögel. 33
rote) Kehle, blasser ralımgelbe (statt ockerröstliche) Brust- und Bauchmitte, welche sich von der dunkleren Kehlfärbung scharf abheben, während bei M. hemimelaena die beiden Farbentöne allmählich in einander übergehen, und durch etwas heller zimt- roten Schwanz. Ferner ist der Scheitel reiner aschgrau, bei der typischen Form stets mehr oder minder olivbräunlich überlaufen.
10. Gymnopithys cristata (Pelz.)
1868. Pithys cristata Pelzeln, Zur Ornith. Brasil. II. p. 89, 166 (R. Vaupe).
Mus. Vindob. no. 15600 „g' ad. „R. Vaupe“, Nebenfluss des obern Rio Negro. „12. Juli 1831‘ Natterer coll. = al. 821/,, c. 591/, mm. Mus. Vindob. no. 15601 „Q“ (jr?) „Rio Vaupe, 13. Juli 1831* — al 76... ec. 52 mm.
Dies ist eine ausgezeichnete Art, wohl am nächsten verwandt mit G. rufigula, aber in der Färbung sehr abweichend. Der Augen- kreis ist in viel grösserer Ausdehnung nackt (nur am oberen Augenlid finden sich einige kleine, schwarze Federchen), und das 3 zeigt eine stark ausgebildete, hängende Haube, deren Federn überall gleich breit, also der ganzen Länge nach gleichmässig verschmälert sind. Die Haube ist intensiv dunkel kastanienbraun, Hinterkopf, Nacken, Halsseiten, Gurgel und Brust etwas heller kastanierbraun. Diese Färbung erstreckt sich heller und blasser werdend über die Hinterbrust bis zur vorderen Bauchgegend, wo sie allmählich in Düsterolivbraun übergeht. . Zügel, Kopfseiten und Kehle kohlschwarz, scharf abgesetzt gegen die Gurgel; der Rücken ist olivbraun mit graulichem Tone.
Das @ unterscheidet sich durch den fast völligen Mangel der Haube, dunkler rotbraunen Scheitel, entschieden rötlich brau- nen Rücken, das Vorhandensein verloschener, schwärzlicher Sub- apicalflecken auf einigen Federn des Vorderrückens, welche noch einen schmalen, rustgelbbraunen Spitzensaum zeigen, mattere Farbentöne auf der Unterseite u.s. w. Vermutlich ist das 2 ein jüngerer Vogel, darauf weist auch die Struktur des Gefieders hin.
Damit schliessen wir unsere Mitteilungen über die Typen neotropischer Vögel. Auf einige von Pelzeln beschriebene Formi- cariiden werden wir a.a. OÖ. näher eingehen, und Hellmayr hofft in nächster Zeit seine Untersuchungen über Typen des Pariser und Britischen Museum veröffentlichen zu können.
' 7 Fa Ä 4 € Journ. f. Orn. LIII. Jahrg. Januar 1905. 3
Carlo Freiherr von Erlanger }.
„Der schwächste Lebensfaden zieht sich in unerwartete Länge, und den stärksten zerschneidet gewaltsam die Scheere einer Parze, die sich in Widersprüchen zu gefallen scheint.“ - Goethe,
Golden schien die Herbstsonne an den ersten September- tagen. Ich freute mich, dass er, den ich erwartete, schönes Wetter haben würde zur geplanten Fahrt. Ein paar Tage vorher | war ich in Ingelheim gewesen. Dort derselbe Sonnenschein, ein Bild fröhlichen ungetrübten Menschenglücks. Nun erwartete ich hier seinen Besuch. Auf dem Arbeitstisch in meiner Sammlung lag die Karte, die sein Kommen ankündigte, und daneben, wie drüben im Fremdenzimmer des kleinen Pfarrhauses lag alles bereit, was wir besprechen wollten. — Statt des erwarteten Freundes kam die Nachricht von seinem Tod.
So hat uns alle das Geschick, das Carlo von Erlanger in blühender Jugendkraft, in freudigem Wirken und Schaffen aus unsrer Mitte hinwegriss, tief schmerzlich überrascht und erschüttert. Es bedeutet für unsre Gesellschaft einen unersetz- lich schweren Verlust. Als Beweis dafür brauche ich nicht seine Arbeiten und Leistungen aufzuzählen. Vor unserm Gedächtnis stehn sie ja mit der Frische des soeben Erlebten und Gelesenen, und solange es eine ornithologische Wissenschaft gibt, muss jeder wirkliche Ornithologe sie kennen. Aber vor unserm geistigen Auge stehen noch Bände des Journals, die seine weiteren Studien bereichert haben würden. Wie viele Rätsel würden seine Reisen gelöst, wie manche schwierige Gruppe seine genialen Unter- suchungen aufgeklärt haben. 1
Geboren zu Ingelheim am 5. September 1872 wuchs Freiherr Carlo von Erlanger heran in einer Gegend, die, wie eine 12 handlung in einem früheren Jahrgang dieser Zeitschrift zeigte, für die Entwicklung seiner Neigungen die günstigsten Be- dingungen darbot, unter den Augen eines Vaters, der als eifriger Jäger und was mehr sagt: Waidmann und Heger dem Sohn ein Vorbild war, unter der Pflege einer Mutter, die an u Studien allezeit den innigsten Anteil nahm. Er besuchte die Gymnasien von Frankfurt und Darmstadt und studierte dann zunächst in Lausanne. Zu Weihnachten 1892 kehrte er zur
Carlo von Erlanger }. 35
und trat im Januar 1893 seine erste afrikanische Reise mit Paul Spatz an. Sie ging von Tunis aus über Douz in die tunesische Sahara. Er brachte damals schon eine hübsche Aus- beute mit, hat aber diese Reise stets nur als eine Vorstudie für seine späteren grösseren Expeditionen betrachtet und bezeichnet. Von Oktober 1893 auf 1894 absolvierte er seine Militärpflicht und besuchte alsdann die Universität Cambridge, wo er sich hauptsächlich naturwissenschaftlichen Studien widmete. Oefters arbeitete er auch in London im Britischen Museum. Bis zum Herbst 1896 bereitete er sich durch Erlernung der arabischen Sprache im orientalischen Seminar und Studien im Königlichen Museum für Naturkunde in Berlin auf seine zweite tunesiche Reise vor, deren Erfolge rühmlichst bekannt sind. Ich riet ihm damals, in der gleichen gründlichen Weise die übrigen Teile Nordafrikas und sodann sämtliche Mittelmeerländer ornithologisch zu erforschen. Dieser Gedanke war ihm auch sehr sympathisch, er wollte sich aber diese bequemeren Reisen auf spätere Zeit aufsparen und die Jahre seiner besten Kraft auf kühnere Unter- nehmungen verwenden. Schon waren die Pläne zu der grossen Expedition, die leider seine letzte geblieben ist, gefasst und neben der Bearbeitung der Tunisreise traf er schon eifrig Vor- bereitungen zu diesem Unternehmen. Diese beiden Reisen, die rasch seinen Ruhm als Afrikaforscher und scharfblickender Systematiker begründeten, sind und werden noch so genau in dieser Zeitschrift besprochen, dass es nicht nötig ist, Näheres darüber hier zu sagen. Aber neben der Energie, mit der sie ausgeführt wurden, muss der unermüdliche Fleiss betont werden, mit dem Erlanger in der Zwischenzeit an der Bearbeitung des gesammelten Materiales und an der Vervollständigung seiner Sammlung arbeitete, zumal wenn man berücksichtigt, wie viel Zeit ihm durch gesellschaftliche und andre Pflichten verloren ging. Er war Reserveoffizier im Husarenregiment No. 13 König Humbert von Italien und absolvierte zwischen den Reisen seine Dienstleistungen als solcher. Neben den ornithologischen be- schäftigten ihn geographische Studien und Vorträge. Er war Ehrenmitglied des Vereins für Geographie und Statistik in Frank- furt a. Main und Inhaber der Nachtigal-Medaille der Gesell- schaft für Erdkunde in Berlin. Bei alledem unterhielt er nicht nur einen lebhaften Verkehr mit Sammlern und Präparatoren vieler europäischen Länder, die in seinem Dienst standen, sondern 3*
36 Carlo von Erlanger 7.
fand selbst noch Zeit, wo sich nur eine Gelegenheit bot, auch die heimische Vogelwelt zu beobachten und selbst zu sammeln. So machte er im Juni 1896 eine mehrwöchige Sammel-Reise nach Lundi-Island. Ich sehe ihn noch vor mir, wie er auf ge- meinschaftlichen Exkursionen am Rhein mit einem Eifer jagte, der seiner Passion auf afrikanischen Jagden gewiss nichts nach- gab oder wie er mir am Frankfurter Bahnhof während eines nur minutenlangen Zusammenseins seine Beobachtungen auf dem Exerzierplatz mitteilte.
Obschon wir gleichalterig und in nächster Nähe aufge- wachsen waren, hatte ich ihn erst spät kennen gelernt. Als Gymnasiast hörte ich beim Mittagstisch im evangelischen Ver- einshause in Mainz einen Schüler von einem Baron Carlo von. Erlanger sprechen, der eine Sammlung ausgestopfterVögel besitze, und redete diesen daraufhin an. Diesem ersten Klang seines Namens verdanke ich eine Reihe schöner ornithologischer | Jugenderinnerungen, denn der Angeredete war Deichler, mit | dem ich von da an in regen Verkehr trat. Wir entdeckten, dass wir sogar entfernt verwandt waren, und fanden in Hilgert, dem späteren Präparator und Reisebegleiter Erlangers einen dritten | Gefährten unserer Liebhaberei. Deichler und Hilgert bildeten sich unter meiner Anleitung zu Künstlern in der lebenswahren Modellierung ausgestopfter Vögel aus. Erst viel später lernte ich durch Deichler Baron von Erlanger flüchtig kennen, und wir musterten mit scharfer Kritik seine Sammlung, die damals noch aus einer Anzahl sauber in Glasschränken aufgestellter Vögel bestand. Da Carlo von Erlanger zu jener Zeit nur vorüber- gehend in Ingelheim weilte, sahen wir uns selten. Erst nach | seiner zweiten Tunis-Reise kamen wir uns näher. Ich war in- zwischen durch Korrespondenz mit von Tschusi, und in der gründlichen Schule des Grafen von Berlepsch, ebenso Deichler ' durch seine Untersuchungen an Leinzeisigen im Berliner Museum in die Geheimnisse der eigentlichen ornithologischen Fachwissen- schaft eingeweiht. Erlanger war auf diesem Gebiet noch ganz Laie, hatte aber mit natürlichem Geschick ein Material zu- sammengebracht, wie es der erfahrenste Ornithologe nicht besser | hätte sammeln können. Er war von dem richtigen Grundsatz ' ausgegangen, nicht nur einzelne Seltenheiten zu jagen, sondern. vollständige Reihen selbst der häufigsten Arten zu sammeln und nicht auf Schönheit des Gefieders, sondern auf sichere Brut-
Carlo von Erlanger j. 37
vögel zu achten. Wir traten von da an in regen schriftlichen und mündlichen Gedankenaustausch, und namentlich Deichler war es, von dem Erlanger sich gern und dankbar belehren liess. Aber. was nun geschah, beweist mehr als alles andre Carlo von Erlangers hohe wissenschaftliche Begabung. In überraschend kurzer Zeit entwickelte er, der bis dahin nur Liebhaber, noch ganz Dilettant war, sich zu einem Kenner mit weitgehendstem systematischen Scharfblick. Er emanzipierte sich schnell von unserm Einfluss, und wenn wir von da an in unsern Anschauungen völlig einig waren, Erlanger auch die von uns proklamierte Formenringlehre mit uns verfocht, so lag dies schon nicht mehr an unserem Einfluss, sondern daran, dass wir alle drei selbständig durch den vorgefundenen Sachverhalt zu gleichen Resultaten kamen. Ich besitze in seinen Briefen noch den ersten Versuch von ihm, die Haubenlerchengruppe zu ent- wirren, wo er anfänglich, wie vor kurzem noch Hartert (cf. „Wander- jahre“) 3 Formenkreise vermutete Dann ging er eifrig vor- wärts auf dem klar erkannten Wege. Mit seiner Darstellung der Haubenlerchengruppe und der in diesem Heft folgenden Bearbeitung der Turturarten hat Erlanger zwei geradezu klassische Beispiele für die Entwirrung systematischer Schwierig- keiten geschaffen. „Und das Richtige ist so leicht, so klar, wenn man sich die Sache überlegt,“ schrieb er mir noch vor kurzem über die Tauben.
Carlo von Erlanger war durchaus nicht so kurzsichtig, in der systematischen Anordnung das letzte Ziel seiner Wissenschaft zu erblicken. Er trug sich mit weitgehenden und grossen Plänen. Auch aus seinen systematischen Befunden wollte er wieder weitere Schlüsse ziehn. So sagte er mir, als er vor einem Jahre hier war, es scheine, dass die Formen solcher Lebensringe, die in das paläarktische Gebiet hinüberreichen, nach Süden zu kleiner würden, während die ausschliesslich afrikanischen oder tropischen Formenkreise im Süden grössere Vertreter hätten. Er wolle solche Gedanken weiter prüfen. Wo ihm etwas wieder zweifelhaft wurde, war er mit ächt wissenschaftlicher Gewissen- haftigkeit bereit, es sofort aufzugeben, z. B. die Unterscheidung der nordafrikanischen Misteldrossel oder die von Falco barbarus und peregrinus. Im ersteren Falle wird übrigens doch sein Ge- danke eine Rechtfertigung erfahren, ebenso wie seine von Hartert
"in Einzelheiten angegriffene Trennung der südtunesichen Hauben-
F
38 Carlo von Erlanger 7.
lerchen. Für Farben hatte er ein ungewöhnlich gutes Auge. Nach- dem ich längst meine Arbeiten über Sumpfmeisen veröffentlicht hatte, machte er mich gelegentlich der Untersuchung eines schwer bestimmbaren Exemplares darauf aufmerksam, wie über- raschend leicht der Färbungsunterschied bei einfallendem Licht zu sehen ist.
Selbstverständlich haben die reichen Mittel, die ihm bei Ausführung seiner Pläne und beim Ausbau seiner Sammlungen zur Verfügung standen, erheblich zu seinen Erfolgen beigetragen, aber das möchte ich gerade hier zur Ehre seines wissenschaft- lichen Andenkens betonen: Viel mehr lag der Erfolg in seiner rastlosen Energie und in seiner hervorragenden Begabung. Denn mehr noch als seine einzelnen Forschungsergebnisse ist die ziel- bewusste Art, wie er das Sammeln angriff, vorbildlich. Die Sammlung sollte ihm nicht ein Bild von Absonderlichkeiten der Natur, sondern ein Nachweis von zoogeographischen Natur- gesetzen sein. „Schicken Sie mir nur nie einen einzelnen seltenen Vogel. Ich bin nun mal darin ein komischer Kerl,“ sagte 2 | mir einmal, „ich ärgere mich in solchem Fall, wo sich ein anderer aufs Höchste über das Unikum freuen würde. Aber eine Serie von mindestens 6 Brutvögeln von jeder Form zu haben, das macht mir Freude.“ Ein andermal erzählte er mir, dass er schon als Knabe kleine Porzellantiere gesammelt und dabei sorgfältig darauf geachtet habe, immer ein Pärchen von | jeder Sorte zu erhalten, einzelne Stücke aber habe er ver- schmäht. Schon als dreijähriges Kind fing er, wie mir seine Mutter schreibt, damit an, bunte Kiesel im Garten und am Rheinufer zu suchen und bewahrte nur die Steine auf, von denen es ihm gelang, mehrere ganz gleiche zu finden. Ein ein- zelner Stein erschien ihm wertlos und wurde weggeworfen. Was so in des Kindes Spiel sich ausprägte und nachher in der kurzen Lebens-Arbeit eines einzelnen Privatgelehrten sich be- wusst ausgestaltete, das wird hoffentlich noch von tief um-' gestaltendem Einfluss auf die zoologische Arbeit sein, wenn sie immer mehr statt der flüchtigen Erscheinung „den ruhenden Pol sucht in der Erscheinungen Flucht.“ | Ein Katalog seiner Sammlung soll später herausgegeben werden. | Was Erlanger erarbeitet hat, hat einen Wert, der weit über die augenblicklichen Resultate hinausweist und führt zu
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immer neuen Gedanken. Ich: will als Beispiel einiges über seine nordostafrikanischen Raubvögel anführen:
Accipiter hilgerti Erl. ist ein echter Sperber, die langen Flügel und kurzen Fänge geben ihm etwas Falkenartiges. Sollte der Vogel eine Nachahmung der auf Tafel XIV. und XV. des vorigen Jahrgangs abgebildeten Falken sein, denen er unter ge- wisser Beleuchtung sehr ähnlich sieht. Sollte er durch diese Maske die Tauben überraschen, die der graue Falke harmlos neben sich duldet. Ich werde später wunderbare Beobachtungen an unserm Sperber mitteilen, die dies möglich erscheinen lassen. Dennoch wird vermutlich nur geographischer Parallelismus der Färbung vorliegen, da eine ganze Anzahl afrikanischer Raub- vögel graue Farben trägt. Derselbe Parallelismus zeigt sich zwischen Hieraaetos spilogaster und H. fasciatus minor Erl. Der erstere ist, wie ich nunmehr nachweisen kann, die tropische Form unseres Zwergadlers. Vielleicht gibt es davon eine ein- farbig schwarzbraune Phase, die mit Aquila wahlbergi ver- wechselt worden ist. Ich kann mir sonst nicht erklären, wie man in diesem Vogel einen Habichtsadler sehen kann. Die Ver- wandtschaft des Falco eleonorae mit Falco schistaceus macht die späte Brutzeit des ersteren verständlich, als die eines Vogels, der von der südlichen Hemisphäre kommt. Doch liegt sie viel- leicht an den Nahrungsverhältnissen. Wenn sich auch bei Geiern Anpassung an die Bodenfärbung finden sollte, dann wird man eine neue Erklärung für die sogenannte Schutzfärbung suchen müssen. So geben die Arbeiten Erlangers, die überall zeigen, welche Erscheinungen wirklich und welche nur scheinbar verknüpft sind, und die gleichsam das verwirrte Gewebe der Systematik klar und natürlich ordnen, einen Ausblick auf viele neue Gesichtspunkte. Es ist gerade ein grosses Verdienst Erlangers, dass er selbst nicht voreilige Schlüsse zog, und auch ich will hier nur Möglichkeiten andeuten. Aber einst, wenn das von ihm begonnene Werk vollendet ist, werden viele dunkle Rätsel offen und klar vor uns liegen und der Nebel der Hypo- thesen wird dem hellen Sonnenlicht klarer Erkenntnis weichen.
Carlo von Erlanger gehörte nicht zu den Autoren, die da meinen, jeden Gedanken, den sie haben, auch aussprechen zu müssen, er zersplitterte seine Kraft nicht, sondern sparte sie auf zu wirklich grossen Leistungen. Wer ihn gesehen und gehört ‚hat, wie die Erkenntnisfreude aus seinen Augen leuchtete und
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seine natürliche Lebhaftigkeit noch vermehrte, der wird das liebenswürdige Bild seiner fröhlichen energischen Persönlichkeit nie vergessen können. Es war nicht die leiseste Spur von Blasiertheit in seinem Wesen. Wie er dachte, so sprach er, und wie er sprach, so hat er geschrieben in Briefen und Ver- öffentlichungen. Die Gewohnheit, rasch zu disponieren, einen Teil seiner Korrespondenz telegraphisch zu erledigen, färbte auch seinen Stil. Mir kommt dabei immer wieder das fein empfundene Wort in Erinnerung, das Professor Harnack bei der Eröffnung des V. Internationalen Zoologen-Kongresses als Rektor der Berliner Universität aussprach: |
„Die Wissenschaft ist etwas rein Objektives; aber dennoch kann sie des persönlichen Verkehrs der Gelehrten nicht ent- behren. Warum? Aus verschiedenen Gründen, vor allen Dingen aber deshalk, weil gerade in den besten und originalsten Ar- beiten kleine Züge der Subjektivität, der Eigentümlichkeit sind, die leicht missverstanden oder verkannt werden, wenn man nicht die Persönlichkeit kennt, die hinter ihnen steht, die in dem Momente aber klar und wertvoll werden, wo die Persönlichkeit selbst bekannt und richtig gewürdigt wird.“
Erlanger war stets eilig und doch immer gründlich. „Das ganze Leben heutzutage ist eine Jagd, eine fieberhafte Aufregung, und man kommt nie zu sich selbst,‘ schreibt er mir in einem Brief. Mit rascher Hand griff er zu und wusste den Augenblick ' zu fassen, um ihn dem Erfolg dienstbar zu machen. Oft bat er mich, ihm neue Bezugsquellen zu nennen. Wo ich nicht fremde | Interessen schonen musste, habe ich es immer gern getan. Dann eilte er zum Schreibtisch. „Kann ich deutsch, englisch oder französisch schreiben? Halt! was brauche ich von dort?“ In ein paar Minuten war eine Anweisung zum Sammeln bestimmter Suiten fertig, der Brief adressiert, und die unterbrochene, meist | sehr lebhafte Unterhaltung ging weiter. „Wenn erst mein Automobil fertig ist,‘“ schrieb er mir in so manchem Brief. Er freute sich darauf, wie ein Kind, denn es passte zu ihm, wie eine Ergänzung seines Wesens, und wie freute ich mich, ihn nun öfter bei mir zu sehen, nachdem ich so manche schöne Stunde | in seinem Elternhause verlebt hatte. |
Keine Unvorsichtigkeit hat sein Geschick heraufbeschworen. Bei ruhiger Fahrt, während die Lenkung des Kraftwagens in | geübten Händen lag, geschah das Furchtbare, das für den kleinen,
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nicht nur die Arbeit, sondern auch die Herzen vereinenden Zweig unsrer Wissenschaft so grosse Hoffnungen zertrümmert, hat mit der Vernichtung dieses fröhlichen und starken jungen Menschenlebens. Am Abend des 4. September erlag er in Salz- burg seinen inneren Verletzungen. Ein sanfter Tod bewahrte ihn vor dem Schwersten, was ihm hätte widerfahren können: mit siechem Körper sich durch dies Leben zu schleppen, unfähig dem Flug seines Willens zu folgen. Er hat mir mehr als einmal ver- sichert, dass ihm seine Ziele und Pläne alles seien und sein Leben, das er gern dafür einsetze, nichts. Vor mir liegt ein Abschiedsbrief, den er mir vor dem Antritt seiner letzten afrikanischen Expedition geschrieben hat, und der mir nun klingt, wie ein Lebewohl vor der Reise, die für jeden Sterblichen die letzte ist. Der Gedanke an seine Eltern, ob er sie wiedersehen werde, kehrt darin immer wieder. Die innige Liebe seiner Eltern, ihre Teilnahme an seinem Wirken und Streben hat ihn glücklicher gemacht als Reichtum und Erfolg. Wenn ein Mensch wirklich glücklich war, soll man sein Geschick nicht beklagen. Um so leuchtender steht sein Bild vor uns. Wer so geistig gewirkt hat und gestrebt, der kann uns nie ganz verloren gehen, nie ganz von uns scheiden.
Seine beiden Lieblingsvögel tragen seinen Namen, der Edel- falke, der über die einst von ihm durchzogenen Felsen- und Sand- hügel der Wüste schwebt, und die maurische Lorbeerlerche, die sich singend in die Lüfte schwingt. Wie diese Gestalten die tote Wüste beleben, so soll die dankbare Erinnerung seiner Freunde lebendig bleiben über seinem frühen Grab.
Otto Kleinschmidt.
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Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas mit besonderer Berücksichtigung der Zoogeographie.
Von Carlo Freiherr von Erlanger. (Hierzu Tafel I— VII).
I. Natatores, Grallatores, Gressores, Columbae, Rasores.
Colymbus nigricollis (Brehm).
Heuglin N.-O.-Afr. IL 1873 p. 1361. — Barnes Ibis 1893. 174 — Yerbury Ibis 1896 p. 37 — Salvadori. Ann. Mus. Civ. Ge- nova 1888 p. 325 — Grant Ibis 1900 p. 331 — Reichenow. Vögel Afrikas I. 1900—01 p. 17.
Colymbus nigricollis wurde im März 1900 häufig auf dem Haramaya-See bei Harar beobachtet und daselbst in mehreren Exemplaren von uns gesammelt. Er konnte daselbst auch von Hilgert auf der Reise von Harar nach Adis-Abeba im Monat April als Brutvogel nachgewiesen werden. Die Nester schwimmen auf dem Wasser, von Wasserpflanzen getragen, und enthalten 3—6 Eier. Er deckt seine Eier beim Verlassen des Nestes ge- schickt zu.
Nach Vergleich der von mir gesammelten Exemplare mit solchen aus Europa ergibt sich, dass im allgemeinen die afrika- nischen Vögel kleinere Schnäbel haben; jedoch ist der Grössen- unterschied nicht stetig. Die Angabe Gurneys, dass die Afrikaner blasser seien als ihre europäischen Vertreter, stimmt meinen Exemplaren zufolge nicht.
In Afrika im Nordosten und Süden nachgewiesen.
Colymbus fluviatilis capensis ([Licht.] Salvad.)
Finsch & Hartlaub. Ost-Afr. 1870 pag. 811. Podiceps minor. L. | Reichenow. Vögel Afrikas. 1900—01. p. 18. Colymbus capensis.
Abessinien. |
Rüpp. Syst. Üb. 1845 p. 138 — Blanf. Geology. & Zoology
of Abyssinia 1870 p. 440. — Heugl. Orn. N.-O.-Afr. II. 1873 p. 1363. Podiceps minor. | Salvadori. Ann. Mus. Civ. Genova 1884 p. 236. — Salvadori.
Ann. Mus. Civ. Genova 1888 p. 326. Tachybaptes capensis. — Giglioli. Ann. Mus. Civ. Gen. 1888 p. 65. — Grant. Ibis 1900 p. 331. P. capensis. |
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 43
Salvadori, Ann. Mus. Civ. Genova 1888 p. 326. Tachybaptes capensis.
Somaliland.
Shelley, Ibis 185 p. 418. P, fluviatilis capensıis.
Salvadori Mem. Acc. Torino 1894. p. 564. P. capensıs.
Sharpe Proc. Zool. Soc. 1895. p. 515. Tach. capensis.
Colymbus flwiatilis capensis ist der geographische Vertreter unseres paläarktischen Podiceps fluviatilis fluviatilis (Tunst.) im tropischen Afrika.
Er unterscheidet sich von demselben durch die geringere Grösse und durch die geringere Ausdehnung der schwarzen Färbung an Kehle und Wangen.
Ich fand den afrikanischen Zwergsteissfuss als Brutvogel auf dem Haramaya-See, dessen Ufer von überschwemmten Wiesen gebildet werden. Hier errichtet der Taucher in den einzelnen aus dem Wasser herausragenden Grasbüscheln sein schwimmen- des Nest. Von Hilgert wurden auf der Hinreise von Harar nach Adis-Abeba mehrere Gelege gesammelt. Ferner ist er sicher Brutvogel in den Sümpfen auf der Insel Goscha und im Über- schwemmungsgebiet des oberen Hauasch.
Es liegen von meiner Reise folgende Beleg-Exemplare vor: g ad. Haramaya-See bei Harar 15. März 1900. 9: ad. Boru, Arussi-Gallaland. 2. August 1900. g‘ Karayu-Land der Gurra 27. März 1901. g* Bua, Insel Goscha 28. Juni 1901. Verbreitungs-Gebiet: Das tropische Afrika, Madagaskar, Vorder- und Hinterindien, Persien. Gel. 4 Eier, gesammelt auf der Insel Goscha bei Bua, 29. Juni 1901. Von den 4 langgestreckten Eiern sind 3 hellkaffeebraun, das andere ist schmutzigweiss. Wie die Eier unseres Zwergtauchers ihre ursprüngliche Erb bei dem Brüten einbüssen, so ist es auch der Fall bei iesem.
36 x 23 mm | Gelege, 2 Eier, ebenda Or gesammelt 35x23 mm 35% 23 mm 0,88 g \ Bebrütungs- 0,99 g | Bebrütungs- 36 x 23 mm grad 0 34X 23 mm grad 0 0,92 g | 0,90 g 35%X22 mm 0,85 8
Von Hilgert wurden auf dem Haramaya-See bei Harar am 18. April 1900 mehrere Gelege gesammelt, von denen leider der grösste Teil zerbrochen ist. Es liegen noch 3 Einzeleier vor,
44 C. v. Erlanger:
die in Grösse und Form obigen Eiern ziemlich gleichen, aber bedeutend schwerer sind.
35x25 mm 36%X25 mm- 35x25 ma 1.17 38 1,16 g 1,15. g
Larus eirrocephalus Vieill.
Finsch & Hartlaub. O.-Afr. 1870 pag. 825. Larus phaeocephalus.
Reichenow. Vögel Afr. 1900—01. I. pag. 44. Larus cirro- cephalus.
Von dieser Möve erlegte ich ein Männchen am 29. November 1900 am Afdschada-See. Ich beobachtete etwa 20 Möven, die ich ihrem ganzen Benehmen nach für Lachmöven hielt, auf einer Sandbank; jedoch flogen sie bei meinem Herannahen auf den See hinaus und liessen sich ganz nach Art unserer Lachmöven teils auf dem Wasser nieder. Andere strichen über dem Wasser hin und liessen sich wie Steine aus der Luft herunterfallen, um Beute zu machen. Nach kurzem Ansitz näherten sich die Möven wieder der Sandbank, so dass ich ein über mich streichendes Exemplar auf grosse Entfernung erlegen konnte.
Es ist der nördlichste Punkt, wo diese Art im tropischen Afrika beobachtet worden ist. Ihr eigentliches Brutgebiet in Ostafrika sind die ostafrikanischen Seen.
Nach Ayres lebt die Art mehr vereinzelt. Von Neumann wurde eine Brutkolonie auf der Insel Msamwa nördlich der Kagera-Mündung im Victoria-Nyansa gefunden.
Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich im tropischen Afrika über den ganzen Westen vom Gambia bis zur Walfischbucht; im,Osten vom Süden über das ganze Seengebiet einschliesslich der nordöstlichen Seen. Ferner kennen wir die Möve aus Madagaskar, Süd-Brasilien, Argentinien und westlich bis Peru.
Larus hemprichi ([Bp.] Bruch.)
Heuglin. N. O,. Afr. I. 1873. p.. 1399.27 %. RRXVE 5 Reichenow. Vögel Afr. 1900—01. I. pag. 49.
Arabien. |
Yerbury Ibis 1886 p. 22 u. 1896 p. 30 — Barnes Ibis 1893 Te, | 5 Abessinien. Blanf. Geology Zoology of Abyssinia 1870 p. 441. — Sal- vadori Ann. Mus. Genova 1884 p. 276. L. hemprichii. — Antinori und Salvadori Ann. Mus. Genova 1873 p. 519. Adelarus hemprichu.
Somaliland.
Elliot Field Columb. Mus. 1897. p. 64 Phillips Ibis 1898 p. 423. L. hemprichi.
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 45
Diese Möve ist eine häufige Erscheinung an der Küste bei Kismayu, woselbst ich mehrere Exemplare erlegte. Hilgert schoss ein weiteres Stück bei Zeyla im nördl. Somaliland. Man hat häufig Gelegenheit, in den Häfen der ostafrikanischen Küste diese Möve zu beobachten, wo sie von den Schiffsabfällen lebt.
Bei alten Vögeln sind die Füsse grünlich-gelb, Schnäbel grünlich-gelb, an der Spitze rot.
3 dd ad., 1 2 ad. Kismaju 13. Juli 1901 g Zeyla 5. Jan. 1900
Nach den Geschlechtsteilen zu urteilen, mussten die Vögel Eier haben; doch gelang es mir trotz eifrigen Suchens nicht, eine Brutkolonie zu entdecken.
Verbreitungs-Gebiet: Ostküste Afrikas vom südlichen Roten Meer bis Sansibar, Südküste Arabiens und Westküste Indiens.
Hydrochelidon Teucoptera (Schinz)
Heuglin N. O. Afr. Il. 1873 p. 1447. H. nigra.
Grant Ibis 1900 p. 330. Z. leucoptera.
Reichenow Vögel. Afr. I. 1900-01 p. 71. H. leucoptera.
Die weissflügelige Seeschwalbe kommt zur Winterzeit nach der Ostküste Afrikas, woselbst sie den Flüssen folgend weit ins Innere vordringt. Der Küste folgend fliegt sie bis Süd-Afrika. Nach Heuglin ist sie Stand- und Brutvogel im Nildelta bis Wadi-halfa.
Ihr eigentliches Brutgebiet erstreckt sich über Mittel- und Süd-Europa, das gemässigte Asien und westlich bis China.
Ein Exemplar, @ iuv., erlegt am 2. August 1900 bei Djille (Hauasch) im Arussigallaland.. Der Jahreszeit zufolge könnten die Vögel hier im Überschwemmungsgebiet des oberen Hauasch Brutvögel sein. Ich habe aber durchaus keine Beweise dafür, sodass ich annehme, es mit einem aus Ägypten entflogenen jungen Vogel zu tun zu haben.
Phalacrocorax lucidus (Leht.)
Rüpp. Syst. Übers. 1845 p. 134, 140 T. 50 — Finsch Hartlaub O. Afr. 1870 p. 846 — Heuglin Orn. N. O. Afr. II. 1873 p. 1490 — Giglioli Ann. Mus. Genova 1888 p. 57 — Reichenow. Vögel Afrikas 1900—01 I. p. 89 u. 90.
Nach Vergleich der auf dem Königlichen Museum be- findlichen Exemplare mit zwei von mir in Abessinien ge- sammelten Stücken, ferner nach genauer Durchsicht der Exem- plare aus N. O. Afrika in Bezug auf Grösse im allgemeinen, insbesondere der Schnäbel, fand ich, dass die Unterschiede, die zur Trennung von Ph. lucidus und lugubris geführt haben, indivi- dueller Natur sind, und dass wir es nur mit.einer Form zu „Br haben, welche sich über das ganze tropische Afrika ver- reitet.
46 | 6. v. Erlanger:
Die von Reichenow im Journ. für Orn. 1892 p. 5. 133 als Phalacrocorax gutturalis beschriebene Art halte ich für einen Vogel im Übergangskleid, bei dem die Unterseite ‚schon völlig das einfarbige, glänzende, schwarze Gewand angenommen hat und nur um den vorderen Teil der Brust noch die Flecken- zeichnung des mittleren Kleides aufweist.
Wie gesagt, sind die Unterschiede, wie grösserer, stärkerer Schnabel oder das Gegenteil, ferner beim alten Vogel die sehr weit nach der Brust sich hinziehende, schwarze Unterseite oder im Gegensatz hierzu die sehr weit nach dem Bauch zu sich er- streckende weisse Brust keine zoogeographischen Unterschiede, sondern lediglich Variationen individueller Natur.
Im Jugendkleide ist die Unterseite rein weiss, im mittleren Alter weiss mit grauschwarzer Fleckenzeichnung, die nach dem Hals zu feiner und brauner wird. Im Alterskleid sind Hals und Brust weiss, Bauch einfarbig glänzend schwarz.
Q ad. Gambo (Seengebiet) Süd-Abessinien 29. Nov. 1900. Schnabellänge v. d. First gem. 6,8 cm., Breite des Oberschnabels am Ansatz 1,5 cm.
? iuv. Gambo (Seengebiet) Süd-Abessinien 29. Nov. 1900. Schnabellänge v. d. First gem. 7,8 cm., Breite des Oberschnabels am Ansatz 1,7 cm.
Aus vorliegenden Massen ersehen wir, dass beide vor- liegenden Stücke sehr starke Schnäbel haben, während, falls die nordafrikanische Form als zoogeographische Art beibehalten werden könnte, diese Exemplare sehr schwache, zierliche Schnäbel haben müssten. Einige Exemplare, welche mir vom Kap und aus Ostafrika vorliegen, haben kleinere Schnäbel, einige eben- solche. Dass das jüngere von mir gesammelte Exemplar eben- falls stärkere Schnabelmasse aufweist als das alte Stück, ist ein Beweis mehr für die individuelle Variation.
Verbreitungsgebiet: Nordost-, Ost- und Süd-Afrika.
Phalacrocorax africanus (Gm.) | Rüppell Syst. Üebers. 1845 p. 140 — Finsch & Hartlaub
O. Afr. 1870 p. 847 -- Heuglin Or. N. O. Afr. II. 1873 p. 1493 — Reichenow Vögel Afrikas I. 1900—01 p. 93. |
Abessinien.
Blanford Geology and Zoology of Abyssinia 1870 p. 441 — Antinori und Salvadori. Ann. Mus. Genova 1873 p. 515 — Salvadori Ann. Mus. Genova 1884 p. 351; 1888 p. 325 — Grant Ibis 1900 p. 321. |
Diese Art wurde nur vereinzelt beobachtet und zwar auf dem letzten Teil der Reise im südlichen Somaliland, wo wir ihn mehrmals auf alten Bäumen in der Nähe des Überschwemmungs-. gebietes des Ganale aufgebäumt sahen.
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. sd
Bei Bua erlegte ich am 29. Juni 1901 ein ©. Verbreitungsgebiet: Das tropische Afrika südl. des 29° n. Breite, ferner Madagaskar.
Anhinga rufa (Lacep. Daud.)
Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 140 — Finsch & Hartlaub. O. Afr. 1870 p. 841 — Heuglin. N. O. Afr. IL 1873 p. 1475. Plotus levaillanti:.
Reichenow. Vögel Afr. 1900--01. I. p. 95. Anhinga rufa.
Grant Ibis 1900 p. 322. Plotus rufus.
Der Schlangenhalsvogel wurde häufig beobachtet und in 5 Belegexemplaren gesammelt. Seine Heimat sind Flüsse und Seen des tropischen Afrikas, woselbst er sich mit Vorliebe an den tieferen Stellen aufhält. Seine Nahrung besteht hauptsächlich in Fischen, die er durch Tauchen erbeutet.e. Am Abajasee be- obachtete ich einen Schlangenhalsvogel, welcher auf einem über dem Wasser hängenden Aste sass.. Von hier liess er sich wie ein Stein in das Wasser fallen, verschwand untertauchend und kam bald mit einem verhältnismässig grossen Fische im Schnabel auf die Oberfläche, um sich wieder auf seinen früheren Standort zu begeben. Im Wasser schwimmend bin ich ihm nur einige- male begegnet, wo er stets durch Tauchen das Weite suchte und offene Stellen mied. Beim Schwimmen ist meist nur Hals und Kopf sichtbar, sodass er auch hierdurch nur schwer sichtbar ist.
Häufig sieht man ihn dagegen auf dürren Ästen höherer Bäume am Uferrand sitzen, wobei er den Hals meist tief einge- zogen hat und der Kopf auf den Schultern ruht. Vernimmt er ein ungewöhnliches Geräusch, so lässt er den Hals in die Höhe schnellen, sieht sich nach allen Seiten um, zieht den Hals wieder ein und stürzt sich fast senkrecht in das Wasser.
Alte $9 lassen sich sofort von alten @% unterscheiden. Bei ersteren ist der ganze Rücken schwarz mit grünlichem Glanz, während bei letzteren die schwarzen Federn der oberen Hälfte des Rückens braune Endspitzen haben. Ferner ist das Braun des Oberkopfes, Halses und Nackens bei den dd rotbraun, bei den <2 hellbraun. Zwei schwarze, mit grünlichem Glanz be- haftete Streifen, welche bei den $3 vom Auge längs der beiden Halsseiten hinziehen, fehlen den @ 8.
Die Iris ist bei alten Exemplaren grau, ein gelber, dann ein roter Ring um die Pupille.. In der Grösse unterscheiden sich beide Geschlechter nicht.
Verbreitungs-Gebiet: Das ganze tropische Afrika, Madagas- kar und Syrien.
Pelecanus roseus Gm.
- Rüppell Mus. Senckenberg. II. 1837 p. 185; Syst. Übers. 1845 p. 132. 140 Taf. 49. Pelecanus minor.
48 C. v. Erlanger:
Heuglin Orn. N. ©. Afr. II. 1873 p. 1500. Pelecanus mitratus. Reichenow. Vögel Afrikas. I. 1900—01. p. 101 Pelecanus roseus.
Arabien.
Yerbury Ibis 1886 p. 24. 1896 p. 40 — Barnes Ibis 1893 p. 179. Pelecanus onocrotalus.
In 2 Exemplaren erlegt: $ adult, Djille (Überschwemmungs- gebiet Hauasch) 3. August 1900. Iris kirschrot. Nacktteile ums Auge fleischfarben, nach der Stirn zu rötlich, Kehlsack blassgelb, Füsse matt hellgelb, einige Schilder braun und orange.
g luv. ebenda, 2. August 1900. Iris braun, Schnabel gelb, Nacktteile ums Auge fleischfarben, Füsse orangegelb.
Verbreitungs-Gebiet: Süd-Ost-Europa, Klein-Asien, Indien und Afrika.
Pelecanus rufescens Gm.
Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 140 — Finsch & Hartlaub Orn. Afr. 1870 p. 849 — Heuglin Orn. N. O. Afr. II. 1873 p. 1503 — Reichenow. Vögel. Afr. I. 1900-01 p. 102.
Abessinien. Blanford Geology and Zoology of Abyssinia 1870 p. 442 —
Antinori und Salvadori. Ann. Mus. Genova 1873 p. 516 — Grant
Ibis 1900 p. 322.
Von dieser Art wurden auf meiner Expedition 2 Beleg- exemplare gesammelt.
Q Webbi-Schebelli 4. Jan. 1901 (Strecke Harar-Ginir).
? Sagan (Djam-Djam) Südschoanisches Seengebiet. 10. Jan. 1901.
Verbreitungsgebiet: Afrika vom 16° nördl. Breite an südlich. Süd-Arabien.
Erismatura maccoa (A. Sm.) Reichenow. Vögel Afr. I. 1900—01 p. 105.
Abessinien.
Salvadori Ann. Mus. Civ. Genova 1884 p. 249; 1888 p. 325°
— Giglioli. Ann. Mus. Civ. Genova 1888 p. 60.
Von dieser Art liegt ein g vor, gesammelt auf dem Hara- maya-See bei Harar am 17. März 1900. In biologischer Hinsicht‘ gleicht diese Ente völlig T’halassornis leuconotus, nur scheint sie
seltener zu Sein, als diese.
Verbreitungsgebiet: Süd-Ost-Afrika, nördlich bis Schoa vor- |
dringend. Thalassornis leuconotus Eyt.
Finsch & Hartlaub. O. Afr. 1870 p. 810 — Reichenow. Vögel
Afr. I. 1900—01. p. 106 — Salvadori Ann. Mus. Genova 1888 p. 324.
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 49
Diese Entenart wurde gesammelt und beobachtet auf dem Haramaya-See bei Harar während des Monats März von mir, April von Präparator Hilgert. Sicher ist dieselbe hier Brutvogel, ebenso wie auf den Sümpfen des unteren Ganale, woselbst ich siein Pärchen während des Monats Juni beobachten und erlegen konnte. Ihre Brutzeit scheint sehr spät zu fallen, da die Ge- schlechtsteile der im Monat Juni erlegten Exemplare schwach entwickelt waren.
Sie zeigt sich nicht scheu, wir konnten bequem mit dem Fallboot auf 30—40 Schritt heranfahren, sie schwimmt ziemlich tief im Wasser, fliegt sehr ungeschickt ganz nahe über der Wasserfläche dahin, um in grösserer Entfernung erst wieder ein- zufallen.
gd © ges. Hilgert. 18. April 1900. Haramaya-See bei Harar.
& 2 Bua, Insel Goscha. Unterer Ganale. 29. Juni 1901.
© Haramaya-See bei Harar. 17. März 1900.
Verbreitungsgebiet: Süd-Ost und Nord-Ost-Afrika.
Nyroca fuligula (L.) Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 138. Fuligula eristata. Reichenow Vögel Afrika. I. 1900—01 p. 107. Nyroca fuligula.
Abessinien.
Blanford Geology and Zoology of Abyssinia 1870 p. 437 — Salvadori. Ann. Mus. Genova 1884 p. 247; 1888 p. 323. Fuligula erıstata.
Grant Ibis 1900 p. 325. Fuligula fuligula. |
Ich beobachtete mehrere Pärchen Reiherenten während des März auf dem Haramaya-See und vermute, dass sie auch hier brüten, da sie sich wenig scheu, ich möchte sagen, zutraulich zeigten.
Als Beleg sammelte ich ein Paar am 17. März 1900.
Verbreitungsgebiet ist Afrika. Nord-Afrika, von wo die Art bis Agypten und Abessinien vordringt.
Spatula celypeata (L.)
Rüppell Syst. Übers. 1865 p. 138 — Heuglin Orn. N. O. we 1873 p. 1331 — Reichenow Vögel Afrikas I. 1900—01 E Arabien.
Yerbury Ibis 1896 p. 39 — Salvadori Ann. Mus. Genova 1884 p. 247; 1888 p. 323 — Grant. Ibis 1900 p. 324.
Somaliland. Salvadori Mem. Acc. Torino 1894 p. 564. Die europäische Löffelente beobachtete ich in grossen Flügen auf dem Haramaya-See und sammelte mehrere Belegstücke. Ein Journ. f. Orn, LIII. Jahrg. Januar 1905. 4
50 C. v. Erlanger:
weiteres Exemplar ist an einem Wassertümpel im Arussi-Galla- land gesammelt. Nach Heuglin dürfte die Art Brutvogel in Nord-Ost-Afrika sein.
2 dd 2 28 Mitte März Haramaya-See bei Harar.
d Waramgambo. Arussi-Gallaland 18. Febr. 1901 (Strecke Abera-Ginir. |
Anas undulata Dubois.
Heuglin Orn. N. O. Afr. II. 1873 p. 1316. Anas zantho- rhyncha. Reichenow. Vögel Afr. I. 1900—01 p. 113. Anas undulata.
Abessinien.
Blanford Geology and Zoology of Abyssinia 1870 p. 437. Anas flavirostris.
Salvadori Ann. Mus. Genova 1884 p. 243; 1888 p. 320. Anas zanthorhyncha.
Grant Ibis 1900 p. 322. Anas undulata.
Diese Art liegt mir in einer Reihe von 10 Exemplaren vor. Die $g sind gleich gefärbt mit den 29, nur stets viel grösser, was sich hauptsächlich an den Schnäbeln bemerkbar macht.
Ferner unterliegen die Exemplare individueller Variation, je nach dem Alter hellerer und dunklerer Ton auf der Unter- seite. Ein am 22. Juni 1901 in Süd-Schoa gesammeltes $ weicht von den übrigen insofern ab, dass das ganze Gefieder auf der Unterseite rötlichbraunen Anflug hat. Ich vermute, dass diese rötliche Färbung von eisenhaltigem Wasser herrührt. Ich traf die Art stets in Pärchen häufig an allen Gebirgsbächen des abessinischen Hochlandes, auf der grossen Arussi-Galla-Hoch- ebene zwischen Ginir und Adis-Abeba, am Fluss Maki bei Adis- Abeba und in den Gebirgsflüssen von Djam-Djam.
Die Brutzeit dieser Art fällt in den Monat Juni, da die Geschlechtsteile der erlegten Exemplare sehr stark entwickelt waren und sich die Vögel sehr heimisch und wenig scheu be- nahmen.
Verbreitungsgebiet: Nord-Ost-, Ost- und Süd-Afrika.
Anas sparsa |A. Sm.] Eyt.
Finsch und Hartlaub O. Afr. 1870 p. 809 — Heuglin Orn. N. O. Afr. II. 1873 p. 1317 — Reichenow Vögel Afr. I. 1900-01. p. 115.
Abessinien.
Salvadori Ann. Mus. Genova 1884 p. 254; 1888 p. 321 — Grant Ibis 1900 p. 323. |
Diese Art liegt mir in 3 Exemplaren vor. Ich begegnete ihr stets in einer Höhe von über 2600 m, woselbst die Art häufig auf den Gebirgsbächen in Pärchen beobachtet und von uns erlegt wurde.
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 51
Mehrmals begegnete ich einigen Exemplaren auch ziemlich entfernt von den Bächen auf den Hochmatten, in nächster Nähe von weidenden Rindern nach Nahrung suchend; jedoch benehmen . sie sich hier sehr vorsichtig, sodass ich nie auf Schussweite her- ankam. Auf den Bächen zeigten sie sich weniger scheu. Ein zusammengehöriges Pärchen, dessen Geschlechtsteile stark ent- wickelt waren, erlegte ich auf einen Schuss. Es war mir aber nicht möglich, das Nest dieses Pärchens ausfindig zu machen.
3 2 3. Febr. Ol. bei Ewano, Arussi-Gallaland (Strecke Abera-Ginir ca. 2700 m).
Ein weiteres Exemplar, $, wurde am 24. Dezemb. 1900 bei Tumadu (Djam-Djam) erlegt.
Verbreitungsgebiet: Ost- und Süd-Afrika (Süd-Abessinien).
Anas erythrorhyncha Gm.
Finsch und Hartlaub ©. Afr. 1870 p. 808 — Anas erythro- rhyncha.
Heuglin Orn. N. O. Afr. II. 1873 p. 1325. Querguedula erythrorhyncha.
Reichenow Vögel Afr. I. 1900—01 p. 118. Anas erythro- rhyncha.
Abessinien.
Salvadori Ann. Mus. Genova 1884 p. 244; 1888 p. 321 —
Grant Ibis 1900 p. 324. FPoecilonetta erythrorhynche.
Somaliland.
Shelley Ibis 1885 p. 415 — Salvadori Mem. Acc. Torino 1894 p. 564. Poecilonetta erythrorhyncha.
Grosse Flüge dieser Art wurden von mir auf dem Hara- maya-See bei Harar beobachtet. Gesammelt wurde ein Pärchen. Vom See aus flogen vereinzelte Exemplare, öfter auch kleine Trupps nach dem überschwemmten Acker- und Wiesen-Gelände. Ihr Betragen erinnerte an das unserer Krick- und Knäck-Enten.
Ein Paar 15. März 1900. Haramaya-See bei Harar.
Verbreitungsgebiet: Nord-Ost-, Ost- und Süd-Afrika.
| Anas querquedula L. Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 138 — Heuglin Orn. N. ©. Afr. 1873. II. p. 1320. Querquedula circia. | Reichenow Vögel Afr. I. 1900—01. p. 121. Anas quer- quedula. Arabien.
Yerbury Ibis 1896 p. 39. Qu. circia.
Abessinien. Salvadori Ann. Mus. Genova 1884. p. 247; 1888 p. 321 —
Grant Ibis 1900 p. 324. Qu. circia. r : 4*
52 C. v. Erlanger:
Sonmaliland.
Salvadori Mem. Acc. Torino 1894 p. 564. Qu. circia.
Flüge dieser Art tummelten sich im März bei unserem Be- suche des Haramaya-Sees bei Harar auf demselben herum. Als Beleg sammelte ich ein $ am 15. März 1900.
Die Knäckente besucht während der Wintermonate Nord- ÖOst- und Zentral-Afrika.
Dendrocygna viduata (L.)
Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 137 — Finsch und Hartlaub Orn. Afr. 1870 p. 8066 — Heuglin Orn. N. O. Afr. 1873 U. p. 1298 — Reichenow Vögel Afr. I. 1900—01 p. 124.
Abessinien. Salvadori. Ann. Mus. Genova 1884 p. 276; 1888 p. 320.
Somaliland.
Shelley Ibis 1885 p. 414 — Salvadori Mem. Acc. Torino 1894 p. 564.
Diese Entenart tummelte sich in Pärchen auf den Sümpfen, die das während der Regenzeit aus deın unteren Ganale aus- tretende Wasser bildet. Ganze Strecken Landes sind so fast das ganze Jahr durch mit 2—3 Fuss hohem Wasser bedeckt. Beim Zurücktreten des Wassers bilden sich hier undurchdringliche Moräste, die von Millionen von Mosquitos wimmeln; eine wahre Plage für den reisenden Europäer, zumal sich da nur zu bald das bekannte Übel, die Malaria, einstellt. Diese Sumpfgebiete sind die Heimat von Dendrocygna viduata, woselbst sie wohl die häufigste Entenart ist. |
Ich passierte diese Gegend im Monat Juni, wohl während der Brutzeit, was die starke Entwicklung der Geschlechtsteile bewies. Leider gelang es mir nicht, Gelege zu finden, obwohl ich mittelst, meines Fallbootes eifrigst danach suchte. Antinori, der das Nest im Schilf in der Nähe des Wassers fand, gibt 18—22 Eier als vollzählige Gelege an. Die Eier sind von bräun- licher Farbe und glattschalig.
Bei jungen Exemplaren ist das Gelbweiss der Kehle durch eine schwarze Kehlbinde in der Mitte geteilt, die sich im Alter verliert. Die Mitte des Unterkörpers ist bei den adulten Jg schwarz, bei den @9 reicht die weisse, schwarzgebänderte Flanken- seite mehr nach der Mitte. Die dunkle Färbung der Mitte der Unterseite ist schmaler und schwarzbraun.
In 4 Exemplaren, 2 Sg ad. Q ad. $ med., Ende Juni bei A (Insel Goscha) Süd-Somaliland, Unterlauf des Ganale erlegt.
Verbreitungsgebiet: Afrika südlich der Sahara mit Ausnahme des Kaplandes, Madagaskar. |
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 53
Sarkidiornis melanotus (Penn.)
. Rüppell Syst. Übers. 1845 pag. 137 -- Finsch und Hartlaub. Orn. Afr. 1870 p. 799 — Heuglin Orn. N. ©. Afr. IL. 1873 pP. 1280 — Reichenow Vögel Afr. I. 1900—01 p. 129.
Abessinien.
Salvadori Ann. Mus. Genova 1884 p. 239; 1888 p. 319. S. africana Eyt. |
Die Höckergans wurde ebenfalls häufig von mir im August 1900 bei Djille im Überschwemmungsgebiet des Hauasch be- obachtet.
Leider verfaulten beide erlegten Exemplare infolge der feuchten Witterung.
Verbreitungsgebiet: Das tropische Afrika, Madagaskar und Indien.
Chenalopex aegyptiacus (L.)
Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 137 — Finsch und Hartlaub O. Afr. 1870 p. 803 — Heuglin Orn. N. O. Afr. 1I. 1873 p. 1285 — Reichenow Vögel Afr. I. 1900-01 p. 131.
Abessinien.
Blanford Geology and Zoology of Abyssinia 1870 p. 438 — Salvadori Ann. Mus. Genova 1884 p. 276; 1888 p. 319 — O. Grant Ibis 1900 p. 322.
Somaliland.
Salvadori Mem. Acc. Torino 1894 p. 564 — Sharpe Proc. Zool. Soc. London 1895 p. 510. 5
Die Nilgans ist eine häufige Erscheinung in Abessinien. An jedem grösseren Strome, an jedem Flüsschen, auf allen Seen, sogar an den kleinsten Wassertümpeln wurde sie beobachtet. Sehr häufig traf ich sie im Uberschwemmungsgebiet des Hauasch, So auch im südabessinischen Seengebiet. Des Abends baumen die Nilgänse mit Vorliebe auf.
Häufig traf ich sie auch fern vom Wasser auf Wiesen und Ackern, die Paare halten treu zusammen und zeigen sich in der Nähe der Nistplätze sehr vertraulich. Ausser der Brutzeit traf ich auch öfter 10-15 Exemplare, wohl alte Vögel mit ihren flüggen Jungen. Die Nilgänse streichen niedrig über das Wasser, wobei sie stets nahe hintereinander herfliegen.
Aus den verschiedensten Teilen Abessiniens liegen mir Beleg- Exemplare von meiner Reise vor,
Verbreitungsgebiet: Ganz Afrika mit Ausnahme des Nordens (Tunesien, Algerien, Tripolis, Marokko).
Gelege 7 Eier, sehr stark bebrütet, gefunden 23. Okt. 1900 am Flusse Akaki in einem Raubvogelneste 5—6 m hoch.
54 C. v. Erlanger:
Die schönen ovalen Eier von milchweisser Farbe sind sehr elattschalig, fühlen sich aber wie Enteneier fettig an.
64x46 mm 65x46 mm 8,50 g 8,65 8 64x47 mm 61x46 mm 8,50 g 8,30 g 62%X 49 mm 64x41 mm 8,30 g 8,05 g
67x48 mm
Ü ad (4). 9.30 8 Alle Bebrütungsgrad (4)
Plectropterus gambensis (L.)
Finsch und Hartlaub Orn. Afr. 1870 p. 802. P. gambensis.
Heuglin Orn. N. O. Afr. II. 1873 p. 1277. Anser gariepensis.
Reichenow Vögel Afr. 1. 1900-01 p. 134. P. gambensis.
Die Sporengans beobachtete ich häufig im Überschwemmungs- gebiet des Hauasch auf der Reise von Ginir nach Adis-Abeba im August 1900. Grosse Strecken Landes waren durch den aus seinem Bett getretenen Hauasch überschwemmt. Ströme Regens ergossen sich tagtäglich über uns, sodass die Karawane nur ganz kleine Tagemärsche in dem aufgeweichten Gelände machen konnte. X
Das Überschwemmungsgebiet war von einer Unmenge Wasservögel aller Art belebt. Hier beobachtete und sammelte ich ein Pärchen Sporengänse, doch verfaulte leider das Männchen infolge der nassen Witterung, bei welcher die Bälge unmöglich zu trocknen waren.
© Djille Hauasch (Route Ginir-Adis-Abeba) 3. August 1900.
Verbreitungsgebiet: Das tropische Afrika.
Oyanochen cyanopterus (Rüpp.)
Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 129 cum. Tab. 47 — Heuglin Orn. N. OÖ. Afr. 1873 II. p. 1292. Berniclu ceyanoptera.
Reichenow Vögel Afr. I. 1900—01 p. 138. Oyanochen cyanopterus.
‚ Abessinien.
Blanford Geology and Zoology of Abyssinia. 1870 p. 439. B. cyanoptera.
Die Blauflügelgans ist ein häufiger Vogel des abessinischen Hochlandes, woselbst sie in einer Höhe von 2500 m und höher allenthalben vorkommt. Ich beobachtete diese Art meist in Pärchen, zuweilen auch in Flügen auf den Hochplateaux. Ofter sieht man sie auch auf den Viehtriften und Grasflächen nach Nahrung suchen; diese besteht hauptsächlich aus Larven, Enger- lingen, Würmern, kleinen Schnecken und weichen Gräsern.
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 55
Ich begegnete der Art auf der Strecke von Ginir nach Adis-Abeba, sobald ich die Arussi-Galla-Hochebene erreicht hatte. Bei Adis-Abeba und im Gebirgsland Djam-Djam sehr häufig.
gg und 28 sind sich völlig gleich.
Es liegt mir eine Reihe von 8 Exemplaren aus Abessinien und den Gallaländern vor.
Verbreitungsgebiet: Die Hochländer Nord - Ost - Afrikas (Abessinien, Süd-Schoa, Gallaländer).
Haematopus ostralegus L. : Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 118 — Finsch und Hartlaub. Ost-Afr. 1870 p. 665 — Heuglin Nord-Ost-Afr. II. 1873 p. 1039 — Reichenow Vögel Afr. I. 1900—01 p. 140.
Arabien.
Yerbury Ibis 1886 p. 21; 1896 p. 34 — Barnes Ibis 1893 p. 170.
Vom Austernfischer liegt ein Belegexemplar vor, gesammelt am 6. Jan. 1900 an der Küste bei Zeyla.
Der Austernfischer kommt zur Winterzeit nach Afrika und drinst im Westen bis zum Senegal, im Osten südlich bis Mos- sambik vor. |
Glareola pratincola limbata Riüpp.
Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 117 T. 43. Gl. pratincola. Finsch und Hartlaub Ost-Afr. 1870. p. 362. Gl, limbata. Heuglin Orn. N. O. Afr. 1873 p. 980 (partim). Gl. pratincola. Reichenow Vögel Afr. I. 1900-01 p. 144. Gl. fusca.
Abessinien
Blanford Geology and Zoology of Abyssinia (Aves) 1870 - p. 431 — Antinori und Salvadori Ann. Mus. Genova 1873 p. 501. Gl. pratincola.
O. Grant Ibis 1900 p. 329. Rhyacophilus glareola.
Nach Vergleich der von mir an der Ostküste des Somali- landes gesammelten Brachschwalben mit solchen aus den Mittel- - meerländern, Asien und Südafrika ergab sich, dass die von Rüppell 1845 Syst. Uebers. p. 113 Taf. 43 aufgestellte Form „limbata“ beibehalten werden mıuss. Es ist der zoogeographische Vertreter - von Glareola pratincola im tropischen Afrika. In Indien wird ‚die Art durch Glareola orientalis, die zu demselben Formenkreis - gehört, vertreten. Vielleicht haben wir es auch mit mehr zoogeo- graphischen Formen zu tun; jedoch will ich mich vorerst auf
diese 3 Formen beschränken, die sicher feststehen.
Glareola pratincola pratincola (L.) Süd-Europa, Nord-Afrika, Palästina, Turkestan,
56 C. v. Erlanger:
Glareola pratincola orientalis (Leach)
Nord-West-Indien, Süd-Ceylon, Burmah, Tenasserim, Ost- Sibirien.
Glareola pratincola limbata Rüppell
Nord-Ost-, Ost- und Süd-Afrika.
Während die von uns an der Ostküste des Somalilandes gesammelten Brachschwalben etwas kleiner sind, stimmen Exem- plare aus Gegenden südlich des Aquators aus dem tropischen Afrika in den Massen mit Exemplaren der Form „pratincola“ überein, während der dunklere, olivbraune Ton des Gefieders mit den an der Somaliküste gesammelten resp. Nord-Ost-Afrika- nischen Stücken übereinstimmt. Möglicherweise haben wir es also hier noch mit einer weiteren zoogeographischen Form zu tun.
Einer meiner Sammlung angehörenden Reihe von Glareola pratincola pratincola, ges. Blanc Tunis, zufolge, variieren die Flügel 18,6—20,7 cm.
Die Flügellänge der bei Kismayu gesammelten Exemplare variiert 17,1--18,3 cm.
Die Flügellänge der Exemplare einer Reibe aus dem Königl. Mus. aus Gegenden südlich des Aquators: Samml. Emin, Kua Makala No. 30334 — Fülleborn, Rikwa, Kondeland und Ulanga — 0. Neumann, Manjara-See No. 32534, variieren. zwischen 18,6—19,4 cm.
Die von uns an der Küste von Kismayu gesammelten Brach- schwalben wurden alle am 11. und 12. Juli 1901 erlegt; ein Weibchen hatte stark entwickelten Eierstock, ferner wurden 3 ganz junge Exemplare gesammelt, woraus man schliessen darf, dass die Art sicher hier Brutvogel ist.
Wir beobachteten sie häufig auf salzhaltigem Boden in der Nähe der Küste. Hier tummelten sich die Vögel in kleineren Scharen bis zu 12 und mehr Exemplaren, zeigten sich wenig scheu, sodass man sie leicht zu Schuss bekam.
Cursorius gallicus somalensis Shell. (Hierzu Tafel.)
Be. Shelley Ibis 1885 p. 415 — Seebohm. Geogr. Distr. Charadr., I. XI — Reichenow Vögel Afr. 1900—01. I. p. 154.
Arabien. Yerbury Ibis 1886 p. 21. Cursorius sp. inc.
Somaliland., | Shelley Ibis 1885 p. 415 — Salvadori Mem. Acc. Torino
1894 p. 563 — Phillips Ibis 1896 p. 86; 1898 p. 422 — Elliot Field Columb. Mus. Vol. I. Febr. 1897 P.:’62.
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 57
Nach Vergleich der auf meiner Expedition in Nord-Ost- Afrika, ferner auf meiner Reise in Tunesien gesammelten Vögel von Cursorius gallicus mit solchen aus den übrigen Teilen Afrikas ergibt sich, dass wir zur Art Oursorius gallicus (Gm.) 4 Formen bis jetzt als sicher bekannt rechnen müssen, die demselben Formen- kreis angehören und sich in dem zoogeographischen Gebieten er- setzen.
I. Cursorius gallicus gallicus. (Gm.)
Gmelin. S. N. II. 1788 pag. 692. Charadrius gallicus.
Verbreitungsgebiet: Nord-Afrika, Agypten südlich bis Kor- dofan, Persien, Afghanistan.
Vorerst bin ich nicht in der Lage zu entscheiden, ob wir es aus oben angegebenen Örtlichkeiten nicht mit noch mehr zoogeographischen Formen zu tun haben. Infolge mangelnden Vergleichsmaterials bin ich aber genötigt, diese vielleicht vor- handenen Formen unter „gallicus‘‘ Gm. zusammenzuziehen.
Il. Cursorius gallicus somalensis Shelley.
Ibis 1885 pag. 415. Verbreitungsgebiet: Somaliland.
III. Cursorius gallicus littoralis Er!. Verbreitungsgebiet: Küste bei Kismayu, Wituland. (? Britisch- Deutsch-Ost-Afrika ?)
IV. Oursorius gallicus rufus (J. Gd.)
Gould P. Z. S. 1836 pag. 81. Cursorius rufus Gould.
Verbreitungsgebiet: Südafrika nordwärts bis zum Oranje- fluss im Westen und bis Matabeleland im Osten.
ÖCursorius gallicus somalensis Shelley wurde in 6 Exem- plaren gesammelt und zwar 4 Stück auf der Route Zeyla-Djeldessa im nördlichen Somaliland. 2 Exemplare im Süd-Somaliland bei Malka-Re am Fluss Daua.
Die Form ‚Somalensis“ Shelley unterscheidet sich von der Form „Gallicus“ Gm. erstens durch die geringere Grösse, dann durch den etwas dunkleren, mehr aschfarbenen Ton im Gefieder, während, Oursorius gallicus aus Nord-Afrika hellisabellfarben ist. Bei letzterer Form Unterflügel glänzend-schwarz, bei ersterer grauschwarz.
Die Flügellänge bei somalens:s variiert von 12,7—13,3 cm.
Lauf & x ” a N RER Schnabel DE, Die Flügellänge bei gallicus variiert von 14, 7—15,6 „ Lauf „ ” ” ” 5, 2 dd Schnabel & r fr td, ‚0 F
| Oursorius gallicus rufus Gd., abgebildet Gould. Icones Av. - T. 10, ist in seinen Massen oleich der Form somalensis Shelley,
58 C. v. Erlanger:
unterscheidet sich aber von dieser durch den rotbraunen Ton im Gefieder, der besonders auf Bauch, Brust, Hals und Backen zum Vorschein kommt. Nach der Bauchmitte werden die Federn dunkel- braun und bilden einen scharfabgegrenzten Fleck, Unterschwanz- decken weiss.
Von dieser Art befinden sich 2 Exemplare im Königlichen Museum in Berlin vom Kaffernland leg. Krebs.
Cursorius gallicus lVittoralis Erl. (Hierzu Tafel.)
Diagnosis: In Grösse völlig übereinstimmend mit somalensis, nur graubraun anstatt dunkel isabellfarben in der Gesamt- befiederung. Kehle, unterer Teil des Bauches, Unterschwanz- decken, weiss, Stirn rostfarben, Hinterkopf grau, schwarz ge- säumt.
Diese Art wurde von uns in 3 Exemplaren gesammelt und zwar im Küstengebiet von Kismayu. Es ist anzunehmen, dass diese Art von hier südlich bis Britisch- und Deutsch-Ost-Afrika vordringt. Leider sind nähere Angaben über seine Verbreitung vorerst unmöglich. |
Den stark entwickelten Geschlechtsteilen der gesammelten Exemplare zufolge fällt die Brutzeit für das Wituland in den Monat Juli.
gg Kismayu 12. Juli 1901 ” „ 14. „ „
In der Lebensweise gleichen sich alle Formen. Näheres hierüber siehe Heuglin N. Ost-Afrika II. pag 967, 968, ferner Journ. f. Orn. 1900 pag. 54.
Cursorius temmincki SW.
Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 117 — Heuglin N. Ost-Afrika II. 1873, p. 968. CO. senegalensis. Reichenow Vögel Afr. 1900-01 p. 155. C. temminck:. Von dieser Art, die auch nach Heuglin in Nord-Ost-Afrika selten ist, wurden nur 2 Exemplare gesammelt. | g ad. Haramaya-See bei Harar. 30. März 1900. | g med. Kore, Arussi-Gallaland (Strecke Ginir Adis-Abeba) 6. August 1900. | Lefebvre sammelte ein Exemplar bei’ Adua und Heuglin beobachtete die Art einzeln und in Pärchen im April und Mai | am Tana-See. | Heuglin gibt als seinen nächsten Verwandten Cursorius | burchellii Bp. = Cursorius rufus Gd., eine Ansicht, der ich mich keineswegs anschliessen kann, da ich Cursorius rufus als einen | zoogeographischen Vertreter von Cursorius gallicus (Gm.) ansehe, Verbreitungsgebiet: Das ganze tropische Afrika. |
N
2 SEELE Fr ZU ASETEIRS Si
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 59
Rhinoptilus africanus hartingi Sharpe.
Sharpe. Bull. B.O.C. III. 1893 XIV. Kh. hartingi Sharpe.
Reichenow Vögel Afr. I 1900-01 p. 160. Eh. bisignatus hartingt.
Somaliland.
Salvadori Ann. Mus. 1884 p. 273. Cursorius bicinetus.
Shelley Ibis 1895 p. 416. Rh. gracilis.
Elliot Field Columb. Mus. Vol. I. Febr. 1897 p. 62 — Phillips Ibis 1898 p. 422 — Hawker Ibis 1899 p. 80. — Sharpe Proc. Zool. Soc. 1895 p. 513. Rh. hartingi.
NachVergleich der 4 Arten „africanus“ Temm., „sharpei“ Erl., „bisignatus“ Hartl., „hartinge“ Sharpe, liegt es klar auf der Hand, dass wir es mit 3 zoogeographischen Formen ein und derselben Art zu tun haben und zwar
I. KRhinoptilus africanus africanus (Temm.) Verbreitungsgebiet: Süd-West-Afrika.
| II. Rhinoptilus africanus sharpei Erl. Verbreitungsgebiet: Süd-Ost-Afrika.
Il. Rhinoptilus africanus bisignutus (Hartl.) Verbreitungsgebiet: Ost-Afrika.
IV. Rhinoptilus africanus hartingi Sharpe. Verbreitungsgebiet: Somaliland. Rhinoptilus africanus hartingi wurde in 4 Exemplaren ge- sammelt und zwar auf der Strecke von Zeyla nach Djeldessa.
- In ihrem Benehmen und Bewegungen bilden die Rhinoptilus- - Arten ein Bindeglied zwischen dem eigentlichen Charadrius- und
Vanellus-Arten. Man begegnet ihnen auf den sandigen, vegeta- tionslosen, wasserarmen Steppe in Paaren und kleinen Trupps. Beim Herannahen laufen sie eilends davon. Die 2 Eier liegen nach Hilgert ohne jede Unterlage in einer kleinen Vertiefung im Sand.
Rhinoptilus africanus hartingi ist die Wüstenform von Rhinoptilus africanus bisignatus, während bei der Form „bisig- natus“ die Oberseite graubraun ist, ist diese bei „hartingi“
isabellenfarbig, auch auf der Unterseite, ferner an Hals und
Masse:
Brust tritt dieser sandfarbene Ton stark hervor. In den Massen unterscheiden sich beide Formen nicht. Die 5 von mir gesammelten Exemplare tragen folgende
g Dadab. Nord-Somaliland 16. Januar 1900. Flgl. 13,4, Schwl. 7, Lauf 5,5 cm.
© Dadab. Nord-Somaliland 16. Januar 1900. Flgl. 13,4, Schwzl. 6,9, Lauf 4,5 cm.
60 C. v. Erlanger:
© Dadab. Nord-Somaliland. 16. Jauuar 1900. Flgl. 14, Schwzl. 6,9, Lauf 4,7 cm.
Q Djeldabal, Nord-Somaliland. 19. Februar 1900. Flgl. 14, Schwzl. 6,9, Lauf 5 cm.
Q Dabaass. Nord-Somaliland. 20. Febr. 1900.
Flgl. 14,2, Schwzl. 6,9, Lauf 5 cm.
Verbreitungsgebiet: Somaliland.
Vertreter für Ost-Afrika ist Rhinoptilus africanus bisig- natus (Hartl.)
Hartlaub P. Z. S. 1865 pag. 87 Cursorius bisignatus, siehe bei Reichenow Vögel Afrikas 1900-01 I. pag. 160 weitere Literatur und Synonymie.
Bei den Formen von Rhinoptilus africanus verhält es sich, wie ich schon bei so manchen Raubvogelarten des tropischen Afrikas konstatieren konnte, dass sie nach Süden zu an Grösse zunehmen. In Süd-Afrika haben wir ebenfalls zwei zoogeo- graphische Arten, die sich im Süd-Osten und Süd-Westen er- setzen und ihrerseits die ost- und nordost-afrikanischen Formen vertreten.
Auch hier in Süd-Afrika haben wir es mit einer helleren Wüstenform, welche dem Süd-Westen angehört, zu tun.
Sharpe weist schon im Catalog of Birds auf diese Form hin, ohne sie jedoch als eine zoogeographische Form abzutrennen. Nach 4 von Lübbert im Damaraland gesammelten Exemplaren, die ich mit Exemplaren aus dem Südosten verglichen habe, liegt es aber klar auf der Hand, dass die südwestlichen, ariden Steppengebiete, ebenso wie das Somaliland, eine hellere Wüsten- form beherbergen, welche eine Abtrennung erheischt. Ich nenne sie: Rhinoptilus africanus sharpei Erl.
Diese Form wird nur im Südosten durch einen dunkleren, mehr erdbraunen Verwandten vertreten: Rhinoptilus africanus africanus (Temm.) |
Iehinoptilus seebohmi Sharpe.
Sharpe Lay. S. Afr. 1884 p. 656. Rhinoptilus seebohmi.
Heuglin. Stzb. Ak. Wien. 1856 p. 306. Cursorius cinctus. Finsch und Hartl. O. Afr. 1870 p. 630. .Hemerodromus cınctus.
Reichenow. Vögel Afr. 1900—01 p. 160. Ch. cinctus, p. 161 Ch. seebohmi.
Somaliland.
Shelley Ibis 1855 p. 416 — Elliot Field Columb. Mus. Vol. I. Febr. 1897 p. 62 — Phillips Ibis 1898 p. 421 — Sharpe Proc. Zool. Soc. 1895 p. 513. Rhinoptilus cinctus.
Diese Art kam öfter in den Steppen des nördlichen und südlichen Somalilandes sowie der südlichen Gallaländer zur Be- obachtung. Meist begegnet man ihr in Pärchen, welche eilenden
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 61
Laufes dem Verfolger zu entgehen suchen. Von dieser Art wurden 6 Exemplare gesammelt und zwar 3 Exemplare, deren Oberseite graubraun, 3 deren Oberseite rotbraun ist. Im Königl. Museum in Berlin befinden sich leider nur 2 Bälge; der eine gesammelt von OÖ. Neumann, Mkarema 25. Mai 1893, ein rostbraunes Männchen, ferner ein Weibchen, leg. Emin, Ssamuje 14. IX. 90, mit mehr graubrauner Oberseite. Die drei auf meiner Expedition in N. O. Afrika gesammelten Stücke mit graubrauner Oberseite sind Weibchen und stammen alle aus dem Somalilande; von drei Exemplaren mit rostfarbener Oberseite stammen zwei Exemplare von der Strecke El-Uak-Bardera, eines von der Strecke Harar-Ginir, demnach aus Gegenden mehr nach Westen an der Grenze der Gallaländer mit den eigentlichen Somalitiefländern, Vielleicht haben wir es mit 2 zoogeographischen Formen zu tun; jedoch will ich die Frage, zumal mir aus den übrigen Teilen Afrikas so gut wie kein Material vorliegt, vorerst noch offen lassen. Die gesammelten Exemplare stammen aus folgenden Ört- lichkeiten: Mit graukrauner Oberseite Q Aurowin, Nord-Somaliland, 13. Febr. 1900. Q Bir-Kaboba „, ss 18. Febr. 1900. @ Dogge, Süd-Somaliland, 10. Juni 1901. Mit rostbrauner Oberseite @ Gololotta, Arussi-Gallaland (Harar-Ginir.) 9. Jan. 1900. Zu diesem Exemplar fand Hilgert das aus zwei Eiern be- stehende Gelege. Leider musste das Gelege auf der Reise beim Einpacken in Büchsen verloren gegangen sein, da wir es beim - Auspacken der Sammlung in Deutschland nicht vorfanden. In Hilgerts Tagebuch befindet sich über Nest nebst Gelege bei- folgende, nähere Angabe: Auf Marsch nach Gololotta, 9. Jan. Weibchen erlegt, das auf 2 Eiern brütete. Die Eier waren zur Hälfte bebrütet, eines davon, noch im Neste liegend, zerbrochen. Einige kleine, dürre Stengelchen in einer flachen Vertiefung bildeten die Unterlage. gg Abrona. Strecke El-Uak-Bardera, 24. Mai 1901.
Charadrius geofroyi Wagl.
Finsch und Hartlaub Ost-Afr. 1870 IL p. 648 — Heuglin Orn. N. O. Afr. II. 1873 p. 1020 T. XXXIV — Reichenow Vögel. Afr. I. 1900—01 p. 166.
Abessinien.
Blanford. Geology and Zoology of Abyssinia. 1870 p. 428 — Antinori und Salvadori Ann. Mus. Genova 1873. p. 506. Aegi- alitis geoffroyi. | Diesem Regenpfeifer begegnete ich häufig an der Küste _ von Kismayu. Hier wurde er meist in kleinen Flügen, wo er
62 C. v. Erlanger:
in Gesellschaft anderer Strandläufer sich befand, beobachtet und erlegt.
Es liegen mir von dort 6 Belegexemplare vor, welche alle
am 11. Juli erlegt sind. Nach Heuglin Standvogel am Golf von Aden und längs des Roten Meeres, da er ihn daselbst in den Monaten Juni bis November beobachtet hat. Er dürfte demnach auch an der Ostküste des Somalilandes zu den Standvögeln ge- rechnet werden. Bei einem ® ist der Eierstock stark entwickelt gewesen. F Nach Reichenow haben adulte Vögel längs der Halsseiten ein rostfarbenes Band, welches ihnen im Winter fehlt. Bei den von uns im Juli erlegten Exemplaren fehlt dieses Band. Es sind daher wohl alles junge Vögel oder die Brutzeit der Vögel, in der sie ihr Hochzeitskleid tragen, fällt in eine frühere Jahreszeit.
Verbreitungsgebiet: Brutvogel vermutlich im östlichen Asien und Japan. Im Winter Zugvogel in Australien, Indien, Ost- und Süd-Afrika. Standvogel im Golf von Aden, östliche Somaliküste und am Roten Meer.
Charadrius marginatus Vieill.
Finsch und Hartlaub O. Afr. 1870 p. 654 — Reichenow Vögel Afr. IL. 1900-01 p. 170.
Abessinien.
Blanford Geology and Zoology of Abyssinia 1870 p. 429. Ae. niveifrons.
Diese Art ist häufiger Brutvogel an der Küste bei Kismayu. Vom 10.—13. Juli erlegten wir hier mehrere dieser Regenpfeifer, Dadurch, dass ihre Befiederung völlig mit dem Sand an der Küste übereinstimmt, sind sie nur schwer erkennbar. Bei unserem Herannahen liefen sie meist vor uns weg oder drückten sich auf den Boden, wodurch sie sehr schwer aufzufinden waren.
Wir beobachteten sie stets in Pärchen und fällt die Brut- zeit sicher in den Monat Juli, da ihre Geschlechtsteile sehr stark entwickelt waren. Leider gelang es mir trotz eifrigen Suchens nicht, ein Gelege zu finden. Nach Layard brütet diese Art an der Kaplandküste im November und besteht das Gelege aus 2 Eiern. Nach Andersson an der Walfischbucht im April und Mai.
Verbreitungsgebiet: Süd-Ost-, Nord-Ost-Afrika.
Von Interesse ist, dass die Weibchen niemals das schwarze Stirnband haben, welches den Männchen eigen ist, was deutlich aus der mir vorliegenden Suite von Sommervögeln hervorgeht.
Charadrius varius Vieill. Finsch und Hartlaub Ost-Afrika 1870 p. 662. Anm. — Heuglin N.-O.-Afr. II. 1873 p. 1033 Taf. XXXIV. Ch. pecuarius. Reichenow Vögel Afr. I. 1900—01 p. 171. Ch. varius.
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 68
Von dieser Art wurden 2 Pärchen gesammelt.
g 23 Haramaya-See bei Harar 17. März 1900. r Kismayu 14. Juli 1901. % 10. Juli 1901.
In kn Benehmen gleicht Charadrius varius sehr unserem Flussregenpfeifer. Am Haramaya-See wurden die beiden Exem- plare am Ufer erlegt. Bei Kismayu kommt die Art nicht an der Meeresküste vor, sondern sie wurde häufig von uns auf der Strecke von Gobwen nach Kismayu an überschwemmten, salz- haltigen Stellen beobachtet. Hier suchten die Vögel ihre Nahrung, wobei sie in trippelndem Laufe nach Art unseres Flussuferläufers mit dem ganzen Körper wippen.
Verbreitungsgebiet: Das ganze tropische Afrika.
Charadrius hiaticula L.
Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 118. Hiaticula annulata.
Finsch und Hartlaub Ost-Afr. 1870 p. 657 — Heuglin Orn. Nord-Ost-Afr. II. 1873 p. 1026 -- Reichenow Vögel Afr. I. 1900-01. p. 174. Ch. hiaticula.
Somaliland.
Hawker Ibis 1888 p. 80. Aeg. hiaticola.
Der Sandregenpfeifer wurde bis jetzt im tropischen Afrika nur auf dem Zug beobachtet. Es gelang mir, an einem grösseren } Wassertümpel bei Wante (Garre Liwin) Süd-Somaliland, am
16. Mai 1901, ein wohl zusammengehöriges Pärchen zu erlegen, ‚weiches hier zu brüten gedachte. Die Vögel erwiesen sich zu- “ traulich und heimisch, was bei Zugvögeln so leicht nicht der x Fall ist; auch spricht das Datum für diese Annahme. Es ist das erste Mal, dass Oharadrius hiaticula als Brut- ü Ei im tropischen Afrika nachgewiesen worden ist. h Brutgebiet: Nordpolarländer, Europa, Sibirien östlich bis _ zum Baikal-See.
Charadrius dubius Scop. { Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 118. Hlaticula minor. 3 Finsch und Hartlaub Ost-Afrika 1870. II. p. 659 — Heuglin - Orn. Nord-Ost-Afr. II. 1873 p. 1029. Ch. fluviatilis. | Reichenow Vögel Afr. I. 1900—01. p. 175. Ch. dubius.
Abessinien. O. Grant Ibis 1900 p. 330. Aeg. dubius. | Von dieser Art erlegte ich ein Weibchen auf der Insel ‚Gididscha im Abaya-See am 28. Jannar 1901.
Diese Art ist während des Winters über ganz Afrika ver- breitet. Brutvogel in Europa, Sibirien und Japan; wandert von hier im Winter nach Afrika, Indien, den Sundainseln, Molucken und Neu-Guinea.
64 C. v. Erlanger:
Charadrius tricollaris Vieill.
Rüppell Syst. Übers. 1845. p. 118. Hiaticula indica.
Finsch und Hartlaub Ost-Afr. IL. 1870. p. 655 — Heuglin Orn. Nord-Ost-Afrika II. 1873 p. 1027 — Reichenow Vögel Afr. I. 1900—01. p. 176. Ch. tricollaris.
Abessinien.
Blanford Geology and Zoology of Abyssinia 1870 p. 429 — Salvadori Ann. Mus. Genova 1888 p. 309 — Giglioli Ann. Mus. Genova 1888 p. 63. Aeg. tricollaris.
OÖ. Grant Ibis 1900 p. 330. Oxyechus tricollarıs.
Diese Regenpfeiferart ist nach Heuglin Binnenlandvogel, lebt an Flüssen, Bächen, Wassertümpeln und überschwemmtem Gelände. Nach Layard ist er auch an der Meeresküste Brut- vogel. Das Nest besteht in einer kleinen Vertiefung im Sand und enthält bis 5 Eier.
Hilgert erlegte im Hauaschgebiet bei Filoa am 17. und 19. Juli 1900 ein Pärchen, ich am 7. Febr. bei Gumboweren im Nord-Somaliland auf der Strecke von Zeyla nach Djeldessa, ein Männchen.
Verbreitungsgebiet: Nord-Ost-, Ost-, Süd-Ost- und Süd- West-Afrika.
Stephanibyx melanopterus (Cretzschm.)
A Cretzschmar Atlas 1826 p. 46. Taf. 31 — Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 118. Charadrius melanopterus.
Heuglin Orn. N. O. Afr. 1873. p. 1010. Vanellus mela- nopterus.
Reichenow Vögel Afr. 1900—01. I. p. 179. 8£. melanopterus.
Abessinien.
Blanford Geology and Zoology of Abyssinia 1870 p. 429 — Antinori und Salvadori. Ann. Mus. Genova 1873 p. 507. Chettusia | melanoptera. |
Salvadori Ann. Mus. Genova 1888 p. 310 544 — Salvadori Boll. Mus. zool. Anat. comp. Univ. Torino. 1897 No. 287 — OÖ. Grant Ibis 1900 p. 328. Stephanibyx melanopterus. |
Stephanibyxz melanopterus ist Gebirgsvogel, in den Tief- ländern habe ich ihn niemals beobachtet, dagegen ist er auf den hochgelegenen Viehtriften der Gallaländer und Abessiniens, eine häufige Erscheinung. Hier trifft man ihn entweder in Paaren oder kleinen Flügen zwischen dem weidenden Vieh nach Nahrung suchend. Im September sah ich in nächster Nähe von | Adis-Abeba auf den Wiesen und Triften öfter auch grössere Ge- sellschaften von 20 und mehr Exemplaren. Dieses war um so eigentümlicher, als Hilgert auch zur selben Zeit ein ca. 10 Tage
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 65
altes Dunen-Junges sammelte, woraus zu schliessen ist, dass sich noch nicht alle zusammengeschart hatten.
Bei alten Vögeln ist die Iris hellgelb.
Exemplare liegen von der Expedition aus folgenden Lokali- täten vor:
gg 22 Ego und Belaua (Route Djeldessa-Harar) ca. 1500 m über d. M.
°0 Dangasela (Route Ginir-Adis-Abeba ca. 2000 mü.d.M.
© Ladscho (Route Abera-Ginir) ca. 3000 ü. d. M.
Pullus. Adis-Abeba. 2700 m ü. d. M. 11. Sept. 1900.
Verbreitungsgebiet: Die Hochländer Nord-Ost-Afrikas bis zum östlichen Kapland, Arabien.
Stephaniby& coronatus (Bodd.)
Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 117. Vanellus coronatus.
Cabanis v. d. Decken R. III. 1869 p. 46 — Finsch Hart- laub O. Afr. 1870 p. 636. Üheitusia coronata.
Reichenow Vögel Afr. 1900—01. I. p. 180. S£. coronatus.
Somaliland.
3 Shelley Ibis 1885. p. 417. Ch. coronata.
; Salvadori Mem. Acc. Tor. 1894 p. 564 — Elliot Field - Columb. Mus. Vol. 1. Febr. 1897 p. 62 — Phillips Ibis 1898 p
' 422 — Hawker Ibis 1899 p. 80 — Sharpe Proc. Zool. Soc. 1895 p. 514. Stephanibyx coronata. Diesen Vogel traf ich häufig in den Somaliländern. Hier ; sieht man ihn meist in Paaren, öfter auch mehrere beisammen. - Die Pärchen halten treu zusammen. Mit Vorliebe treiben sie sich auf fast vegetationslosen, wasserarmen Steppen umher, sind scheu und vorsichtig und eilen bei der geringsten Störung da- _ von. Erschreckt, fliegen sie auf, wobei sie ein gellendes Geschrei - hören lassen, wodurch sie öfters dem Jäger, der eine Antilopen- _ herde anpirscht, unheilvoll werden und ihm so das Waidmanns- _ heil verderben. Sie ersetzen in dieser Beziehung auf den öden - Steppen den Häher unserer deutschen Waldungen. Die Nahrung a Belt in Insekten, die sie im Antilopen- und Elefanten-Mist _ finden. Nach Vergleich mit ost- und südafrikanischen Exemplaren, von denen im Königl. Museum in Berlin eine grosse Anzahl _ vorhanden ist, ersehe ich, dass die von uns im Somaliland ge- _ sammelten Exemplare im Ton ihres Gefieders auf Flügel, Rücken und Hals isabellfarbenen Anflug haben, wodurch das ganze Ge-
- fieder sehr in’s Gelbliche, Sandfarbene "zieht.
Die ostafrikanischen Vögel sind mehr graubraun, süd-
afrikanische, zumal die westafrikanischen Chettusien, sehr hell in ihrer Gesamtfärbung. Im allgemeinen sind die Unterschiede sehr _ gering und nur an sehr grossem Material ersichtlich. Auf alle Journ. £, Orn. LIII, Jahrg. Januar 1905. 5
Narr;
Pe
66 Ö. v. Erlanger:
Fälle aber ist es in Bezug auf die Systematik wichtig und inter- essant, auf diese Färbungsunterschiede der 3 zoogeographischen Formen hinzuweisen. Auf eine nomenclatorische Abtrennung ver- zichte ich vorerst, da die Unterschiede doch nur sehr gering sind.
Iris orange, Schnabel blassrosa, Beine zinnoberrot.
Beleg-Exemplare liegen von meiner Expedition vor: 5 Exem- plare, gesammelt auf der Route von Zeyla nach Djeldessa (nörd- liches Somaliland.)
g Aurowin. 14. Febr. 1900.
gd Dabaas. 20. Febr. 1900.
dd 8 Artu. 24. Febr. 1900.
gd 2 Ganda-Kore (Strecke Harar-Ginir) 20. Mai 1900. g ©? Fluss Mane (Strecke Ginir-Ganale) 21. März 1901. 9° Handodu (Garre-Liwin) Südsomaliland. 3. Mai 1901.
Verbreitungsgebiet: Die Tiefländer von Süd-, Ost- und Nord- Ost-Afrika.
Ein Ei, dieser Art angehörig, gefunden 20. März 1901 bei Huluko, 4 Tagereisen südlich Ginir (Arussi-Gallaland.)
Die Grundfarbe des mattschaligen Eies ist ein trübes Gelb- lichweiss. Die reichliche Fleckenzeichnung besteht aus grossen und kleinen, dunkelbraunen Flecken, die am stumpfen Pole zu- sammenlaufen und an sich wieder dunkler marmoriert sind. Das Ei steht reichgefleckten Oedicnemus-Eiern sehr nahe. 49X36 mm
2,67 g Hoplopterus spinosus (L.)
Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 117 — Heuglin N. O. Afr. I. 1873 p. 1004 T. XLI — Reichenow Vögel Afr. I. 1900—01. p. 186.
Abessinien. Blanford. Geology and Zoology of Abyssinia 1870 p. 431 —
Salvadori Ann. Mus Genova 1884 p. 274; 1888 p. 310 — O.Grant
Ibis 1900 p. 328. Somaliland.
Salvadori Mem. Acc. Tor. 1894 p. 563 — Sharpe Proc. |
Zool. Soc. 1895 p. 514.
Diese Art traf ich sowohl iin südschoanischen Seengebiet, |
wie in Süd-Somaliland; von Hilgert auf der Route von Harar nach Adis-Abeba im Hauasch-Tal angetroffen und gesammelt.
Die Vögel trifft man meist paarweise oder in kleinen Trupps; einzeln habe ich sie nicht beobachtet. Ihr Lieblingsaufenthalt sind Viehtriften, überschwemmtes und sumpfiges Gelände.
Näheres über Lebensweise und Brutgeschäft siehe bei 7 Reichenow I. pag. 187. Von Interesse ist die muhamedanische Anekdote, welche uns Heuglin erzählt. Der Sporen-Kiebitz wie ! auch viele andere Vogelarten wurden von den Muhamedanern | in ihren Sagenkreis aufgenommen. Die Moslemin erzählen, dass | Allah einst eine grosse Asumah (Freudenfest) gegeben, zu der!
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 67
die ganze Kreatur geladen war. Alle Tiere fanden sich ein mit Ausnahme des Sporenkiebitzes. Endlich nach 3 Tagen erschien auch er und entschuldigte seine Abwesenheit mit Müdigkeit und ‚Schlaf. Der Schöpfer kannte aber sein falsches Herz, verfluchte ihn und seine Nachkommen und sagte: „Nachdem Du meinem Ruf nicht gefolgt und mein Fest verschlafen hast, sollst Du fortan weder Ruhe noch Rast haben.“ Da erwuchsen 2 lange, scharfe Sporen am Rande seiner Schwingen, die den Vogel immer- während peinigen und ihm nicht erlauben, dass er den Kopf unter die Flügel steckt.
Eine andere ägyptische Sage erwähnt Leith Adams, der den Sporen -Kiebitz für den Zrochilus Herodots hielt. siehe auch Burckhard, Nubien pag. 39, ferner Reichenow I. pag. 187. Eine Beobachtung J. M. Cook’s. R
Nach Heuglin fällt die Brutzeit für Agypten in das Früh- jahr. Von Hilgert wurde ein zusammengehöriges Pärchen nebst flüggen Jungen am 22. Juni 1900 bei Dadadschamalka im Hau- aschgebiet erlegt, was demnach mit den Beobachtungen Heuglin’s übereinstimmend ist.
Verbreitungsgebiet: Ost- und Nord-Ost-Afrika, West-Afrika von Senegambien bis zum Niger, Palästina. Seltene Erscheinung in Süd-Ost-Europa.
Sarciophorus tectus (Bodd.)
Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 118. sSarciophorus pileatus. Heuglin N. O. Afr. II. 1873 p. 1008. Hoplopterus tectus. Reichenow Vögel Afr. 1900-01. I. p. 189. $. Zectus.
Tiefländer Abessiniens.
Blanford Geology and Zoology of Abyssinia 1870 p. 430 — Antinori und Salvadori Ann. Mus. Genova 1873 p. 507. S. tectus. Sarciophorus tectus bin ich in den Somaliländern häufig begegnet. Belegexemplare liegen sowohl von der Route Zeyla Djeldessa, als auch aus dem Süd-Somaliland, Route Bardera- Umfudu vor. Man begegnet ihm meist in kleinen Trupps. Sein - Benehmen ist lebhaft und vorsichtig. Es entgeht ihm nichts. Aufgeschreckt fliegen die Vögel kurze Strecken, wobei sie einen _ unserem Kiebitze nicht unähnlichen Ruf ausstossen. Sie sind Bewohner der Steppe und meiden das Hochland. In den Ge- _ birgsgegenden Süd-Schoas und der Gaälla-Länder habe ich diese _ Art nie beobachtet. | Bei den adulten Vögeln ist die Iris gelb, Lappen vor den Augen, hintere Schnabelhälfte und Beine zinnoberrot. Die Nahrung besteht nach Heuglin in Käfern, Larven und Kameel-Läusen. Exemplare liegen von folgenden Fundorten _ meiner Reise vor: Route Zeyla Djeldessa (Nord-Somaliland) - Dadab. 25. Jan. 1900 3 2?
5*
68 6. v. Erlanger:
Dudubassa 4. Febr. 1900. 3? Route Bardera-Umfudu: Malka Re 2. Mai 1901. J!g3? 9?9? Siıdimun 28. Mai 1901. © Malka-Gele-Gedit 2. Juni 1901. 9? Verbreitungsgebiet: Senegambien und die Tiefländer Nord- Ost-Afrikas, Somaliland (? Hauaschgebiet?).
Tylibyc melanocephalus (Rüpp.)
Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 115, 117, Taf. 44 — Heuglin Orn. N. OÖ. Afr. II. 1873 p. 1003. Lobivanellus melanocephalus.
Reichenow Vögel Afr. II. 1900--01. pag. 191. T. melano- cephalus.
Abessinien.
Blanford Geology and Zoology of Abyssinia 1870 p. 430. L. melanocephalus.
O. Grant Ibis 1900 p. 328. Tylibyx melanocephalus.
Von dieser Art habe ich nur ein einziges Exemplar gesammelt, ein Weibchen bei Abakara, Arussi-Gallaland, 13. Febr. 1901 (Strecke Abera-Ginir) und zwar in einer Höhe von ca. 3000 m. Abakara, 2 Tagereisen westlich Ladscho, ist mit der höchste Punkt, der auf der Reise passiert wurde. Hier trieben sich diese Vögel in Pärchen auf den Viehtriften zwischen Maultieren, Pferden und Ochsen herum.
Rüppell fand ihn in Abessinien in einer Höhe von 9000 12000 Fuss ü. d. M. Rüppell fand ihn in Semien, Heuglin in Semien, Begemeder, Dalanta, Blanford in Semien, Wavela, Harris in Schoa, Antinori in Tuor-Hamesch.
Ein weiteres Beleg-Exemplar liegt mir im Königl. Museum in Berlin vor aus der Sammlung des Herzogs Paul von Württem- berg. (Leider ohne nähere Fundortsangabe.)
Verbreitungsgebiet: Die Hochgebirge bezw. die Hoch- und Berg-Länder Nord-Ost-Afrikas.
Oedienemus Temm — Dickfuss.
Nach Durchsicht des Oedicnemus-Materials des hiesigen Königlichen Museums und nach Vergleich mit den in meiner Sammlung befindlichen Reihen aus verschiedenen Örtlichkeiten kam ich zur Erkenntnis, dass wir es mit 2 Arten zu tun haben, welche ihrerseits in den verschiedenen Gebieten ihre zoogeo- graphischen Vertreter haben.
Es sind die beiden Arten I. Oedienemus oedienemus (L.),
II. Oedicnemus capensis Lcht.
Oedienemus oedicnemus (L.) und seine Formen haben stets eine mehr oder minder ausgeprägte Bindenzeichnung auf dem Flügel, je nach der zoogeographischen Form, der sie angehören. Die gesamte Oberseite variiert ebenfalls nach der zoogeogr. Form vom sandgelben Grundton bis zum Dunkelgraubraun; immer aber
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 69
ist dieser mehr oder minder verwaschene Grundton mit Längs- fleckung geziert.
Bei Oedienemus capensis und seinen mir bis jetzt bekannten Formen ist die Flügelbänderung nicht vorhanden, die einzelnen Federn der Oberseite, sowohl des Rückens, der Flügel und des Schwanzes, haben ausser des Längsstreifens, der am Federschaft herläuft, noch eine mehr oder minder breite ausgeprägte Quer- bänderung, je nach der zoogeographischen Form, der das Exem- plar angehört. Hierdurch erhält das ganze Gefieder eine teils ge- bänderte, teils gefleckte Zeichnung. _Auch bei dieser Art variiert der Grundton des Gefieders je nach Örtlichkeit von hell zu dunkel.
Es gibt von beiden Arten sicher noch viel mehr Formen, als die, welche ich nunmehr in meiner Arbeit anführe, die Ja nur wenige sind. Doch sind mir vorerst diese die einzigen sicherstehenden Formen. Um mehr aufzustellen, fehlt mir das geeignete Material, obwohl schon jetzt aus demselben hervorgeht, dass es viel mehr zoogeographische Formen der beiden Arten gibt. Ich lasse‘ es späteren Forschungen vorbehalten, an der Hand grösserer Reihen aus Asien, Zentral-, Süd- und West-Afrika auf diesem nunmehr gelegten Grundstock weiter zu bauen und bin überzeugt, dass das Ergebnis in jeder Weise ein befriedigen- des und wichtiges sein wird.
Zum Formenkreis von Oedicnemus oedienemus (L.) gehören folgende Formen:
a. Oedicnemus oedicnemus oedienemus. (L.) Verbreitungsgebiet: Mittel-Europa.
b. Oedicnemus oedicnemus saharae Rchw. Verbreitungsgebiet: Nord-Afrika (Tunesier, Algerien, Tripoli- tanien).
c. Oedicnemus oedienemus senegalensis Sw. Verbreitungsgebiet: West- Afrika von Senegambien bis Loango Nord-Ost-Afrika; Agypten, Bogosländer, Abessinen, Süd- abessinisches Seengebiet, Hauaschgebiet, Nord-Somaliland.
d. Oedicnemus, oedicnemus vermiculatus Cab. Verbreitungsgebiet: Süd-Somaliland.
e. Oedicnemus oedienemus gularis (Verr.) Verbreitungsgebiet: Süd- und Ost-Afrika.
f. Oedicnemus oedicnemus büttikoferi Rchw. Verbreitungsgebiet: Liberia, Seengebiet (? West-Afrika?).
Zu dem Formenkreis von Oedicnemus capensis gehören
_ folgende mir bis jetzt bekannte Formen:
a. Oedicnemus capensis capensis Lcht.
5 Verbreitungsgebiet: Süd- und Ost-Afrika. (Exemplare aus Süd-Somaliland bilden Übergänge zur Form „affinis“.)
b. Oedienemus capensis affınis Rüpp. Verbreitungsgebiet: Nord-Ost-Afrika, Abessinien, Galla- und Süd-Somaliland. (Exemplare aus Süd-Somaliland bilden Übergänge zur Form „capensis“.)
70 C. v. Erlanger:
c. Oedienemus capensis dodsoni Grant.
Verbreitungsgebiet: Nord-Somaliland. Süd-Arabien.
Südwestafrikanische Exemplare scheinen einigen von Lübbert im Damaraland gesammelten Exemplaren zufolge eine weitere zoogeographische Form zu bilden, die sich von den übrigen Formen durch helleren Grundton in der Befiederung, zumal helle Färbung auf Schulterfedern, Hals, Brust und Schwanz aus- zeichnen. Doch genügt mir das vorliegende Material nicht, um mit Bestimmtheit diese Form aufzustellen.
Oedienemus oedienemus oedienemus (L.)
Reichenow Vögel Afr. 1900—01 I. p. 195. Oed. oedienemus. Sharpe Brit. Catal. XXIV. p. 6. Oed. indicus.
Arabien.
Yerbury Ibis 1886 p. 20; 1896 p. 34 — Barnes Ibis 1893 p. 169. Oedicnemus scolopaw.
Abessinien.
Blanford Geology and Zoology Abyssinia 1870 p. 428 — Antinori und Salvadori Ann. Mus. Genova 1873 p. 505. ed. crepitans.
Somaliland.
Phillips Ibis 1898 p. 421. Oed. scolopax.
Leider fehlte es mir an Material, um mich auf die Art indicus näher einzulassen, ob diese aufrecht zu erhalten ist oder nicht. Sharpe kommt im Catal. XXIV. pag. 7. darauf zu sprechen. Flügel variieren bei indicus 8—9, bei europäischen Vögeln 9—10 mm, Ferner sind auch die Schwingenverhältnisse kleinere. Dass der weisse Fleck auf den 3 Schwungfedern nur bei Stücken der Form indieus vorkommt und nicht auch bei europäischen Exem- plaren, ist nach Sharpe nicht stichhaltig.
Ich ziehe daher das im Hinterland von Aden gesammelte j Exemplar vorerst noch zu oedienemus, woselbst europäische Exem- plare sich auf dem Zuge befinden können. Nach Heuglich ist ja auch diese Art Brutvogel in Agypten und unterscheidet sich nicht von europäischen Exemplaren. a
Dieses alles sind offene Fragen und späteren Forschungen 3 vorbehalten. :
9 El-Hota (Sultanat Lahadsch) Süd-Arabien. 25. Dez. 1899. Flgl. 24, Schwzl. 13,5, Schnabell. v. d. Wachsh. 4,3 cm. 4
| | |
Oedienemus oedicnemus senegalensis’ Sw.
Heuglin N. Ö. Alr. II. 1873 p. 989. Oed. inornatus. Reichenow Vögel Afr. 1900-01 p. 197. Oed. senegalensis.
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 71
Abessinien.
Salvadori Ann. Mus. Genova 1884 p. 274 — O. Grant Ibis 1900 p. 327. Oed. senegalensis.
Vorerst vereinige ich die Form senegalensis und inornatus, da es mir an genügendem Material fehlt, um entscheiden zu können, ob nord-west- und nord-ost-afrikanische Vögel konstante Unterschiede aufweisen. Gegebenenfalls müsste dann für die nordostafrikanische Form der Name inornatus gebraucht werden.
Auch Heuglin kommt zwar auf beide Arten zu sprechen, jedoch identifiziert er senegalensis mit inornatus.
Oedicenemus oedienemus senegalensis ist beträchtlich schwächer in seinen Massen als der typische Oedicnemus von Linne und durch Fehlen der schwarz und weissen Querbinde auf der oberen Reihe der mittleren Flügeldecken unterschieden. Iris, Schnabelbasis, Augenring und Füsse gelb.
Es wurden auf der Expedition 4 Stück dieser Art ge- sammelt:
g Filoa (Hauaschgebiet) 19. Juni 1900.
Flgl. 21,5, Schwzl. 12, Schnabeli. v. d. Wachsh. 5 cm.
© Dadadschamalka (Hauaschgebiet) 25. Juni 1900.
Flgl. 21,5, Schwzl. 11,3, Schnabell. v. d. Wachsh. 4,5 cm.
g Gambo (Seengebiet) Süd-Abessinien. 29. November 1900.
Flgl. 21,6, Schwzl. 13,2, Schnabell. v. d. Wachsh. 4,3 cm.
9 Abaya-See (Seengebiet) Süd-Abessinien. 27. Dez. 1900.
Flgl. 21, Schwzl. 12 cm.
Verbreitungs-Gebiet: _West- Afrika von Senegambien bis Loango, Nord-Ost-Afrika, Agypten, Bogos-Länder, Abessinien, (südabessinisches Seengebiet) Hauaschgebiet, Nord-Somaliland.
Oedienemus oedicnemus vermiculatus Cab.
Cabanis. Journ. f. Orn. 1868 p 413 — Von der Decken’s Reisen III. 1870 p. 66 Taf. XVI — Finsch und Hartlaub Ost- Afr. 1870 p. 622.
Leider wurde bis jetzt die von Cabanis beschriebene und aus den von der Decken’schen Sammlungen stammende Art nicht genügend berücksichtigt und immer mit ostafrikanischen Vögeln zusammengeworfen. Vielleicht liegt der Hauptgrund darin, dass bis jetzt aus dem südlichen Teil des Somalilandes ausser den wenigen Exemplaren v. d. Decken’s kein Material da war, sodass ein Vergleichen mit Stücken aus Ost- und Süd-Afrika unmöglich. Mir gelang es nun, im Süd-Somaliland eine stattliche Reihe von Oedicnemus zu sammeln, und zwar auf der Strecke von Bardera nach Umfudu, also in demselben Gebiet, in dem von der Decken gesammelt hat.
Nach Vergleich nun dieser Stücke mit solchen des Königl. Museums in Berlin aus Ost- und Süd-Afrika ergibt sich, dass wir es hier mit zwei zoogeographischen Vertretern zu tun haben,
72 C. v. Erlanger:
die wir unbedingt trennen müssen. Ich verweise hier auf die vortreffliche Abbildung in v. d. Decken’s Reise 11I. No. XVLI,, woselbst deutlich der gelbliche Ton gekennzeichnet ist, der in dem Gefieder der Süd-Somali-Vögel liegt und diese sofort von ost- und südafrikanischen unterscheidet. Zumal hat die Brust- strichelung isabellfarbenen Ton, ferner die braunen Backen und Nackenfedern, während die Befiederung der ost- und südafrika- nischen Vögel, der Form gularıs angehörend, auf der Oberseite braun mit einem Ton in’s Graubraune ist, was besonders auf Brust, Backen und Nackenfedern, deutlich hervortritt.
Ich verweise hier auf Reichenow, Vögel Afr. 1900-01. I. p. 200., woselbst ebenfalls beide Arten zusammengehalten wurden. Die hier angeführte Literatur bezieht sich mit Ausnahme der von mir oben unter vermiculatus Cab. ausgezogenen Citate auf diese ost- resp. süd-afrikanische Form gularis.
Exemplare dieser Art liegen vor vom Tanganjıka (Böhm), Tanga (Neumann), Kageji (Fischer), Bussissi (Emin), Rikwa (Fülleborn) usw.
Von der Form vermiculatus Cab. wurden auf meiner Reise 8 Exemplare gesammelt und zwar auf der Route von Bardera- Umfudu im südlichen Somaliland am 8. und 9. Juli 1900 am Lagerplatz Lowidu. Bei mehreren Exemplaren, sowohl Männchen wie Weibchen, sind die Geschlechtsteile ziemlich entwickelt ge- wesen, sodass mit Recht angenommen werden kann, dass die Vögel teilweise schon Eier haben konnten, ziemlich sicher aber die Brutzeit in den Monat Juni fällt.
Auch bei dieser Art sind Iris, Augenring und Schnabel- basis gelb, Füsse blasser.
Männchen und Weibchen weisen keine Grössen- Unter- schiede auf.
Die Exemplare variieren in Bezug auf Flgl. 19 — 20,3, Schwzl. 11, Schnabel v. d. Wachsh. 4,8—4,9 cm.
Verbreitungsgebiet: Süd-Somaliland.
Oedienemus capensis capensis (Lecht.)
_ Finsch und Hartlaub Ost-Afrika 1870 p. 624 — Reichenow Vögel Afr. 1900—01. I. p. 198.
Abessinien.
‚ Blanford Geology and Zoology of Abyssinia 1870 p. 428 — Antinori und Salvadori Ann. Mus. Genova 1873 p. 505 — Sal- vadori Boll. Mus. zool. Anat. comp. Univ. Torino 1897 No. 287. Oed. affınis.
Somaliland. OÖ. Grant Ibis 1900 p. 327 — Elliot Field Columb. Mus. Vol. I. Febr. 1897 p. 61 — Phillips Ibis 1898 p. 421 -— Sharpe Proc. Zool. Soc. 1895 p. 513. Oed. affinis. -
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. .73
Die beiden Formen capensis und affınis müssen meiner Ansicht nach unbedingt aufrecht erhalten werden. Ihre Unter- scheidungsmerkmale bestehen darin, dass bei der Form affınıs der Lauf viel kürzer ist als bei capensis, ferner dass die Be- fiederung einen starken, rötlichbrauenen isabellfarbenen Anflug hat, welcher Exemplaren der Form capensis fehlt. Stücke aus den südlichen Gebieten des Somalilandes bilden Übergänge zwischen beiden Formen, indem meist die Befiederung die von affinis ist, aber rotbraun mit isabellfarbenem Anflug; was zumal auf Brust und Hals deutlich zum Vorschein tritt, die Läufe da- gegen länger sind, als die der typischen affınıss und denen von capensis gleichkommen.
Mehrere von Lübbert im Damara-Land, Süd-West-Afrika gesammelte Exemplare haben sehr starken grauen Anflug auf Schulter und Schwanz, sodass wir es hier anscheinend noch mit einer weiteren zoogeographischen Form zu tun haben. Jedoch zögere ich vorerst noch, diese Formen aufzustellen, bis mir mehr Material zur Verfügung steht. Die Unterschiede sind auf alle Fälle geringer und nur an Hand bedeutenden Vergleichmaterials ersichtlich.
Auf meiner Reise wurden 3 Exemplare gesammelt.
? Dagaga, Ennia Gallaland. 25. Mai 1900 typische Oedic- nemus affınıs.
Flgl. 21, Schwzl. 12,4, Laufl. 8,7 cm.
© Wante (Garre-Liwin), Süd-Somaliland. 16. Mai 1901.
Flgl. 22, Schwzl. 13, Laufl. 9,9 cm.
9° Korkoru (Süd-Somaliland) 26. Mai 1901.
Flgl. 22,4, Schwzl. 13, Laufl. 10,4 cm.
Nach Ortlepp erscheinen sie auf der Wanderung in Flügen bis zu 50 Exemplaren. Ich beobachtete sie nur in Pärchen oder einzeln. Andersson traf öfters wandernde Scharen im Damara- land und Namaqualand.
Verbreitungsgebiet: Oedicnemus capensis affınıs Nord-Ost- Afrika. Oedicnemus capensis capensis Ost- und Süd-Afrika.
Oedicnemus capensis dodsoni (Grant)
Ögilvie Grant Bull. Brit. Orn. Club LXVI. 30. Nov. 99 und Ibis 1900 p. 193.
Reichenow Vögel Afr. 1900-01. I. p. 200. Oed. dodsont.
Es ist eine helle Wüstenform, die das südliche Arabien und nördliche Somaliland bewohnt. Die Südgrenze seines Verbreitungs- gebietes ist die Gebirgskette, welche vom Kap Gardafui beginnend bei Harar in die nordöstlichen Ausläufer des schoanischen Gebirgs- landes übergeht.
Von uns gesammelt liegen 4 Exemplare vor.
Q EI Hota (Sultanat Lahadsch) Hinterland von Aden. 26. Dez. 99, ferner 3 Expl. bei Warabot (Strecke Zeyla-Djeldessa) 13. Jan.
74 C. v. Erlanger:
1900 @9%* 3. Der starken Eierstockentwicklung zufolge fällt wohl die Brutzeit dieser Vögel hier in den Monat Januar.
In den Massen stimmt Oedicnemus dodsoni: mit Oedienemus affinis überein.
Himantopus himantopus (L.) Rüppell Syst. Übers. 1845. p. 126. ZH. vulgaris. Finsch und Hartlaub Ost-Afr. 1870 p. 758. Anm. — Heuglin Orn. N. ©. Afr. II. 1873. p. 1177. H. autumnalıs. Reichenow Vögel Afr. I. 1900—01. p. 207. H. himantopus.
Arabien.
Yerbury Ibis 1896 p. 35 — Salvadori Ann. Mus. Genova 1888 p. 311. H. candidus.
O0. Grant Ibis 1900. p. 330. H. himantopus.
Von dieser Art liegen 3 Exemplare vor.
g® Haramaya-See bei Harar. 15. und 16. März 1900.
d ElI-Hota, Süd-Arabien. 22. Dez. 1899.
Nach Heuglin Brutvogel in Nubien, am Tana-See und in den Sümpfen von Sennar und Ost-Kordofan. Emin beobachtete Strandreiter das ganze Jahr hindurch am Albert-Nyanza und vermutet, dass sie auch dort Brutvögel sind. Neumann traf sie zur Brutzeit an den Süsswassersümpfen des Kibaya-Massailandes und im Winter am Manjara-See. |
Verbreitungsgebiet: Süd-Europa, Süd-West- und Mittel- Asıen, Afrika.
Limosa limosa (L.)
Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 125 — Heuglin Orn. N. ©. Afr. II. 1873 p. 1153. L. aegocephala.
Reichenow Vögel Afr. I. 1900-01 p. 213. L. limosa. Von der Uferschnepfe liegt mir ein Exemplar vor. Männchen erlegt 17. März 1900 am Haramaya-See bei Harar. Zur Winterzeit kommt diese Art nach Nord-Ost-Afrika. Von Heuglin am Tana-See beobachtet.
Totanus pugnax (L.) Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 126 — Heuglin N. O. Afr. II. 1873 p. 1180. Fhilomachus pugnax. Reichenow Vögel Afr. I. 1900-01. p. 216. 7. pugnax.
Arabien. Hawker Ibis 1898 p. 376. Machetes pugnaz.
Abessinien. Antinori und Salvadori Ann. Mus. Genova 1873. p. 509 — Salvadori Ann. Mus. Genova 1888 p. 312; Bull. Mus zool. Univ. Torino 1897 No. 287 — O. Grant Ibis 1900. p. 329. M. pugnax.
Er
J Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 75
Brutvogel im mittleren Europa und Asien. Im Winter auf dem Zug in Afrika und Indien. g Haramaya-See bei Harar. 12. März 1900.
Totanus ochropus (L.)
Rüppell Syst. Ubers. 1845. p. 126 — Heuglin Orn. N. O. Afr. 1873 II. p. 1161 — Reichenow Vögel Afr. I. 1900-01. p. 222. | Arabien.
Yerbury Ibis 1886 p. 21; 1896 p. 35 — Barnes Ibis 1873
p. 172. | Abessinien.
Blanford Geology and Zoology of Abyssinia 1870 p. 433 — Salvadori Ann. Mus. Genova 1888 p. 311 — O. Grant Ibis 1900 p. 329 — Phillips Ibis 1898 p. 423. Helodromas ochropus.
Vom Waldwasserläufer liegen mir 3 auf der Expedition gesammelte Beleg-Exemplare vor, davon 2 im Winterkleid.
-g Adis-Abeba. 15. Okt. 1900.
g Harar. 29. Nov. 1900.
Das dritte Exemplar wurde von Hilgert am 4. August 1900 bei Adis-Abeba gesammelt. Der ad. Vogel trägt das Sommer- kleid mit weissen Stricheln und Punkten auf der dunkelgrau- braunen Oberseite.
Bis jetzt wurde der Waldwasserläufer nur als Wintergast in Afrika beobachtet. Es ist der erste Nachweis für ein Vor- kommen daselbst während des Sommers. Wir haben es dem- nach entweder mit einem zurückgebliebenen Vogel zu tun, oder Totanus ochropus ist Brutvogel in Nord-Ost-Afrika. Die sicheren Beweise hierfür fehlen mir leider.
Totanus glareola (L.)
Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 126 — Finsch und Hartlaub Ost-Afr. 1870 p. 750 — Heuglin N. O. Afr. 1I. 1873 p. 1163.
Vom Bruchwasserläufer liegen 2 Exemplare vor:
&g, Haramaya-See bei Harar. 17. März 1900.
Diese Art, Brutvogel in Europa und dem nördlichen Asien, zieht im Winter nach Afrika, Indien, den Sunda-Inseln, Molukken und Australien.
Tringoides hypoleucos (L.)
Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 126. Totanus hypoleucos. Finsch und Hartlaub Ost-Afr. 1870 p. 752. Actitis hypo- eucos.
Reichenow Vögel Afrika. 1900—01. I. p. 224. Tringoides
_ hypoleucos.
|
76 C. v. Erlanger:
Arabien.
Yerbury Ibis 1886 p. 21; 1896 p. 35. Totanus hypoleucus. Barnes Ibis 1893 p. 171. Tringoides hypoleucus.
Abessinien.
Blanford Geology and Zoology of Abyssinia 1870 p. 433. Actitis hypoleucos.
Giglioli Ann. Mus. Genova 1888 p. 64 -- Sharpe Proc. Zool. Soc. 1895 p. 515 — Phillips Ibis 1898 p. 423 — Hawker Ibis 1899 p. 80° — O0. Grant Ibis 1900 p. 328. Tringoides hypoleucus.
Der Flussuferläufer ist über die ganze östliche Erdhälfte verbreitet und scheint auch in den heissen Gebieten Brutvogel zu sein. Die im gemässigten Europa und Asien brütenden Vögel ziehen im Winter nach Afrika, Indien und Australien.
Zur Sommer- wie Winter-Zeit ist Tringoides hypoleucos aus allen Teilen Afrikas nachgewiesen.
Von der Expedition liegen 3 Exemplare vor; es wäre aber möglich gewesen, eine grössere Reihe zu sammeln, da er fast an allen Gewässern getroffen wurde.
Sg Adis-Abeba. 16. Sept. und 13. Okt. 1900.
g Djogu, Arussi-Gallaland. 27. Juli 1900.
Calidris arenaria (L.).
Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 126 — Heuglin Orn. N. O. Afr. 1873. p. 1196 — Reichenow Vögel Afr. 1900—01 I. p. 226. Calidris arenaria.
Arabien.
Yerbury Ibis 1886 p. 21; 1896 p. 35 — Barnes Ibis 1893 D. 172,
Abessinien.
Giglioli Ann. Mus. Genova 1888 p. 63 — Phillips Ibis 1898 p. 423.
Der Sanderling brütet im hohen Norden. Bis jetzt nur des Winters über in ganz Afrika verbreitet gefunden. Merkwürdiger- weise liegen mir 2 Exemplare aus dem Sommer vor, gesammelt an der Küste bei Kismayu:
229 13. und 14. Juli 1901.
Während unseres Aufenthaltes in Kismayu Mitte Juli 1901 beobachteten wir ihn stets in kleinen Flügen; doch liess das Benehmen dieser Vögel den Schluss ziehen, dass sie hier nicht brüten, dies bewies auch die Sektion.
Tringa alpina L.
Finsch und Hartlaub Ost-Afr. 1870 p. 758 — Heuglin Orn. Nord-Ost-Afrika II. 1873 p. 1185. Zringa cinclus.
BD 1
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 77
Reichenow Vögel Afr. 1900—01. I. p. 229. Zringa alpina.
Arabien.
Yerbury Ibis 1886 p. 21. Tringa cinclus.
Barnes Ibis 1893 p. 171 — Yerbury Ibis 1896. p. 35. Tringa alpina.
Abessinien.
Blanford Geology and Zoology of Abyssinia 1870 p. 433. T. cinclus.
Somaliland.
Elliot Field Columb. Mus. Vol. 1. Februar 1897 p. 63. Pelidna alpina.
Brutvogel im Norden Europas und Asiens und bisher nur als Wintervogel aus Nord-Ost-Afrika und Indien bekannt. Auch von dieser Art beobachtete ich kleine Flüge während des Juli 1901 an der Küste bei Kismayu und sammelte ein Belegexemplar. Der Vogel trägt das Winterkleid, wie alle dort beobachteten Vögel.
© Kismayu 13. Juli 1901.
Gallinago media (Frisch).
Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 126 — Heuglin N. O. Afr. II. 1873. p. 1199. G. maior.
Reichenow Vögel Afr. I. 1900—01 p. 235. @. media.
Die Doppelschnepfe brütet in Europa und dem nördlichen Asien, von wo sie im Winter nach den Mittelmeerländern und Afrika auswandert. Es liegen 2 Beleg-Exemplare vor.
g Adis-Abeba. 11. Sept. 1900. g Tschoffedenza. 21. Sept. 1900.
Gallinago nigripennis Bp. Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 123, 126. G. aequatorialis. Finsch und Hartl. Ost-Afr. 1870 p. 769. G. nigripennis. Heuglin Orn. N. O. Afr. II. 1873 p. 1205. G. macrodactyla. Reichenow Vögel Afr. 1900—01. I. p. 236. G. nigripennis.
Abessinien.
Giglioli Ann. Mus. Genova 1888 p. 64. G. aequatorialis.
OÖ. Grant Ibis 1900. p. 330. @. nigripennis.
Gallinago nigripennis ist Brutvogel auf den Hochmooren Abessiniens, woselbst ich öfters Gelegenheit hatte, sie anzutreffen. Ihr Benehmen, ihre Stimme, ihr Flug erinnerte mich sehr an unsere Bekassine. Hilgert gelang es am 5. Juli 1900 ein & zu - erlegen und er entnahm dem Eierstock ein legereifes, präparier- bares Ei. Von dieser Art liegen 6 adulte, während des Juli in
78 6. v. Erlanger:
den Hochländern Schovas und 4 jüngere, während der Monate Oktober und Januar gesammelte Vögel vor.
Die Schnabellänge variiert bei dieser Art:
Flgl. ad. 8 12,5 -.12,7 cm, 99 3132 707
Jüngere Exemplare haben kürzere Schnäbel.
dd 7,3 bis 7,6 cm, 22 7,4.-bis’8 em.
Die Färbung jüngerer Vögel ist auf der Oberseite düsterer und weniger lebhaft als bei den alten Vögeln. Ferner ist die Unterseite bei den jüngeren Vögeln weniger reinweiss, die Weichen- Bänderung mehr auf die ganze Unterseite verteilt und stärker.
Verbreitungsgebiet: Nord-Ost-, Ost- und Süd-Afrika.
Hilgert fand die Schnepfe in mehreren Paaren als Brut- vogel auf der Hochebene bei Adis-Abeba, bei Tschoffedenza. Ich entnehme seinem Tagebuch: Mehrere Paare sind anscheinend Brutvögel in den sumpfigen Wiesen. Sie gehen unweit vor einem auf, schräg in die Höhe steigend, dann jäh schräg herunter- sausend, so das Spiel öfter wiederholend, bis sie endlich wieder mit einer knrzen Schwenkung einfallen.
Wenn sie schräg von oben nach unten stürzen, vernimmt man weithin ein Schnurren, was stoss- resp. ruckweise hervor- gebracht wird. Es lautet ungefähr wie folgende Silben, sehr kurz und weich ausgestossen: Räh, rah, rah, rah. Ich habe es stets nur beim Fluge nach unten gehört, nie beim Aufstieg.
Legereifes Ei von einem am 5. Juli 1900 bei Tschoffedenza erlegten Weibchen ist schön birnförmig. Die Grundfarbe ist hell- gsrüngelb. Ein matt aschgraubrauner Schalen-Fleckenkranz steht am stumpfen Pole, darüber die rotbraune, spärliche Flecken- zeichnung. Von hier aus verteilen sich äussert feine Pünktchen über die Oberfläche, den spitzen Pol unbedeckt lassend. 37x28 mm
0,87 g Rostratula bengalensis (L.)
Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 126 — Finsch und Hartlaub Öst-Afr. 1870. p. 774 — Heuglin Orn. N. O. Afr. II. 1873 p. 1211. Rhynchaea capensis.
Reichenow. Vögel Afr. I. 1900-01. p. 237. KBostratula bengalensis.
Abessinien.
Blanford Geology and Zoology of Abyssinia 1870 p. 432. Rhynchaea bengalensis.
Antinori und Salvadori Ann. Mus. Genova 1873 p. 509 — Salvadori Ann. Mus. Genova 1888 p. 312. Rhynchaea capensis.
Der Rallenschnepfe bin ich bei Wante in der Nähe von El- Uak und bei Hanole am Unterlauf des Ganale begegnet.
Wante ist eine Niederung in der Akaziensteppe, wo sich bei der Regenzeit Wasser ansammelt, das fast das ganze Jahr hin- ' durch anhält. Bei Hanole sind es die Überschwemmungsgebiete
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 79
des Ganale. Schilf und Graskufen inmitten dieser Plätze sind der Lieblingsaufenthalt der Rallenschnepfe. Sie ist da eine ziemlich häufige Erscheinung.
Am besten erlegte ich sie, wenn ich mich vorstellte und die Wassertümpel von einem Trupp meiner Leute durchtreiben liess. Da das Wasser an den tiefsten Stellen höchstens 1 m tief war, auch Krokodile nicht zu befürchten waren, so war dieses ja leicht zu bewerkstelligen. ä
Es gelang mir auf diese Weise, 3 Pärchen zu erlegen. Öfters sah ich sie mit eingezogenem Halse nach Art unserer Strand- läufer die Uferränder absuchen. Da die Sektion ergab, dass die Vögel Eier haben musten, liess ich von meinen Leuten alles genau absuchen, wobei 2 Gelege gefunden wurden, das eine war zum Ausfallen reif, das andere ganz frisch. Jedes Gelege bestand aus 4 Eiern.
Die Nester standen gut gedeckt im Grase, unter kleinen Büschen gut versteckt. Die kleine Mulde war mit Grashalmen und Laub ausgelegt. |
ggg 292 erlegt bei Hanole (Süd-Somaliland) 30. Juni u. 1. Juli 1901. Verbreitungsgebiet: Ganz Afrika südlich der Sa- hara, Vorder- und Hinter-Indien, Süd-China und Japan, Sunda- Inseln und Philippinen.
Leider genügt mir das vorliegende Material nicht, um nach- zuweisen, ob die asiatischen Exemplare sich von afrikanischen unterscheiden. Es scheint mir, als ob bei indischen Vögeln, be- sonders bei den Männchen, die weisse Umsäumung des Auges und der weisse Streif hinter dem Auge stärker und ausgeprägter wäre als bei afrikanischen Rallenschnepfen; jedoch kann dieses auch auf Alters-Unterschieden beruhen. Vorerst fasse ich noch alle unter der Form bengalensis zusammen.
Gelege, 4 Eier, gef. bei Wante auf dem Marsche nach EI- Uak, (Süd-Somaliland) 17. Mai 1901.
Die Grundfarbe der Eier ist ein helles Sandgelb oder Semmelgelb.
Was die Zeichnung anlangt, kann man sagen, dass sie lebhaft gefleckten Kiebitz-Eiern äusserst nahe stehen; doch erstreckt sich die Zeichnung über das ganze Ei fast gleichmässig.
35 X26 mm 35x26 mm
0,86 g 0,88 g Bebrütungs- 36 x 26 mm 36 X 26 mm grad (0). 0,92 g 0,93 g
Otis kori Burch.
Rüppell Mus. Senckenberg II, 1834 p. 213. T. XII — Finsch und Hartlaub O. Afr. 1870 p. 600 — Reichenow Vögel Afr. 1900—01. p. 242 1.
j
80 6. v. Erlanger:
Abessinien (Schoa, Danakil).
? Salvadori Ann. Mus. Genova 1884 p. 273. Chirotis arabs.
Dieser stattlichen, grossen Trappenart bin ich mehrmals in den Gallaländern und im südschoanischen Seengebiet begegnet. Nur in der Nähe des Nestes fand ich sie weniger scheu, sonst hat sie sich äusserst scheu benommen, sodass es kaum möglich war, sie mit der Schrotflinte zu erlegen.
Auf der Route Harar-Ginir ist Hilgert dieser Trappe auch öfter begegnet und fand sie, entgegen meinen Beobachtungen, ver- hältnismässig zutraulich. Unverhofft tauchte sie neben der Kara- wane auf, um sich majestätischen Schrittes zu entfernen und zuerst durch Laufen aus dem Bereiche der Schusswaffe zu kommen. Auf erfolglosen Schuss ging sie bald wieder nieder, war aber dann mit der Schrotflinte nicht mehr zu erreichen. Auf bequeme Büchsenschussweite hielt sie aber stets aus. Büchsenschuss halte ich immer für ratsamer, da ein Schrotschuss aus normaler Ent- fernung recht oft auf diese starken Vögel erfolglos bleibt.
Belegexemplare liegen mir aus folgenden Ortlichkeiten vor:
& Scheikh Abissedimo, Arussi-Gallaland (Strecke Harar- Ginir) 9. Dezember 1900.
Flgl. 76,5, Schwzl. 38,5, Schnabel v. d. Stirn 10,8 cm.
02 Fluss Daroli bei Ginir, Arussi-Gallaland. 13. März 1901.
Flgl. 65, Schwzl. 36, Schnabel v. d. Stirn 8,7 cm.
© Gididscha (Südschoanisches Seengebiet) 27. Dez. 1900.
Flgl. 66, Schwzl. 36, Schnabel v. d. Stirn 9,5 cm.
Verbreitungsgebiet: Nord-Ost, Ost- und Süd-Afrika.
Otis arabs L.
Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 110 — Heuglin N. O. Afr. II. 1873 p. 946 — Reichenow Vögel Afr. 1900-01. I. p. 243.
Abessinien. (Schoa, Danakiil.)
Blanford Geology and Zoology of Abyssinia 1868 p. 427. Salvadori Ann Mus. Genova 1884 p. 273. Chiriotis arabs. Hawker Ibis 1899 p. 79. Eupodotis kori.
Dieser Art begegnete ich im nördlichen Somaliland. Ich traf sie einzeln und in Paaren in der offenen Steppe, woselbst sie wenig Scheu zwischen den Herden ihrer Nahrung nachgingen.
Nach Heuglin brütet diese Trappe am blauen Nil vom August bis Oktober. Das Nest, eine kleine Vertiefung im Sand, enthält 2 glänzende, olivenfarbene, dunkelgefleckte Eier. Nach Vergleich des von mir im Somalilande erlegten Pärchens mit einem Pärchen aus Arabien des Königl. Museums zeigte sich, dass dieselben völlig mit einander übereinstimmten.
$ Dadab (Strecke Zeyla-Djeldessa) 18. Jan. 1900.
Flgl. 62,5, Schwzl. 36, Schnabel v. d. Stirn 7,5 cm.
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 81
© Dadab (Strecke Zeyla-Djeldessa) 21. Jan. 1900.
Flgl. 50,5, Schwzl. 29, Schnabel v. d. Stirn 7,2 cm.
g Arabien leg. Hempr. und Ehr. Kgl. Mus. No. 11983. Flgl. 58,5, Schwzl. 35,5, Schnabel v. d. Stirn 8,2 cm.
Q Arabien leg. Hempr. und Ehr. Kgl. Mus. No. 11980. Flgl. 50,5, Schwzl. 29, Schnabel v. d. Stirn 7,1 cm. Verbreitungsgebiet: Nördliches Somaliland, Danakil, Arabien.
Otis heuglini Hartl.
Finsch und Hartlaub Ost-Afr. 1870 p. 613 — Heuglin N. O. Afr. II, 1873 p. 942 — Reichenow Vögel Afr. I, 1900—01. p. 247.
Somaliland.
Salvadori Atti Acc. Torino 1894 p. 563. Neotis heuglini.
Diese schöne und seltene Trappe wurde von Heuglin auf der Route von Zeyla nach Harar entdeckt, also auf derselben Strecke, auf der wir sie beobachteten und sammelten. Ich sah sie häufig einzeln oder zu 3 und 4 Exemplaren bei Dadab, Bir Kaboba und besonders in den buschigen, vegetationsreichen Ge- bieten, wo sie leicht anzupirschen war. Auch während unseres Marsches über die fast völlig vegetationslose Ebene bei Dambalet kam sie zur Beobachtung. Doch eilte sie stets aus demBereiche der Schussweite.
Es liegen mir 4 auf meiner Reise gesammelte Exemplare vor. © Dadab, Nord-Somaliland (Strecke Zeyla-Djeldessa) 18. Jan. 1900. g So-Omadu 3 „ ch „. 10. Febr. 1900. © Bir-Kaboba n K A SER, 79000 © Djeroko, Garre-Liwin (Strecke Fluss Daua-El-Uak) 12. Mai 1901.
Verbreitungsgebiet: Somaliland.
Otis canicollis canicollis Rehw. (Hierzu Tafel).
Reichenow Vögel Afr. 1900—01. I p. 249.
Somaliland.
Hawker Ibis 1899 p. 79. Trachelotis canicollis.
Nach Vergleich der vier auf meiner Reise gesammelten Exemplare mit solchen des Königl. Museums aus Deutsch-Ost- Afrika ergab sich, dass wir es mit 2 zoogeographischen Formen zu tun haben und die Vögel des Somalilandes eine Abtrennung erheischen.
I. Otis canicollis canicollis (Rehw.)
II Otis canicollis canicollis Erl.
Ein von uns gesammeltes Exemplar vom unteren Ganale (Strecke Umfudu-Gobwen) gehört schon der ostafrikanischen Form
Journ, f. Orn. LIII. Jahrg. Januar 1905. 6
83 ©. v. Erlanger:
an. Das untere Ganalegebiet dürfte demnach der nördlichste Punkt der Verbreitung der Form canicollis sein.
Es liegen mir folgende Exemplare vor:
g Massailand, Ugogo 8. 7. 1890. Berl. Mus.
g Deutsch-Ost-Afr. leg. v. Trotha „, =
g Fanole, Unterlauf des Ganale (Strecke Umfudu-Gobwen) 26. Juni 1901.
Verbreitungsgebiet: Deutsch- & Britisch-Ost- Afrika, nördlich vordringend bis zum Unterlauf des Ganale.
Otis canicollis somaliensis Erl. (Hierzu Tafel).
Salvadori Ann. Genova 1884 p. 214, 258. Otis sene- galensis.
Hawker Ibis 1899 p. 79. Drachelotis canicollis.
Diagnosis: Oberkopf blaugrau von einem schwarzen Rande umsäumt, Stirn schwärzlich, Kopfseiten und Kehle weiss, ein schwarzes Band verläuft von der Stirne über die Zügelgegend unterhalb des Auges, auf der Kehle ein winkelförmiger, schwarzer Fleck. Hals grau, Unterkörper, Unterschwanz- und Unter-Flügel- decken weiss, letztere zum Teil grau verwaschen. Achselfedern schwarz, bisweilen mit weisser Spitze, Oberkörper, Schulterfedern und ÖOberschwanzdecken zum Unterschied der Form canicollis, wo sie schwarz- & gelbbraun sind, schwarz und isabellfarben gewellt. Flügeldeckfedern einfarbig-isabellfarben, nur haben einige längs des Flügelrandes schwache, dunkelbraune Wellenzeichnung. Schwung- federn schwarzbraun, auf der Innenfahne gelblichgrau, die äusseren einfarbig schwarzbraun, die innersten Armschwingen wie der Rücken gewellt. Schwanzfedern fein schwarz- & blassbraun ge- wellt, auf der Innenfahne blasser und grauer, mit 1—2 schwarzen Querbinden und breiter, schwarzer Endbinde.
Der Hauptunterschied zwischen dieser Form und canicollis ist der rostfarbene Ton im Gefieder der Oberseite, der besonders auf den Schultern stark hervortritt.
Es liegen 3 Belegexemplare vor:
g Ganda-Kore bei Harar 20. Mai 1900.
33 Metaker, Ennia-Gallaland (Strecke Harar-Ginir) 13. Mai 1900.
Verbreitungsgebiet: Hauaschtal, Danakil, Somaliland.
Ich war so glücklich, von dieser Art ein Gelege zu finden und zwar im Ennia-Gallalande bei Dagaga, 25. Mai 1900.
Die Grundfarbe der schön glänzenden, etwas grobkörnigen Eier ist ein gesättigtes, gelbliches Olivbraun, die etwas dunklere, verschwommene Fleckenzeichnung geht oft in die Grundfarbe über und ist reichlich über die ganze Oberfläche verteilt.
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 83
Bei dem einen Ei bedeckt die Fleckenzeichnung mehr den stumpfen, bei dem anderen mehr den spitzen Pol.
53x44 mm 53%X43 mm 3 ; 5.30 € ern Bebrütungsgrad (0). | Otis gindiana (Oust.) Reichenow Vögel Afr. 1900-01. I. p. 253.
Somaliland.
Salvadori Atti Acc. Torino 1894 p. 563; Ann. Mus. Ge- nova 1888 p. 543; 1896 p. 45; — Phillips Ibis 1896 p. 86. Lophotis gindiana.
Diese kleine Trappenart ist in den Somaliländern eine weit- verbreitete Erscheinung. Öfters sahen wir die Vögel auf der Steppe, oder sie liefen vor der Karawane im lichten Akazien- wald einher. Sie waren leicht anzuschleichen, wenn man es nur einigermassen verstand, sich gedeckt zu nähern.
Belegexemplare liegen von folgenden Orten vor:
$gd Dadab. Nord -Somaliland. Strecke Zeyla- Djeldessa. 18. Jan. 1900.
9 Djeldabal. Nord-Somaliland. Strecke Zeyla-Djeldessa. 19. Febr. 1900.
g Artu. Nord-Somaliland. Strecke Zeyla - Djeldessa. 25. Febr. 1900.
$° Burka. Land der Gurra. Strecke Ginir - Ganale. 5. April 1901.
© Sidimun. Süd-Somaliland. Strecke EI-Uak - Bardera. 28. Mai 1901.
© Filoa, Hauaschtal. Strecke Harar-Adis-Abeba. 18. Juni 1900.
© Mansundu. Süd-Somaliland. Strecke Umfudu-Gobwen. 4. Juli 1901.
Verbreitungsgebiet: Hauaschgebiet, Somaliländer im Osten, südlich vordringend bis zum Pangani.
Ein Ei, welches wohl dieser Art angehört, wurde bei Djeroko, Land der Garre-Liwin, gefunden. 15. Mai 1901.
Die marmorglänzende Grundfarbe ist ein helles Grünlich- gelb. Zu unterst stehen vereinzelt violettgraue Schalenflecken, darüber gleichmässig verteilt, doch am spitzen Pole etwas weniger zahlreich, die kastanienbraune Fleckenzeichnung. Die Gesamt- zeichnung ist etwas in die Länge gezogen und erinnert an die Zeichnung der Pierocles- Eier. 49x40 mm
3,—— 8.
Otis melanogaster Rüppell. Finsch und Hartlaub Ost-Afr. 1870 p. 614 — Heuglin N. O. Afr. II. 1873 p. 951 — Reichenow Vögel Afr. 1900—01. I. pP. 256. 6*
84 C. v. Erlanget‘:
Abessinien.
Blanford Geology and Zoology of Abyssinia 1870 p. 427 — Salvadori Bull. Mus. zool. Torino. No. 287.
Anfänglich war ich der Ansicht, dass die nordostafrika- nischen Trappen dieser Art von den ostafrikanischen Exemplaren abweichen; wurde jedoch durch das grosse, hier befindliche Material eines anderen belehrt. Die einzelnen Stücke sind grosser individueller Variation unterworfen, welche auf Alter und Jahres- zeit, nicht aber auf zoogeographische Einflüsse zurückzuführen ist. Es ist wahr, dass im allgemeinen nordostafrikanische Exem- plare stärkeren, isabellfarbenen Anflug auf der Oberseite haben, jedoch liegen mir auch gleiche Stücke aus der Massai-Steppe vor. Von Interesse ist ein von mir am unteren Ganale erlegtes Männchen, welches von allen mir vorliegenden Stücken durch die Färbung der Oberseite abweicht.
Die braunschwarzen Mittelflecken sind viel kleiner, sodass sie nur wenig von der übrigen Wellenzeichnung hervortreten, ferner sind diese Flecken nicht gelbbraun, sondern graubraun gesäumt, welches dem Vogel auf der ganzen Oberseite. einen grauen Anflug gibt.
Belegexemplare liegen von der Expedition von folgenden Orten vor:
g Arussi-Gallaland, Route Ginir-Adis-Abeba, 6. August 1900.
Sad Wonda, südschoanisches Seengebiet, 10. und 12. De- zember 1900.
g iuv. Hariro, Ennia-Gallaland, Strecke Harar-Ginir. 31. De- zember 1900.
g iuv. Umfudu. Süd-Somaliland. 20. Juni 1901.
© Fanole. Süd-Somaliland. 26. Juni 1901.
gd°? Bua, Süd-Somaliland. 28. Juni 1901.
Verbreitungsgebiet: Der grösste Teil des afrikanischen Kontinents.
Grus grus (L.)
Rüppell Syst. Übers. 1865 p. 120 — Heuglin Orn. N. O. Afr. II. 1873 p. 1250. Grus cinerea. Reichenow Vögel Afr. I. 1900—01 p. 361. Grus grus.
Abessinien.
Salvadori Ann. Mus. Genova 1888 p. 313. Grus communis.
Der europäische Kranich zieht im Winter nach Nord-Ost- Afrika, wo man ihn von November bis Februar antrifft, teils einzeln, teils in grossen Flügen.
Beleg-Exemplar: @ iuv. Fluss Akaki bei Adis-Abeba. 10. No. vember 1900.
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 85
Balearica pavonina (L.)
Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 120 — Heuglin Orn. N. O. Afr. II. 1873 p. 1258 — Finsch und Hartlaub Ost-Afr. 1870. p. 667 — Reichenow Vögel Afr. I. 1900-01 p. 264.
Abessinien.
Salvadori Ann. Mus. Genova 1884, p. 226; 1888 p. 313.
Am 3. August 1900 beobachteten wir mehrere Flüge von Kronenkranichen im Überschwemmungsgebiet des Hauasch bei Djille und ich erlegte zum Beleg ein Exemplar.
Actophilus africanus (Gm.)
Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 126 — Finsch & Hartlaub Ost-Afr. 1870. p. 781 — Heuglin Orn. N. O. Afr. II. 1873 p. 1216. FParra africana.
Reichenow Vögel Afr. I. 1900—01. p. 267. Actophilus africanus.
Das afrikanische Blatthühnchen wurde öfters auf der Reise an geeigneten Lokalitäten beobachtet und gesammelt. Uberaus zahlreich ist es auf dem Uberschwemmungsgebiet des oberen Hauasch. Ferner beobachtete ich es an mehreren Stellen des Suai-, Abassa- und Abaja-See, an dem die Ufer mit Schilf und Binsen reichlich bewachsen waren; auch auf den Sümpfen auf der Insel Goscha war es eine häufige Erscheinung. Es gewährt einen schönen Anblick, wenn dieser lebhafte Vogel niedrig, halb flatternd, halb laufend, sich über die Wasserpflanzen fortbewegt. Die Flügel werden dabei öfter über dem Rücken zusammen- geschlagen.
Ich beobachtete sie paarweise und in kleineren Gesell- schaften. Sind mehrere beisammen, so nimmt das Zanken kein Ende, fortwährend laufen und fliegen sie über den Wasser- pflanzen einander nach.
Die Iris ist braun, Schnabel, Stirn und Füsse matt bleiblau. Je älter die Vögel sind, desto mehr verändert sich das Gelb des Kopfes in Goldgelb. Bei jüngeren Vögeln ist der Unter- körper weiss.
Nach der Entwicklung der Eierstöcke zu schliessen fällt = Brutzeit für Abessinien in den Monat August.
Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über das ganze äthiopische Gebiet vom 12.° nördl. Breite im Nord-Osten und Gambia im Nord-Westen zum Kapland.
Es liegen folgende, auf meiner Reise gesammelten Exem- _ plare vor:
g 2°?9° Djille, Strecke Ginir-Adis-Abeba. 2. August 1900. g Abaya-See. 29. Dez. 1900.
Q med. Abaya-See. 27. Dez. 1900.
09 Bua, Süd-Somaliland (Insel Goscha). 27. Juni 1901. Q Heleschid, " Es 5 5. Juli 1901.
86 C. v. Erlanger:
Rougetius rougeti (Gu£r.)
Rüppell Syst. Übers. 1845. p. 127, 128, Tab. 46. Kallus abyssinicus.
Heuglin N. O. Afr. Il. 1873. p. 1248. Eulabeornis rougeti.
Reichenow Vögel Afr. I. 1900—01. p. 275. ARougetius rougelti.
Abessinien.
Blanford Geology & Zoology of Abyssinia 1870. p. 433 — Salvadori Ann. Mus. Genova 1888. p. 312. ARallus rougelti.
OÖ. Grant Ibis 1900 p. 331. Kougetius rougelti.
Diese Ralle ist in Djam-Djam und auf der Route Abera- Ginir auf den hohen Gebirgen häufig von uns beobachtet worden. Sie ist wie alle ihre Gattungsverwandten ein äusserst versteckt lebender Vogel und kommt daher dem Jäger nur selten zu Ge- sicht. Ihre Heimat sind Wasserlachen und Hochmoore auf den abessinischen Hochgebirgsmatten, durch die sich die kleinen Ge- birgsbäche hindurchschlängeln. Besonders des Morgens bei Sonnenaufgang und des Abends bei Sonnenuntergang ist sie rege und lässt langgezogene, pfeifende Töne vernehmen; diesen muss man nachgehen und sich unbeweglich in der Nähe postieren. Man wird dann bald Gelegenheit haben, sie aus ihrem Versteck herausschlüpfen zu sehen. Ich beobachtete sie, wie sie im seichten Wasser von Stein zu Stein hüpfte, um Krabben und Wasserkäfer aus dem Wasser aufzunehmen. Öfters sah ich sie furchtlos wie ein Cinclus mitten in einem Wasserfalle untertauchen, um gleich
darauf wieder im ruhigen Wasser zum Vorschein zu kommen.
Sie ist äussert vorsichtig und die kleinste Bewegung oder das geringste Geräusch macht sie ängstlich, sodass oft ein stunden- langes Ansitzen erfolglos ist.
Sie heisst im Volksmund der Abessinier der Teufelsvogel.
Die Geschlechter sind einander gleich.
Die Iris der adulten Vögel ist lebhaft rot. Mageninhalt der gesammelten Exemplare bestand aus Wasserkäfern, Krabben und kleinen Schnecken. Ich bin ihr stets nur in einer Höhe von 2500 m und darüber begegnet.
Ausserst häufig war sie in den Gebirgen Djam-Djams, ferner bei Ladcho auf der Strecke Abera-Ginir. Bei Adis-Abeba habe ich zwar mehrmals ihren Ruf vernommen, niemals aber eine zu Gesicht bekommen. Auf meiner Reise wurden 7 Exemplare ge- sammelt.
5 Darassa, Djam-Djam. 21. Januar 1901.
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3 Arbadule (Strecke Abera-Ginir) 1. Febr. 1901.
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Be -
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 87
Heuglin traf sie meist in Familien bis zu 6 Exemplaren und im Oktober und November flügge Junge.
Verbreitungs-Gebiet: Abessinien und die Gebirgsländer der Galla.
Der südlichste Punkt, woselbst die Art nachgewiesen wurde, ist Djam-Djam.
RBRallus caerulescens Gm.
Finsch & Hartlaub Ost-Afr. 1870. p. 777 — Reichenow Vögel Afr. I. 1900-01. p. 275.
Wie unsere Wasserralle, so ist auch die afrikanische ein äusserst versteckt lebender Geselle, und es ist wohl nur einem Zufall zu verdanken, wenn man sie zu Gesicht bekommt oder wohl gar das Glück hat, sie zu erlegen.
Hilgert erlegte am 5. Juli 1900 auf der sumpfigen Hoch- ebene bei Tschoffedenza, 1!/, Tagereise vor Adis-Abeba, ein altes Männchen mit sehr stark entwickelten Genitalien. Hiernach zu schliessen, hätten wir es mit einem Brutvogel zu tun. Leider gelang es ihm nicht, dass dazugehörige Weibchen zu sammeln, welches sehr wahrscheinlich auf den Eiern sass. Tschoffedenza liegt in einer Höhe von ca. 2000 m ü. d. M.
Bis jetzt war diese Ralle nur aus Süd-Afrika bekannt und zwar im Osten nordwärts bis Kakoma, im Westen bis Malandje, ferner auf St. Thomas nachgewiesen. Tschoffedenza ist somit der nördlichste Punkt, der für das Verbreitungsgebiet dieser Art nachgewiesen ist.
Bei alten Exemplaren ist dem vorliegenden Stück zufolge der ganze Schnabel orangerot, die Spitze hellhornfarben.
Limnocorax niger (Gm.)
Finsch & Hartlaub Ost-Afr. 1870 p. 779 — Heuglin N. O. Afr. II. 1873 p. 1237. Ortygometra nigra.
Reichenow Vögel Afr. I. 1900—01. p. 279. Limnocorax niger.
Limnocoraz niger wurde in 4 Exemplaren gesammelt. Es lebt in Sümpfen, in mit Gras bewachsenen Wassertümpeln, schilfreichen, ruhig fliessenden Gewässern, am Rande schilfreicher Seen usw., kurz, ein weitverbreiter Vogel, der aber wegen seines versteckten Lebens oft übersehen wird. Besonders des Morgens und Abends werden sie lebhafter und zeigen sich mehr an freien Stellen, wogegen sie tagsüber stets im Gras und Schilf verborgen bleiben. Man trifft sie meist nur paarweise. Böhm fand das Gelege mit 5 Eiern am 21. Mai. Ich war leider nicht so glück- lich, ein Gelege zu erbeuten. Im Winterkleid hat das schwarze Gefieder olivgrauen Anflug, wogegen es im Sommer glänzend schwarz ist. Ferner sind zur Winterzeit die Füsse braunrot, zur Sommerszeit korallrot. Schnabel zu allen Jahreszeiten schwefelgelb, um das Auge ein grüner und roter Ring.
88 C. v. Erlanger:
Hilgert, der dieses Sumpfhühnchen im Hauasch sammelte und auch Gelegenheit hatte, es eingehend zu beobachten, fand es durchaus nicht scheu und versteckt lebend, im Gegenteil ganz zutraulich.
Die in meiner Sammlung befindlichen Exemplare entstammen folgenden Lokalitäten:
5 med. Abaya-See. 27. Dez. 1900.
Q ad. „ „ 27. „ „
gg ad. Filoa, Hauaschgebiet. 17. Juni 1900.
Das Verbreitungsgebiet des schwarzen Teichhuhns erstreckt sich über ganz Afrika nordwärts bis zum Gambia und zum 13. nördl. Breite im Nordosten.
Porphyrio porphyrio (L.)
Rüppell Syst. Übers. 1845 p. 128. Porphyrio hyacinthinus.
Finsch & Hartlaub Ost-Afr. 1870 p. 783 — Heuglin Orn. N. O. Afr. II. 1873 p. 1230. P. smaragnotus.
Reichenow Vögel Afr. I. 1900-01 p. 290. P. porphyrio.
Dem tropischen Purpurhuhn bin ich im südschoanischen Seengebiet öfter begegnet, versäumte aber leider, mehr als ein Exemplar zu sammeln. Dasselbe wurde am 27. Dez. 1900 am Abaya-See erlegt. Die Art ausserdem am Abassi- und Suaisee beobachtet. |
Latham trennt die Madagaskarvögel als zoogeographische Form madagascariensis ab und zwar gibt er als Unterscheidungs- merkmal von der Festlandsform die längeren Füsse und Zehen und den stärkeren, längeren Schnabel an. Aus dem mir vor- liegenden Material aus Nord-Ost-, Ost- und Süd-Afrika, ferner aus Madagaskar ergibt sich, dass wir es in der Tat hier mit einer zoogeographischen Form zu tun haben; jedoch sind die Längenunterschiede der Füsse und Zehen nicht stichhaltig, während der stärkere und längere Schnabel bei den Madagaskar- Vögeln konstant ist. Auch die südafrikanischen Vögel besitzen zum Unterschiede der ost- und nord-ost-afrikanischen diesen stärkeren Schnabel. Wir müssen demnach folgende zoogeo- graphische Formen des Purpurhuhns unterscheiden: Porphyrio porphyrio porphyrio, Nord-Ost- und Ost-Afrika.
. Porphyrio porphyrio smaragnotus, Süd-Afrika und Mada- gaskar.
Porphyrio porphyrio coerulens, Mittelmeersubregion.
Porphyrio porphyrio chloronothos, Kaukasus, Mesopotamien, Afghanistan, Indien.
Es gibt noch mehr Formen dieser Art, jedoch liegt die Heimat dieser Arten ausserhalb meines Bearbeitungsgebietes, weshalb ich hier nicht darauf zurückkomme.
Hauptunterscheidungsmerkmale der hier aufgeführten zoo- geographische Formen sind folgende:
Bei Porphyrio porphyrio porphyrio sind Rücken und Schulter-
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 89
federn olivgrün, Flügel kobaltblau. Schnabellänge, Kopfplatte mit einbegriffen, variiert zwischen 5,4—6,8 cm. Schnabeldicke am Kopfansatz zwischen 2,4—3 cm. Dieser Unterschied kann sich auch, und diese Annahme scheint mir am wahrscheinlich- sten, auf Geschlechtsunterschiede beziehen, indem die schmäleren Schnäbel den Weibchen angehören.
Bei Porphyrio porphyrio smaragnotus, dessen Befiederung und Grössenverhältnisse mit voriger Form übereinstimmen, variiert die Schnabellänge, Kopfplatte mit einbegriffen, zwischen 6,6—6,9 cm, Schnabeldicke am Kopfansatz zwischen 2,6—3 cm.
Bei Porphyrio porphyrio coerulens sind Rücken und Schulter- federn, wie das übrige Gefieder, kobaltblau.
In meiner Sammlung befindet sich ein von Blanc in Tunis gesammeltes Exemplar, welches einen deutlichen Übergang zur Kaukasus- resp. mesopotamischen Form bildet, indem die Flügel, Brust und Hals grünlichblauen Anflug haben, Backen und der obere Teil des Halses, zumal nach dem Hinterkopfe zu, grau angeflogen sind. Dieses Exemplar hat auffallend starke Masse. Schnabellänge, Kopfplatte mit einbegrifien, variiert zwischen 6,3—7,6 cm, Schnabeldicke 2,8—3,2 cm.
Bei Porphyrio porphyrio spolvocephalus sind Flügel und Schulterfedern grau, Brust und Unterhals blaugrau, Nacken und Oberhals, besonders nach dem Hinterkopf zu, und Backen bläu- lich mit starkem, grauem Anflug. Die Masse dieser Form stimmen mit denen der vorigen überein.
Leider genügen die mir vorliegenden Suiten nicht, um noch eingehender auf diese interessanten Formen hinzuweisen, und behalte ich mir vor, später an der Hand grösseren Materials darauf zurückzukommen.
Gallinula chloropus (L.)
Rüppell Syst. Übers. 1845. p. 123 — Finsch & Hartlaub Öst-Afr. 1870. p. 787 — Heuglin N. O. Afr. II. 1873. p. 1224 — Reichenow Vögel Afr. II. 1900—01 p. 294.
Abessinien.
Blanford Geology and Zoology of Abyssinia 1870 p. 434 — Salvadori Ann. Mus. Genova 1888 p. 313.
Das grünfüssige Teichhuhn ist nach Heuglin Zugvogel in Nord-Ost-Afrika und an der arabischen Küste von Oktober bis März. Nach Reichenow Standvogel in ganz Afrika. Heuglin beobachtete die Art einzeln und paarweise noch im April und Maı im Hochland von Habesch, sowie im Nildelta, sodass von ihm angenommen wird, dass es hierselbst auch Brutvogel sein kann.
Ich beobachtete es öfter im Monat März am Haramaya- See und sammelte zum Beleg ein Exemplar.
i
90 C. v. Erlanger:
0° Haramaya-See bei Harar. 15. März 1900. Flgl. 16, Schwzl. 8,2, Schnabell. mit Stirnplatte 3,8 cm.
Gallinula angulata Sund.
Reichenow Vögel I. 1900—01. p. 295.
Diesem zierlichen Teichhühnchen bin ich erst im Süd- Somaliland begegnet und zwar im Land der Garre-Liwin, Route Fluss Daua-El-Uak. Hier ist es Brutvogel an den Wasser- tümpeln der tiefgelegenen Stellen im lichten Akazienwalde, wo- selbst sich während der Regenzeit das Wasser ansammelt und fast bis zur nächsten Regenzeit anhält. Dieses sind die einzigen Wasserplätze des ganzen Gebietes, infolgedessen ist die Vege- tation an diesen Stellen eine reichere. Binsen und hohes Gras an den Rändern der Wasserlöcher bilden geeignete Brutplätze und Schlupfwinkel. Es gelang mir, auf einem grasigen Hügel inmitten des Wassers ein Gelege mit 4 Eiern zu finden. Das Nest stand auf der Erde zwischen dem Gras, gut versteckt an- gebracht, und war aus trockenen Grashalmen errichtet.
g? Wante nn Süd-Somaliland. 16. Mai 1901.
4 s 17. Mai 1901.
Iris römischer Oker, Füsse gelblichweiss, Schnabel gelb, Kopfplatte und Füsse rot.
In seinem Benehmen und seiner Stimme gleicht das Teich- huhn völlig unserem grünfüssigen Teichhuhn.
Auf dem hiesigen Königl. Museum befinden sich zwei von Eriksson in Süd-Afrika gesammelte gg, ein 2 liegt auch hier nicht vor.
Die Art ist bis jetzt nur aus Süd-Afrika und im Osten nördlich bis zum Pangani nachgewiesen; das Süd-Somaliland dürfte demnach der nördlichste Punkt seines Verbreitungs- gebietes im Osten sein.
Ferner ist es auch aus West-Afrika bekannt.
Gelege 4 Eier, gefunden Wante, im Lande der Garre-Liwin. 17. Mai 1901.
Die Grundfarbe der glattschaligen, schönglänzenden, ovalen Eier ist ein helles Gelblichweiss, ganz vereinzelt stehende, rot- braune, grössere und kleinere Punkte bilden die spärliche Flecken- zeichnung.
35x24 mm 35%24 mm
0,73 8 0,72 g t 34%X23,5 mm 34,523 mm Bebrütungsgrad (0). 0,67 g 0,63 g
Fulica cristata Gm.
Rüppel Syst. Übers. 1845 p. 128 — Heuglin Orn. N. O. Afr. I. 1873 p. 1222 — Reichenow Vögel Afr. I. 1900—01. p. 296.
Be >
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 91
Abessinien.
Blanford Geology & Zoology of Abyssinia 1870 p. 434 — Salvadori Ann. Mus. Genova 1884 p. 274; 1888 p. 313 — Giglioli Ann. Mus. Genova 1888 p. 62.
Somaliland.
Salvadori Mem. Acc. Tor. 1894 p. 564 — Sharpe Proc. Zool. Soc. 1895 p. 516.
Das gehörnte Wasserhuhn ist häufiger Brutvogel auf dem Haramaya-See bei Harar. Ich konnte sie in Pärchen und grösseren Gesellschaften beobachten. Es bevorzugt die seichteren Ufer, die Wasserpflanzen und etwas Vegetation aufweisen, woselbst es nach Art unseres Wasserhuhnes fortwährend in Zank und Streit mit seinesgleichen lebt.
Im Monat April fand Hilgert auf der Reise von Harar nach Adis-Abeba die Vögel beim Brutgeschäft. Die Nester werden, ähnlich wie die unserer Steissfüsse, auf schwimmenden Wasser- pflanzen errichtet, und zwar brütet immer eine ganze Anzahl von Pärchen in nächster Nähe beisammen.
Es liegen mir 2 Belegexemplare vor.
09 15. & 16. März 1900.
Das Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich über Nord- Ost, Ost- & Süd-Afrika. Im Westen nördlich bis zum Katum- bella, ferner auf Madagaskar.
Gelege von 3 Eiern, ges. auf dem Haramaya-Sce bei Harar, 17. April 1900. Die rauhschaligen, schön-ovalen Eier sind matt- glänzend, ihre Grundfarbe ist ein helles, schmutziges Hellhraun bezw. blasses Lehmgelb. Einzelne grössere schwarzbraune Punkte und unzählige kleine, feine Spritzer bilden die Fleckenzeichnung, die am spitzen Pole spärlicher auftritt.
57 X 38 mm 3,90 56 38 mm e
56 X en a Bebrütungsgrad (3). 3,85 &.
Gelege von 4 Eiern, ebenda gesammelt, decken sich mit obigen, was Farbe und Zeichnung anbetrifft. 56 X 36 mm 54,5 x 36 mm 3,64 g 3,64 g \ 53 X 36 mm 52% 36,5 mm Bebrütungsgrad (0). 3,62 g 3,58 g
Turnix lepurana (A. Sm.) Finsch & Hartlaub Ost.-Afr. 1870 p. 593 — Heuglin N. O. Afr. II. 1873 p. 910 — Reichenow Vögel Afr. 1900—01. p. 301. Diesem Laufhühnchen sind wir in denselben Gegenden be- gegnet, woselbst sich Coturnix delegorguei in grossen Mengen vor-
|
92 C. v. Erlanger:
fand. Die grasreichen Steppen des Süd-Somalilandes, welche wir in den Monaten Mai und Juni 1901 passierten, sind seine Heimat. Wenn auch schwerer als die Wachteln, war es doch in den grasigen Steppen hochzubringen, wobei sie niedrig flatternden Fluges über die Grasfläche dahinstrichen, um nach kurzen Strecken wieder einzufallen. Hat man sich einen solchen Platz gemerkt und ist schnell darauf losgegangen, so konnte man sie gewöhnlich hier wieder leicht aufscheuchen.
Neben einer schönen Reihe von Exemplaren gelang es uns auch, mehrere Gelege zu erbeuten. Die Brutzeit fällt demnach für das Süd-Somaliland in den Monat Mai. Das Gelege besteht aus 4 Eiern.
Die Iris der alten Vögel ist blassgelb, Schnabel hellhorn- farben, auf der First dunkel, Beine fleischfarben. Die Weibchen sind bedeutend stärker als die Männchen
Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über das ganze tro- pische Afrika.
2 Gelege zu je 4 Eier wurden im Lande der Garre-Liwin, Süd-Somaliland, gefunden. Beide Gelege waren derart bebrütet, dass die Jungen am Ausschlüpfen waren; eine Gewichtsangabe muss deshalb unterbleiben.
Ohne den Vogel beim Nest zu erlegen, würde man leicht zu dem Schlusse kommen, das Gelege für ein Lerchengelege zu halten, da die Eier besonders den Kalanderlerchen-Eiern sehr nahe stehen. Sie sind auf trübgelblichweissem Grunde über und über graubraun gepunktet. Zwischendurch stehen auch blass- rötliche und aschgraue Schalenflecken. Wie schon gesagt, sind sie von Lercheneiern kaum zu unterscheiden.
Gelege 4 Eier, gef. Karo-Lola, Land der Garre-Liwin, 5 Mai 1901.
24x18 mm 22X17 mm
25 x. 18. um} . 23 x 17mm
Mer _. Ra mm Bebrütungsgrad (5) 24x18 mm 22% 16,5 mm
Bei dem am 5. Mai gefundenen Gelege befand sich auch ein zugelegtes Ei von Ooturniz delegorguei,.
Pterocles decoratus ellenbecki Erl. (Hierzu Tafel).
Salvadori Mem. Acc. Torino 1894 p. 561 — Sharpe Proc. Zool. Soc. 1895 p. 519. Pterocles decoratus.
Nach Vergleich der 5 von mir im Süd-Somaliland gesammelten Exemplare mit den Typen der Art, Berl. Mus. No. 19025, 19026, leg. von der Decken am See Jipe, ferner mit mehreren von C. G. Schillings auf seiner Expedition in Deutsch-Ost-Afrika, Mai 1903, gesammelten Exemplaren, stellte es sich heraus, dass die
Somalivögel auf der Oberseite viel heller, mehr isabellfarben ge-
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 98
färbt sind, und eine von der typischen Art abändernde, Z00ge0- graphische Form bilden. Ich benenne die Form zu Ehren des mich auf meiner Expedition begleitenden Arztes.
Wir müssen demnach folgende 2 zoogeographische Formen der Art unterscheiden. |
I. Pierocles decoratus decoratus Cab.
Verbreitungsgebiet: Deutsch-Ost-Afrika (am Fluss des Kili- mandscharo.)
II. Pterocles decoratus ellenbecki Erl. =
Verbreitungsgebiet: Süd-Somaliland, Wituland.
Diagnosis: Unterscheidet sich von Pierocles decoratus Cab. durch die hellere, mehr isabellfarbene Oberseite.
Iris braun, Augenring gelblichweiss, Schnabel grauschwarz, Füsse grünlichgelb. |
Typus: 3 Sidimun, Süd-Somaliland, 28. Mai 1901.
Ausserdem wurden noch 3 weitere Exemplare gesammelt:
dd Sidimun, Süd-Sonaliland, 28. Mai 1901. © Kismayu, Ostküste des Süd-Somalilandes, 15. Juli 1901.
Pterocles lichtensteini lichtensteini Temm. (Hierzu Tafel).
Rüppell N. W. 1835 p. 114; Syst. Übers. 1845 p. 106 — Finsch & Hartlaub 1870 p. 563 — Heuglin N. O.-Afr. IL 1873 D- 865 — Reichenow Vögel Afr. I. 1900—01. p. 311.
Arabien. Yerbury Ibis 1886 p. 19; 1896 p. 31 — Barnes Ibis 1893
p- 166.
Nord-Somaliland und Hauaschgebiet.
Blanford Zoology Abyssinia 1870 p. 419 — Antinori & Sal- vadori Ann. Mus. Genova 1873 p. 496 — Salvadori Ann. Mus. (enova 1884 p. 209; 1888 p. 205 — Phillips Ibis 1898 p. 424.
Nach Vergleich der auf meiner Reise in Nord-Ost-Afrika
‚gesammelten Exemplare dieser Art untereinander und mit solchen ‚des Berl. Mus. aus Abessinien ergibt sich, dass sich unter den Exemplaren von meiner Expedition 2 zoogeographische Formen
befinden, welche sich einander vertreten.
Pterocles lichtensteini lichtensteini trafen wir häufig im nörd- lichen Somaliland auf der Strecke von Zeyla nach Harar. Schon Heuelin spricht von seinem häufigen Vorkommen im Gebiete der
Jssa-Somali. Ein Stück wurde während unseres Aufenthaltes im Sultanat Lahadsch,: Hinterland von Aden bei El-Hota gesammelt. Dieses Exemplar, © 27. Dezember 1899, unterscheidet sich von
den im nördlichen Somaliland gesammelten Stücken durch den
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sehr hellen Ton im Gefieder, was, zumal auf der Unterseite dra- stiich zum Vorschein kommt. Da mir aus Arabien nur dieses eine Stück vorliegt, so kann ich nur die Vermutung aussprechen, dass die arabischen Pterocles lichtensteini eine 3. zoogeographische Form bilden. Jedoch bleibt die Entscheidung dieser interessanten Frage an der Hand grösseren arabischen Materials vorbehalten.
Verbreitungsgebiet: Nord-Abessinien, Nord-Somaliland. (? Aden & Hinterland).
Liest mir vor in 6 Exemplaren des Berl. Mus., Sammler Hemprich & Ehrenberg, Abessinien, Nubien, Ambukol dd 2228 11437 — 11442, ferner in 4 von uns bei Artu, Nord-Somaliland, auf der Strecke Zeyla-Djeldessa gesammelten Jg und einem © 22. Febr.—1. März 1900 und einem nicht typischen @ aus EI- Hota, Süd-Arabien, 27. Dez. 1899.
Im Nord-Somaliland beobachtete ich häufig grössere Flüge dieser Pterocles; jedoch waren sie meist sehr scheu und kam man nur in den seltensten Fällen auf Schussweite heran. Ein anderer Umstand machte die Jagd auf diese Vögel schwierig, da sie in der Akaziensteppe öfters sich an die Erde drückend zu verbergen suchten, wobei ihre Schutzfärbung ihnen sehr zu statten kam, denn man übersah sie fast regelmässig. Sie strichen dann stets unverhofft auf. Einigemale konnte man auch die Wahrnehmung machen, dass einzelne Pärchen über den Kara- wanenpfad hinwegliefen und sich weniger scheu und vorsichtig benahmen.
Am sichersten und erfolgreichsten ist die Jagd, wenn man einen Wasserplatz ausfindig gemacht hat, woselbst diese Hühner allabendlich in grossen Scharen zur Tränke eilen.
Die 2. von uns gesammelte zoogeographische Form stammt aus dem Süd-Somaliland, ich nenne diese:
Pterocles lichtensteini hyperythrus Erl. (Hierzu Tafel).
SalvadoriMem. Acc. Torino 1894 p. 561. Pterocles lichtensteinv.
Diagnosis: Unterscheidet sich von FPfterocles lichtensteini lichtensteini durch den helleren, rötlichgelben Ton im Gefieder, was besonders bei den Männchen stark hervortritt. Der Kehlifleck, welcher bei der typischen Form und nur bei ganz alten Exem- plaren hervortritt, ist bei der Form „Ayperythrus“ sehr ausge- prägt. einfarbig rötlichgelb wie der Kropf. Der obere Teil des Kropfes, Halsseiten und Nacken, welche bei den Männchen der typischen Form schwarz- & bräunlich-grauweiss gebändert sind, sind bei „hyperythrus‘ schwarz- & rötlichgelb gebändert, auf der Kehle bildet diese Bänderung zwischen der einfarbig rötlichgelben Kehle und unterem Teile des Kropfes und der Brust’ nur ein schmales Band, während dieses bei der typischen Form sehr breit ist und den ganzen Hals und fast die ganze obere Hälfte des Kropfes einnimmt.
Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas. 95
Iris braun, Augenring grünlichgelb, Schnabel trübgelb, Füsse citronengelb.
Verbreitungsgebiet: Süd-Somaliland (? Wituland ?)
Typus 9 Fluss Daua, Süd-Somaliland. 2. Mai 1901.
g Karo-Lola (Land der Garre-Liwin). 3. Mai 1901.
Ferner wurden noch folgende Exemplare gesammelt:
g Karo-Lola, Süd-Somaliland. Land der Garre-Liwin. 3. Mai 1901.
g med. Dolo, Fluss Daua. Süd-Somaliland. 30. April 1901.
J iuv. b2) „ ” „ „ 29. „ ”
Pullus. „ ” ” „ „ 27. ” 2)
Ein bei Kata am Fluss Mane, Land der Gurra, 3. April 1901 gesammeltes Männchen ähnelt sehr den Exemplaren der Form hyperyihrus, ist aber nicht ganz typisch und bildet einen Übergang zur typischen Form des Nord-Somalilandes, was auch in zoogeographischer Hinsicht sehr einleuchtend ist.
Pterocles quadricinctus Temm.
Finsch & Hartlaub Ost-Afr. 1870 p. 564. Anm. — Heuglin N. O.-Afr. II. 1873 p. 867. Pterocles tricinctus. Reichenow Vögel Afr. I 1900—01. p. 313. Pf. quadri- cinctus. Abessinien.
O. Grant Ibis. 1900. p. 334. Pterocles quadricinctus. Dieser Art bin ich auf meiner Expedition nur am Abaya- - See begegnet und es gelang mir, von 4 Exemplaren, die an’s
Wasser kamen, 2 zu erlegen. Ausser diesem einen Mal habe ich diese Art wissentlich nie zu Gesicht bekommen.
gg Abaya-See, 30. Dez. 1900.
Verbreitungsgebiet: Senegambien, Nord-Ost-Afrika. (süd- schoanisches Seen- Gebiet.)
Pteroclurus exustus somalicus (Hart.)
| Hartert Nov. Zool. 1900 p. 28 — Reichenow Vögel Afr. -1900—01 p. 318. . Somaliland.
2 Salvadori Mem, Acc. Torino 1894. p. 551 — Sharpe Proc. Zool. Soc. 1895. p. 519. Pteroclurus exustus. E Von dieser Form sammelte ich 3 Exemplare im Süd-Somali- "land. Leider befindet sich kein altes Männchen darunter, sondern nur eines im Jugendkleid, dessen Testikel jedoch sehr stark ent- ‚wickelt waren, wodurch anzunehmen ist, dass der Vogel zur _ Fortpflanzung geschritten war. Der Typus der Form, nach dem Hartert den Somalivogel von der ostafrikanischen typischen Form abgetrennt hat, stammt aus _ Milmil, leg. Donaldson-Smith.
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